AW: Die gegenwärtige Flüchtlings- und Asylproblematik
Es hat seine Gründe, warum sich die Menschheit über die Jahrhunderte/Jahrtausende so auf der Welt verteilt hat, wie man es heute vorfindet.
Wäre ein wildes Durcheinander aller Kulturen, Glaubensrichtungen und Ansichten der gesunde und natürliche Weg, dann hätte es sich biologisch und historisch auch so ergeben.
Damit beschreibst Du den Status Quo. Es gab immer gravierende Wendepunkte in der menschlichen Entwicklung. Der wichtigste war vor 10.000 die Neolithische Revolution. Alles wurde verändert, alles aufgegeben und die unterschiedlichen Gruppen waren alles andere als Freunde. Dabei sind die Menschen genetisch immer dieselben geblieben. Nichts unterscheidet uns heute von der Population vor 15.000 Jahren und die Menschen weltweit haben und hatten immer nur minimale Unterschiede. Es gab immer sehr großen Austausch, wobei komischerweise Frauen weiter reisten als Männer, was man an Verbreitung von Varianten des Y-Chromosoms zu Mitochondrien sieht. Ich hätte etwas anderes erwartet.
Der nächste gewaltige Schritt war die Einführung von Monotheistischen Religionen, auch das gab wieder Mord und Totschlag, danach kamen anerkannte Rechtssysteme, die für alle mehr oder weniger Sicherheit schafften. Das sind alles uralte Dinge, die zur Zeit nur minimal weiterentwickelt werden. Die Menschheit verändert sich nicht genetisch, die Menschheit verändert sich ausschließlich durch Kultur. Die ist natürlich alles andere als statisch. Wir entwickelten uns von Horden, zu Gruppen, zu Stämmen zu Nationen. Dabei sind trotzdem weiterhin alle archaischen Formen vorhanden, natürlich ziehen Menschen in Horden durch die Gegend und rauben, plündern, vergewaltigen. Der Anteil der Gewaltbereiten hat sich aber kaum geändert. Diese Menschen gibt es und wir sollten uns von ihnen nicht unsere Kultur kaputt machen lassen.
Ich hatte gehofft, zumindest wir in Europa wären für den nächsten Schritt bereit. Die Überwindung nationaler Grenzen hat in der EU begonnen, die Weltsprache ist heute Englisch und man kommt damit ziemlich gut in de Welt rum. Wir stehen jetzt vor der Bewährungsprobe, ungefähr da, wo das römische Reich vor der Völkerwanderung stand. Wir können mit Gewalt die Grenzen sichern, erfahrungsgemäß klappt das nicht dauerhaft, oder wir ändern Grundlegendes im Zusammenleben. Dazu gehört extreme Toleranz, die natürlich alle aufbringen müssen und das fällt vielen Asylanten schwer.
Dein Beispiel Neukölln ist doch sehr gut. In einer fortschrittlichen Kultur nistest sich eine Gruppe, vielleicht ein Stamm, einer weit zurückgebliebenen Kultur ein. Der Fehler liegt darin, diese Menschen nicht zu integrieren und zu assilimieren, sondern ihnen ihre selbstgewählten Ghettos zu lassen. Die gibt es übrigens unter Deutschen genauso. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, hatten wir in unserer Kleinstadt eine absolute No Go Area, und das in den späten sechzigern und frühen siebzigern. Wäre ich da reingefahren, wäre ich sofort verprügelt worden. Mit einem Schulfreund aus der Gegend hatte man "sicheren Geleitschutz". Und das mitten in Deutschland unter Deutschen. Schon damals wurden die Augen zu gemacht und es wurde erlaubt, anders zu leben.
Wir alle sind im tiefen Herzen noch Jäger und Sammler. Das war die Gruppe der Homo die letzten drei Millionen Jahre lang und auch der moderen Homo Sapiens Sapiens, der seit gut hunderttausend Jahren auftritt, war 90.000 Jahre lang glücklicher Jäger und Sammler. Das war das überall beschriebene Paradies. Dagegen ist der Ackerbau extrem beschwerlich, die Lebenserwartung ging durch einseitige Ernährung und Krankheiten dramatisch zurück, die Menschen wurden kleiner. Auch heute noch kann man in unserer Kultur Menschen, die durch Diebstahl und Raub überleben, als Jäger und Sammler bezeichen. Eine Kultur verhindert so ein Verhalten durch Verbote, Überwachung und Bestrafung. Wir brauchen keine abgesicherten Grenzen, wir brauchen mehr Polizei und weniger Tolerenz, geht es um Verletzungen der Gesetze.
Neukölln ist da. Daran sind nicht die neuen Flüchtlinge schuld. Wir sind schuld, weil wir es dulden und nicht verhindern. Die Politik hat sich gegenüber Gastarbeiten früher und Asylanten heute immer extrem ungeschickt verhalten. Auch die Gastarbeiter früher wurden extrem diskriminiert, wenn ich an erste "Spaghettifresser" in meiner Grundschule zurückdenke, die extreme Demütigung erleben mussten. Heute, drei Generationen später haben wir die Leute integriert und freuen uns über viellältiges Essen und weniger gestresste mediterane Kultur. Niemand würde heute Italiener noch abfällig so bezeichnen.
Wir werden uns abschotten, wie es die Römer versuchten und wir werden daran untergehen, weil es zu teuer ist. Das ist meine Prognose. Und ich sehe in ganz Europa wachsenden Unmut, wirtschaftliche Armut etc. Das Verhalten gegenüber den Flüchtlingen ist nur eines der großen Themen, die aktuell gelöst werden müssen. Ob wir kulturell weiterkommen oder uns wieder gegenseitig die Köpfe einschlagen, werden wir erleben. Ich sehe nur, dass viele Entwicklungen der letzten fünfzig Jahre vermutlich zu schnell waren und der Mob das Rad zurückdrehen wird. Das erlebt man in Foren z.B. zum Thema Feminismus, in dem auch die alten konservativen Kräfte wieder an Macht gewinnen. Offen trauen sich die Männer noch nicht, ihre Haltung zu formulieren, aber im Netz liesst man erschreckendes.
Wir müssen bei dieser ganzen Diskussion nur aufpassen, dass wir uns nicht gegeneinander zerfleischen. Wenn ich hier zum Beispiel bestimmte Aussagen als "braune Kacke" bezeichne, dann soll das niemanden persönlich angreifen, weil ich jeden Menschen so akzeptiere, wie er ist, sondern nur die Augen öffnen, was hinter solchen Aussagen steht. Wohin die "braune Kacke" führte, haben wir erlebt. Und ich sehe in Europa einige Nationen da dem Punkt, an dem Deutschland in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts war. Wie es sich entwickeln wird, werden wir erleben, aber meine Hoffnung auf offenes friedliches miteinander schrumpft.
Ich lasse mich gerne als naiv, idealistisch oder linksversifften Gutmenschen einstufen, aber meine Hoffnung auf friedliches und weiterbringendes Zusammenleben stirbt zuletzt. In diesem Sinne allen ein frohes, ruhiges und entspannendes Wochenende