Klar, ist aber nicht das Thema per se.
@Threshold hat (zurecht) gefragt, ob die Ukrainer dann nicht auch quasi das Recht haben, ebenso Strominfrastruktur und Lagerhallen zu beschießen.
Beim Ersten sehe ich es eben als grenzwertig im Sinne westlicher Werte an, beim Zweiten, sofern es sich tatsächlich um militärische Ziele handelt, stimme ich zu.
Wenn denn da ein Zivilist arbeitet oder sich aufhält, hake ich das dann unter Berufsrisiko ab.
Wenn Militärstützpunkte angegriffen werden, ist selten von "Lagerhallen" die Rede, auch wenn es sich vom Gebäude her um solche handelt. Umgekehrt hat Russland wenig Gründe, im eigenen Land mit bestehender militärischer Infrastruktur und relativ weit weg von den Kampfhandlungen zusätzliche zivile Gebäude anzumieten. Wenn also die Rede von angegriffenen Lagerhallen ist, mögen die pro-Ukrainischen Guerillas bitte auch darlegen, was die im konkreten Fall zu militärischen Zielen gemacht hat. Ansonsten ist rein statistisch erstmal davon auszugehen, dass es keine legitimen Ziele waren. Und erst recht gilt das für Wohngebäude, die zuletzt getroffen werden sollen.
Bei Stromversorgung sehe ich außerhalb eines Kampfgebiets überhaupt keinen denkbaren Anlass, warum sie militärisch sein sollte. Die russischen Militärbasen haben ihre eigenen Back-Ups, die russische Rüstungsproduktion steht woanders. Wenn durch ukrainische Angriffe der Strom in Russland ausfällt, dann nur für die russische Zivilbevölkerung. Solange wir noch keine Batteriepanzer haben, sind Stromnetze zu 90 bis 99% eine zivile Angelegenheit.
Das Thema ist, dass in einem Krieg immer Kriegsverbrechen von allen beteiligten Seiten statt finden.
War immer so und wird immer so sein.
Es gibt keinen sauberen Krieg.
Es macht aber verdammt große Unterschiede, ob die Kriegsverbrechen von einzelnen Soldaten oder niedrigen Offizierrängen begangenen werden, die dafür soweit möglich bestraft werden, oder ob der Staat sie von allerhöchster Stelle anordnet.
wenn man böse sein will, kann man sagen, die Ukrainer machen jetzt genau das, was die Russen auch auch gemacht haben, man nimmt Patrioten und Extreme und drückt denen Waffen und Ausrüstung in die Hand, nur das Russland halt noch eigene Soldaten ohne Markierung dazu gestellt hat, noch ein bisschen würziger sind dann noch die ganzen amerikanischen Fahrzeuge der Legion und der anderen Gruppe
Russland hat Separatisten zu einer paramilitärischen Truppe geformt, die die öffentlichen Institutionen übernommen haben. Für die Urkaine kämpfen derzeit Guerillas, die Anschläge auf Infrastruktur und ggf., so die letzten Anschuldigungen, auch gegen die Zivilbevölkerung unternehmen. Abgesehen davon, dass beide Waffen benutzen sehe ich da verdammt wenig Gemeinsamkeiten.
ob das Wegbomben von Grenzposten und öffentlichen Gebäuden dann noch ein gute Tat ist, möchte ich auch stark bezweifeln
Taten, die sich nicht gegen militärisch genutze Infrastruktur oder das Militär direkt richten, sind aus moralischer Sicht eindeutig keine gute Tat, da verwerfliche Terroraktionen, sie sind aus strategischer Sicht eindeutig keine gute Tat, da von sehr geringem Wert und sie sind aus sozio-politischer Sicht eine absolute Katastrophe, denn sie liefern Putin eine Legitimation für seine "wir müssen und Verteidigen" und "es ist eine Sonderaktion gegen Russen ermordende Nazis"-Behauptungen, die er genüsslich Ausschlachten wird und die die Chancen auf zivilen Druck innerhalb Russlands noch weiter verringern werden. Umgekehrt werden Staaten, die sich bislang ""neutral"" verhalten haben in ihrer Anti-Ukraine-Position bestärkt.
Selensky täte gut daran, die Waffenabflüsse in diese Richtung aufzuklären (wenn er sie nicht ohnehin schon kennt) und drastisch zu reduzieren. Wenn eine kleine, handelsübliche Drohne ein paar kg Sprengstoff um den Kreml fliegt, mögen das unabhängige Separatistengruppen sein und keiner hat einen guten Grund, auf die Ukraine zu zeigen. Aber wenn schweres US-Gerät, dass für den Kampf in der Ukraine geliefert wurde, in Russland auftaucht und dort auch noch von Faschisten und Rassisten gegen nicht-militärische Ziele eingesetzt wird, dann geht das Sympathiebarometer in den freien Fall über.
Im Hinterkopf behalten sollte man zudem auch eine mögliche Nachrkiegsordnung: Es gibt gewisse Personenkreise, die sollten in einer funktionierenden Demokratie einfach keine Kampfausbildung, Kriegserfahrung und schwere Waffen haben. Sondern eine Eisenkugel am Bein.