Die Ukraine hat ja gerade nach wie vor das Problem, dass die Hauptlast der intensiven Kämpfe immer noch auf den Schultern von erfahrenen, mittlerweile langfristig eingesetzten älteren Soldaten ruht.
"Erfahren" heißt in dem Fall afaik häufiger nur "seit den ersten Tagen im Einsatz" und nicht "davor jahrelang ausgebildet". Davon abgesehen habe ich aber keinen Vergleich zum frisch in den Dienst gepressten, russischen Kanonenfutter gezogen, sondern zu den Nordkoreanern. Und deren Militär kompensiert seit Jahrzehnten seine technische (und deinen russischen Berichten nach auch qualitative) Rückständigkeit durch eine schiere Masse an im Training gehaltenen Soldaten. Nicht annähernd so viele, wie die offiziellen Zahlen suggerieren, da sind viele nur Bausoldaten, aber verglichen mit der russischen Schnellkurs-Hackfleischrohmasse ist ein seit 5 bis 10 Jahren gedrillter Nordkoreaner halt vergleichsweise gut ausgebildet und einige der Berichte besagen, dass Kim sogar die besseren Truppenteile schickt.
Dazu kommt das sehr erhebliche Sprachproblem, was eine gute Koordination schwierig macht.
Ich sehe die Nordkoreaner eher massenweise 6 Fuss unter der Erde, als triumphierend in ukrainischen Schützengräben.
Das wird von der Einsatzdoktrin abhängen. Bei der entsendeten Truppengröße könnten die Nordkoreaner als homogene Brigade agieren, die nur auf hoher Ebene Austausch mit Russland braucht und da die nordkoreanische Ostblock-Allianz schon ewig anhängt, werden die mehr als genug Leute haben, die fließend Russisch beherrschen. Gibt man ihnen dann noch Frontabschnitte, in denen eine Ausbildung tatsächlich vorteilhaft eingesetzt werden kann (rein von der Alibi-Diplomatie her wäre Kursk sogar naheliegend), dann könnten entsprechende Erfolge die Folge sein.
Gemessen an 9-20 mal mehr Russen, die bereits im Einsatz sind, natürlich kein gigantischer Durchmarsch - aber die Ukrainer sind ja jetzt schon zu schwach aufgestellt, um alle Fronten zu halten. Ein komplett zusätzlicher Vorstoß wäre da schon ein großes Problem.
Die andere Möglichkeit ist, dass man Russland die Nordkoreaner fein verteilt als Minden- und Stellungsdektoren nach vorne schickt - so wie sie das mit zahlreichen anderen aquirierten Hilfstruppen (ostukrainische Seperatisten, Knackis, Wehrdienstler, tatsächlich "arme" Freiwillige,...) gemacht haben. Dann kommt nicht viel mehr bei raus als ein fröhliches Weihnachten für 10000 russische Familien, deren Söhne wider erwarten noch leben.
Was allerdings eher stutzig macht, sind die Meldungen, dass Russland mehr und mehr von ausländischem Support abhängig ist.
Geschosse wie Blindgänger im Austausch für ein wenig internationale Anerkennung: Wladimir Putin und Kim Jong-Un bilden die Koalition der Ausgestoßenen.
www.fr.de
Das nährt die Hoffnung, dass Russland evtl. schneller als gedacht auf dem Zahnfleisch geht.
Schön wärs. Aber "mehr und mehr" lese ich da nicht. Man weiß, dass Nordkorea den Sommer über einiges geliefert hat und somit sollten es nicht verwundern, dass davon jetzt auch was eingesetzt wird. Das heißt aber nicht, dass Putins Lager schon leer oder die eigene Produktion radikal unzureichend wären. Genauso gut könnte er lieber nordkoreanische Munition verschießen, um die eigenen Reserven nicht zu weit abzubauen.
In Anbetracht der enormen nordkoreanischen Lagerbestände könnte sogar System dahinterstecken: Auch Granaten sind nicht unbegrenzt lagerfähig. Irgendwann muss man sie verbrauchen oder aufwendig zerlegen, in jedem Fall aber neuen Lagerbestand herstellen. Wenn in Nordkorea Millionen von Schuss rumliegen, die bis Ende des Jahrzehnts weg müssen, während russische (und nordkoreanische und iranische) Fabriken über die kommenden Millionen von Schuss nagelneue Munition produzieren, dann wäre es nur rational, letztere ins Lager zu packen und im Gegenzug die Altlasten zu verbrauchen.
So ähnlich ist Russland auch schon bei Flugkörpern vorgegangen: Da wurde der Schwerpunkt auf iranische Drohnen umgestellt, sobald diese Verfügbar waren, obwohl noch einiges an technisch sogar besseren Raketen verfügbar war. Selbst bei dem, was an Neuware verschossen wird, gibt es Hinweise auf reduzierte Qualität (siehe z.B. erst nach dem Krieg importierte Chips in eigentlich nicht-militärischer Qualität sowie allgemein die "irgend ein Haus wirds schon treffen"-Zielgenauigkeit), obwohl den Hochrechnungen nach die Lagerbestände nie erschöpft wurden. Die russische Armee scheut sich offensichtlich, weiterhin ihr bestes Material in diesem Abnutzungskrieg zu verbrauchen, solange sie noch Zugriff auf "das reicht auch"-Optionen hat.
Freiwillige sind dann per definitionem keine Söldner - die Ukraine setzt -nach meiner Kenntnis- nur Soldaten ein, die auch Teil der ukrainischen Streitkräfte sind.
Die Ukraine hat einerseits auch (ausländische) Freiwillige in ihre Streitkräfte aufgenommen, zum anderen arbeitet sie weiterhin auch mit Milizen zusammen. Vor allem entlang der russischen Grenze gab es da eine ganze Reihe von Manövern, die ukrainisch-russische Guerillas durchgeführt haben, die nicht Teil der ukrainischen Armee sind, aber offensichtlich Waffen, Informationen und Rückzugsmöglichkeiten von dieser Erhalten. Söldner dürften das vermutlich weniger sein, aber als reguläre Kombatanten zählen sie auch nicht.
Nicht anders wird das nun auch hier sein: Die nordkoreanischen Soldaten in russischer Uniform, mit russischen Pässen (was man so liest) sind am Ende russische Soldaten. Spielt 6 Fuss unter der Erde aber kaum mehr eine Rolle
Diplomatisch sind solche Spitzfindigkeiten nicht ohne Bedeutung, da Nordkorea so Humanmaterial liefern kann, ohne formell Kriegsteilnehmer zu werden. Genauso, wie es die Westalliierten mit technischem Material machen.