Ich hab mir mal zwei Tage lang Cult of the Lamb gegeben. Grundsätzlich funktioniert das Spiel mit all seinen Elementen, mit einer Mischung aus Kampf und Basisbau recht gut, aber leider merkt man viel zu oft an, dass Dinge nicht zu Ende gedacht wurden. Das Hochstufen der Mitglieder läuft gerade zum Ende hin viel zu langsam ab, um Nutzen aus neuen Mitgliedern zu ziehen. Was nützen mir 700 Beeren im Inventar, wenn ich jede Mahlzeit mühsam einzeln kochen muss – warum kann ich keinen "Koch" einstellen? Das "Einstellen" neuer Mitglieder ist ebenfalls mühsam, ich muss jeden für sich allein aktivieren und ihm dann noch eine Aufgabe geben – warum werden neue Mitglieder nicht einfach automatisch integriert, wenn die Aufgaben ohnehin automatisch verteilt werden?
Im Kampf stört mich, dass Feinde offenbar mit meinen Waffen skalieren. Es ist egal, wie stark meine Waffe ist, ich brauche grundsätzlich drei bis fünf Schläge für einen Gegner (außer mit dem Hammer, da sind es zwei bis drei, doch der ist selten). Manche Bosse sind eine Beschäftigungstherapie, andere viel zu schwer. Die meisten Räume sehen gleich aus, es fehlt an Abwechselung. Die Tarotkarten sind eine nette Ergänzung, doch viele von ihnen sind einfach unnütz ("erhalte ein halbes blaues Herz", oh wow). Die Anlehnung an das Kampfsystem von Binding of Isaac ist offensichtlich, doch leider schlecht geklaut, da einfach das "Chaos" fehlt.
Ich habe den Eindruck, dass dieses Spiel mit nur einem Jahr weiterer Entwicklungszeit ein Meisterwerk hätte werden können. Dass das eigene Dorf weiter "lebt", während man auf Raubzügen ist, motiviert nämlich, da man ständig zwischen egoistischen, weiterem Reichtum und dem Wohl seiner Einwohner abwägen muss – diese verhungern schlicht, wenn ich zu lange weg bin. Letzteren kann man somit ein guter Anführer sein und sie belohnen, oder sie bestrafen und opfern (oder einfach leiden lassen). Aber da man später tote Mitglieder einfach wiederbeleben kann, spielt es nahezu keine Rolle, was ich mit ihnen mache. Es gibt keine echten Konsequenzen. Da auch der Tod des eigenen Chars keine Nachteile mit sich bringt, fühlt sich das Spiel nach einer Zeit recht anspruchslos an. Entscheidungen muss man überhaupt nur bei der Wahl der Rituale treffen, doch ich hatte nicht den Eindruck, dass ich durch diese Wahl etwas verpasst hätte. Ich gebe Cult of the Lamb eine 6 von 10.