Alan Wake 2
Weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Vorneweg für mich ist das Game ein Ausnahmewerk. Remedys Opus Magnum. Wie hier Remedy die Story inszeniert ist einfach nur Kunst - was sehr meta ist, denn Kunst ist auch eine der großen Themenkomplexe dieses Games. Sowohl Optik, Lichteffekte, Gameplaymechaniken, Texte, und Soundtrack vermitteln die Story auf eine höchst anspruchsvolle und kreative Art, die man heutzutage eher vom Indie Bereich kennt. Wer hier vielleicht 08/15 Baukasten-Prinzip erwartet, wird ziemlich irritiert sein. Alan Wake 2 ist alles andere als Standardkost.
Das ganze Game hindurch hatte ich wohlige Retrofeelings, weil es nahezu die gesamte Mystery/Horror-Sparte der 80/90er Jahre abdeckt. Ich habe Anleihen aus Twin Peaks, Twillight Zone, Stephen Kings Shining, Evil Dead, Akte X, Blair Witch Project, Fight Club und Noir-Filme wiedererkannt.
Und dann ist es auch noch eine Ode an Heavy Metal der 80er
Ansonsten ist die Story wirklich sehr konfus, was ich jedoch Remedy hoch anrechne. Das Game ist keine leichte Kost und orientiert sich an großen Theorien der Psychologie, wie das kollektive Bewusstsein, C. J. Jungs Schatten der Persönlichkeit und andere Themen.
Es ist wirklich mutig, dass Remedy hier eine Story konzipiert hat, die vielleicht viele Gamer nicht so leicht verstehen werden, da sie wirklich sehr tief geht. Und ich gebe zu, dass ich auch nicht alles wirklich verstanden habe. Jedoch scheint sich auch hier Remedy an Stephen Kings berühmten Satz "Der wahre Horror ist das Unerklärliche" orientiert. Dadurch, dass Dinge offen gelassen oder nicht eindeutig erklärt werden, zwingt es deinen Kopf darüber nachzudenken. Ein sehr wirkmächtiges Instrument im Storytelling!
Ich habe mit einem User privat sehr viel über das Spiel gesprochen und es führte sogar dazu, dass wir über unsere eigenen persönlichen Ängste etc sprachen. So etwas hat ein Game bis dato noch nie in der Intensivität geschafft.
Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass die Thematiken des Games teilweise auch so verstörend in der gesamten Inszenierung waren, dass ich paar male den Controller weglegt habe, weil es mir irgendwie zu viel wurde.
Es wird zwar hier und da aufgelockert, durch Remedys weirden Humor, was manchmal wirklich sehr köstlich ist, aber der düstere Grundton des Games bleibt natürlich stets präsent, da es das Psycho-Horror Genre bedienen möchte. Das schafft es meiner Meinung nach zu 100%. Die Atmosphäre ist durchgehend dicht und spannend.
Ein Game, was mich nicht so schnell loslässt.
10/10