Ich würde in erster Linie sagen, dass das die "Dagegen sein" Mentalität ist.
Man ist gegen den Westen, gegen den Umweltschutz, gegen Gleichheit, gegen alles.
Und weil Putin auch gegen den Westen ist, ist man für Putin.
Und weil Donald Trump gegen den Umweltschutz ist und sowieso gegen alles ist, ist man für Trump.
Ich glaube nicht, dass im Oster 30% Rechtsextreme hocken. Da sind viele Gefrustete darunter.
Was ich nur nicht verstehen kann ist, dass so viele Gering Verdiener und Bürgergeldempfänger unter den Wählern sind.
Thüringen hat ja gezeigt, dass die Afd Politik für wohlhabende macht.
Weil dann genau das greift, was du eingangs feststellst: Prinzipielles "dagegen sein".
Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
Da spielen dann mMn aber auch Bildungsdefizite und Verklärung/Ostalgie mit ein.
Anders kann man es sich schlicht nicht erklären, warum in Ostdeutschland überproportional viel Fremden- und Demoktratiefeindlichkeit und aber auch Realitätsverweigerung (Klima, Pandemie) vorherrschen.
Wir reden hier überwiegend von Ostdeutschen, wenn wir über dieses Klientel sprechen.
Ich selber spreche häufiger mit einer gebürtigen MV'lerin, die in Leipzig wohnt, in Hamburg arbeitet und immer wieder bei Heimreise verwundert feststellt, wie unbegründet schlecht die Stimmung in Leipzig ist und worüber viele Leipziger meckern. Zu 90% grundlose Unzufriedenheit.
Aber jetzt schweifen wir wirklich ab
Und das schließt "gegen Demokratie" mit ein. Viele Menschen sind so schlicht, dass sie einfache Antworten suchen, um komplexe Probleme zu lösen. Wie auch in Fall des Ukrainekrieges. Es gibt natürlich nicht einfach nur eine Ursache und eine Lösung, obwohl natürlich das Verschwinden Putin im Vorfeld geholfen hätte können. Aber selbst wenn er jetzt, aus welchen Gründen auch immer, sterben würde, bin ich der festen Meinung, dass die russische Regierung den Krieg fortsetzen würde.
Das Thema nur an Putin fest zu machen, wäre auch kindlich naiv.
Er ist letztlich ein Produkt der russischen Gesellschaft.
Nach ihm wird sich sehr wahrscheinlich der nächste Unsympath auf den Thron setzen. Möglicherweise ein Hardliner.
Ich sehe vorerst nichts Gutes in der russischen Gesellschaft.
Wie gesagt, die russische Seele hat tiefgehende Komplexe, die sich auch mit einem Regime-Wechsel nicht beheben lassen. Russland hat ja leider wirklich 140+ Mio Einwohner, also theoretisch noch ausreichend personelles Potenzial den Fleischwolf zu bedienen.
Russland bräuchte nicht nur eine krachende militärische Niederlage (die es so nicht geben wird), sondern mMn auch eine territoriale Zerschlagung um sich "reinigen" und demokratisieren zu können.
Da werden wir -sollte RU die NATO nicht zufällig angreifen- aber nicht bei helfen können.
Deswegen wird es viele viele Jahre so weitergehen. Eine Art Eiserner Vorhang 2.0
Die Frage wird nur sein, in welcher Form und wielange China und Indien Russland noch quasi-partnerschaftlich am Leben und damit konfliktfähig halten.
Vielleicht aber werden wir ja überrascht und es gibt eine Oktober-Revolution 2.0 - allerdings ist die letzte, mit der Machtübernahme der Bolschewiki, ja auch blöd für die Welt ausgegangen.