Selbst, wenn es jemand gestohlen hat und er von den Russen erwischt wurde, glaube ich wäre es schwer das Ding zu bedienen und die Russen hätten ihm sowieso den Kopf weggepustet, aber das wohl kaum rausposaunt, wahrscheinlicher ist eine Tat eines oder weniger Mitglieder der Separatisten.
Völlig Ausgeschlossen ist eindeutig ein russischer Einsatzbefehl, denn Putin hat absolut kein interesse das ganze noch weiter eskalieren zu lassen, er hat bekommen weswegen er gekommen ist, er hat die Ukraine destabilisiert und sich die Krim geholt, weitere Eskalation in Form eines absichtlichen Abschusses einer Passagiermaschine macht reichlich wenig Sinn.
Äh: "eines oder wenige Mitglieder der Separatisten" können nichts aber auch rein gar nichts mit einem in Russland auf einer russischen Militärbasis von russischen Soldaten unter russischen Kommando bewachten Stück russischer Militärtechnik machen. Irgendjemand hat der BUK einen Marschbefehl in den Donbas gegeben und das war kein Ukrainer, sondern ein russischer Militärangehöriger. Und gerade im russischen Militär wird niemand so einen Befehl ohne Deckung von ganz oben gemacht haben.
Das heißt nicht, dass das Putin den Abschuss einer Zivilmaschiene befohlen hat. Aber es muss aus unmittelbarem Umfeld Putins jemand die direkte Unterstützung der Separatisten durch eine russische Einheit mit schwerem Gerät befohlen haben. Das ist die einzig mögliche Erklärung für die Anwesenheit der BUK inder Ukraine. (Es sei denn sie wurde den Russen -samt ausgebildeter Mannschaft- unterm Hintern geklaut, in die Ukraine entführt, genutzt und ein paar Tage später wieder zurückgebracht. Und das kann man wohl ausschließen.)
Zu welchem Zweck ist nicht ganz so eindeutig abzuschätzen, aber ich würde mal sagen:
- nicht zur Verteidigung gegen ukrainische Militärtransporter im Fronteinsatz. Die fliegen viel tiefer, nachweislich in Reichweite der den Separatisten schon lange vorher zur Verfügung stehenden Waffen.
- nicht zur Verteidigung gegen ukrainische Bodenkampflugzeuge im Fronteinsatz. Die fliegen viel tiefer, nachweislich in Reichweite der den Separatisten schon lange vorher zur Verfügung stehenden Waffen.
- nicht zur Verteidigung gegen ukrainische Hubschrauber. Die fliegen viel tiefer, nachweislich in Reichweite der den Separatisten schon lange vorher zur Verfügung stehenden Waffen.
- nicht zur Verteidigung gegen ukrainische Jagdflugzeuge. Die fliegen zwar hoch genug, aber da gibt es nichts separatistisches anzugreifen.
- nicht für irgendwelche anderen längerfristigen strategischen (Verteidigungs-)Pläne. Die BUK war insgesamt nur wenige Tage in der Ukraine, es gab kein Versorgungsnetz und scheinbar nicht einmal Munitionsreserven für verschossene Raketen, sonst wäre der Starter auf der Rückfahrt schon voll bestückt werden. Längere Zeit in irgend einer wieso auch immer strategisch günstigen Position hat sie auch nie verbracht.
Meine Schlussfolgerung: Hochrangige russische Führungskräfte, möglicherweise Putin selbst (hat ja nicht gerade wenig Engagement in der Ukraine-Frage gezeigt) haben die Einheit zu einer möglichst kurzen, vergleichsweise unauffälligen Mission (definitiv beweglich genug, um eine zufällige Satellitenentdeckung in Stellung unwahrscheinlich zu machen) entsandt. Also mit dem Ziel etwas zu zerstören und wieder zu verschwinden. Definitiv ein hochfliegendes Ziel, sonst hätte man ein kleineres Waffensystem nehmen können, und somit nichts, was die Separatisten direkt bedroht. Genauer gesagt: Vermutlich gar nichts ukrainisches, direkt in die Kämpfe involviertes. Denn das fliegt alles deutlich tiefer.
Umkehrschluss: Putin wollte etwas westliches vom Himmel runterholen, vermutlich mit dem Ziel Stärke zu beweisen oder zu provozieren. Ich würde in dem Gebiet aber allenfalls eine Global Hawk als militärisches Ziel erwarten und deren Radar-Signatur und deren Geschwindigkeit sind nun wirklich um Längen kleiner als die einer Boing im Reiseflug.