AW: Die gegenwärtige Flüchtlings- und Asylproblematik
Dir ist schon bewusst, das unser Sozialsystem Umlagenfinanziert ist - oder?
Damit wird schon seit Jahrzehnten Politik gemacht und Angst erzeugt. Unser Sozialsystem hat eigentlich nur ein Problem: Seit Jahrzehnten verteilen Politiker Geschenke, die von den Sozialversicherungen bezahlt werden müssen.
Mal zum Nachdenken: in der Kommission, die damals unter Schröder die Riesterrente entwickelt hat, gab es nur ein einziges Mitglied, das keine Verbindungen zur Versicherungswirtschaft hatte. Schau mal hier, wer Walter Riester viel Geld bezahlt
http://www.abgeordnetenwatch.de/walter_riester-650-5818.html (Nebeneinkünfte). Seine Rente hat er bei Union Investment bekommen. Als gelernter Fliesenleger und Parteifunktionär nicht schlecht.
Achso, leider hatte die Kommission zur Berechnung der zukünftigen Einnahmen der Rentenversicherung ganz vergessen, das Produktivitätswachstum einzukalkulieren. Jetzt kann man natürlich sagen, wer soll wissen, wie die Produktivität wächst, ist auch nicht ganz falsch, aber Produktivitätswachstum ist die einzige Ressource, die wir in Deutschland haben. Keinen nennenswerten Mengen an Öl, Gas, Gold, sonstwas. Deutschland ist im übertragenen Sinne Tot, wenn es kein Produktivitätswachstum mehr gibt. Wenn man die Einnahmen der Rentenversicherung bis z.B. 2050 hochrechnet, ergeben sich unter Berücksichtigung der Produktivitätssteigerung oder eben auch bei Nichtbeachtung zwei grundsätzlich unterschiedle Szenarien. Das eine könnte man mit einer postnuklearen Apokalypse vergleichten - auf dieser Basis werden in Regel private Rentenverträge verkauft - oder ein Szenario, das auch bei genauerer Betrachtung eigentlich keine größeren Probleme aufzeigt. Bitte nicht vergessen, die Politik arbeitet gerade daran, die Garantieverzinsung für kapitalbildende Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen faktisch abzuschaffen. Na, merkst was?
Das führt auch schon zum nächsten Punkt. Wenn wir immer weiter Produktivitätswachstum haben, werden auch immer weniger Arbeitnehmer für die gleiche Produktion gebraucht. Ein Prozess , den wir heute schon gut verfolgen können. Früher gab es für die ungelernten immer noch Arbeit im Lage, mal den Hof fegen, oder im Schreibbüro. Diese Jobs sind ersatzlos weggefallen, wie Du sicherlich weisst, bilden die ungelernten den Stamm unserer Arbeitslosen.
So, dieser Thread hat aber ein anderes Thema. Flüchtlinge. Da muss man jetzt unterscheiden, es gibt asylberechtigte Flüchtlinge und die sogenannten "Wirtschaftsflüchtlinge". Ich kann aus beiden Gruppen alle, die hier hin kommen, verstehen. Wenn mir jemand Bomben auf das Haus wirft, würde ich auch abhauen. Und wenn ich in einem Land lebe, in dem es auch ohne Bomben keinerlei Perspektive für mich gäbe, würde ich schauen, wo ich bessere Möglichkeiten für mich sehe.
Asyl ist ein Menschenrecht. Damit ist diese Gruppe schon mal erledigt. In der Handhabung gibt es noch viel zu verbesseren, die dürfen bleiben, müssen also schnell integriert werden. Schule für die Kinder, Arbeitserlaubnis für die Erwachsenen. Die bleiben erstmal hier. Ich würde auch für diese Gruppe eine "amerikanische" Lösung wünschen. Wenn sie dann ein paar Jahre hier sind und 5 Jahre sich Ihre Brötchen selbst verdient haben und nicht straffällig geworden sind, unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Und das Angebot, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Wie soll man sonst diese Menschen integrieren, wenn man Ihnen keine Perspektive bietet? Ich find es auch immer wieder Klasse, wie heute Leute, die damals während des Jugoslawienkrieges nach Deutschland gekommen sind, abgeschoben werden, obwohl sie hier mit Job, Leben, Sprache super integriert sind.
So, Gruppe Wirtschaftsflüchtlinge. Hier würde ich eher über Einwanderung reden. Und Einwanderungsregeln sind egoistisch. Sie sollen dem Einwanderungsland dienen. Die klassischen Einwanderungsländer haben z.B. Quotenregelungen für einzelne Nationen, um erstmal eine gute Mischung hinzubekommen. Dann bewirbt man sich für die Einwanderung, Ausbildung ist von Vorteil, für bestimmte Berufe gibt es Vorzugsregelungen. Gelernte deutsche Bauarbeiter sind z.B. in vielen Ländern der Welt begehrt, Kanada, Australien aber auch Norwegen. So ein Ausbildungssystem gibt es nämlich in kaum einem anderen Land. Und überall ist es so: wer es erstmal illegal versucht hat, wird für einige Jahre gesperrt. Leider keine Perspektive für die vielen Glücksritter aus Afrika. Aber wie gesagt, Einwanderungspolitik ist immer egoistisch. Im Iran gibt es eine ganze Generation junger, gut ausgebildeter Menschen. Die haben nur ein Ziel: raus aus dem Iran und in Freiheit leben. Das wäre z.B. eine Klientel, die man ansprechen würde.
Aber eine ungelenkte, zügellose Zuwanderung dient nicht unseren umlagefinanzierten Sozialsystemen. Deutschland muss da auch noch viel lernen. Vielleicht erinnerst Du Dich an die vielen arbeitslosen jungen Spanier, die Perspektiven gesucht haben. z.B. in Deutschland in der Altenpflege. Viele sind gekommen, viele sind wieder gegangen. Sittenwidrige Arbeitsverträge, kein Tariflohn, nur ausnutzen. Die meisten haben sich den Ärger mit Klagen und Gerichten gespart und sind wieder nach Spanien zurückgegangen. Das war schon mal der Versuch einer gesteuerten Zuwanderungen. Mit Pauken und Trompeten gescheitert.