Ich bitte noch einmal darum, hier über die Ukraine zu diskutieren - oder zumindest über die konkrete Berichterstattung darüber. Unter den letzten 17 Posts waren zwar drei Stück, die Meldungen über die Ukraine verlinkten, beachtet/diskutiert wurden aber ausschließlich deutsche Medien im allgemeinen, ohne ein einziges inhaltliches Beispiel, Youtube-Videos -wiederum ohne konkreten Inhalt hier wiederzugeben- und zu guter letzt US-Finanzpolitik.
Wer sich dafür interessiert macht bitte eigene Threads auf oder nutzt, im Falle von Youtube-Videos, die diesen zugeordneten Kommunikationsplattformen.
Edit: das ging ja schnell. schneller, als ich tippen konnte
Was war eigentlich mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien? War das keine Grenzverschiebung? Was ist eigentlich mit Nordzypern, dass seit 40 (!) Jahren völkerrechtswidrig von einem Nato-Land besetzt wird?
Und was hat das alles mit der Ukraine zu tun? Fragen über Fragen...
Und wo wir schon dabei sind. Welches Recht hatte eigentlich der Ukrainer Nikita Chruschtschow die seit über 500 Jahren russische Krim einfach an die Ukraine zu verschenken? Was ist da mit dem "Selbstbestimmungsrecht der Völker" ? Hatte niemand im Westen gestört. Diesmal durfen die Bewohner auf der Krim abwählen, damals unter Chruschtschow nicht.
Auch in der UdSSR, deren Gesetze Chruschtschow die entsprechende Macht gaben, gab es Wahlen. Darüber, wie demokratisch diese waren, gab es seinerzeit "im Westen" jede Menge Kritik, genauso (und z.T. aus ähnlichen Gründen), wie es sie zu den Ereignissen auf der Krim gibt:
- Wahl-Alternativen fehlen
- Wahlen werden einer Interessensgruppe organisiert, durchgeführt und ausgezählt
- Wahlen finden in einem vollständig von einer Interessensgruppe (bei Bedarf gewaltsam) kontrollierten Umfeld statt
Grundsätzlich sollte man imho aber vorsichtig mit solch historischer Betrachtung sein, denn es gibt keine objektiv sinnvollen Zeitraumen. Sind die Besitzer/Besatzer von vor 10 Tagen im Recht? Vor 10 Jahren? Vor 50 Jahren? Vor 150? 300? 3000? Die meisten Teile der Welt waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten unter verschiedener Kontrolle. Entweder man beschränkt sich auf die Interessen aller heutigen Bewohner und die etwaige Entschädigung noch lebender Ex-Einwohner, die wegen der aktuellen Herrschaft das Land verlassen haben - oder man endet mit einem unlösbaren Konflikt wie im mittleren Osten, wo jeder m² Land von einem Dutzend mehr-oder-minder verschiedener Interessensgruppen mit "100%igem Recht" beansprucht wird.
Nach dem Zerfall der SU fiel auch der Warschauer Pakt als Bedrohung für Westeuropa weg. Wozu bedarf es da eines Verteidungsbündnisses?
Verteidigungsbündnisse schließt man per Definition nicht gegen einen bestimmten Gegner (das wären Kriegsbündnisse), sondern als Gemeinschaft...
Und außerdem ist Russland frei und souverän, die Ostverschiebung der Nato bis an seine Grenze als Sicherheitsrisko zu empfinden.
Jeder ist so frei, absolut alles als "Sicherheitsrisiko" zu
empfinden. Sehr problematisch ist es aber, wenn man sich aufgrund dieser Empfindungen in die Freiheit anderer einzumischen. Die baltischen Staaten haben genauso die Freiheit, sich durch Putins Aufrüstung bedroht zu fühlen - und sie haben das Recht, auf ihrem eigenen Territorium entsprechende Konsequenzen zu ziehen, einschließlich einer NATO-Mitgliedschaft. Russland dagegen scheint die Konsequenzen aus eigenen Ängsten auf dem Territorium fremder Staaten zu ziehen - und da hört der Spaß definitiv auf.
Stimmt, deshalb macht der Westen auch gerne Geschäfte mit solchen ausgewiesenen Demokratien wie Saudi-Arabien, Katar oder den VAE. Die erfüllen ja auch alle von dir genannten westlichen Werte. Und solange Gadaffi und Hussein nach der Pfeife des Westens getanzt haben, waren auch die willkommene Partner.
Sowohl Gadaffi als auch Hussein tanzten wohl eher nach der Peitsche des Westens...
Für die restlichen gilt: Leider werden mit schöner Regelmäßigkeit Regierungen gewählt, die bei weitem nicht nur mit vorbildlichen Demokratien intensive Geschäftsbeziehungen aufbauen. (Gewisse Ex-Kanzler sollen sogar für russische Staatsunternehmen arbeiten

)
Aber: "Der ist auch blöd" entschuldigt kein Fehlverhalten anderer und hier ging es darum, ob die Unterstützung von Tolleranz, Demokratie, Menschenrechten, etc. eine Gruppierung förderungswürdig macht. Und die Antwort lautet wohl ganz klar Ja.
Was wäre die Alternative? Hmm wie wäre es, wenn man den demokratischen gewählten Präsidenten der Ukraine nicht aus dem Amt geputscht hätte?
Falsche Zeit, falsche Region, falsche Akteure, falsches Thema.
Gefragt war nach einer alternativen Bewertung heutigen russischen Handels durch deutsche Medien.
Nicht nach einer alternativen Handlung (!=Bewertung) ukrainischer (!=deutsch) politischer Gruppierungen) (!=Medien) vor 1-1,5 Jahren (!=heute).
Warum wurde Janukowitsch eigentlich noch mal aus dem Amt geputscht? Achja er wollte das Eu Assoziierungsabkommen nicht unterschreiben, was die Mehrheit des Landes aber wollte.
Komisch für einen Präsidenten, der angeblich die Mehrheit des Volkes vertritt...
Hmmm, die Mehrheit der Deutschen war nie für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Heißt das, wir hätten Schröder und Merkel aus dem Amt putschen dürfen?
Weder Schröder noch Merkel haben den Einsatz beschlossen, sondern der Bundestag. (Und der hatte wenig Wahlfreiheit, da Deutschland seinen vertraglichen internationalen Verpflichtungen nachkommen musste. Nicht, dass irgend ein hochrangiger Politiker seinerzeit irgend wie versucht hätte, diese zu verhindern... - aber es wäre auf alle Fälle nicht Job des deutschen Kanzlers, sondern der deutschen Vertreter im NATO-Rat gewesen, dies zu tun)
Hätte Schröder einen Krieg in Afghanistan befohlen, hätte ihn der deutsche Bundestag seinem Amt entheben können, sollen und müssen - genauso wie es das ukranische Parlament mit dem ukrainischen Präsidenten gemacht hat.
(in wie weit die deutsche Bevölkerung auf das Handeln des Bundestages mit zivilem Ungehorsam hätte reagieren sollen... Für derartige Grenzfälle sind derartige Paragraphen wohl gedacht. Wenn man sich aber die folgenden Wahlergebnisse anguckt, dann muss man wohl sagen, dass entweder die Anerkennung des Bündnissfalls im Interesse des deutschen Wählers war, oder dass Krieg den deutschen Wähler egal ist. So oder so kein Putsch-Anlass.)
Hmm, die aktuelle Marionette Poroschenko hat die Armee (!!!) gegen sein eigenes Volk in der Ostukraine eingesetzt mit ca. 3500 Toten und man hört vom Westen nichts. Keine Rücktrittsforderungen oder dergleichen.
Diejenigen, gegen die die Armee vorgehen soll, bezeichnen sich selbst als Volk eines anderen Staates - ein Staat, der mal eben ein Stück von dem Land besetzt hat, dass Poroschenkos Volk gehört. Über die Wahl der Mittel könnte man diskutieren (wenn man denn eine brauchbare Informationslage hätte - und wenn die meisten Diskussionspartner nicht so sehr an Verurteilungen "des Westens" interessiert wären), aber es ist die Aufgabe einer Armee, gegen derartige Agressoren vorzugehen. Das prinzipielle Verbot für Bundeswehreinsätze im Inland ist eher eine Ausnahme denn die Regel. (und kann und würde vom Bundestag sicherlich per Ausnahmegenehmigung aufgehoben werden, falls eine bewaffnete Gruppe im Inland die Fähigkeiten der Polizei übersteigen würde. Wenn nicht sogar schon ein einfaches Amtshilfeverfahren dafür ausreicht... Unter Merkel wurden ja auch Bundeswehraufklärungseinheiten gegen "das eigene Volk" eingesetzt.)