Immerhin sind sie damit bis nach Berlin gekommen, während es der größte Stratege aller Zeiten und seine Supertaktiker an der Ostfront gerade mal zu einem Debakel vor Stalingrad brachten.
Mal ernsthaft, die Rote Armee war tatsächlich erstaunlich gut dahin, aus einem Haufen Bauernjungen ohne nennenswerte Grundausbildung im Feld eine schlagkräftige Truppe zu schmieden. Die hohen Verluste entfallen überwiegend auf das erste Viertel des Konflikts zwischen Hitlerdeutschland und Stalinrussland, als der andere größte Stratege aller Zeiten (Selbstverständlich ebenfalls nur nach eigener Auffassung ...) noch meinte, man könne ja den Feind einfach durch Massen an jungen Soldaten erdrücken. Aus dieser Zeit stammen auch die abfälligen Berichte über dürftige militärische Fähigkeiten der Roten Armee. Die verringerten sich aber schon nach der Jelnja-Offensive rapide und verschwanden mit zunehmenden Vorrücken der Roten Armee komplett ins Märchenland der Wochenschau-Propaganda, der zufolge eine erfolgreiche deutsche Gegenoffensive nach der anderen durchgeführt wurde, während "der Russe" seltsamerweise trotzdem weiter nach Westen rückte. An der in diese Richtung wandernden Ostfront witzelte da schon niemand mehr.
Salve Mahoy,
ohne den Russen jetzt irgend etwas absprechen zu wollen, muss man das Ganze aber schon sehr differenziert betrachten und vor allen dingen auch die Hilfe mit einbeziehen, die sie seit dem Abschluss des 1. Moskauer Protokoll am 01.10.1941 erhalten haben, auch unter Lend Lease bekannt.
Die Zusagen des Protokolls für den Zeitraum
Okt41 bis Juni 1942, also für 9 Monate (bis zum erforderlichen Anschlußprotokoll):
1,5 Mio. Tonnen Weizen (Weizen-Bruttoernte UdSSR 1942 12,5 Mio Tonnen)
sowie Waren für 1 Milliarde $, darunter:
1.800 Flugzeuge (Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: etwa 12.000 Kampfflugzeeuge)
2.250 Panzer (Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: 7.700)
1.000 Flugabwehrgeschütze, darunter 152 90mm und 756 37mm ((Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: : 7.900)
5.000 Jeeps
85.000 Lastkraftwagen (die Gesamtproduktion der SU 1941-45 betrug 205.000 LKW, davon 150.000 für das Militär) (Gesamtbestand der Roten Armee an Fahrzeugen aller Art 1.1.42: 318.000)
108.000 Feldtelefone
562.000 Meilen Feld-Telefonkabel
9.000 Tonnen Panzerplatten (Gegenwert etwa 300 T-34)
30.000 Tonnen Sprengstoff Toluol und TNT
15.000 Tonnen Chemikalien
max. mögliche Anzahl Werkzeugmaschinen (industrielle Dreh-, Fräs-, Bohr- Pressmaschinen etc.), geliefert: 3.253 Stück
1.6 Mio. Paar Militärstiefel (für die Mobilisierung und den Neuaufbau der Roten Armee)
1 Mio. yards. Militärstoff
dazu kamen noch unvereinbart:
624 PSW,
rd. 100.000 MPi, (Gesamtbestand der Roten Armee 1.1.42: 173.000)
rd. 1000 Traktoren,
45.000 Tonnen Stacheldraht etc.
Die vereinbarten Waren wurden in den 9 Monaten fast sämtlich geliefert, abzüglich einiger Kriegsverluste auf dem Transport.
1. Militärisch
Du hast schon eine richtige Zusammenfassung gebracht, aber immerhin brauchte die Rote Armee mehr als 1 Jahr Lerneffekte, bis sie wirklich auf einer Höhe mit der damaligen Wehrmacht mitspielen konnte.
Am wichtigsten aber waren die LKW Lieferungen gleich zu Beginn des Jahres 1942, ohne die 85000 US LKWs wäre die Rote Armee fast vollkommen hilflos gewesen, da die UdSSR fast ihre gesammte motorisierte Produktion auf Panzer umgestellt hat. Nur Panzervorstöße ohne motorisierte Infantrie und Artillerie führen zwangsläufig in eine Katastrophe, dazu gab es noch einen anderen höchst wichtigen Effekt, bei dem die LKWs eine Rolle spielen, zu dem ich weiter unten komme.
Noch viel erheblicher vom Lend Lease profitierte die sowjetische Luftwaffe, die praktisch erst durch die gelieferten Funkgeräte und Zusatzequipment überhaupt in der Lage war mit der Luftwaffe zu kämpfen
2. Nahrung
Durch den Fall der Ukraine hatte die UdSSR praktisch ihren "Brotkorb" verloren, nämlich die ertragreichsten und was noch wichtiger war, die Anbauflächen mit der besten angebundenen Infrastruktur. Die UdSSR wurde praktisch durch die Weizen- und fertigen Essenrationslieferungen der USA im Jahre 1942, buchstäblich gerettet.
Denn der angelieferte Weizen und die Essenrationen konnten zentral über Wladiwostok und das Eisenbahnnetz verteilt werden.
Zusammenfassung (ich halte mich hier überwiegend an David Glantz)
Ohne die Lend Lease Lieferungen der Jahre 1941 und 1942 wäre es für die Rote Armee unmöglich gewesen die Reserven für den Angriff auf Stalingrad aufzustellen oder die Großoffensive vor Rschew zu führen.
Desweiteren sorgten die US LKW Lieferungen für den Grad der Motorisierung der Infantrie und Artillerie, um Panzeroffensiven
überhaupt durchführen zu können, darüber hinaus sorgten die Weizen und Essenrationslieferungen dafür, das wesentlich weniger LKWs von der Front abgezogen werden mussten, um die Ernte einzubringen und zu den verschiedenen Bahnhöfen zu bringen, um sie im Land zu verteilen.
Glantz hackt geradezu darauf rum, was passiert wäre, hätte die UdSSR 1942 keine LKWs und kein Weizen plus fertige Essenrationen durch die USA erhalten, seine Schlussfolgerungen sind in der Beziehung mehr als eindeutig zu Ungunsten der Roten Armee.