AW: Die gegenwärtige Flüchtlings- und Asylproblematik
Ich habe keine Ahnung, wie groß die Pufferzone zwischen den Ländergrenzen ist. Aber ich nehme an, dass Lager mit zigtausenden Flüchtlingen nicht in diese Pufferzonen passen. Ergo sind sie dann doch in irgendeinem Land und nicht vor einer Grenze.
Per Definition müsste es keinerlei Zwischenraum geben. (Sonst könnte ja jeder in diesem nicht beanspruchten Land einen neuen Staat gründen.) Das sogenannte "Niemansland" außerhalb von Grenzbefestigungen befindet sich, so vorhanden, normalerweise auf dem Territorium des jeweiligen Landes. Man baut einen Zaun halt nicht genau am Rand des eigenen Landes, sondern lässt ein paar Meter davor frei - und sei es nur, um den Zaun von beiden Seiten warten zu können und eine Überwucherung zu verhindern.
Innerhalb des Schengen-Raumes dürften aber selbst diese Streifen verschwunden sein. Eine Unterbringung von Flüchtlingen ist also nur auf normalen Staatsterritorium möglich und da hat man dann die Wahl:
a) Eine komplett neue Infrastruktur am Arsch der Welt aus dem Boden stampfen und sämtliche Versorgungsgüter sowie Personal über größere Entfernungen heran karren (letztere täglich)
b) Die Flüchtlingslager da platzieren, wo Behörden, Infrastruktur, etc. eh schon vorhanden sind.
Ersteres ist aus Sicht fremdenfeindlicher natürlich attraktiver, man könnte ja sonst Gefahr laufen, einen Ausländer (IIIIIiiiiii!) zu sehen. Aber derzeit haben wir schon großes Probleme, letzteres finanziell und institutionell umzuetzen, da ja fast alle Ressourcen für Bankenrettung, Wirtschaftslobby & Co vergeben sind
Für mich steht da:
Wer seit 49 zugewandert ist, wer hier als Ausländer geboren wurde und wer als deutscher geboren wurde, aber mindestens ein Elternteil hat, das entweder als Ausländer hier geboren ist, oder zugewandert ist.
Also nur die aktuelle Person, oder die direkte Vorgängergeneration betreffend.
Klingt im ersten Moment so als ob alle die irgendwie mal was mit Einreise zu tun hatten, auch Migrationshintergrund haben, aber...
Das bedeutet auch, dass wenn beispielsweise jemand 1950 aus der Türkei als Arbeiter her kam, hier die Staatsbürgerschaft bekommen und Kinder gezeugt hat und diese jetzt wieder Kinder, dann haben letztere keinen Migrationshintergrund mehr, selbst wenn sich die Familie vielleicht nie richtig integriert, den Kindern kein Deutsch beigebracht und sie quasi in einer Parallelwelt nach alten türkischen Maßstäben aufgezogen hat.
Ist sicherlich die Ausnahme, das ist klar, aber solches in der Überlegung zu ignorieren wäre auch falsch. Selbst habe ich erst zwei Menschen kennengelernt auf die das zutrifft. Einen hier in meiner Gegend und einen in Dortmund. Aber diese Personen haben nach dieser Regelung keinen Migrationshintergrund mehr.
Auch irgendwie komisch, der Gedanke.
Komisch ist vor allen Dingen, wie hier Analysen über Einwanderer der letzten 65 Jahre genutzt werden, um (ohne auch nur den kleinsten Blick auf Ausgangssituationen, Mechanismen und deren Übertragbarkeit zu werfen) Schlüsse über Menschen zu ziehen, die vor 65 Monaten noch ein glückliches Leben in einem aufstrebenden, friedlichen (autokratischen) Staat in Vorderarsien führten.
Das Hirn einiger Leute ist wohl schon am Limit, wenn es die Welt(-geschichte) in "wir" und "Ausländer" differenziert hat...