Aktuelle Entwicklungen in der Ukraine

Es ist für mich gerade extrem schwierig Dir zu folgen bzw zu verstehen was Du eigentlich sagen möchtest. Ich bin mir nicht sicher ob Du die Begriffe „Miliz“ „Guerillas“ richtig verwendest.
Milizen sind in ihrer eigentlichen Bedeutung immer Teil der Streitkräfte.
Bist Du sicher, dass die ukrainisch-russischen „Guerillas“ nicht Teil der Streitkräfte sind?

"Miliz" war ggf. falsch verwendet, ich wüsste aber auch keinen exakt passenden Fachausdruck und das ist der Umgangssprachlich häufig genutzt. Gemeint sind bewaffnete Freiwilligenverbände von Ukrainern, die unabhängig/auf eigene Faust agieren. Asow zählte nach 2014 lange Zeit dazu und afaik wurden bis heute nicht alle Gruppen in die reguläre Armee eingebunden (haben ja auch schlichtweg nicht alle die nötige Konstanz dazu) und im Zuge der Waffenausgabe nach dem großen russischen Einmarsch sind auch neue entstanden.

"Guerillas": Es gab mehrere Angriffe von autonom agierenden Gruppen auf russische Einrichtungen auf russischem Territorium. Laut Medienberichte bestehen diese Gruppen aus ukrainischen Russen sowie aus russischen Russen mit proukrainischer oder zumindest ausgeprägt anti-putinistischer Einstellung, die unter Nutzung ukrainischer Ressourcen Krieg gegen Russland führen, aber nicht unter ukrainischer Kontrolle stehen. Möglich, dass es auch hierfür einen passenderen Ausdruck gibt - hit & run Manöver aus (Grenz-)Gebieten faktisch ohne staatische Kontrolle sind aber eindeutig Guerillataktiken. "Partisane" würde ich aber nicht aktiv verwenden, auch wenn es fachlich möglicherweise nicht falsch ist, denn diesen Begriff assoziieren viele mit Kämpfern hinter einer Front, nicht selten sogar Gruppen die eher Sabotage- oder Spionageakte aus dem Schutz eines vorgetäuschten Zilistendaseins begehen.


Sagen möchte ich nur, dass diese beiden Gruppen keine ukrainischen Soldaten sind, aber auch keine Söldner.


Die scheinen allerdings kein eigenes schweres Gerät bzw. gepanzerte Kampfwagen zu haben und sind mit den Verhältnissen in Kursk/ der Ukraine nicht wirklich vertraut. Dazu wurden die Nordkoreaner mit Fokus auf einen Konflikt mit Südkorea und den dortigen Umständen ausgebildet.
Ich bin da sehr skepisch, was den Gefechtswert im Ukrainekrieg angeht.

Zum Gerät habe ich noch nichts gehört, aber das ist in beiden Ländern ohnehin sehr ähnlich. Der akute Mangel an Gebirge im Kampfgebiet ist mir aber auch schon aufgefallen.

Dafür riskiert er dann aber einiges:
Nordkorea macht das nicht für umsonst und das russische Image wird dadurch auch noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen (auch intern).

Intern? Wie kommst du darauf? Glaubst du, russische Medien werden darüber berichten, dass Putins glorreiche Armee für eine läppische Spezialaktion auf Unterstützung angewiesen ist? Ganz sicher nicht. Das wird entweder totgeschwiegen oder als großartige Zusammenarbeit des putinschen Verteidigungsbündnis gegen die pöse NATO präsentiert.
Und seinen Ruf im Rest der Welt kann wohl kaum noch schlechter werden. Insbesondere bei all den Staaten, die sich für Nordkorea interessieren würden, denn das sind praktisch nur US-Verbündete.

Das einzige, was er riskiert: Eine Eskalation in Fernost, wenn Kim die Technologie, mit der Putin wohl oder übel wird bezahlen müssen, mittelfristig für Angriffe gegen Südkorea einsetzt. Aber aus Putins aktueller Perspektive dürfte das egal bis sogar vorteilhaft sein, da riskiert er also gar nichts. Ich würde z.B. die Zusammenarbeit mit dem Iran als weitaus riskanter bezeichnen und die Abhängigkeit von China sowieso. Letztere lockert er mit dem jetzigen Manöver sogar eher, denn ein unkontrollierter Kim ist für Xi definitiv ein größeres Problem.

Weiterhin provoziert Putin damit den zögerlichen Westen evtl. doch noch Langstreckenwaffen freizugeben und noch mehr für die Ukraine zu tun. Wäre zumindest nun ein Argument, weil Russland ja auch noch weiter eskaliert ...

Hatte bislang nicht den Eindruck, dass als große Eskalation betrachtet wird und umgekehrt wird Freigabe bei uns doch praktisch ausschließlich als innenpolitisches Wahlkampfthema betrachtet. Da haben Putins Beziehungen zur AFD mehr Einfluss drauf, als die zu Nordkorea. (Wobei beides Kleinkram gegenüber der US-Wahl sein dürfte.)

Das klingt zwar nicht unplausibel, halte ich -angesichts der letztlich doch sehr zähen und verlustreichen Kämpfe- aber für weniger wahrscheinlich, dass Russland nennenswerte Qualität in der Hinterhand hat und diese zurückhält.
Das konnten wir in der russischen Kriegsführung bislang noch niemals beobachten.

Also ich hatte nahezu die gesamte Zeit den Eindruck, dass z.B. die Grenzsicherung zur NATO ihre relativ guten Waffen behält, selbst wenn die Ukraine-Truppen mit dem letzten Scheiß aus der rostigsten Ecke der Kalter-Kriegs-Bestände ausgestattet werden müssen.

Ich denke, es entspricht einfach dem bisherigen russischen Vorgehen, die (meist arme) Bevölkerung, zunächst aus den sibirischen / kaukasischen Provinzen, heranzuziehen und regelrecht zu verheizen. Der massive Einsatz von Strafgefangenen passt natürlich auch ins Bild.

Das ist nichts weiter als das Analog der von mir gesehenen Materialpolitik in Bezug auf das Personal: Putin setzt in der Ukraine überwiegend nicht das Beste ein, was er hat (auch wenn das punktuell vorkommt, vor allem zu Beginn des Krieges), sondern eher worauf er am leichtesten verzichten kann.
Das ist auch konsequent im Rahmen der Grundtaktik: 3 bis spätestens 6 Monate nach dem gescheiterten Blitzkrieg hat die russische Armee auf einen Abnutzungskrieg umgestellt, in dem selten eine qualitative Überlegenheit gebraucht oder auch nur ausgenutzt werden könnte, in dem der Feind aber langsam durch schiere Quantität verschlissen wird. Dafür reichen alte T-64, dafür reichen nordkoreanische Granaten, dafür reichen iranische Drohnen, dafür reichen Knackis.

Vielleicht ist es insgesamt auch einfach günstiger: er gibt Fat-Kim etwas Technologie / Lebensmittel und Zugang zum russischen Markt zzgl. Prestigegewinn und schont seine eigene Bevölkerung, bevor der Krieg in Westrussland ankommt und es "spannend" wird. Das versucht Putin aber erstmal zu verhindern.

Gemessen an den Ressourcen, die Putin derzeit am meisten braucht, ist das spottbillig. Nordkorea bekommt Öl, dass Putin international nur schwer los wird, Lebensmittel auf deren Berg Putin sitzt und Technologien, die man ohnehin nur kopieren muss und die man derzeit ohnehin nicht in Waffenverkäufe ummünzen könnte, weil man keine überschüssigen Produktionskapazitäten hat. Allerdings plant Putin für gewöhnlich langfristig und die nordkoreanische Rüstungsindustrie zu nah an das eigene Niveau ranzubringen, dürfte nicht in seinem Interesse sein - aber im Moment ist es wohl das kleinere Übel oder Kim gibt sich mit dem vorletzten Technologiestand zufrieden. Z.B. bei U-Boots- oder gar Luftfahrttechnik wäre der ja immer noch ein riesen Fortschritt. Panzer vermutlich auch.

Immerhin kommt Südkorea nun langsam aus dem Quark und kooperiert weniger zurückhaltend mit der Ukraine.
Ich denke, dass südkoreanisches Know-How einen hohen Wert haben kann.

Für einen Staat mit Rüstungsindustrie definitiv. Südkorea gehört in manchen Aspekten zur Weltspitze. Aber für die Ukraine? Die braucht im Moment vor allem einsatzbereites Material in großer Stückzahl und Südkorea macht eben eher elitäre Eigenbrödlerei denn Massenproduktion für den Weltmarkt. Glaube nicht, dass die spontan viel liefern können.
 
Das ist nichts weiter als das Analog der von mir gesehenen Materialpolitik in Bezug auf das Personal: Putin setzt in der Ukraine überwiegend nicht das Beste ein, was er hat (auch wenn das punktuell vorkommt, vor allem zu Beginn des Krieges), sondern eher worauf er am leichtesten verzichten kann.
Das ist auch konsequent im Rahmen der Grundtaktik: 3 bis spätestens 6 Monate nach dem gescheiterten Blitzkrieg hat die russische Armee auf einen Abnutzungskrieg umgestellt, in dem selten eine qualitative Überlegenheit gebraucht oder auch nur ausgenutzt werden könnte, in dem der Feind aber langsam durch schiere Quantität verschlissen wird. Dafür reichen alte T-64, dafür reichen nordkoreanische Granaten, dafür reichen iranische Drohnen, dafür reichen Knackis.
Naja, die haben aber auch schon viel gutes Material verloren, wenn die veröffentlichten Zahlen so stimmen.
 
Intern? Wie kommst du darauf? Glaubst du, russische Medien werden darüber berichten, dass Putins glorreiche Armee für eine läppische Spezialaktion auf Unterstützung angewiesen ist? Ganz sicher nicht. Das wird entweder totgeschwiegen oder als großartige Zusammenarbeit des putinschen Verteidigungsbündnis gegen die pöse NATO präsentiert.
Ein gehöriger Teil der Russen glaubt zwar fest an die Rechtmäßigkeit der "Spezialoperation", ist aber durchaus gar nicht uninformiert, was das tatsächliche Geschehen betrifft.
Die russischen Militärblogger haben eine sehr große Reichweite und ausländische Medien bekommen die auch noch -teils ungefiltert- mit.
Was ich mitbekommen habe ist, dass man den Einsatz der Nordkoreaner in militärischen Kreisen nicht wirklich begrüßt und sehr zurückhaltend ist.
Es wurde kolportiert, dass je 30 Nordkoreaner 1 russischer Verbindungsmann abgestellt werden sollen, was direkt aufgrund der personellen (Führungs-)Situation beklagt wurde - aber ob das stimmt?!

Natürlich verkauft Putin das, wie üblich, anders, aber jedenfalls stärkt das nicht das Bild der unbesiegbaren und vor allem glorreichen russischen Armee, die viele noch im Kopf haben. Doof im Sinne von minderintelligent sind die Russen ja halt auch nicht.

Das einzige, was er riskiert: Eine Eskalation in Fernost, wenn Kim die Technologie, mit der Putin wohl oder übel wird bezahlen müssen, mittelfristig für Angriffe gegen Südkorea einsetzt. Aber aus Putins aktueller Perspektive dürfte das egal bis sogar vorteilhaft sein, da riskiert er also gar nichts. Ich würde z.B. die Zusammenarbeit mit dem Iran als weitaus riskanter bezeichnen und die Abhängigkeit von China sowieso. Letztere lockert er mit dem jetzigen Manöver sogar eher, denn ein unkontrollierter Kim ist für Xi definitiv ein größeres Problem.
Das ist schwierig zu beurteilen, welche Abwägungen hier getroffen wurden und ob Xi hier informiert / involviert ist (was ich vermute).

Hatte bislang nicht den Eindruck, dass als große Eskalation betrachtet wird und umgekehrt wird Freigabe bei uns doch praktisch ausschließlich als innenpolitisches Wahlkampfthema betrachtet. Da haben Putins Beziehungen zur AFD mehr Einfluss drauf, als die zu Nordkorea. (Wobei beides Kleinkram gegenüber der US-Wahl sein dürfte.)
Das internationale Echo, dass die Nordkoreaner nun unmittelbar mit Truppen mitmischen ist enorm und wird von Russland selbstverständlich genau beobachtet.
Man macht nun einen Schritt, der wiederum auf der Gegenseite zu einer Reaktion führen kann. Und die kann sein, dass man nach vielerlei Zögern dem ukrainischen Drängen nachgibt, westliche Waffen tief in Russland verwenden zu dürfen. Das wäre im Übrigen auch nur ein logischer und angemessener Schritt.

Was will Russland tun? Noch mehr die Ukraine überfallen? Noch heftiger mit Atomwaffen drohen?
Ich sehe hier effektiv lediglich das Risiko bzw. den unweigerlichen Effekt, dass die russische Bevölkerung dann noch mehr hinter dem Regime steht ("Seht ihr, die NATO greift uns indirekt an").
Blut ist immer dicker als Wasser und um den Antiamerikanismus in Russland zu triggern braucht es nicht viel!

Also ich hatte nahezu die gesamte Zeit den Eindruck, dass z.B. die Grenzsicherung zur NATO ihre relativ guten Waffen behält, selbst wenn die Ukraine-Truppen mit dem letzten Scheiß aus der rostigsten Ecke der Kalter-Kriegs-Bestände ausgestattet werden müssen.
Natürlich hat Russland noch gewisse Qualitäten/Reserven und geht nicht All-In, aber es es ist mitnichten so, dass Russland mit angezogener Handbremse fährt.
Die werfen rein, was sie haben um rechtzeitig Tatsachen zu schaffen, bevor man sich dann doch in naher/mittlerer/ferner (?) Zukunft an den Verhandlungstisch setzt.

Die im Verhältnis wenigen qualitativ besseren/teureren Waffen die Russland nicht einsetzt (z.B. die handvoll T-14 Armata oder SU-57), setzt Russland sicherlich deshalb nicht ein, da sie kaum Mehrwert bieten und genauso in Verlust geraten, wie Altmaterial.
Daraus wird aber eben nicht der Umkehrschluss, dass Russland auf enormen Materialreserven von hoher Güte sitzt.

Weiterhin ist die Modernisierung resp. Produktion besserer Waffensysteme nach wie vor von westlicher/fremder Technologie abhängig. Die Sanktionen zeigen hier im Detail tatsächlich Wirkung.
Es gibt Berichte, dass beispielsweise bestimmte technische Komponenten des T-90 (der modernste Kampfpanzer, der auch eingesetzt werden kann) nicht verfügbar sind und die Neuproduktion (man schätzt unter aktuellen Umständen ~300 Stück p.a.) unter Ermangelung dieser Komponenten stattfindet. Womit die eigentliche Qualität dieser relativ modernen Waffensysteme nicht ausgenutzt werden kann.

Im Gegenzug dafür gibt es jede Menge "hochqualitative" Systeme die Russland ins Spiel bringt - weil sie einen Nutzen haben und verfügbar sind: z.B. S400/S500, Ch-47M2 Kinschal, diverse Radar- und EloKa-Systeme, Drohnentechnik usw.
 
Natürlich verkauft Putin das, wie üblich, anders, aber jedenfalls stärkt das nicht das Bild der unbesiegbaren und vor allem glorreichen russischen Armee, die viele noch im Kopf haben. Doof im Sinne von minderintelligent sind die Russen ja halt auch nicht.
Unwichtig ob heute Nordkoreaner auf russischer Seite in der Ukraine kämpfen.
Geschichte und Erinnerungskultur wird nach dem Ende eines Krieges geschrieben und da kann man die Nordkoreaner dann durchaus raussparen / kleiner reden, genauso wie in Russland nach dem Ende des WW2 aus seiner Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur (und der der Ostblockstaaten) den Anteil und die Rolle der Westmächte, für Russlands Durchhaltefähigkeit und den Sieg, weitestgehend rausgestrichen und kleingeredet hatte.

Und wie man Russlands Stärke im Krieg im Ausland wahrnimmt ist für Putin auch erstmal nur zweitrangig.
An erster Stelle steht für ihn wie es dann im eigenen Land wahrgenommen werden wird.

Das internationale Echo, dass die Nordkoreaner nun unmittelbar mit Truppen mitmischen ist enorm und wird von Russland selbstverständlich genau beobachtet.
Ich denke nicht das die Russen sich da groß Sorgen um Reaktionen aus dem Westen (bzgl. der Nordkoreaner) machen, sonst wäre man diesen Schritt nicht gegangen.
Man hat in Russland ja die letzten 2 Jahre sehr deutlich vorgeführt bekommen das man im Westen ehr und mehr winselt (was man alles nicht tun wird) als kläfft (was die Konsequenz ist, wenn man von russischer Seite etwas tut).

Natürlich hat Russland noch gewisse Qualitäten/Reserven und geht nicht All-In, aber es es ist mitnichten so, dass Russland mit angezogener Handbremse fährt.
Der einzige Punkt an dem Russland diesen Krieg mit angezogener Handbremse kämpft ist sein Personal, weil der Wladimir weiß das seine ethnorussische Bevölkerung seinen antiwestlichen politischen und militärischen Kurs zwar mehrheitlich sehr gut findet, aber eben nur solange wie sie dafür nicht selbst zum Blutzoll gezwungen wird.

Das hat ihm die Teilmobilisierung 2022 noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt, wo da die Grenzen seiner Möglichkeiten liegen, ohne dass seine Untertanen seinen Kopf fordern, oder ihm die "Werkschafenden" aus dem Land fliehen (um nicht eingezogen zu werden).

Die werfen rein, was sie haben um rechtzeitig Tatsachen zu schaffen, bevor man sich dann doch in naher/mittlerer/ferner (?) Zukunft an den Verhandlungstisch setzt.
Russland wirft alles rein weil es weiß das es diesen Krieg so nicht ewig führen kann, egal wie sehr er sich bemüht Russlands wirtschaftliche Situation als stabil und gut darzustellen.

Putin muss zwar nicht fürchten das man im Westen plötzlich doch ernst machen könnte und die Ukraine förmlich mit Waffen "zuscheißen" könnte, aber auch Putin dürfte hinter verschlossenen Türen klar sein das die russische Wirtschaft langsam auch anfängt aus allen Löchern zu japsen, wo die Staatseinnahmen aus den wichtigsten Rohstoffexporten bis 2027 um 17% sinken, der Leitzins bereits bei 21% liegt und ein russischer Kuh-Melker heute (nach 2 Jahren Krieg) bereits soviel verdient wie eine studierte IT-Fachkraft, zeigt wie sehr die russische Wirtschaft bereits auf dem Zahnfleisch geht, wie hoch die Inflation ist und wie sehr der Arbeitskräftemangel in Russland bereits durchschlägt (während die Prämien für Verpflichtungen als Soldat in immer kürzeren Abständen immer astronomischere Gefilde erklimmen).

Er kann diesen Krieg also nicht beliebig lange fortführen, ohne das ihm die Wirtschaft vollständig abklappen wird, also muss er jetzt noch soviel Ukraine in Beschlag nehmen wie er kann und dann verhandeln, oder den Krieg einfrieren, bevor der Punkt kommt wo er mehr verlieren könnte als er durch den Krieg gewonnen hat, auf Grund eines eintretenden wirtschaftlichen Kolaps.

Die im Verhältnis wenigen qualitativ besseren/teureren Waffen die Russland nicht einsetzt (z.B. die handvoll T-14 Armata oder SU-57), setzt Russland sicherlich deshalb nicht ein, da sie kaum Mehrwert bieten und genauso in Verlust geraten, wie Altmaterial.
Daraus wird aber eben nicht der Umkehrschluss, dass Russland auf enormen Materialreserven von hoher Güte sitzt.
Niemand wird wohl ernsthaft glauben das Russlands Lager noch voll von qualitativ höherwertigen Material sind.
T-14 und SU-57, sofern überhaupt, wie im Fall des T-14 serienreif, sind vor allen eines, sehr teuer und wenn Russland eines nicht hat, dann soviel Geld im Überfluss, das es es sein Massenheer mit sehr teuren state of the Art Waffen ausrüsten kann, besonders dann nicht wenn es keine Großabnehmer für den Export findet, um die Kosten für das einrichten einer Produktion zu senken, die mehr als 5 Panzer / Flugzeuge pro Jahr bauen kann.

Weiterhin ist die Modernisierung resp. Produktion besserer Waffensysteme nach wie vor von westlicher/fremder Technologie abhängig. Die Sanktionen zeigen hier im Detail tatsächlich Wirkung.
Nein zeigen sie nicht (über punktuelle Wirksamkeit hinaus), wie die Ukrainer schon zichfach an Hand handfester Bildbelege gezeigt haben, ist es für Russland immer noch vielzu problemlos möglich notwendige Komponenten zu beziehen, die es eigentlich nicht beziehen können sollen dürfte, da sanktioniert.

Es gibt Berichte, dass beispielsweise bestimmte technische Komponenten des T-90 (der modernste Kampfpanzer, der auch eingesetzt werden kann) nicht verfügbar sind und die Neuproduktion (man schätzt unter aktuellen Umständen ~300 Stück p.a.) unter Ermangelung dieser Komponenten stattfindet. Womit die eigentliche Qualität dieser relativ modernen Waffensysteme nicht ausgenutzt werden kann.
Was effektiv aber keine große Rolle spielt, da in der Ukraine nicht Panzer Gefechtsfeld bestimmend sind und selbst wenn sie es wären würde es immer noch keine signifikante Rolle spielen, weil vorher das geringe Produktionsvolumen neuer Panzer und die gedeckelte Personaldecke mehr handycapt, als ob Russland seinen T-90 vielleicht nicht mit second gen Nachtsicht ausrüsten kann.

Im Gegenzug dafür gibt es jede Menge "hochqualitative" Systeme die Russland ins Spiel bringt - weil sie einen Nutzen haben und verfügbar sind: z.B. S400/S500, Ch-47M2 Kinschal, diverse Radar- und EloKa-Systeme, Drohnentechnik usw.
Und genau da versagen die Sanktionen nachweislich und wären viel wichtiger / entscheidender, das sie greifen.
 
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Unwichtig ob heute Nordkoreaner auf russischer Seite in der Ukraine kämpfen.
Geschichte und Erinnerungskultur wird nach dem Ende eines Krieges geschrieben und da kann man die Nordkoreaner dann durchaus raussparen, genauso wie in Russland nach dem Ende des WW2 aus seiner Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur (und der der Ostblockstaaten) den Anteil und die Rolle der Westmächte, für Russlands Durchhaltefähigkeit und den Sieg, weitestgehend rausgestrichen hatte.

Und wie man Russlands Stärke im Krieg im Ausland wahrnimmt ist für Putin auch erstmal nur zweitrangig.
An erster Stelle steht wie es im eigenen Land wahrgenommen wird.
Das sehe ich eben nicht so.
Putin weiß mMn sehr gut um die Wahrnehmung des Westens und zieht diese immer in sein politisches Kalkül mit ein.
Nicht zuletzt aus diesen Erwägungen heraus nutzt er ja auch intensiv die hybride Kriegsführung seiner "Cybertruppen" und u.a. Beeinflussung sämtlicher relevanter Wahlen im Ausland.
Noch hat Vladimir diesen Krieg im Übrigen auch nicht gewonnen.
Und "Geschichte wird vom Sieger geschrieben" o.ä. greift hier zu kurz. Egal wie dieser Krieg ausgeht, wird er zweifellos weitreichende Nach- und Auswirkungen haben - das Engagement von Iran, Nordkorea usw werden nicht folgenlos in Vergessenheit geraten. Realpolitk hin oder her.
Natürlich will Putin die Meinungshoheit über das geschehen haben, aber sowohl wir, als auch die Russen leben im vernetzten Internetzeitalter.

Ich denke nicht das die Russen sich da groß Sorgen um Reaktionen aus dem Westen (bzgl. der Nordkoreaner) machen, sonst wäre man diesen Schritt nicht gegangen.
Es wäre nicht das erste Mal, das Putin sich hinsichtlich des "Westens" ziemlich verschätzt - siehe 3-Tages-Spezialoperation vom 24.02. - 26.02.2022 in der Ukraine inkl. der vorangeschickten Drohungen "sich hier nicht einzumischen, sonst passiert gaaaaanz schlimmes".
"Sorgen" wäre hier auch der falsche Begriff. Der Westen wird sicherlich keine Truppen in die Ukraine schicken, was langsam aber sicher wohl notwendig wäre, um die Ziele zu erreichen - allerdings kann man Russland sehr weh tun, in dem man Schlüsselindustrien, Verkehrsknotenpunkte, Energieinfrastruktur usw. unter effektive(re)n Beschuss nimmt.
Wenn es so kommt, wird Putin das nicht unkommentiert hinnehmen.

Man hat in Russland ja die letzten 2 Jahre sehr deutlich vorgeführt bekommen das man im Westen ehr und mehr winselt (was man alles nicht tun wird) als kläfft (was die Konsequenz ist, wenn man von russischer Seite etwas tut).
Der Westen ist mir auch zu zurückhaltend, aber wenn Putin eine Zwischenrechnung anstellt, wird er konstatieren müssen:
  • Die NATO wurde aufgeweckt und vergrößert - traditionell blockfreie, quasi-neutrale Staaten wie Schweden und Finnland haben sich sehr deutlich gegen Russland positioniert.
  • Sämtliche westliche Länder rüsten sich und osteuropäische Partner auf.
  • Die russische Wirtschaft geht auf dem Zahnfleisch, Abhängigkeiten in alle Richtungen sind überdeutlich
  • Russisches Know-How und junge Männer sind zu hundertausenden ins -teils unfreundliche- Ausland abgewandert
  • Einige ehemalige Juniorpartner sind mittlerweile auf Augenhöhe, wie z.B. Iran oder Nordkorea
  • Ehemalige internationale Abenteuer- und Spielwiesen sind erstmal auf Sparflamme (Syrien, Afrika) runtergeregelt
  • China und Indien geben mehr und mehr vor, welche Lieder die Kapelle in Russland spielen kann
Nein zeigen sie nicht (über punktuelle Wirksamkeit hinaus), wie die Ukrainer schon zichfach an Hand handfester Bildbelege gezeigt haben, ist es für Russland immer noch vielzu problemlos möglich ist, notwendige Komponenten zu beziehen, die es eigentlich nicht beziehen können sollen dürfte, da sanktioniert.
Obwohl vielfach kritisiert und als vollkommen wirkungslos tituliert, haben die Sanktionen durchaus sichtbare Auswirkungen auf Russlands technologische Fähigkeiten. Nicht alles kann und wird dauerhaft von China kompensiert werden.

Vielmehr wirken die Sanktionen langfristig und nicht, wie naiverweise gehofft, schlagartig.
Sie müssen eigentlich als eine von mehreren Komponenten des Widerstandes gesehen werden.

Nicht zu sanktionieren wäre im Übrigen noch weniger erfolgreich!
 
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Die russischen Militärblogger haben eine sehr große Reichweite und ausländische Medien bekommen die auch noch -teils ungefiltert- mit.
Was ich mitbekommen habe ist, dass man den Einsatz der Nordkoreaner in militärischen Kreisen nicht wirklich begrüßt und sehr zurückhaltend ist.

Was ich mitbekommen habe, kritisieren russische Militärblogger seit bald drei Jahren allesmögliche, ohne dass das die Popularität von Putin nicht nennenswert geschmälert hätte. Weiß nicht, wie das zu deiner "großen Reichweite" passt, aber auf keinen Fall sehe ich einen Anlass, warum es diesmal anders als die unzähligen Male zuvor sein sollte.

Das ist schwierig zu beurteilen, welche Abwägungen hier getroffen wurden und ob Xi hier informiert / involviert ist (was ich vermute).

Informiert wäre er sogar, wenn Kim und Putin das nicht wollten. Aber die ganze Geschichte läuft komplett Xis bisheriger Strategie zuwider. Ich glaube somit nicht, dass er nach Zustimmung gefragt wurde.

Das internationale Echo, dass die Nordkoreaner nun unmittelbar mit Truppen mitmischen ist enorm und wird von Russland selbstverständlich genau beobachtet.

Putin werden vor lauter Echo, alias sich stetig schwächer wiederholender Schalwellen ohne funktion, sicherlich schon die Knie schlottern.

Man macht nun einen Schritt, der wiederum auf der Gegenseite zu einer Reaktion führen kann.

Kann er das? 100 Schritten, die Putin bislang gemacht haben, haben vielleicht 10 ein Reaktiönchen nach sich gezogen und das wars. Es sind bislang nicht so aus, als wäre das diesmals anders. Wie gesagt: Die Debatten um die Unterstützung der Ukraine drehen sich schon lange nicht mehr um Taten Putins oder den Bedarf der Ukraine, sondern überall wo man hinguckt (USA, Deutschland, UK, Frankreich,...) um nationale Budgets und realtitätsferne oder progandageprägte Idealismusdebatten. Diesseits von Nuklearwaffen sehe ich kaum etwas, was Putin machen könnte, dass überhaupt noch in die nationalen Diskurse eindringen würde. Und im Moment reden sowieso alle über Israels zweiten Krieg, Ukraine ist für die öffentliche Empörung Schnee von gestern.

Und die kann sein, dass man nach vielerlei Zögern dem ukrainischen Drängen nachgibt, westliche Waffen tief in Russland verwenden zu dürfen. Das wäre im Übrigen auch nur ein logischer und angemessener Schritt.

Den diverse Verantwortliche in genauso logischen und angemessenen Situationen schon x-fach ausgeschlossen haben und der im Moment nicht einmal zur Debatte steht. Nur zur Erinnerung: Wahlen werden mittlerweile von Parteien gewonnen, die die Ukraine an Putin verfüttern und dann mit Anlauf hinterherspringen wollen. Und der gemäßigte Rest stellt nicht etwa so etwas wie Haltung dagegen, sondern biedert sich an und übernimmt eine Forderung der Undemokraten nach der anderen.

Und das weiß Putin auch (er hats schließlich teilweise beauftragt).

Was will Russland tun? Noch mehr die Ukraine überfallen? Noch heftiger mit Atomwaffen drohen?

Wieso sollte Russland etwas anderes tun als das, was sie mittlerweile Tag für Tag tun: Teile der Ukraine unter ihre Kontrolle bringen und deren Infrastruktur auf ein im Winter lebensgefährliches Maß zusammenzuschießen.

Die Zeit spielt für Putin, der muss nichts tun. Der muss nur weitermachen wie bisher und hoffen, dass niemand anderes was tut. Aber die Gefahr besteht bei Scholz nicht, die Gefahr besteht bei Trump nicht, etc.

Die werfen rein, was sie haben um rechtzeitig Tatsachen zu schaffen, bevor man sich dann doch in naher/mittlerer/ferner (?) Zukunft an den Verhandlungstisch setzt.

:what:
Russland wird sich genau dann an den Verhandlungstisch setzen, wenn man ihnen Ukraine-Teile auf dem Silberteller überreicht. Das müssen keine Tatsachen geschaffen werden. Es ist ja niemand mehr bereit, Russland auf andere Wege zu Verhandlungen zu zwingen.

Daraus wird aber eben nicht der Umkehrschluss, dass Russland auf enormen Materialreserven von hoher Güte sitzt.

Das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe nur gesagt, dass der Einsatz von nordkoreanischen Granaten, sollten diese älter/qualitativ schlechter/etc. sein bei Schonung der eigenen, besseren Bestände, 1A zur bisherigen Taktik passen würde: Material nehmen, dass gerade gut genug ist und davon möglichst viel.

Es gibt Berichte, dass beispielsweise bestimmte technische Komponenten des T-90 (der modernste Kampfpanzer, der auch eingesetzt werden kann) nicht verfügbar sind und die Neuproduktion (man schätzt unter aktuellen Umständen ~300 Stück p.a.) unter Ermangelung dieser Komponenten stattfindet. Womit die eigentliche Qualität dieser relativ modernen Waffensysteme nicht ausgenutzt werden kann.

Und es gibt Berichte, dass eben genau diese Spar-Ausgaben des 90M sowie in noch viel größerer Stückzahl ältere Modelle seit über zwei Jahren den Löwenanteil der eingesetzten Panzer ausmachen und selbst die werden seit längerem schonend eingesetzt, während die Hauptlast ollste Artillerie (z.T. nicht mal selbstfahrend) trägt. Die guten/Vollversions 90M, von denen Russland in den letzten zwei Jahrzehnten eine ansehnliche Zahl hat produzieren können (verglichen z.B. mit der größe der innerhalb der EU einsatzbereiten Kampfpanzer der jeweils neuesten Generation) wurden dagegen nur im ersten Kriegsjahr und auch da nicht unbedingt in großer Zahl gesichtet. Die sind für die Landesverteidigung abgestellt, nicht dafür in "Spezialoperationen" verheizt zu werden.

Im Gegenzug dafür gibt es jede Menge "hochqualitative" Systeme die Russland ins Spiel bringt - weil sie einen Nutzen haben und verfügbar sind: z.B. S400/S500, Ch-47M2 Kinschal, diverse Radar- und EloKa-Systeme, Drohnentechnik usw.

S400/S500 werden afaik fast ausschließlich in ihrer eigentlichen Rolle zur Luftabwehr eingesetzt und die spielt mangels ukrainischer Luftangriffsmöglichkeiten eine untergeordnete Rolle, da "verbraucht" Russland nichts. Die besseren Radarsysteme sind, nach einigen schlechten Erfahrungen, genauso wie die Elokas von Anfang an ebenfalls in sicherer Entfernung platziert. Als Behelfsraketenartillerie werden dagegen S300 verschossen, die Drohnen sind allerbillgste Massenware mit Teilen, die wortwörtlich aus Hobbykellern oder von Temu stammen und in den eingesetzen Kinshals wurden schon x-fach minderwertige nicht-militärische Elektronikbauteile aus den letzten zwei Jahren gefunden (=> auch hier verschießt Putin nicht, was er sämtliche Vorkriegsschätzungen nach noch aus der Regelproduktion im Arsenal liegen haben müsste, sondern er nutzt den Notbehelfskram, der aktuell vom Band läuft)

Der gesamte Vormarsch läuft nach dem Prinzip "Masse statt Klasse", wobei selbst das Russland mögliche Maß an Klasse weit unterboten wird.


Und "Geschichte wird vom Sieger geschrieben" o.ä. greift hier zu kurz. Egal wie dieser Krieg ausgeht, wird er zweifellos weitreichende Nach- und Auswirkungen haben - das Engagement von Iran, Nordkorea usw werden nicht folgenlos in Vergessenheit geraten.

Und die Einnahme an von (großen) Teilen der Ukraine wird auch Bestand haben, so wie die restliche Welt das Theman hinten an stellt.

Der Westen ist mir auch zu zurückhaltend, aber wenn Putin eine Zwischenrechnung anstellt, wird er konstatieren müssen:
  • Die NATO wurde aufgeweckt und vergrößert - traditionell blockfreie, quasi-neutrale Staaten wie Schweden und Finnland haben sich sehr deutlich gegen Russland positioniert.
  • Sämtliche westliche Länder rüsten sich und osteuropäische Partner auf.
  • Die russische Wirtschaft geht auf dem Zahnfleisch, Abhängigkeiten in alle Richtungen sind überdeutlich
  • Russisches Know-How und junge Männer sind zu hundertausenden ins -teils unfreundliche- Ausland abgewandert
  • Einige ehemalige Juniorpartner sind mittlerweile auf Augenhöhe, wie z.B. Iran oder Nordkorea
  • Ehemalige internationale Abenteuer- und Spielwiesen sind erstmal auf Sparflamme (Syrien, Afrika) runtergeregelt
  • China und Indien geben mehr und mehr vor, welche Lieder die Kapelle in Russland spielen kann

Wenn die Paranoia bei Putin nicht um Größenordnungen über dem Intellekt liegt, dann ist eine aufrüstende NATO doch das beste, was ihm passieren kann. Bislang musste er sonstwas zusammenschwurbeln, um eine Bedrohungslage zu konstruieren. Aber "wachsende Angriffstruppen sammeln sich an der Westgrenze" wären ein Geschenk des Himmels für sein Regime. Genauso wie der Grad der Diktatur in Kuba seit Jahrzehnten fröhlich mit den amerikanischen Sanktionen skaliert. Ebenfalls nicht ohne Vorteile ist die Flucht sämtlicher halbwegs modern eingestellter Intellektueller ins Ausland und die Entflechtung der Wirtschaft tut zwar vorerst weh, aber einmal erfolgt dürfte sie gerade recht kommen respektive ohnehin auf der todo-Liste gesanden haben.

Einzig die zunehmende Abhängigkeit von China dürfte ein echtes Ärgernis in Putins Augen sein. Aber da kann er in seiner jetzigen Situation halt auch nichts mehr dran ändern und Xi sich in diesem Zuge stärker vom Westen entfernt, ist eine Teilentschädigung.

Vielmehr wirken die Sanktionen langfristig und nicht, wie naiverweise gehofft, schlagartig.
Sie müssen eigentlich als eine von mehreren Komponenten des Widerstandes gesehen werden.

Langfristig brauchen wir friedliches Zusammenleben in Osteuropa, wozu auch vergleichbare Wirtschafts- und Lebensniveaus gehören.
Kurzfristig müssen wir das Unrecht in der Ukraine stoppen.

Wenn die Sanktionen nur ersteres verhindern, aber bezüglich zweitem nichts bringen, wie den naiven Wählern versprochen wurde (und ich stimme seit 2014 zu, dass dem so ist), dann taugen die Sanktionen nichts.
 
Was ich mitbekommen habe, kritisieren russische Militärblogger seit bald drei Jahren allesmögliche, ohne dass das die Popularität von Putin nicht nennenswert geschmälert hätte. Weiß nicht, wie das zu deiner "großen Reichweite" passt, aber auf keinen Fall sehe ich einen Anlass, warum es diesmal anders als die unzähligen Male zuvor sein sollte.
Wieso soll das nicht passen? Die Mil-Blogger haben unbestreitbar eine große Reichweite innerhalb Russlands, womit eben nicht alles totgeschwiegen werden kann (was du behauptet hast). Es gibt dort regelmäßig einige (meist indirekt formulierte) Kritik an Putin.
Aber nicht in unserem Sinne, sondern eher in die Richtung, dass man noch härtere Mittel anwenden sollte.

Putin werden vor lauter Echo, alias sich stetig schwächer wiederholender Schalwellen ohne funktion, sicherlich schon die Knie schlottern.
Da hast Du jetzt aber etwas viel hinein interpretiert.
Mit keiner Silbe habe ich gesagt, dass ihn die westliche Reaktion beeindruckt.
Mir ging es nur darum festzuhalten, dass Putin internationale Reaktionen sehr wohl registriert und diese selbstverständlich auch in seinen Überlegungen mit einkalkuliert werden - ohne Wertung!

Natürlich KANN er das. Der Satz ist exakt so zu lesen, wie er da steht.
Auch hier interpretierst du mehr rein, als gesagt wurde.

Ich selber glaube aber natürlich auch eher nicht, dass nun ein krasser Umschwung passiert.
Dafür müsste, wenn überhaupt, schon mehr passieren, als 10.000 Nordkoreaner, die irgendwo in Kursk rumlungern.

Wer aber kann schon konkret vorhersagen, was passiert, wenn sich die Lage nun wirklich deutlich schlimmer entwickelt, denn aktuell steht die Ukraine unter enormen militärischen Druck im Donbass.

Selenskyi beschwert sich in diesem Zusammenhang zurzeit lautstark über zu wenig US-Hilfe (das hat er so deutlich noch nie gemacht) und darüber dass Teile seines "geheimen" Siegesplans (Wunsch nach Tomahawk Marschflugkörpern) nach außen drangen und nun durch die Gazetten gehen.
Die Verstimmung ist fast schon greifbar und verheißt nichts Gutes.

Das spielt Putin in die Karten. Er wird noch ne Schippe drauflegen und versuchen die Gunst der Stunde zu nutzen.


S400/S500 werden afaik fast ausschließlich in ihrer eigentlichen Rolle zur Luftabwehr eingesetzt und die spielt mangels ukrainischer Luftangriffsmöglichkeiten eine untergeordnete Rolle, da "verbraucht" Russland nichts. Die besseren Radarsysteme sind, nach einigen schlechten Erfahrungen, genauso wie die Elokas von Anfang an ebenfalls in sicherer Entfernung platziert. Als Behelfsraketenartillerie werden dagegen S300 verschossen, die Drohnen sind allerbillgste Massenware mit Teilen, die wortwörtlich aus Hobbykellern oder von Temu stammen und in den eingesetzen Kinshals wurden schon x-fach minderwertige nicht-militärische Elektronikbauteile aus den letzten zwei Jahren gefunden (=> auch hier verschießt Putin nicht, was er sämtliche Vorkriegsschätzungen nach noch aus der Regelproduktion im Arsenal liegen haben müsste, sondern er nutzt den Notbehelfskram, der aktuell vom Band läuft)
Sowohl S400-, als auch die hochwertigen Radarsysteme wurden von der Ukraine bereits mehrfach getroffen.
Der Punkt ist: Sie werden eingesetzt und nicht künstlich zurückgehalten.

Natürlich geht nicht jeder produzierter Panzer direkt zur Front, aber Russland hat schlicht keine besonders hochwertig ausgerüsteten Panzerbataillone & Co an den NATO Grenzen stehen.

Diese nennenswerten Reserven mit überdurchschnittlicher Qualität für eine etwaige NATO Konfrontation gibt es afaik einfach nicht.
Sehr wahrscheinlich wären wir überrascht, wie blank Russland darstehen würde, wenn man es ernsthaft und gekonnt angreifen würde!

Dafür sprechen etliche Berichte von grenznahen Truppen (Grenze zu Norwegen), die Gerät und Personal an die kämpfenden Truppen in der Ukraine abgeben mussten und der Umstand, dass Russland von der NATO-Seite keine aktive Aggression zu erwarten hat.
Wozu auch, wenn man doch den ATOM-Joker immer wieder gerne zieht, um den Westen auf Abstand zu halten ?!

Gerne lasse ich mich mit Quellen vom Gegenteil überzeugen, ansonsten ist das nichts weiter als deine Einschätzung - was okay ist, aber nicht als Fakt durchgeht.

Wenn die Paranoia bei Putin nicht um Größenordnungen über dem Intellekt liegt, dann ist eine aufrüstende NATO doch das beste, was ihm passieren kann. Bislang musste er sonstwas zusammenschwurbeln, um eine Bedrohungslage zu konstruieren. Aber "wachsende Angriffstruppen sammeln sich an der Westgrenze" wären ein Geschenk des Himmels für sein Regime. Genauso wie der Grad der Diktatur in Kuba seit Jahrzehnten fröhlich mit den amerikanischen Sanktionen skaliert. Ebenfalls nicht ohne Vorteile ist die Flucht sämtlicher halbwegs modern eingestellter Intellektueller ins Ausland und die Entflechtung der Wirtschaft tut zwar vorerst weh, aber einmal erfolgt dürfte sie gerade recht kommen respektive ohnehin auf der todo-Liste gesanden haben.
So kann man sich aber wirklich alles zurechtrücken.

Nein. Natürlich ist die Stärkung/Erweiterung der NATO strategisch ungünstig für Russlands weitere Ambitionen (z.B. Baltikum), völlig egal wie Putin das seinem Volk verkauft.
Die Russen wissen unter dem Strich durchaus, dass sich an der NATO Grenze keine Angriffstruppe sammelt.

Das eine ist, was er sagt, das andere aber ist, was er weiß.

Auch wissen Putin und seine Generäle um die eigene sehr schwache militärische Performance gegen ein kleineres Nachbarland, dass nur sehr halbherzig unterstützt wurde und Russland trotzdem einen enormen Blutzoll abverlangt hat.
Putin weiß, dass er konventionell einer Konfrontation mit der NATO unterlegen ist und die NATO eine solche Konfrontation nicht beginnen wird.
 
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Torsten Heinrich fast gut zusammen warum es für Russland wirtschaftlich nicht so rosig ausschaut (u.a. hatte ich das im letzten Post ja schon grob Gestern angerissen), wie es nach außen gerne darzustellen versucht und warum die russische Sommeroffensive in der Ukraine für Russland eigentlich (laut Igor Girkin) nur ein taktisches Unentschieden ist, sowie im Grunde eine strategische Niederlage:

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Wieso soll das nicht passen? Die Mil-Blogger haben unbestreitbar eine große Reichweite innerhalb Russlands, womit eben nicht alles totgeschwiegen werden kann (was du behauptet hast).

Reichweite bedeutet Einfluss. Ich sehe aber null Einfluss dieser Blogger. Die kritisieren seit 2,5 Jahren intensiv das Regime und das ist dem Rest von Russland sowas von egal, dass Putin es nicht einmal nötig hat, dagegen vorzugehen. Ich weiß nicht, worauf du deine Reichweitenthese baust, aber offensichtlich sind die Wirkungen dieser Blogs auf eine irrelevante Bubble beschränkt und der politischen Führung somit zu recht scheißegal.
(Und dabei spielt es keine Rolle, welche Alternativen von Bloggern gefordert werden. Prigoschin war auch nicht für Friedensverhandlungen, aber dessen Kritik hatte Reichweite.)

Da hast Du jetzt aber etwas viel hinein interpretiert.
Mit keiner Silbe habe ich gesagt, dass ihn die westliche Reaktion beeindruckt.
Mir ging es nur darum festzuhalten, dass Putin internationale Reaktionen sehr wohl registriert und diese selbstverständlich auch in seinen Überlegungen mit einkalkuliert werden - ohne Wertung!

Jo - und in diesem Fall lautet die Wertung halt "so wichtig wie ein Sack Reis in China". Weswegen ich nicht so ganz verstehe, was du uns mit deinem "enormen internationalen Echo", "Provokation von Langstreckenfreigaben" und "riskiert einiges" eigentlich sagen willst, wenn du die internationale Reaktion doch als das siehst, was sie ist: Ein Lufthauch im Wasserglas?

Natürlich KANN er das. Der Satz ist exakt so zu lesen, wie er da steht.
Auch hier interpretierst du mehr rein, als gesagt wurde.

Ditto: Ich interpretiere nur soviel rein, dass deine vorangehenden Aussagen mehr als bedeutungslos werden, denn offensichtlich willst du ja irgend ein wichtiges Gegenargument ausdrücken. Aber das scheint halt falsch zu sein. (Also entweder das Argument oder mein Eindruck, dass da eins gewesen sein soll.)

Selenskyi beschwert sich in diesem Zusammenhang zurzeit lautstark über zu wenig US-Hilfe (das hat er so deutlich noch nie gemacht) und darüber dass Teile seines "geheimen" Siegesplans (Wunsch nach Tomahawk Marschflugkörpern) nach außen drangen und nun durch die Gazetten gehen.
Die Verstimmung ist fast schon greifbar und verheißt nichts Gutes.

Das spielt Putin in die Karten. Er wird noch ne Schippe drauflegen und versuchen die Gunst der Stunde zu nutzen.

Ich denke eher, dass die aktuelle Intensivierung der russischen Aktivitäten die schon zweimal zuvor beobachtete kurz-vor-Winter-Offensive ist. Die Nicht-Politik des Westens hat damit nichts zu tun. Großbritannien ist mit einem Haushaltsloch beschäftigt und in Frankreiche, USA und Deutschland sprechen sich Wählermehrheiten für Putin-treue Parteien aus, die anderen Politiker trauen sich aus Angst vor Stimmenverlust nicht mehr, das Thema überhaupt anzusprechen oder lehnen sich an rechtsradikale Narrative an. Die Unterstützung der Ukraine wurde lange verschleppt und dann über Israel hinweg ganz vergessen. Jetzt agiert Putin, wie ursprünglich von ihm geplant, zunehmend in einem abgeschlossenen Raum, in den sich höchstens noch ein paar Osteuropäer einmischen.
Und Selensky hat die letzte große Vorratslieferung, die Biden mit Blick auf Trump durchgedrückt hat, für den Kursk-Stunt verheizt.

Sowohl S400-, als auch die hochwertigen Radarsysteme wurden von der Ukraine bereits mehrfach getroffen.
Der Punkt ist: Sie werden eingesetzt und nicht künstlich zurückgehalten.

Die Ukraine hat sie in Verteidigungsstellungen um seit längerem bestehende größere russische Militärbasen getroffen. Von Treffern bei einem offensiven Einsatz vorgeschoben in der Ukraine wüsste ich nichts.

Gerne lasse ich mich mit Quellen vom Gegenteil überzeugen, ansonsten ist das nichts weiter als deine Einschätzung - was okay ist, aber nicht als Fakt durchgeht.

Da sämtliche einschlägigen Stichworte rauf und runter durch die Medien gegangen sind, kann ich die Bestandsquellen von vor 2,5 Jahren jetzt nicht mehr ausfindig machen. Aber damals hieß es auf alle Fälle, dass Russland das seitdem gehaltende Verschleiß-/Verbrauchsniveau noch einige Jahre halten kann und diese Angabe wurde zwar ein paar mal abgesenkt, aber nie auch nur annähernd auf 0 korrigiert, bevor die Berichte über neuproduziertes Material oder gar neue Typen überhand nahmen.
Also entweder waren die initialen Berichte über russische Reserven komplett falsch/eine Größenordnung zu hoch, oder was 2022 in den Arsenalen lag, liegt heute immer noch dort. Berichte über Lagerräumungen kamen ausdrücklich nur bezüglich (ur)altem Sowjetmaterial. Erst dadurch hat sich mein Eindruck entwickelt, dass Putin selektiv den alten Schritt verbraucht.

Die Russen wissen unter dem Strich durchaus, dass sich an der NATO Grenze keine Angriffstruppe sammelt.

Dafür, dass "die Russen" deiner Meinung nach alle Wissen, dass sie Putin (der seit deutlich mehr als drei Jahren gegenteilige Darstellungen zum Eckpfeiler seiner Außenpolitik gemacht hat) von vorn bis hinten nach Strich und Faden belügt, ist die Putinbegeisterung aber verdammt groß. Willst du hier ernsthaft die These aufstellen, die Russen fänden es geil, dass man ihnen Märchen auftischt und ihre Söhne dafür zerfleischt?

Sorry, kann ich nicht glauben. Da bleibe ich eher bei meinem bisherigen Eindruck, dass Putins Propaganda wirkt und er erfolgreich das Narrativ einer Verteidgung gegen westliche Bedrohung aufrecht erhält. Was ihm in Zukunft um so leichter fallen wird, je mehr der Westen aufrüstet.

Das er umgekehrt null Chancen auf einen militärischen Umschwung im Baltikum hat, wusste er schon vor 2022. Und dementsprechend kann es ihm auch scheiß egal sein, wie groß das Verteidigungspotential der NATO wirklich ist. Wichtig ist mittelfristig nur, dass es jenseits der Grenzen von Ukraine und Moldau bleibt/keinen nicht-NATO-Staaten zur Verfügung gestellt wird. Darüberhinaus mag er zwar Ambitionen haben und möglicherweise waren die sogar mal militärischer Natur. Aber dass seine angekündigte weitere Aufrüstung nicht einmal den Verbrauch abdecken kann, wird selbst ihm klar geworden sein. Die Ukraine bekommt er, so wie unsere Politiker nicht-handeln, mittelfristig noch und danach ist Moldau leichtes Spiele, Georgien wird auch gerade vorbereitet.

Aber darüber hinaus würde es mindestens bis 2050 dauern, ehe Russland gegenüber einem auf normalem Niveau modernisierenden Westen die relative militärische Stärke zurück erlangen würde, die Analysten 2021 gesehen haben. Bis dahin ist Putin aus rein biologischen Gründen tot und dementsprechend egal wird ihm sein, dass man für Angriffe auf Estland noch weitaus stärker aufrüsten müsste, weil die Verteidigung jetzt ausgebaut wird. Gegen NATO-Mitglieder ist nicht-militärische Kriegsführung und politische Einflussnahme viel erfolgversprechender und genau da sehen wir ja auch seit Jahren eine Intensivierung der Maßnahmen. Die demokratische Lage in Ungarn ist mittlerweile auf dem Niveau Russlands vor 20-25 Jahren, der Sultan hat einen BRICs-Antrag gestellt, in größeren Teilen Deutschlands haben Pro-Putinparteien die absolute Mehrheit und das ist, wie eingangs dargelegt, europaweit kein Ausnahmefall.
 
Da sämtliche einschlägigen Stichworte rauf und runter durch die Medien gegangen sind, kann ich die Bestandsquellen von vor 2,5 Jahren jetzt nicht mehr ausfindig machen. Aber damals hieß es auf alle Fälle, dass Russland das seitdem gehaltende Verschleiß-/Verbrauchsniveau noch einige Jahre halten kann und diese Angabe wurde zwar ein paar mal abgesenkt, aber nie auch nur annähernd auf 0 korrigiert, bevor die Berichte über neuproduziertes Material oder gar neue Typen überhand nahmen.
Also entweder waren die initialen Berichte über russische Reserven komplett falsch/eine Größenordnung zu hoch, oder was 2022 in den Arsenalen lag, liegt heute immer noch dort. Berichte über Lagerräumungen kamen ausdrücklich nur bezüglich (ur)altem Sowjetmaterial. Erst dadurch hat sich mein Eindruck entwickelt, dass Putin selektiv den alten Schritt verbraucht.
Naja, von dem was bisher als beschädigt, zerstört und gekapert gemeldet wurde, waren auch viele moderne Fahrzeuge mit dabei. Wenn Putin bewusst was zurückhält kann das nicht soviel sein.
 
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Reichweite bedeutet Einfluss. Ich sehe aber null Einfluss dieser Blogger. Die kritisieren seit 2,5 Jahren intensiv das Regime und das ist dem Rest von Russland sowas von egal, dass Putin es nicht einmal nötig hat, dagegen vorzugehen. Ich weiß nicht, worauf du deine Reichweitenthese baust, aber offensichtlich sind die Wirkungen dieser Blogs auf eine irrelevante Bubble beschränkt und der politischen Führung somit zu recht scheißegal.
(Und dabei spielt es keine Rolle, welche Alternativen von Bloggern gefordert werden. Prigoschin war auch nicht für Friedensverhandlungen, aber dessen Kritik hatte Reichweite.)
Wie ist denn "Einfluss" von Informationen auch schon zu messen?
Es ist nämlich nicht so, dass eine Information direkt etwas bewirkt oder Verhaltensänderungen hervorruft.
Darüber hinaus sind die meisten Russen patriotisch und -selbst wenn sie Putin nicht so doll finden- dennoch Unterstützer ihres Vaterlandes und damit des Angriffskrieges. Wer verliert schon gerne?
Ist doch eigentlich nicht so schwer zu verstehen.

Jo - und in diesem Fall lautet die Wertung halt "so wichtig wie ein Sack Reis in China". Weswegen ich nicht so ganz verstehe, was du uns mit deinem "enormen internationalen Echo", "Provokation von Langstreckenfreigaben" und "riskiert einiges" eigentlich sagen willst, wenn du die internationale Reaktion doch als das siehst, was sie ist: Ein Lufthauch im Wasserglas?
Ich bleibe dabei, dass Putin internationale Reaktionen grundsätzlich mit einkalkuliert (ob so gewertet wie du es sagst oder nicht) und mitnichten ignoriert. Was ich damit sagen will? Genau das!

Großbritannien ist mit einem Haushaltsloch beschäftigt und in Frankreiche, USA und Deutschland sprechen sich Wählermehrheiten für Putin-treue Parteien aus, die anderen Politiker trauen sich aus Angst vor Stimmenverlust nicht mehr, das Thema überhaupt anzusprechen oder lehnen sich an rechtsradikale Narrative an.
Wo gibt es in Deutschland, USA oder in Frankreich denn eine Mehrheit für Putin-treue Parteien (außer in einigen ostdeutschen Regionen)? Das ist ja haarsträubend hanebüchen.
So langsam glaube ich, dass deine vielen Worte und vermeintliche Eloquenz teilweise sehr krude Thesen überdecken.

Die Ukraine hat sie in Verteidigungsstellungen um seit längerem bestehende größere russische Militärbasen getroffen. Von Treffern bei einem offensiven Einsatz vorgeschoben in der Ukraine wüsste ich nichts.
Du biegst dir alles zurecht, nur um am Ende immer Recht zu haben, oder?
Auf einmal redest du von offensiven Einsätzen - wenn ich dir dafür ein Beispiel liefern würde, kämst Du wahrscheinlich mit dem "Argument", dass Russland aber keine S400 Systeme über Kiew abgeworfen hat.
Oh Boy.
Der Punkt ist immer noch: Russland hält keine modernen (und zugleich effektiven) Waffensysteme zurück, nur um sich damit gegen eine Konfrontation mit der NATO zu rüsten - wobei du zeitgleich schreibst, dass das Feindbild NATO hauptsächlich ein Produkt seiner Propaganda sei. Das passt dann ja nicht so 100%ig zusammen.
Nein. Es ist einfacher. Das Material, was Russland zurück hält, ist einfach entweder nicht nützlich, oder schlicht zu teuer, oder noch eher: zu prestigeträchtig, um es zu verlieren.

Da sämtliche einschlägigen Stichworte rauf und runter durch die Medien gegangen sind, kann ich die Bestandsquellen von vor 2,5 Jahren jetzt nicht mehr ausfindig machen. Aber damals hieß es auf alle Fälle, dass Russland das seitdem gehaltende Verschleiß-/Verbrauchsniveau noch einige Jahre halten kann und diese Angabe wurde zwar ein paar mal abgesenkt, aber nie auch nur annähernd auf 0 korrigiert, bevor die Berichte über neuproduziertes Material oder gar neue Typen überhand nahmen.
Also entweder waren die initialen Berichte über russische Reserven komplett falsch/eine Größenordnung zu hoch, oder was 2022 in den Arsenalen lag, liegt heute immer noch dort. Berichte über Lagerräumungen kamen ausdrücklich nur bezüglich (ur)altem Sowjetmaterial. Erst dadurch hat sich mein Eindruck entwickelt, dass Putin selektiv den alten Schritt verbraucht.
Natürlich "verbraucht" Russland unbestreitbar seine Altbestände an Sowjetmaterial.
Es gibt ja auch keine Altbestände an anderem Material ... in den wilden 90ern, sowie den anschließenden Jahren wurde nix auf Halde produziert. Da wurde vornehmlich für den Export gebaut und erst seit ca. 15 Jahren greifen peu a peu (!) wieder Modernisierungen, welche direkt in die Truppe geflossen sind.
Die aktuellen Neuproduktionen sind auf einem (ungesichert) relativ überschaubaren Level - aber natürlich auch deshalb, weil Produktionskapazitäten für die (kostengünstigere) Wiederherstellung / Reparatur / Ertüchtigung von brauchbarem Altmaterial verwendet wird.
Analysten gehen davon aus, dass -sobald die Depots leer laufen bzw. unrentabel werden- die Neuproduktion zwar stärker wird, aber nicht mit den aktuellen Verlusten Schritt halten kann. Aber das ist natürlich, wie so vieles in Russland, einigermaßen spekulativ.

Dafür, dass "die Russen" deiner Meinung nach alle Wissen, dass sie Putin (der seit deutlich mehr als drei Jahren gegenteilige Darstellungen zum Eckpfeiler seiner Außenpolitik gemacht hat) von vorn bis hinten nach Strich und Faden belügt, ist die Putinbegeisterung aber verdammt groß. Willst du hier ernsthaft die These aufstellen, die Russen fänden es geil, dass man ihnen Märchen auftischt und ihre Söhne dafür zerfleischt?
Was legst Du mir denn da schon wieder in den Mund? Wo habe ich denn bitte das geschrieben, dass "alle Russen (!) wissen, dass Putin sie belügt" und wo gibt es bitte denn eine ausgeprägte Putinbegeisterung?

Putin hat die antiwestliche Propaganda nicht erfunden - er wendet sie nur gerne und erfolgreich an, denn sie fällt auf längst fruchtbaren Boden. Ich kann nur auf die von u.a. Prof. Herfried Münkler gerne verwendete Phrase des "postsowjetischen Phantomschmerzes" verweisen.
Das trifft auf große Teile der russischen Gesellschaft zu.
Schau(t) doch nicht immer nur auf Putin.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es geht vor allem um Sicherheiten, die die Ukraine braucht, die aber keiner geben will. Solange sich das nicht ändert, wird nichts passieren.
Russland hat 3/4 der ukrainischen Infrastruktur zerstört und ist kurz davon sie in die Knie zu zwingen.
Warum sollten sie jetzt aufeinmal damit aufhören? Zumal dann noch mehr Menschen in die EU flüchten würden. Was für Putin ein gefundenes Fressen ist. Weil es dann Streit über die Aufnahme der vielen Flüchtlingen gäbe und Europa noch mehr destabiliert würde.
 
Russland hat 3/4 der ukrainischen Infrastruktur zerstört und ist kurz davon sie in die Knie zu zwingen.
Warum sollten sie jetzt aufeinmal damit aufhören? Zumal dann noch mehr Menschen in die EU flüchten würden. Was für Putin ein gefundenes Fressen ist. Weil es dann Streit über die Aufnahme der vielen Flüchtlingen gäbe und Europa noch mehr destabiliert würde.
Die Ukraine braucht Sicherheiten, um einen Deal machen zu können. Russland macht einfach weiter, weil Putin kümmert die Verluste nicht.
 
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