AW: Schwere Ausschreitungen in Ukraine, erste Todesopfer unter den Demonstranten durch Schüsse
So es ist vorbei.
Krim-Referendum: Große Mehrheit für Beitritt zu Russland - SPIEGEL ONLINE
Auf der Krim ist die Entscheidung gefallen: Laut Regionalregierung stimmten 93 Prozent der Wähler im Referendum für den Russland-Beitritt. Die USA reagieren umgehend mit neuen Drohungen gegen Moskau. Schon bald soll es Sanktionen geben. "Russland wird seinen Preis zahlen."
Vorbei ist da eigentlich gar nichts.
Wir hatten bislang: Eine selbst ernannte Regierung eines selbst ernannten Staates, die auf Grundlage von selbst geschaffenen Gesetzen einen Anschluss an Russland wollte.
Wir haben jetzt: Eine selbst ernannte Regierung eines selbst ernannten Staates, die auf Grundlage von selbst geschaffenen Gesetzen einen Anschluss an Russland wollte und sich hierdurch durch eine Abstimmung legitimiert sieht, die die Wahl zwischen "ja" und "ja" bot und unter massiver, unkontrollierter Waffenpräsenz und ohne jegliche Informationen stattfand.
Ehrlich gesagt sehe ich da gar keine qualitative Veränderung. Der bereits vorher bestehende diffuse Eindruck einer Mehrheit ist mit einer derartigen "Wahl" auch nicht bestätigt worden. Die Grundfrage lautete aber ohnehin, wie man mit einer derartigen Mehrheits-Demokratur umgehen sollte.
Hat Janukowitsch eigentlich schon Stellung dazu genommen, dass Russland das Filetstück aus "seinem" Staat gerissen hat? Von einem amtierenden Staatsoberhaupt kann man da ja wohl mal Protest erwarten
Ich frage mich ja wie sich die Leute auf der Krim das vorstellen.

Derzeit sind sie an die Ukraine angeschlossen. Sie bekommen alles von dort.
Jetzt müssen sie eine neue Infrastruktur schaffen und sich an Russland anschließen lassen. Das kann Jahre dauern weil die Krim halt kein Geld hat.
russische Einheiten beginnen bereits damit, für die Versorgung wichtige Infrastruktur in der restlichen Ukraine zu besetzen
Krim-Krise: Ukraine wirft Russland Besetzung von Gasanlage vor | ZEIT ONLINE
Dazu müssten die Russen nun sofort sämtliche Zahlungen übernehmen.
Die Russen sind derzeit deutlich solventer, als die ukrainische Regierung. Die hat jetzt noch mehr Schulden pro Infrastruktur/Einkommensmöglichkeiten...
Und was ist jetzt mit den Minderheiten auf der Krim?
Garantiert Russland deren Sicherheit oder können die nun davon ausgehen dass sie vertrieben werden und Russland schaut dabei zu und unterstützt die Vertreiber dabei unter der Hand noch?
Russland ist doch bekannt dafür, sich immer und überall fürsorglich um Minderheiten zu kümmern
Warum sollten Minderheiten, wie die Krim-Tataren, vertrieben werden?
Die haben schließlich beim Referendum mit abgestimmt und sehen offensichtlich diese Gefahr für sich selbst nicht.
Mein Stand der Dinge ist, dass die Krim-Tataren das Referendum weitestgehend boykottiert haben. Genauso, wie sie die selbst ernannte Krim-Regierung nicht anerkennen und alle andern Grundlagen für den Anschluss an Russland.
Da sie nicht klein beigeben werden sich somit auch Anlässe für ein Vorgehen gegen sie finden, wenn die neuen Machthaber keine Lust auf Opposition haben sollten. (Aber das ist von einem Putin ja nicht zu befürchten...)
Mit dem entsprechenden Zeitgewinn für die Amis bei ihrem Syrien-Zugriff. Gerade jetzt, wo die Russen sich einem Zweifronten-Krieg ausgesetzt sehen, starten die Amis in Syrien die nächste Aktion.
? Russland mag mit Assad zusammengearbeitet haben, hat aber null Interesse an einem militärischen Einsatz auf Seiten dieses Regimes. Von einem Zweifronten-Krieg kann nicht die Rede sein, die einzigen russischen Militäreinsätze seit "Ende" des Georgienkonfliktes finden an der Grenze zur Ukraine statt. (Seite: Interpretationssache...)
Auf der anderen Seite setzt man die Russen militärisch mit dem weiteren Heranrücken der EU/Nato so sehr unter Druck,
Druck kann Nähe nur dann hervorrufen, wenn man sich als Feind betrachtet. Aggressionen der NATO gegenüber den unabhängigen Staat Russland gab es afaik bislang 0. Wenn Putin die NATO zum Feind hochstilisieren und militärische Aufrüstung gegen sie betreiben sollte, wäre diese wohl berechtigt, ihre Interessen zu stärken.
Und die EU ist bis auf weiteres überhaupt keine Organisation, die irgendwas militärisch machen würde - geschweige denn gen Russland ziehen.
Und natürlich um die Verhinderung einer eigenen russischen/iranischen Öl-/Gasbörse, die nicht über den Petro-Dollar abrechnet. Wenn sich dies nämlich durchsetzen würde, verlöre der Dollar mit einem Schlag seinen Wert und seine Kaufkraft. Damit wäre der letzte Punkt verloren, der die amerikanische Wirtschaft vor einen Zusammenbruch rettet.
Es gibt arg wenig Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran. Die größte Bedrohungen für den Dollar als Weltwährung sind Yen und Euro. Wenn denn deine Theorien richtig wären, sollte es also im Interesse der USA sein, dass Russland EU-Annäherungen verhindert und dass sich Russland nicht weiter nach Asien orientiert, sondern sein Wachstumspotential im Westen sieht.
Man beachte den Verlauf der (z.T. geplanten) russischen Pipeline durch das Schwarze Meer, genau südlich der Krim, von der russischen zur bulgarischen Küste. Die Sicherung dieser Pipeline von der Krim aus ist dann nicht mehr möglich.
Eine Sicherung bulgarischer Pipelinetrassen ist im Rahmen des Völkerrechts überhaupt nicht von der Krim aus möglich. Und selbst außerhalb ist sie geopolitisch nicht von Interesse, denn wenn Russland Ärger mit NATO oder EU hätte/wollte, wäre eine derartige Pipeline ohnehin stillgelegt. Und die bisherige Trassenplanung wurde übrigens gewählt, um an der Ukraine vorbei nach Europa exportieren zu können...
Gut möglich, dass die Trasse in Zukunft über die Krim läuft.
Mit Sewastopol wird Russland seinen größten Militärhafen mit eisfreiem Zugang zum Mittelmeer verlieren, ein neue Infrastruktur kostet einfach Zeit, die die Amis in Nahost nutzen.
Russlands Mittelmeerhafen lag in Syrien. Und für Sewastopol hatten sie einen Pachtvertrag für ettliche Jahrzehnte, Verlängerung nicht ausgeschlossen. Zeit genug?