Das würde ich, wie wohl auch eine Menge Experten auf dem Gebiet des Panzerbaus, so nicht unterschreiben.
Zum einen sehen wir in der Ukraine nahezu keinen klassischen Panzereinsatz, zum anderen sind die Doktrinen und damit die Philosophie beim Panzerbau sehr unterschiedlich und zuletzt lag im Rahmen der Doktrin das überleben der Panzerbesatzungen, bei sowjetisch / russischen Fahrzeugen halt nie an allerhöchster Stelle (anders als in der westlichen Panzerbaudoktrin).
Das macht die russischen Fahrzeuge aber sicher nicht, im klassischen Einsatzszenario, zu "Kernschrott", ist aber vor dem Hintergrund der Entwicklungen (Zusammenbruch und Zerfall der UDSSR) eben keine zeitgemäße Panzerbauphilosophie mehr, gerade auch für ein Land wie die Ukraine, aber auch Russland, die sich halt viele tote Panzersoldaten nicht im selben Maß leisten kann wie die Gesamt-UDSSR + Warschauer Pakt das konnte.
Russland war beim T-14 Armata wohl auch nicht völlig grundlos von diesen alten Sowjetkonzept komplett abgerückt und hat sich da der ehr westlichen Panzerbauphilosophie, in Punkto Crew Protection hingwendwet gehabt (was aber natürlich auch die Kosten des Panzers steigert und höhere Kosten sind für die russische Armee aber wieder auch ein Problem).
Nein weiß man nicht, weil das z.B. einem Abrams genauso passieren könnte, auf der im Video des Duells (Breadly vs T-90M) eingesetzten Distanz, gerade wenn er Treffer in den Turmring abbekommt, der beim Abrams sogar noch überproportional gut zu treffen ist und der auch bei russischen Panzern, unterhalb der Kanone einen tendenziellen Schwachpunkt darstellt. Außerdem weiß man gar nicht was da gebrannt hat, da die Qualität des Videos so unterirdisch war das es wirklich faktisch alles gewesen sein konnte.
Was du hier gerade diesbezüglich vollführst Don, kann man leider nur als unsachliche Überheblichkeit bezeichnen.
Die Russenpanzer sind technisch gesehen sicherlich kein Kernschrott.
Du hast natürlich Recht, dass die Konzeption der russischen Panzer der damaligen sowj. Einsatzdoktrin entstammt, die im Wesentlichen schnelle, motorisierte Massenoperationen für Durchbrüche durch die feindliche Linien (z.B. norddeutsche Tiefebene) vorgesehen hatte und ihre Panzer (technisch und taktisch) entsprechend darauf ausgelegt hat.
Westliche Militärs sahen sich hier hoffnungslos in der Unterzahl und damit in der Defensive, womit auch eine entspr. andere technische Auslegung hinsichtlich z.B. Durchhaltefähigkeit der Waffensysteme gewählt wurde.
Der Schutz der Panzerbesatzungen ist aber auch bei den Russen immer ein Thema gewesen.
Die russischen Panzer sind im Übrigen ja auch deshalb so flach gebaut, damit die Trefferfläche bzw. -wahrscheinlichkeit minimiert wird, inkl. geschossabweisender Turmformen und später eingeführter Reaktivpanzerungen etc.
Es ist ja wirklich nicht so, dass diese Panzer bewusst als rollende Särge gebaut wurden.
Allerdings kommt die nahezu traditionelle Menschenverachtung der russischen Führung in dem Einsatzkonzept und der immer wieder zu beobachtenden Sturheit, wenn nicht sogar taktischen Unflexibilität zum Tragen.
Es ist nämlich von entscheidender Bedeutung,
wie die Panzer eingesetzt werden:
Ob mit oder ohne Luftunterstützung, ob mit oder ohne Infanteriebegleitung, ob man bewusst den Verlust von Einheiten in Kauf nimmt, in dem man die Panzer rücksichtslos durch bekannte Minenfelder brettern lässt, ob man liegengebliebene Fahrzeuge bergen kann/will oder die havarierten Besatzungen dem sicheren Drohnentod überlässt usw.
Auch kommt das klassische Panzerduell, wie es sich viele gerne bildlich vorstellen, in der Ukraine nur eher selten vor.
Gegen einen direkten (Artillerie)Granatentreffer (Kaliber 152mm /155mm) ist im Übrigen KEIN Panzer gefeit.
Ebenso sind die Kampfdrohnen eine in der aktuellen Einsatzform praktisch nicht gekannte Gefahr für alle Waffensysteme. Westliche Waffensysteme sind, das kann man nur immer wiederholen, kein Wundermaterial und nur so gut, wie die ausgebildeten Bedienungen, aber auch die Einsatzbedingungen das zulassen.
Die Ukrainer haben hierbei natürlich auch (im Nachhinein gesehen) Fehler begangen und in der operativ nur mäßig erfolgreichen Sommeroffensive teils versucht mit dem Kopf durch die Wand zu kommen und unnötige Verluste erzielt. Die Ukrainer scheinen mir aber recht fix daraus gelernt zu haben, während die Russen nach wie vor mit derselben Taktiv vorgehen, was unzählige Videos von Gefechtsfeldüberwachungsdrohnen immer wieder zeigen.
Die russischen Panzerverluste sind definitv enorm und für uns vollkommen unverständlich, weil prinzipiell vermeidbar.
Das angesprochene außergewöhnliche Duell des Bradley Schützenpanzers gegen den T90, der mit einem sog. "Missionkill" endet (der T90 wird später durch eine ukr. Drohne zerstört) ist wohl eher sehr speziell.
Der T90 wurde hier mMn durch die sehr draufgängerisch vorgehende Bradley-Besatzung überrascht und überrumpelt. Ob es ein Lucky-Hit war, der die unkontrollierte Turmrotation ausgelöst hat bleibt mal dahingestellt.
Ich würde aber behaupten, dass das statistisch gesehen eher die absolute Ausnahme war und eher nicht explizit vorgesehen ist, so zu agieren. Also eher ein situativer Entschluss des Bradley Kommandanten. Hätte auch anders ausgehen können. Ein Treffer der T90 125mm Kanone auf den Bradley und der Bradley ist Geschichte.