Ich habe für mich noch keine Entscheidung getroffen, welches der sinnvollste Weg ist. Ich kann Deinen Ansatz nachvollziehen, die Frage für mich ist, wie lange der Krieg noch geht und auf welchem Niveau. Erste Verhandlungen scheint es zu geben. Ich drücke allen die Daumen, dass das Töten aufhört und die Ukraine ihre Intigrität behält.
Wenn sie einen Weg zu einem baldigen Kriegsende sehen, sind das natürlich andere Voraussetzungen, als sie meinen Überlegungen zu Grunde liegen.
Ich hege, aus den gleichen Gründen die hier auch andere gerade geäußert haben, keine derartigen Hoffnungen:
Ein Friedensvertrag mit Russland ist komplett wertlos. Ein Friedensvertrag mit Russland unter Schutz diverser Garantiemächte würde maximal ab einem Schutzniveau auf dem Level einer vollen NATO-Mitgliedschaft funktionieren, eigentlich bräuchte es zusätzlich aber noch China und Indien als Unterstützer. Schon jeder einzelne dieser Punkte für sich wäre praktisch aussichtslos und hinzu kommt noch, dass Putin dann immer noch einen dicken fetten Netto-Sieg davon tragen würde, was eine absolut katastrophale Nachricht sowohl für alle anderen Nachbarstaaten wäre als auch für die Anreiner manch anderen Diktators weltweit.
Es bleibt also nur der militärische Sieg für ein schnelles Ende des Krieges. Aber da erreicht die Ukraine mit den derzeit absehbaren Waffenlieferungen gerade einmal das Niveau einer souveränen Frontsicherung. Von den Fähigkeiten zu einem Durchbruch sind sie mittlerweile soweit entfernt, dass man nicht einmal mehr "was wäre wenn"-Szenarien durchspielen kann: Die massive Befestigung der Front auf beiden Seiten ist ein Szenario, dass in sämtlichen westlichen (und vermutlich auch allen anderen) Rüstungsplänen der letzten gut 80 Jahre nicht mehr vorkam. Die primäre Doktrin aller Armeen ist es, die Initative zu behalten, auszunutzen und dem Gegner im Bewegungskrieg ein Schnippchen zu schlagen. Aber niemand hat auch nur passende Waffensysteme für den Durchbruch durch ein Stellungskonstrukt entwickelt, dass dem heutigen Äquivalent von WW1 entspricht.
Die einzige theoretische Möglichkeit wäre ein Verlagerung des Geschehens auf einen reinen Luftkrieg. Von russischer Seite ist das, gegen die starke und moderne ukrainische Luftabwehr kaum möglich. Von ukrainischer Seite her wäre es gegen die gar nicht mal so schlechte russische Luftabwehr nur möglich, wenn sie in großer Zahl mit den Waffensystemen ausgestattet werden, die genau dafür konstruiert wurden. Also nicht 10 F-16, sondern 100 F-22, was man wohl als absolut undenkbar abtun kann.
Damit sind alle schnellen Optionen erschöpft. Was bleibt, ist der langsam zehrende Verschleißkrieg. Da gibt es ziemlich hochpokernde Hoffnungen, dass die Ukraine sowas mit der richtigen Technik (weitreichende Raketen zur Störung der Nachschubwege, etc.) sogar gewinnen könnte (als absolut erster, der sich jemals in dieser Form mit Russland messen musste/wollte), aber selbst wenn dieser Optimismus begründet ist, würde das 5-10-20 Jahre dauern - wieder keine schnelle Lösung für die Ukraine.
Die beste (oder eher: am wenigsten schlechte) Hoffnung auf einen positiven Ausgang ist deswegen mittlerweile der Sturz der russischen Führung. 5-10-20 Jahre sind auch der zeitliche Horizont, auf dem sich das System Putin aus rein biologischen Gründen zerlegen wird. Mit etwas Glück findet sich noch ein schneller wirkender Grund (unprofessioneller Fensterbau, etc.), aber darauf kann man keine Wahlverschiebung bauen.
Nö. Das ist nur der feuchte und immer wieder so als Monstranz vor sich her getragene Traum derjenigen, die der Ukraine offen oder verklausuliert den Untergang wünschen. Denn, auch ein republikanischer US Präsident wird um gewisse Lebensrealitäten nicht vorbeikommen. Eine davon ist, dass man Russland niemals in Europa freie Hand lassen kann. Egal was es kostet die Ukraine zu stützen, am Ende wäre es noch teurer, wenn man Russland eben nicht die Stirn bieten täte.
Bezüglich der Realität hast du recht.
Aber was interessiert Trump die Realität? Was interessiert Trump ein "am Ende", soweit es jenseits von "am Ende dieser Amtszeit" liegt?
Innenpolitisch konnten bei der letzten Runde eine ganze Menge seiner Schandtaten abgeschwächt werden, weil sie über Gesetze hätten laufen müssen. Aber Außenpolitik und internationale Hilfen liegen zu erheblichen Teilen in der Hand der Exekutive. Da kann der Kongress nur auf die Bremse treten, wenn es Geld kostet, aber Initiativen gegen den Willen des Präsidenten sind praktisch unmöglich und die bislang bewilligten Ukraine-Hilfen haben eine (Aus-)Laufzeit nahe null.