Es gibt Leute, die gerne in der Natur sind und den Anblick genießen. Nicht jeder lebt gerne in der Großstadt.
Vom Ausblick her dürfte das sogar die absolute Minderheit gerne machen.
Aber nur Arschlöcher sind der Meinung, dass der Rest Welt für ihr Wohlbefinden zu leiden hat die Obergrenze für "die Mehrheit lebt national-nachhaltig auf WKA-freien Land" würde ich für Deutschland mal eher bei 5 denn bei 10 Milliarden Einwohnern ansetzen. Jeder, der der Meinung ist, sowas für sich beanspruchen zu können, solange die 80 Milliarden "zu viel" noch leben, sollte also mal ein paar verdammt gute Gründe in Petto haben, warum er soviel gleicher als gleich ist.
Sag das dem CO2.
Nachdem eine Katastrophe eine Zeit lang Wellen geschlagen hat, geht man wieder zum Tagesgeschäft über.
Ein Tagesgeschäft, dass zunehmend aus Jammern darüber besteht, dass eine winzige Menge der von unserem Handeln geschädigten Leute ihre Heimat endgültig verlassen und sich ein neues zu Hause suchen müssen. In Zukunft werden 100 bis 1000 mal mehr Menschen sein. Viel Spaß mit dem Tagesgeschäft dann, ich für meinen Teil halte schon mal Augen und Ohren nach potentiellen Auswanderungszielen offen. (Vom oberen Deck des sinkenden Schiffs aus betrachtet, sieht man sich aber aktuell nur von riskanten Nussschalen umgeben.)
Hatten wir nicht vor einigen Monaten eine ganz ähnliche Debatte, wo du sehr erhebliche Kosten für eine Vollausstattung deutscher Dächer mit Solar vorgerechnet hast?
Kosten? Möglich. Kommt selten vor, dass ich aufrechne, wie teuer uns das Warten schon heute kommt, aber nicht nie. Normalerweise bleibe ich eher bei wat mutt dat mutt.
Deine Argumentation stellte aber darauf ab, dass "Windräder die Landschaft verschandeln" und nicht wenige hatten hier im Thread auch schon behauptet, es wäre unmöglich, genug erneuerbare Energien einzusammeln, ohne die Natur zu zerstören. Das ist schlichtweg falsch. Klimaschutz, Naturschutz und Artenschutz sind zwar verschiedene Dinge mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten, aber sie schließen einander mitnichten aus. Nur wenn man Privilegienschutz weit über alles hebt, sodass für andere Ziele nur noch Krümel übrig bleiben, dann bleiben halt drei auf der Strecke. Siehe z.B. die unsägliche Diskussion um Windräder in Naturschutzgebieten: Eigentlich gehören Windräder für Menschen dahin, wo Menschen sind und nicht auf die ganz wenigen Rückzugsflächen, die wir der Natur überhaupt noch übrig gelassen haben. In Gewerbegebieten wäre das auch geräuschtechnisch kein großes Problem. Aber ehe man in Deutschland irgend jemanden nötigt, seine unisolierte, Gas beheizte Lagerhalle für Wegwerfprodukte um 20*20 m zu verkleinern, holzt man lieber 2 km * 20 m FH2000-Schutzgebiet für eine Zufahrtstraße und eine nochmal so große Fläche für die Aufbauzone ab.
Und du glaubst, ein radikalerer Ansatz würde politisch irgendeine bessere Chance haben?
Diese Frage habe ich bereits beantwortet.
Ein besonnener Ansatz mag Tür und Tor für wirksamere Maßnahmen öffnen.
Diese Behauptung habe ich schon mehrfach mit der realen Erfahrung wiederlegt. Besonnnen Ansätze haben dafür gesorgt, dass wir 30-40 Jahre Rückstand haben und die Schere zwischen dem, was wir tun müssten, um es noch zu schaffen und dem, was die Leute zu tun bereit sind, öffnet sich immer weiter. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt fallen die Klimaprognosen immer düsterer, nicht besserer aus. Wir müssen nicht die Geschwindigkeit, mit der wir was tun steigen, sondern die Beschleunigung.
wäre es doch klüger, zu sagen: "Unsere Vorgängen haben uns den Ärger eingebrockt, jetzt schauen wir, dass wir deren Mist beseitigt bekommen und das Land zukunftsfähig machen, was auch eine nachhaltige Energieversorgung bedeutet"
Dafür muss man eben beide politischen Pole zusammenführen.
Da ein erheblicher Teil der Ampel nunmal "Vorgänger" ist, sagt man das halt nicht Wort für Wort, sondern wählt die Formulierung "viel zu lange wurde zu wenig getan, wir ziehen jetzt endlich mit allen Mitteln das Tempo an, um die Zukunft doch noch zu retten". Aber ansonsten ist, das, was du seit Tagen vehement schlecht redest, genau das, was du gerade ausformuliert hast.
Und was sagt der andere politische Pol dazu?
"Klimawandel gibt es doch gar nicht"
"Heizungshammer stoppen"
"Wirtschaftsförderung jetzt"
Richtig, weil man es verbockt hat, das sinnvoll umzusetzen und lieber die Geldkoffer entgegengenommen hat.
Geldkoffer von denen, die jetzt Krokodilstränen weinen, weil man es
genau so gemacht wie von ihnen gewünscht verbockt hat.
Nun, das mag dir nicht aufgefallen sein, aber zeitweise war Klimaschutz in aller Munde und die Grünen auf dem besten Weg, in Umfragen stärkste Kraft zu werden, während besagte Leugnerpartei irgendwo bei um die 10% rumgeeiert hat und kurz davor war, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dann kam zu ihrem Glück so eine Krankheit.
Vorher kamen noch Flüchtlinge. Und dazwischen war mal Wirtschaftskrise. Und davor ne andere Wirtschaftskrise und davor ... weitere Themen, bei denen es den Leuten vor allem um eigenen Besitz geht.
Aktuell stehen die Grünen in Umfragen übrigens ziemlich genau da, wo sie zur Wahl 2021 standen und das ist besser, als 2016/2017/2018. Der Spike 2019 kurz vor Corona war nicht nenneswert höher, als der 2021 während Corona. Also wenn du aus solchen Umfragen ableiten willst, wann/ob ein größerer Teil der Bevölkerung mit konsequentem Klimaschutz einverstanden wäre, dann lautet die Antwort am ehesten: JETZT.
Ich gebe dir aber Recht, dass es danach immer noch nicht aussieht. Trotz 20 Jahren nichtstun und bloß-nicht-provozieren.
(Was nicht unbedingt ein Widerspruch zu den Umfragen ist. Die Grünen haben ihren Schwerpunkt schon vor Jahren verschoben auf Gendern, Veganismus und Subventionierung bestimmter Wirtschaftszweige. Ich glaube zur Wahl 2013, müsste unter Hofreiter gewesen, habe ich von denen das letzte Mal die korrekte Feststellung gehört, dass man erstmal den Kohleausstieg schaffen muss, ehe Batterieautos einen Klimanutzen haben können. Heute steckt Habeck Milliarden in letztere, fährt die Kohleverstromung hoch und setzt sich, wo die Industrie zum ersten Mal einen ordentlichen Anlass für eine Ausrichtung auf zukunftsfähige Energiebudgets hat, für Stromsubventionen ein. Manchmal bin ich echt froh, nicht in als Satiriker zu arbeiten. Die Branache hat noch schlechtere Zukunftsaussichten als das Klima

. )
Das alles weiter auszuführen würde zu sehr ins OT gehen.
Okay, ist den Beispielen nach auch nicht weiter nötig. Das sind alles Themen, die ich seit 10-20 Jahren auf dem Schirm habe (und andere Klimaschützer teils seit 30-40-...), keine neu hinzukommenden Faktoren. Nur halt welche, deren Verschlechterung jedes Jahr aufs neue beweist, dass wir als Gesamtgesellschaft noch nicht einmal den Kurswechsel in die richtige Richtung hinbekommen haben (geschweige denn uns schnell genug in diese bewegen würden), sondern weiter urgemütlich auf den Abgrund zutreiben.