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Misserfolge in der Offensive: Die vielen Kämpfe der Ukraine
Die ukrainische Offensive hat ihre Ziele deutlich verfehlt. Die politische Führung in Kiew zeigt sich selbstkritisch und formuliert klare Erwartungen an das Militär. Was jetzt Erfolge bringen soll. Von Vassili Golod.
Viel schönzureden gibt es im Moment nichts. Man kann nur hoffen das es nächstes Frühjahr wieder besser wird. Das hängt von der weiteren Unterstützung des Westens ab. Und wann die F-16 an den Start gehen.Die ukrainische Offensive blieb ohne durchschlagenden Erfolg. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Im Westen wurde viel und lange diskutiert. Ob, welche und wie viele Waffen geliefert werden können. Auf Zusagen folgten keine sofortigen Lieferungen.
Fakt ist: Das gab Russland ausreichend Zeit, eigene Stellungen auszubauen, massive Minenfelder anzulegen. Die Erwartungen an die ukrainische Offensive waren nach Ansicht vieler Militärexperten überhöht.
Grundlegende Meinungsverschiedenheiten
Fakt ist auch: Die Ukraine selbst hat eindeutig mehr erwartet. Daraus macht niemand mehr ein Geheimnis. Walerij Saluschnyj, Oberkommandierender der ukrainischen Streitkräfte, gesteht in einem viel diskutierten Beitrag für den britischen "Economist" Fehler ein, spricht von einem drohenden Patt und zieht Vergleiche zum Ersten Weltkrieg.
Doch über den öffentlichen Umgang mit den eigenen Fehlern gibt es grundlegende Meinungsverschiedenheiten. Saluschnyj hat mit seinem Text Verärgerung bei der politischen Führung ausgelöst.
Im Ziel sind sich Selenskyj, Saluschnyj und die große Mehrheit ihrer Landsleute einig: Die Ukraine kämpft um die Rückkehr zu ihren international anerkannten Staatsgrenzen von 1991, einschließlich Krim und Donbass.
Umso erstaunter soll der Präsident gewesen sein, als er den Beitrag seines wichtigsten Militärs las. Der Inhalt war offenbar nicht abgesprochen. Besonders durch den Vergleich mit dem Ersten Weltkrieg sehen sie im Präsidialamt ihre politischen Bemühungen torpediert.
Top-Militärs sollen ausgetauscht werden
Während Saluschnyj den Westen mit seiner nüchternen militärischen Analyse wohl aufrütteln und zu mehr Waffenlieferungen bewegen wollte, fürchtet die politische Führung um Selenskyj aufgrund der Art der Kommunikation das genaue Gegenteil.
Deshalb drängt Selenskyj darauf, die Ukraine wieder in eine Position der Stärke zu bringen - an der Front und in der öffentlichen Kommunikation. Auch deshalb wurde Saluschnyj, der lange als unantastbar galt, vom Präsidialamt öffentlich zurechtgewiesen.
Die Botschaft: Niemand ist unantastbar. Es gibt Überlegungen Top-Militärs, darunter auch Generäle, auszutauschen. Die Menschen in der Ukraine sollen sehen, dass Entscheidungsträger zur Verantwortung gezogen werden. Die Partner im Westen sollen sehen, dass man die langsamen Entwicklungen an der Front nicht nur auf sie abwälzt.
Vertrauen in Selenskyj lässt nach
Doch auch der Präsident steht zunehmend in der öffentlichen Kritik. Das Vertrauen der ukrainischen Bevölkerung in Selenskyj ist zwar noch immer hoch, aber in den vergangenen Monaten von 91 Prozent auf 76 Prozent gesunken.
Häufige Vorwürfe sind neben den ausbleibenden militärischen Erfolgen auch seine mangelnde Kritikfähigkeit. Das Vertrauen in die ukrainischen Streitkräfte liegt konstant bei mehr als 90 Prozent.