Mein Augenmerk lag weniger auf Betriebssicherheit als darauf, dass das Teil über weite Strecken seiner Fahrt unbemerkt bleiben muss, bis es in Zielreichweite ist. Da wäre es eher unpraktisch, wenn es jeder Satellit mit Wärmebildkamera schon beim Abschuss/Auslaufen auf dem Schirm hat.
Aber ja, auch der Schutz von Personal ist ein Punkt, schließlich wird Kanyon per U-Boot transportiert. Und egal, was man so in schlechten Filmen sieht, auch Russland möchte seine teuer ausgebildeten Crews möglichst lange behalten und nicht für den Transport eines Zäpfchens opfern.
Wärmebildkameras haben durch Wasser nur eine sehr geringe Reichweite, ein paar 100 m Salzwasser schirmen auch sonstige Radioaktivität ganz gut ab. Ich glaube, wie gesagt, dass die Dinger trotzdem gut geschützt sind, einfach weil sich "massiver Strahlenschutz" und "massiver Druckkörper" ziemlich gut kombinieren lassen, aber wenn man den Reaktor mit hoch aufgereinigten Isotopen bestückt, sodass er in Ruhe/bei Transport und Wartung kaum Gammastrahlen abgibt, könnte man tatsächlich darauf verzichten. Die U-gestützten Nuklearwaffen haben ja auch nur eine minimale Abschirmung, weil sie bis zur Aktivierung nur schwache Alphastrahler sind, gegen die schon die mechanisch nötige Verpackung reicht.
Wobei die Drohne dann selbst bei Erreichen von 200 km/h (Was schon aufgrund der Bauform eher optimistisch ist ...) immer noch rund eine Stunde lärmend mit äußerster Fahrt unterwegs sein muss. Das ist ein Fest für jede moderne U-Boot-Abwehr.
Weiß ich nicht. Wie flächendeckend ist denn die moderne U-Abwehr? Und wie viele ihrer Waffen kann sie gegen ein so schnelles Ziel überhaupt einsetzen? Wenn das Ding in der Lage ist, seinerseits die Gegenwart von U-Jägern zu erkennen, könnte es solange langsam bleiben, bis entdeckt wurde bzw. davon ausgehen muss, dass es entdeckt wurde. Da Flugzeuge und Schiffe nur einen Bruchteil des Gewässer gleichzeitig beachten können, geschieht das möglicherweise erst kurz vor dem Ziel.
Und womit willst du es dann bekämpfen? Alle bordgestützten Waffen fallen aus, weil dein bord vermutlich zuweit weg ist und keine Chance hat, Abstand aufzuholen. Aus der Luft abgeworfene Wasserbomben werden schwierig, weil sie eine gewisse Zeit zum Absinken brauchen, bei so hoher Geschwindigkeit also weit vorm Ziel abgeworfen werden müssen. Das Ding wird aber Haken schlagen und schon brauchst du mehrere Lufteinheiten, um einen ganze Sperrlinie auszulegen und die müssen soweit vor dem Ziel fliegen, dass sie es selbst schon nicht mehr in Sicht haben. Auch aus der Reichweite abgeworfener Sonarbojen wird es sich schnell entfernen. Ein Abfangmanöver ist so zwar nicht unmöglich, erfordert aber das korrdinierte Vorgehen von möglicherweise vier oder mehr Lufteinheiten - das ist eine ziemliche Herausforderung für eine U-Jagdschiff, das nur zwei Hubschrauber dabei hat

. Und bislang hat zumindest Deutschland keine Überschall-U-Jäger im Einsatz, die schnell aushelfen könnten. Bleiben noch zielsuchende Torpedos, egal ob mittels Rakete oder Fluggerät in die Nähe gebracht. Die sind aber daraus ausgelegt, sich auf die Schraubengeräusche auszurichten - und zu langsam, um überhaupt von hinten angreifen zu können. Selbst mit einem besseren Zielsuchsystem muss man erst einmal ein gleich schnelles oder schnelleres Objekt von vorne abfangen können, ein Torpedo ist ja nicht so wendig wie eine Rakete. Ingesamt würde ich eine Situation wie bei Teilen der DDR-Luftabwehr in den 60ern/70ern erwarten: Die hatte auch nur eine Chance gehabt, einem anfliegenden NATO-Angreifer von vorne eine reinzupfeffern und dann hätte sie ihm nur noch nachwinken können.
Eine Punktverteilung z.B. eines Verbandes ist gegen das System dennoch relativ leicht möglich, weil das Erfassungsnetz dicht ist. Aber als Zweitschlagswaffe vor längeren Küsten würde ich es schon als Herausforderung bezeichnen, die gerade im Falle der USA viel Ressourcen binden dürfte.
Nicht vergessen, das Ganze ist zwar dem Wesen nach ein Torpedo, dem Format nach aber eher ein schnelles Mini-U-Boot. Küstengestützte, fliegende U-Boot-Jagdeinheiten sind, wenn noch am Boden befindlich, binnen weniger Minuten einsatzbereit, bei höherem Verteidigungsbereitschaftszustand sogar permanent in der Luft. Einem Objekt, dass mindestens eine Stunde lang mit äußerster Fahrt läuft, kann man von Flugzeugen oder mittels ASROC so viel Zeug in die Bahn werfen, dass die doppelte oder sogar dreifache Höchstfahrt eines Jagd-U-Boots auch nichts mehr bringt. Von vor der Küste operierenden Schiffe, die zeitlich abgestimmt einen Vorhang aus Wasserbomben legen oder von torpedobestückten Seeminen ganz zu schweigen.
Die Schiffe werden Vorwarnzeiten von 2-3 Stunden brauchen, wenn sie genug Zeit für einen Abfangkurs haben sollen. Das kann gegen ein in Marschfahrt so schwer zu ortendendes Objekt wohl kaum garantiert werden. Das neuestes ASROC-System der US-Armee wird auf Wiki mit 22 km Reichweite angegeben. Das heißt allein die USA müssten 400 Stationierungspunkte (ob stationär an Land oder auf Schiffen, die auch mal in Häfen müssen, lasse ich offen) verteilen, um an ihrer gesamten Küste permanent für eine Notverteidigung bereit zu sein. Das entspricht beinahe der Gesamtzahl der gebauten Einheiten. Da der lahme Torpedo gegen ein so schnelles Ziel aber nicht mehr effektiv zielsuchend wäre, sondern praktisch einer raketengelegten Wasserbombe entspräche, sollte jeder Stützpunkt in der Lage sein, eine Salve von 10-20 Stück pro potentiellen Angreifer abzufeuern. (Das Teile der US-Küste keine Verteidigung wert sind, klammere ich mal aus. Umgekehrt muss man bei Prioritätszielen mit einem konzentrierten Mehrfachangriff rechnen und entsprechend mehr Feuerkapazität einplanen.)
100%ige Sicherheit gibt es natürlich nie, aber die Mär von der "unaufhaltbaren Superwaffe" sehe ich aus den vorliegenden Informationen eher nicht bestätigt. Optimistisch gesehen, ist es eine Abrundung des MAD-Arsenals.
Mehr sicherlich nicht. Weniger aber auch nicht, denn die MAD-Gegenmaßnahmen sind bislang gar nicht auf einen unterseeischen Anschleicher ausgelegt und die Anti-U-Konzepte wiederum nicht für den Gebiets-/Küstenschutz, sondern nur auf die Verteidigung von Überwassereinheiten. Russland schafft hier also ein zusätzliche Bedrohungsszenario, dass zwar technisch durchaus aufhaltbar wäre, aber nicht mit den bereits vorhandenen Systemen. Und das war letztlich immer die Wirkung von MAD-Rüstung: Man kann zwar dafür sorgen, dass man das schlimmste nicht mehr fürchten muss, aber das kostet einen dann auch was. Und da niemand ein unbegrenztes Militärbudget hat sind alle Mittel, die der Gegner in zusätzliche Verteidigung investieren muss, eine Schwächung seiner potentiellen Offensive.
Seit sich die Russen in den frühen 70ern mehrfach bis vor die US-Küste gepirscht haben, werden allerdings genau diese natürlichen Verstecke (Riffe, Gräben, Wracks etc.) besonders intensiv patrouilliert. Um so mehr bei höherer Verteidigungsbereitschaft.
Auch das mit dem Reaktor sehe ich kritisch. Die Stärke von Kanyon ist die Geschwindigkeit, andere Abwehrmittel hat es nicht. Ganz herunterfahren kann man den Reaktor also nicht. Auch ein auf Minimum arbeitender Reaktor braucht eine Pumpe, die um so hörbarer ist, da im Gegensatz zu einem herkömmlichen U-Boot viel weniger Material und Luft (!) als als Dämmschicht wirken.
Ich gehe davon aus, dass das Ding (auch) eine Strömungspumpe hat, aber die funktioniert eben nur, wenn es in Fahrt ist, jedoch nicht, wenn es irgendwo ankert.
Es gibt auch Reaktorkonzepte, die in (quasi-)abgeschalteten Zustand nur mittels Konvektion gekühlt werden. Und Russland arbeitet z.B. im erwähnten Projekt 1083.1 mit reichlich Batterien zusätzlich zu einem Reaktor (wie eindrucksvoll bewiesen wurde, als die Kiste nach Umstellung auf Li-Io einschließlich eines Teils der Crew abgefackelt ist), sodass sie die nötige Technik für ein kaltstartfähiges System in der Tasche haben. Ein großer Nachteil wäre, da hast du recht, dass dieses mehrere dutzend Minuten bräuchte, ehe seine einzige Verteidigungsmöglichkeit bereitstünde sprich bis es den Reaktor wieder laufen hat und mehr als ein paar Meilen mit ein paar Knoten zurücklegen kann. Aber ohne Crew kann es vorher nicht nur die Antriebsturbinen stillegen, sondern eben auch sämtliche Nebenaggregate, Generatoren, Pumpen, etc.. Es braucht keine Klimatisierung, keine Luftaufbereitung, keine Süßwassergewinnung, keine Gefrierlager, etc. die alle nur für 1-2 Stunden abgeschaltet werden können, sondern es wäre passiv überhaupt nicht mehr detektierbar. Einheiten, die sich mit aktivem Sonar nähern, könnte es (auch dank seiner fehlenden eigenen Geräuschsignatur) schon sehr früh erkennen, lange bevor es selbst erkennbar wird. Je nach Vorwarnzeit un breite des abgetasteten Streifens könnte der Schläfer dann entweder versuchen, mit Batteriekraft im rechten Winkel aus dem Suchstreifen zu fahren oder aber den Reaktor anschmeißen (wo aktiv gepingt wird, lauscht vermutlich gerade niemand passiv) und dann volle Kanne reiß aus nehmen. Es muss ja in angespannten Zeiten keine vollständige Flucht sein - solange einem niemand innerhalb der EWZ ein Netz auf den Kopf wirft, droht nicht einmal diplomatisches Fingerwedeln.
Auch hier gilt natürlich wieder: Technisch kann man das besser machen. Es gibt in der Ozeanographie akustische Systeme mit einer Reichweite (eine Strecke) von über 20000 km und einer Sendeleistung, die so gering ist, dass Wahlschützer zwar immer noch im Dreieck springen, aber selbst der deutsche Staat (mit Blick auf fossile Energieträger) ein Auge zudrückt. Auf dieser Basis ein LPI-Sonar zu entwickeln, dessen aktive Reichweite mindestens genauso groß ist wie seine Erkennbarkeit durch Gegner in einer ohnehin geräuschintensiven Umgebung, sollte leicht möglich sein. Aber: Das muss man jetzt eben erst einmal machen und in großer Zahl flächendeckend ausrollen, nur um sich vor 1-2 Dutzend gegnerische Waffen zu schützen. (Für die normale U-Boot-Jagd wäre so etwas sinnlos, da ein schwer zu erkenendes Sonar mitten auf dem offenen Meer immer noch eine offensichtliche, verdächtige Geräuschquelle an der eigentlich leeren Oberfläche ist.)
Wie schon geschrieben, ich denke nicht, dass das Teil deutlich billiger ist als ein atomgetriebenes Jagd-U-Boot. Verkleinerte Systeme, die obendrein noch wartungsfrei ausgelegt sein müssen, sind in aller Regel deutlich teurer als solche, die mehr Platz haben und die von einer Crew täglich betreut werden können. Und angesichts der Besoldung russicher Mannschaften glaube ich auch nicht, dass da viel eingespart werden kann.
Verkleinern ist eine Sache, weggelassen eine ganz andere. Guck dir mal an, wieviel Raum in einem U-Boot für Crew-Arbeitsplätze, Crew-Unterbrindung, Crew-Verpflegung, Crew-Wasser und -Abwasser sowie vor allem Klimatisierung & Co draufgeht. Das ist, gerade in dieser Größenklasse, schnell mal das halbe Boot. Mit Waffensystemen, die hier auf einen Gefechtskopf reduziert sind, bis zu drei Viertel. Umgekehrt werden am Atomreaktor aber wohl kaum/hoffentlich nenneswert Wartungsarbeiten während der Fahrt durchgeführt.
Ganz zu schweigen davon, dass Kanyon immer noch von U-Booten getartet werden soll, was - neben dem generellen technischen Stand autonomer Steuerungsysteme - schwer dagegen spricht, dass es überhaupt in der Lage ist, autark durch die Weltmeere zu navigieren.
Dazu gibt es wiedersprüchliche Angaben (wie sowieso fast alles außer dem Konzept "atomgetrieben, atombestückt, autonom" recht unklar ist. Ich würde nicht einmal darauf vertrauen, dass die verfügbaren Bildern tatsächlich das Waffensystem zeigen). Einige sprechen von mehreren Wochen Anfahrtstrecke, was transozeanische Reichweite bedeuten würde. Da sich Stecken von 1000 - 2000 km VIEL einfacher, VIEL billiger und vor allem VIEL leiser mit Batterien (notfalls Brennstoffzellen) bewerkstelligen lassen, würde ich das definitiv in Betracht ziehen. Jenseits von 500 km Entfernung und ohne eigene Messsysteme vor Ort wird es ohnehin schwierig, Drift auszugleichen, also muss das Ding irgend einen Weg haben, seinen Standort zu bestimmen, was auch wirklich keine Herausforderung ist. Sobald es das kann, kann es aber auch seinen eigenen Kurs planen. Die großen Schwierigkeiten autonomer Schiffe "wie gehe ich mit Sturm um?" "wie verindere ich Kollisionen?" und "wie rette ich Schiffbrüchige?" werden ja mit einfachen "njet" abgehandelt

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Das Teil ist rund 20 Meter lang und hat einen Durchmesser von rund zwei Metern und ist bis in die kleinste Ecke vollgestopft mit Technik, wiegt also auch entsprechend. Das kann man meines Erachtens nicht mal eben unter jeden Trawler pappen. Da kommen bereits nur wenige militärische Über- und Unterwasserboote in Betracht und die Zahl in Frage kommender, zivil anmutender Plattformen dürfte noch überschaubarer sein.
Das Ding ist in der Lage, in der Wassersäule zu schweben und autonom ein Ziel anzupeilen. Das könntest du unter ein Kanu packen. Einzige Anforderung für eine sinnvolle Startbasis: Deutlich breiter und etwas länger, damit man es darunter nicht sieht und idealerweise stark genug, um es mitzuziehen, damit man die Geräuschsignatur des Reaktors einsparen kann. (Alternativ: Frachtraum, der lang und breit genug ist und Ladegeschirr, das tragfähig genug ist. Auch das bieten gar nicht mal so wenige Schiffe und selbst einige Fischverarbeiter kämen tatsächlich dank Heckrampe in Frage, auch wenn man sich dann natürlich nicht kontrollieren lassen darf.)
Ein nicht zu großes Trägerschiff ist sogar von Vorteil, schließlich hat man mit Fracht 2-3 m mehr Tiefgang und, wenn man ganz ohne Umbauarbeiten auskommen will, ggf. das Echolot blockiert.
Alles, was mir da als Option einfällt, könnte man genauso einfach als getarnten Raketenträger einsetzen, der dann nicht nur einen Kernsprengkopf mit (bestenfalls) 200 km/h, sondern mehrere mit der vier- bis fünffachen Geschwindigkeit und entsprechend reduzierter Vorwarnzeit in Ziel bringen würde.
Das wäre eine interessante Steigerung, ja. Allerdings braucht man für einen Raketenstarter weitaus komplexere Technik und hat eine weitere Fehlerquelle eingebunden, die normalerweise tatsächlich onboard überwacht wird. Die bislang veranschlagten 100 MT kriegst du außerdem auf keine bestehende Rakete, das wäre dann schon ein recht großer Mehrfachstarter - oder eher gesagt ein stink normales U-Boot, bei dem man die Crew weggelassen hat. Was, siehe oben, von der Platzökonomie her sehr sinnvoll ist, aber doch ein etwas anderes Format von Waffensystem mit deutlich anderen Eingeschaften. Z.B. hat man dann nicht mehr den Vorteil, leicht große Tauchtiefen realisieren zu können, man ist viel leichter zu orten und möglicherweise denken selbst Russen mal an so etwas wir Proliferation, wenn auch auf andere Art: So ein Ding zuverlässig abbzuwehren ist zwar schwer. Aber einmalig ein Exemplar wegzufischen ist nicht unmöglich. Da eine nukleare Selbstzerstörung bei außerplanmäßigen Vorkommnissen ... keinen internationalen Beifall bekommen dürfte ... muss man also mittelfristig davon ausgehen, eine Einheit an den CIA zu verlieren. Wenn da dann nur ein kompakter Reaktor und ein überdimensionierter Sprengkopf (sowie ein paar gegrillte Mikrochips) drin sind, ist das tollerabel. Aber einen Satz voll funktionsfähiger RSM-56 will man vielleicht so direkt in die gegnerische Labore liefern.
Das ist mal eine ziemlich ziemlich interessante Idee.
Deswegen bin ich hier: Weil militärische Technik fernab von "sinnvoll" oder "bezahlbar" einfach mal "machbar" ausprobiert

. Und das interessiert mich, extreme Technik. Nicht die Töterei dahinter. ("... aber manchmal traf ich London"

)
Tatsächlich bleibe das nicht ohne größere diplomatische Verwerfungen und um international als Forschungsgerät anerkannt zu werden (Behaupten kann man ja viel und es wurde bereits initial als Waffensystem angekündigt ...), müssten Sichtungen gestattet werden, die dann wohl doch etwas mehr über die Technik verraten würden, als der russischen Marine lieb sein kann.
Von der Antwort ganz zu schweigen. Da hätte man vermutlich eine Wiederholung der Kubakrise und am Ende ziehen dann lieber doch alle Seiten ihre Spielzeuge aus dem Vorgarten der jeweils Anderen zurück.
Haben die USA denn viel über Global Hawk verraten und den Russen ein Exemplar für detailierte Analyse/Demontage zur Verfügung gestellt? Ich denke nicht. Von dutzenden großen Satelliten, die jedes Jahr gestartet werden und die jeder einzelne eine orbitale Nuklearwaffe sein könnten, ganz zu schweigen. Natürlich würde es diplomatische Verwerfungen geben, wenn man so etwas groß ankündigt. Aber warum sollte man ein ozenographisches Forschungssystem großartig ankündigen? Ich wette, 99% der Leute hier wissen nicht, dass die US Navy autonome Drohnen für die Tiefseekartierung nutzt (die, so ganz nebenbei, groß genug für den Transport von Nuklearsprengköpfen wären). Sowas macht man einfach (genauso wie bewaffnete Drohnen auf einmal über Vorderasien flogen, ohne dass irgend jemand gefragt wurde und das war zumindest eine offensichtliche Verletzung des Luftraums). Praktischerweise liegt ja noch in der Natur der Sache, dass davon erst einmal kaum jemand etwas bemerkt. Hier mal eine Signatur, da mal ein Anzeichen - sicherlich würden die Indizien nach einer gewissen Zeit zahlreich werden. Aber was soll dann passieren? "Hallo Putin, wir haben den Eindruck, dass deine Marine häufiger nukleargetriebene Vehikel durch internationale Gewässer fahren lässt. Dabei wisst ihr doch genau, dass man Kampfplattformen nicht einfach so vor fremde Küsten schicken soll!!" "Kampfplattformen vor fremden Küsten? Sie müssen was mit US-Flugzeugträgern verwechseln. Wir haben nur Forschungssonden, aber die stören seit Jahren niemanden."
Es wäre natürlich eine Belastung der diplomatischen Beziehungen. Aber das ist vieles und die hier würde sich nicht mit einem besonderen Schockmoment hervortun. Verglichen mit der Ermordung politischer Feinde unter Gefährung weiterer Zivilisten mitten auf fremden Territorium, dem Abschuss von Zivilmaschinen in Friedenszeiten oder dem Einmarsch in und die Eingliederung von Teilen von Nachbarstaaten ist das diplomatisch eine Lapalie. Und nicht vergessen: Es muss ja nicht einmal das gleiche System sein. Es muss nur für westliche Ortungsgeräte so aussehen/sich so anhören. "Wir präsentieren: Lithiumionitsch, die komplett nuklerfrei angetriebene, neue Forschungsdrohne, mit aktiv wassergekühltem Elektroantrieb. Ehe sie für die nächsten Monate bei geringer Geschwindigkeit durch den Atlantik kriecht, darf jeder mal so genau hingucken, wie auch immer er will".