ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Es ist für mich gerade extrem schwierig Dir zu folgen bzw zu verstehen was Du eigentlich sagen möchtest. Ich bin mir nicht sicher ob Du die Begriffe „Miliz“ „Guerillas“ richtig verwendest.
Milizen sind in ihrer eigentlichen Bedeutung immer Teil der Streitkräfte.
Bist Du sicher, dass die ukrainisch-russischen „Guerillas“ nicht Teil der Streitkräfte sind?
"Miliz" war ggf. falsch verwendet, ich wüsste aber auch keinen exakt passenden Fachausdruck und das ist der Umgangssprachlich häufig genutzt. Gemeint sind bewaffnete Freiwilligenverbände von Ukrainern, die unabhängig/auf eigene Faust agieren. Asow zählte nach 2014 lange Zeit dazu und afaik wurden bis heute nicht alle Gruppen in die reguläre Armee eingebunden (haben ja auch schlichtweg nicht alle die nötige Konstanz dazu) und im Zuge der Waffenausgabe nach dem großen russischen Einmarsch sind auch neue entstanden.
"Guerillas": Es gab mehrere Angriffe von autonom agierenden Gruppen auf russische Einrichtungen auf russischem Territorium. Laut Medienberichte bestehen diese Gruppen aus ukrainischen Russen sowie aus russischen Russen mit proukrainischer oder zumindest ausgeprägt anti-putinistischer Einstellung, die unter Nutzung ukrainischer Ressourcen Krieg gegen Russland führen, aber nicht unter ukrainischer Kontrolle stehen. Möglich, dass es auch hierfür einen passenderen Ausdruck gibt - hit & run Manöver aus (Grenz-)Gebieten faktisch ohne staatische Kontrolle sind aber eindeutig Guerillataktiken. "Partisane" würde ich aber nicht aktiv verwenden, auch wenn es fachlich möglicherweise nicht falsch ist, denn diesen Begriff assoziieren viele mit Kämpfern hinter einer Front, nicht selten sogar Gruppen die eher Sabotage- oder Spionageakte aus dem Schutz eines vorgetäuschten Zilistendaseins begehen.
Sagen möchte ich nur, dass diese beiden Gruppen keine ukrainischen Soldaten sind, aber auch keine Söldner.
Die scheinen allerdings kein eigenes schweres Gerät bzw. gepanzerte Kampfwagen zu haben und sind mit den Verhältnissen in Kursk/ der Ukraine nicht wirklich vertraut. Dazu wurden die Nordkoreaner mit Fokus auf einen Konflikt mit Südkorea und den dortigen Umständen ausgebildet.
Ich bin da sehr skepisch, was den Gefechtswert im Ukrainekrieg angeht.
Zum Gerät habe ich noch nichts gehört, aber das ist in beiden Ländern ohnehin sehr ähnlich. Der akute Mangel an Gebirge im Kampfgebiet ist mir aber auch schon aufgefallen.
Dafür riskiert er dann aber einiges:
Nordkorea macht das nicht für umsonst und das russische Image wird dadurch auch noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen (auch intern).
Intern? Wie kommst du darauf? Glaubst du, russische Medien werden darüber berichten, dass Putins glorreiche Armee für eine läppische Spezialaktion auf Unterstützung angewiesen ist? Ganz sicher nicht. Das wird entweder totgeschwiegen oder als großartige Zusammenarbeit des putinschen Verteidigungsbündnis gegen die pöse NATO präsentiert.
Und seinen Ruf im Rest der Welt kann wohl kaum noch schlechter werden. Insbesondere bei all den Staaten, die sich für Nordkorea interessieren würden, denn das sind praktisch nur US-Verbündete.
Das einzige, was er riskiert: Eine Eskalation in Fernost, wenn Kim die Technologie, mit der Putin wohl oder übel wird bezahlen müssen, mittelfristig für Angriffe gegen Südkorea einsetzt. Aber aus Putins aktueller Perspektive dürfte das egal bis sogar vorteilhaft sein, da riskiert er also gar nichts. Ich würde z.B. die Zusammenarbeit mit dem Iran als weitaus riskanter bezeichnen und die Abhängigkeit von China sowieso. Letztere lockert er mit dem jetzigen Manöver sogar eher, denn ein unkontrollierter Kim ist für Xi definitiv ein größeres Problem.
Weiterhin provoziert Putin damit den zögerlichen Westen evtl. doch noch Langstreckenwaffen freizugeben und noch mehr für die Ukraine zu tun. Wäre zumindest nun ein Argument, weil Russland ja auch noch weiter eskaliert ...
Hatte bislang nicht den Eindruck, dass als große Eskalation betrachtet wird und umgekehrt wird Freigabe bei uns doch praktisch ausschließlich als innenpolitisches Wahlkampfthema betrachtet. Da haben Putins Beziehungen zur AFD mehr Einfluss drauf, als die zu Nordkorea. (Wobei beides Kleinkram gegenüber der US-Wahl sein dürfte.)
Das klingt zwar nicht unplausibel, halte ich -angesichts der letztlich doch sehr zähen und verlustreichen Kämpfe- aber für weniger wahrscheinlich, dass Russland nennenswerte Qualität in der Hinterhand hat und diese zurückhält.
Das konnten wir in der russischen Kriegsführung bislang noch niemals beobachten.
Also ich hatte nahezu die gesamte Zeit den Eindruck, dass z.B. die Grenzsicherung zur NATO ihre relativ guten Waffen behält, selbst wenn die Ukraine-Truppen mit dem letzten Scheiß aus der rostigsten Ecke der Kalter-Kriegs-Bestände ausgestattet werden müssen.
Ich denke, es entspricht einfach dem bisherigen russischen Vorgehen, die (meist arme) Bevölkerung, zunächst aus den sibirischen / kaukasischen Provinzen, heranzuziehen und regelrecht zu verheizen. Der massive Einsatz von Strafgefangenen passt natürlich auch ins Bild.
Das ist nichts weiter als das Analog der von mir gesehenen Materialpolitik in Bezug auf das Personal: Putin setzt in der Ukraine überwiegend nicht das Beste ein, was er hat (auch wenn das punktuell vorkommt, vor allem zu Beginn des Krieges), sondern eher worauf er am leichtesten verzichten kann.
Das ist auch konsequent im Rahmen der Grundtaktik: 3 bis spätestens 6 Monate nach dem gescheiterten Blitzkrieg hat die russische Armee auf einen Abnutzungskrieg umgestellt, in dem selten eine qualitative Überlegenheit gebraucht oder auch nur ausgenutzt werden könnte, in dem der Feind aber langsam durch schiere Quantität verschlissen wird. Dafür reichen alte T-64, dafür reichen nordkoreanische Granaten, dafür reichen iranische Drohnen, dafür reichen Knackis.
Vielleicht ist es insgesamt auch einfach günstiger: er gibt Fat-Kim etwas Technologie / Lebensmittel und Zugang zum russischen Markt zzgl. Prestigegewinn und schont seine eigene Bevölkerung, bevor der Krieg in Westrussland ankommt und es "spannend" wird. Das versucht Putin aber erstmal zu verhindern.
Gemessen an den Ressourcen, die Putin derzeit am meisten braucht, ist das spottbillig. Nordkorea bekommt Öl, dass Putin international nur schwer los wird, Lebensmittel auf deren Berg Putin sitzt und Technologien, die man ohnehin nur kopieren muss und die man derzeit ohnehin nicht in Waffenverkäufe ummünzen könnte, weil man keine überschüssigen Produktionskapazitäten hat. Allerdings plant Putin für gewöhnlich langfristig und die nordkoreanische Rüstungsindustrie zu nah an das eigene Niveau ranzubringen, dürfte nicht in seinem Interesse sein - aber im Moment ist es wohl das kleinere Übel oder Kim gibt sich mit dem vorletzten Technologiestand zufrieden. Z.B. bei U-Boots- oder gar Luftfahrttechnik wäre der ja immer noch ein riesen Fortschritt. Panzer vermutlich auch.
Immerhin kommt Südkorea nun langsam aus dem Quark und kooperiert weniger zurückhaltend mit der Ukraine.
Ich denke, dass südkoreanisches Know-How einen hohen Wert haben kann.
Für einen Staat mit Rüstungsindustrie definitiv. Südkorea gehört in manchen Aspekten zur Weltspitze. Aber für die Ukraine? Die braucht im Moment vor allem einsatzbereites Material in großer Stückzahl und Südkorea macht eben eher elitäre Eigenbrödlerei denn Massenproduktion für den Weltmarkt. Glaube nicht, dass die spontan viel liefern können.

