Aktuelle Entwicklungen in der Ukraine

Die Ankündigung der prorussischen Rebellen in der Ukraine, Zivilisten aus den von ihnen kontrollierten Gebieten nach Russland zu bringen, hat bei den USA für Empörung gesorgt. Es handele sich um ein »zynisches« Manöver, bei dem Menschen als »Unterpfand« missbraucht würden, erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Freitag am Rand der Münchner Sicherheitskonferenz. »Es ist zynisch und grausam, Menschen als Unterpfand zu benutzen, um die Welt von der Tatsache abzulenken, dass Russland seine Truppen in Vorbereitung eines Angriffs verstärkt.«

Die Evakuierungsankündigungen der prorussischen Rebellen seien »ein weiterer Versuch, um durch Lügen und Desinformation zu verschleiern, dass Russland der Aggressor in dem Konflikt ist«, fügte der Sprecher hinzu.
Quelle: USA werfen prorussischen Rebellen in der Ukraine »zynisches« Manöver vor

Und auch die angeblichen Bilder/Videos, welche russischen Truppenabzug zeigen sollen, sind wahrscheinlich Propaganda.
 
Dieser Move ist echt mies. Okay, trifft irgendwie meine Idee, dass man doch den russischen "Mitbürgern" in Russland eine neue Heimat bieten kann. Aber so wird daraus eine Evakuierung, weil man beim kommenden Faktenschaffen der eigenen Bevölkerung schlecht verkaufen kann, dass man nun die eigene Bevölkerung massakriert.

Und auch die angeblichen Bilder/Videos, welche russischen Truppenabzug zeigen sollen, sind wahrscheinlich Propaganda.
Wundert das noch wen?
 
Solange sie die Leute nicht zwingen, zu gehen, kann man ihnen wegen dem Manöver wenig Vorwürfe machen. Krieg droht und es ist vollkommen klar, dass die Ukraine im Falle einer teilweisen Eskalation (= die Separatisten haben auf einmal erstaunlich viel neues Material, erstaunlich motivierte Soldaten, die vor kurzem noch woanders gelebt haben, etc. - aber Russland "greift nicht an") nicht nur hinter der bisherigen Waffenstillstandslinie schießen würde.

Das große Problem an dem Move ist, dass sie sich extrem ins eigene Fleisch schneiden, wenn es zu keinen Kampfhandlungen kommt. Denn die Ukraine zeigt bislang keine nennenswerte Aggression, sie kann also im Falle einer diplomatischen Lösung mit nichts aufhören, damit die Leute "zurück können". Das lässt nur drei Optionen offen:
- Die Separatisten halten den jetzt ausgerufenen Alarmzustand dauerhaft aufrecht, solange die Demarkationslinie besetzt ist - was selbst im Best Case noch mindesten 5, eher 10 Jahre lang sein und somit bedeuten würde, dass man die prorussische Bevölkerung des Donbas de facto ausgewandert hat.
- Man holt die Leute wieder zurück und sagt "Oops, sorry. Die Ukrainer sind eigentlich ganz nette Leute, aber wir sind halt zu blöd ein Land zu leiten."
- Sie versuchen mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass sie Recht behalten und es zu einer Eskalation kommt.

Mit den ersten beiden Optionen würden sich die Milizen ihrer fadenscheinigen Selbstlegitimation berauben...
 
Sie versuchen mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass sie Recht behalten und es zu einer Eskalation kommt.
Das wird ihnen ja auch ohne diesen Move unterstellt, während sie gleichzeitig so tun, als würde die Ukraine die Eskalation vorantreiben. Dabei macht das seitens der Ukraine keinen Sinn, da im Donbass zwar auf dem Papier nun offizielle russische Staatsbürger leben, neben diesen aber noch eine größere reale Anzahl von ethnischen Nichtrussen wohnen.

Ich kann ja verstehen, dass man seitens der Ukraine nicht gewillt ist die dort lebenden Menschen zu alimentieren, wenn sich andere Menschen hinstellen und einen eigenen Staat dort militärisch durchdrücken. Doch von "nicht mehr zahlen zu wollen" zu "ich töte einfach wahllos Leute" ist es ein doch recht weiter Weg zu "ich trete einen Krieg ohne Gewinnchance los, wo mir keiner wirklich helfen wird". Das ist noch Unsinniger als hier so mancher mit wilden Theorien für unsinnig erklärt, um den Aufmarsch russicher Truppen an der Grenze kleinzureden.




Die sind doch total bekloppt. Warten die echt nur darauf, dass Olympia zu ende geht, um Xi nicht zu verärgern?
 
Zuletzt bearbeitet:
Letztens wurde im Fernsehen (ich glaube bei Markus Lanz), von jemanden gesagt, dass im bisherigen Ukraine Konflikt, mehr Menschen durch Scharfschützen getötet wurden, als in 20 Jahren Afghanistan. Das sollte einen auch zu denken geben.
 
Ähhhh...geostrategisch ist das Schwarze Meer so was ähnliches, wie meine Badewanne zu Hause.
Wer das Schwarze Meer kontrolliert, der kontrolliert die Region ums Schwarze Meer. Für Russland sehr wertvoll, für alle Anrainer sehr nachteilig. Wer das in Zweifel stellt sollte sich nur mal die gesperrten Gebiete in besagter Badewanne anschauen, Russland hat dort einfach so Übungen verordnet, das behindert den zivilen Schiffsverkehr massiv.

Das mag im Vergleich der Ozeane ne Badewanne sein, es hat aber Gründe warum Russland seit Jahrhunderten dort eine dedizierte Flotte platziert.

Und auch der Artikel den Tschetan hier genannt hat ist nicht vollkommen haltlos (auch wenn ich großen Teilen nicht zustimme):
Die mediale Darstellung im Westen hatte sehr negative materielle Konsequenzen für die ukrainische Wirtschaft: Die Währung wurde abgewertet, immer mehr Investoren – insbesondere im Immobilienmarkt – verlassen das Land, und die Regierung hatte große Angst, dass die Wirtschaft auch ohne eine tatsächliche Invasion in ernste Schwierigkeiten geraten könnte.

Klingt wie Propaganda. Jetzt denkt man kurz paar Tage zurück und stellt folgendes fest:

Ohne dass irgendwas passiert wäre hat KLM Flüge in die Ukraine ausgesetzt & Underwriter versichern keine Flüge mehr in die Ukraine. Was effektiv eine Einstellung des internationalen Flugverkehrs ins Land bedeuten würde. Wie hat die Ukraine reagiert? So: https://www.reinsurancene.ws/ukrain...-through-its-airspace-as-insurers-pull-cover/

Ja, MH17 hat hier nach wie vor Einfluss auf diese Entscheidung, deswegen Flüge in die gesamte Ukraine auszusetzen ist... sagen wir, es kommt Putin gelegen. Jetzt kommt von euch: Jaaa aber wieso soll das westliche mediale Darstellung sein? Nun, vllt wegen sowas: https://www.state.gov/operations-at-u-s-embassy-kyiv/ ...
Der Westen sendet Signale, die auf eine Eskalation hindeuten, das wird aufgegriffen. Nach dem Motto, wenn die Amerikaner gehen ist was im Busch und am Ende wird eine self fulfilling prophecy daraus.

Ja, Russland drückt ganz ordentlich aufs Eskalationspedal, grade der maritime Buildup im Mittelmeer & Schwarzen Meer in Verbindung mit den Vorwürfen von Anschlägen im Osten der Ukraine sind keine nette Aussicht für die kommenden Tage. Aber im Westen wird halt auch wirklich nicht deeskalierend berichtet, stattdessen ist das eher ein headless chicken run aller Beteiligten.

Vllt seh ich das falsch, aber so ne Botschaft, die bleibt wo sie ist. Auch als Signal der Stabilität. Die können gerne dem Kreml nochmal die exakte Adresse samt Grid Koordinaten schicken, frei nach dem Motto: "Nur zur Erinnerung, HIER ist die US Botschaft, wenn da auch nur Lack von der Fassade platzt ist Achterbahn."

Von daher kann ich nicht anders als der Aussage "Die mediale Darstellung im Westen hatte sehr negative materielle Konsequenzen" zuzustimmen.
 
Von daher kann ich nicht anders als der Aussage "Die mediale Darstellung im Westen hatte sehr negative materielle Konsequenzen" zuzustimmen.
Angeheizt wurde die Stimmung von den westlichen Medien auf jeden Fall. Auch von den Amerikanern.
Die hätten sich damit auch etwas zurückhalten können.
Aber die Propaganda von den Russen, dass sie angeblich Truppen abziehen, ist auch Manipulation.
Erst wenn Satellitenbilder das zeigen, wird das wohl stimmen.
Aber nicht irgendwelche eigenen Videos des russischen Militärs.
 
Von daher kann ich nicht anders als der Aussage "Die mediale Darstellung im Westen hatte sehr negative materielle Konsequenzen" zuzustimmen.
Aber was bleibt außer warnen, darstellen, warnen, erklären, warnen, wenn man nichts anderes tun kann? Vielleicht wäre es tatsächlich schlauer gewesen, wenn man sich intern deutlich abgestimmt aber sonst gar nichts dazu gesagt hätte. Einfach mal den Kreml im Dunkeln tappen lassen. Aber das ist nicht Demokratie. Bei uns gibt es halt immer eine Kakophonie an Meinungen. Das ist nichts Schlimmes, ich mag das und komme gut drauf klar, aber in so einem Fall auch nicht hilfreich. Und wenn schon alle mitreden, dann kann man auch gleich, wie geschehen, alles an die große Glocke hängen und eben warnen, darstellen, warnen, erklären, warnen rinse & repeat. Wie es scheint kommt es so, wie man es seitens des Westens an die Wand gemalt hat.

Es wirkt so, als wenn man in Russland denkt: Ist der Ruf erst einmal ruiniert, dann lebt es sich recht ungeniert. Ich hoffe, dass ich mich irre, aber danach aussehen tut's nicht gerade.
 
Ja, Russland drückt ganz ordentlich aufs Eskalationspedal, grade der maritime Buildup im Mittelmeer & Schwarzen Meer in Verbindung mit den Vorwürfen von Anschlägen im Osten der Ukraine sind keine nette Aussicht für die kommenden Tage.(...)Vllt seh ich das falsch, aber so ne Botschaft, die bleibt wo sie ist. Auch als Signal der Stabilität. Die können gerne dem Kreml nochmal die exakte Adresse samt Grid Koordinaten schicken, frei nach dem Motto: "Nur zur Erinnerung, HIER ist die US Botschaft, wenn da auch nur Lack von der Fassade platzt ist Achterbahn."

Und das waere dann deeskalierend gewesen? Wenn ueberhaupt es fuer das russische Vorgehen relevant gewesen waere, dann weil man damit das Signal gesendet haette: Die "Volksrepubliken" koennt ihr haben, aber mehr nicht.

Sehen wir hier Kriegstreiberei? Ganz bestimmt. Nur sitzt der Kriegstreiber weder im Oval Office noch im CNN Newsroom, sondern im Kreml. Und der zockt seit spaetestens 2014, als er in einem Land, dessen territoriale Unversehrtheit zu achten man sich im Budapester Memorandum verpflichtet hat, de facto einmarschiert ist und sich Teile davon unter den Nagel gerissen hat.

Was waere denn deeskalierend? Auf die russischen "Wuensche" (wohl eher: Ultimaten) einzugehen und in Europa einen Reset auf die Verhaeltnisse von 1997 in den Blick zu nehmen (Fun-Frage - wird dann eigentlich auch die Krim zurueckgegeben)? Auf die russische Erzaehlung anzuspringen, Russland wuerde "umzingelt" (was schon rein geographisch unmoeglich ist)? Die Ukraine zu opfern (was Macron und Scholz mit Floskeln a la "eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine steht nicht zur Debatte" de facto bereits anbieten) und hoffen, dass der Zar dann satt ist? Was, wenn danach die Balten heim ins neurussische Reich geholt werden sollen? Shicen wir auf diese Menschen dann auch und hoffen im Gegenzug auf saftige Rabatte beim Gas?

Putin sitzt in der Falle, die er sich selbst gegraben hat und ich sehe nicht, wie er da gesichtswahrend wieder hinauskommen koennte. Selbst wenn er ueber Nacht mit Mann und Maus von der ukrainischen Grenze verschwinden und die Unterstuetzung der Warlords in den "Volksrepubliken" beenden wuerde, waere er fuer den Westen persona non grata und koennte er sich keinen Monat mehr im Kreml halten, ohne dass ihm beim Baden der Foen in die Wanne faellt. Umgekehrt kann auch der Westen seinen Forderungen nicht nachkommen - die wohl auch im Wissen darum so formuliert worden sind. Entweder wird der aktuelle Zustand von Dauer sein oder er gibt den Befehl zur Invasion. Wenn man in den Blick nimmt, dass es zwar um die Existenz der Ukraine geht, aber letztlich ein innenpolitisch motiviertes Spektakel ist, fuerchte ich dass er sich fuer die Invasion entscheiden wird.

Weshalb die Frage auch nicht mehr so sehr ist, wie der Westen hier deeskalieren kann - Putin zuendelt und der Westen mag keine Feuerloescher liefern, noch mehr Deeskalation geht eigentlich kaum. Die Frage ist - was machen wir am Morgen danach?
 
Das wird ihnen ja auch ohne diesen Move unterstellt, während sie gleichzeitig so tun, als würde die Ukraine die Eskalation vorantreiben. Dabei macht das seitens der Ukraine keinen Sinn, da im Donbass zwar auf dem Papier nun offizielle russische Staatsbürger leben, neben diesen aber noch eine größere reale Anzahl von ethnischen Nichtrussen wohnen.

Ich kann ja verstehen, dass man seitens der Ukraine nicht gewillt ist die dort lebenden Menschen zu alimentieren, wenn sich andere Menschen hinstellen und einen eigenen Staat dort militärisch durchdrücken. Doch von "nicht mehr zahlen zu wollen" zu "ich töte einfach wahllos Leute" ist es ein doch recht weiter Weg zu "ich trete einen Krieg ohne Gewinnchance los, wo mir keiner wirklich helfen wird". Das ist noch Unsinniger als hier so mancher mit wilden Theorien für unsinnig erklärt, um den Aufmarsch russicher Truppen an der Grenze kleinzureden.

Systematische Eskalationshandlungen waren bislang eigentlich weder auf ukrainischer noch separatistischer Seite zu sehen. Klar, die Waffenruhe ist brüchig und jeder redet ständig darüber, dass die Gegenseite bald zum großen Angriff übergehen könnte - aber genau das läuft jetzt eben schon 12-13 Jahre so und es ist zu keinen großen Veränderungen innerhalb dieses Gebiets gekommen. Nur außerhalb, in Russland und an der nordukrainischen Grenze.

Die sind doch total bekloppt. Warten die echt nur darauf, dass Olympia zu ende geht, um Xi nicht zu verärgern?[/hr]

Ich sehe zwei Möglichkeiten:
a) Sie handeln mit Unterstützung Russlands und bereiten eine Eskalation vor, sodass die russische Armee ab 5:45 zurückschießen kann, bis sie hinter Lemberg steht.
b) Sie haben keine Unterstützung Russlands, sind aber zu dem (korrekten) Schluss gekommen, dass ihre Aussichten auf eine erfolgreiche Eskalation seit 13 Jahren nicht besser waren und auch nie wieder besser werden dürften.

Da Putin mehrfach bewiesen hat, dass er sehr sorgfältig vorbereitete Progpagandakampagnen über lange Zeit durchziehen kann, weiß ich tatsächlich nicht, welche Variante wahrscheinlicher ist. Einerseits hat er null Interesse am Donbass gezeigt, diesen sogar aktiv zurückgewiesen, und auf konsequente Destabilisierung der Ukraine von außen gesetzt. Auf der anderen Seite hat er eine Invasionsstreitmacht zusammengezogen und in der Vergangenheit schon mehrfach eine solche für Invasionen unter fadenscheinigen Gründen genutzt, die die Separatisten liefern könnten. Zudem gibt es bislang keinen Weg für ihn, einen Rückzieher zu machen ohne über die von ihm selbst aufgebaute Rhetorik zu stolpern.

Für die Gegend sieht es aber so oder so schlecht aus. Der einzige Grund für die Separatisten, keinen Krieg zu provozieren, war der Schutz ihrer Angehörigen. Und die werden gerade außer Landes geschafft.


Letztens wurde im Fernsehen (ich glaube bei Markus Lanz), von jemanden gesagt, dass im bisherigen Ukraine Konflikt, mehr Menschen durch Scharfschützen getötet wurden, als in 20 Jahren Afghanistan. Das sollte einen auch zu denken geben.

"as seen on TV" ist schon seit einigen Jahrzehnten kein Qualitätssiegel mehr. Genaue Zahlen zu Toten im Afghanistankrieg der NATO gibt es nicht, aber Die Schätzungen liegen bei einigen 100000. Die Gesamtzahl der Toten im russisch-ukrainischen Krieg wird mit 14000 angegeben, also mindestens Faktor 10 kleiner.

Kann natürlich sein, dass nur die "Toten durch Scharfschützen" vs. "Tote durch Scharfschützen" gemeint waren. Die könnten im Donbas zumindes dem Operationsmodus gemäß höher sein, weil beide Seiten ausgebildete Scharfschützen haben, beide mit uniformierten (wenn auch manchmal abzeichenlosen...) Truppen arbeiten und beide Kampfhandlungen über größere Entfernungen an definierten Frontlinien durchführen. Für/gegen die Taliban waren der Nutzen respektive die Zahl von Scharfschützen deutlich niedriger einzustufen. Aber es wäre wohl ein eher schwacher Trost für die ganzen Opfer von Bomben, Anschlägen und ähnlichem, wenn es weniger Scharfschützen in Afghanistan gab.


Wer das Schwarze Meer kontrolliert, der kontrolliert die Region ums Schwarze Meer. Für Russland sehr wertvoll, für alle Anrainer sehr nachteilig. Wer das in Zweifel stellt sollte sich nur mal die gesperrten Gebiete in besagter Badewanne anschauen, Russland hat dort einfach so Übungen verordnet, das behindert den zivilen Schiffsverkehr massiv.

Tschetschan hat behauptet, die russische Flotte im Schwarzen Meer wäre unerlässlich für die militärische Sicherheit des russsischen Staatsteritoriums. Dagegen habe ich argumentiert und dabei bleibe ich auch - die russischen Küsten (ohnehin über weite Strecken genauso schlecht für Anlandungen wie für Marinebasen geeignet) lassen sich gut von Land/aus der Luft verteidigen und die Rüstungspolitik Russlands zeigt auch, dass genau dieser Schwerpunkt gewählt wird. Für Gegenoffensiven, die den Feind von Angriffen abhalten könnten ist die Flotte ebenfalls nicht sonderlich wichtig, weil die paar Ziele rund um den Tümpel gut für andere Waffensysteme erreichbar sind und es im Tümpel erst gar keine gibt. Für diesen Zweck ist Tartus, sobald die Kapazitäten dort ausgebaut sind, viel wertvoller als Sewastopol.

Bezüglich der zivilen Kontrolle gebe ich dir aber absolut recht. Da muss man nicht mal soweit gehen und das ganze Meer kontrollieren oder Manöver an ungünstigen Stellen abhalten. Schon allein die Zufahrtskontrolle zum asowschen Meer hat der ukrainischen Industrie vermutlich ähnlich stark geschadet, wie die Eroberung der Krim, und dass auf "friedlichem" Wege. Ausgedehntere Einschränkungen der zivilen Schiffahrt würden Bulgarien, Rumänien und Ungarn schmerzhaft zu spüren bekommen; Westukraine sowieso.

Aber das ist eben keine alternativlose Verteidigung russischen Heimatlandes gegen pöse, pöse NATO-Angreifer.

Das mag im Vergleich der Ozeane ne Badewanne sein, es hat aber Gründe warum Russland seit Jahrhunderten dort eine dedizierte Flotte platziert.

Bis vor 30-40-50 Jahren, als die Zielgenauigkeit von Langstreckenraketenwaffen mangelhafter war, Lufteinheiten zweifelhafte Kompromisse zwischen Kampffähigkeit und Reichweite finden mussten und vor allem als es noch möglich war, Offensiven ohne Luftüberlegenheit durchzuführen, sah die Bedeutung auch noch ganz anders aus. Damals gab es (in beide Richtungen) plausible Konzepte, wie eine Invastion über das Schwarze Meer hinweg rein mit Seestreitkräften hätte glücken können. Aber heute? Ohne (landbasierte) Luftüberlegenheit wohl kaum noch machbar. Umgekehrt ist es mit Luftüberlegenheit heute vergleichsweise einfach, die Schwarzmeerflotte bis auf 2-3 U-Boote stillzulegen, die (wenn überhaupt) als Abschreckungsmaßnahme gegen Transportschifffahrt dienen würden. Passenderweise stammt ein Großteil der Schwarzmeerflotte auch nicht von "heute", sondern von "damals".


Aber was bleibt außer warnen, darstellen, warnen, erklären, warnen, wenn man nichts anderes tun kann?

Die Medien erklären beinahe nichts, selbst da wo es leicht möglich wäre, ihre Möglichkeiten zum darstellen sind eingeschränkt und wen wollen sie bei uns eigentlich warnen? Die laufende Berichterstattung ist tatsächlich nur der typische Sensationsjournalismus: Was geschieht, lässt sich in zwei Sätzen sagen, aber man erhält zwei mehr oder oft minder gut recherchierte Bücher darüber, was passieren könnte. Bluttriefende Bücher. Das heißt nicht, dass die Szenarien falsch sind, aber sie haben einfach wenig mit "Berichterstattung" zu tun.

Das muss man aber gänzlich getrennt vom Verhalten der NATO betrachten. Es ist für Putin vollkommen egal, was die Medien bei uns berichten. Es zählen die klaren Handlungen der Regierungen. Die es leider nicht gibt...

Vielleicht wäre es tatsächlich schlauer gewesen, wenn man sich intern deutlich abgestimmt aber sonst gar nichts dazu gesagt hätte. Einfach mal den Kreml im Dunkeln tappen lassen. Aber das ist nicht Demokratie. Bei uns gibt es halt immer eine Kakophonie an Meinungen. Das ist nichts Schlimmes, ich mag das und komme gut drauf klar, aber in so einem Fall auch nicht hilfreich.

Wir haben keine Kakophonie an Meinungen, was zu tun sei. Wir haben kopfloses Palaver darüber, ob das Beobachte schlimm, schlimmer, etwas mehr schlimm oder etwas weniger am schlimmsten ist. Darüber mag sich das Feuliton ja gerne den Mund zerfetzen, aber politisch sind im Moment Handlungen gefragt. Über die Handlungsvorschläge sollte man dann natürlich demokratisch beraten (nicht-öffentlich könnte sich in diesem Fall auszahlen), aber durchgezogen wird seit 14 Jahren nur "nichtstun". Und das ist ganz ohne Zweifel keine Lösung.
 
Zuerst wäre doch die Durchsetztung von Minsk2 ein Weg gewesen?
Wie will man denn sonst dort wieder Ruhe reinbringen und die Seiten versöhnen, oder will man das nicht?
Warum hat Europa die letzten Jahre nicht darauf gedrungen?


Meine Prognose.
Man bringt die Kinder,Frauen und Senioren aus der Schußlinie, wartet ab und alle Männer bereiten sich auf die Verteidigung der Städte Lugansk und Donezk vor.
Bei der Größe der Bevölkerung, werde das schon einige Kämpfer sein, die gut vorbereitet sind.
Danach wird gewartet.
 

Ich denke wenn die russische Armee angreifen würde, müßte die Bevölkerung nicht evakuiert werden?
Dazu würde es im Falle eines Angriffes aus der Ukraine nicht zu Bildern von Toten Kindern und Frauen komnen,
die Russland zum eingreifen zwingen würden.
So werden diese Städte zu " Heldenstädten" und werden in Russland eine Welle der Solidarität und des Partiotismus erzeugen.
Man wird maximal eine Flugverbotszone einrichten und Waffen liefern.
Das kann ewig dauern .
 
Ich denke wenn die russische Armee angreifen würde, müßte die Bevölkerung nicht evakuiert werden?
Wenn die so sauber arbeiten wie in Syrien, dann schon. Ließe sich halt schwer verkaufen, wenn man einerseits zum Russenbeschützen in ein anderes Land einmarschiert und dabei selbige mit den Wundern der russischen Militärtechnik "beglückt".

Das kann ewig dauern .
Andererseits leben in den beiden Oblasten Luhansk und Donezk gut 6,5 Mio Menschen. Selbst wenn man nur ein Drittel davon real evakuieren will, dann ist das eine Mammutaufgabe. Vor allem wenn man diese Menschen für die von dir prognostizierte lange Zeit woanders unterbringen und versorgen muss.

Vielleicht will man einfach auch nur das Bild für die eigenen Landsleute zeigen, dass man sich um die Leute vor Ort kümmert. So wie mit den angeblichen Truppen im russischen Fernsehen, die wieder von der Grenze abrücken, weil man ja selbst das Gute in dem Bösen Spiel der NATO ist...
 
Wenn die so sauber arbeiten wie in Syrien, dann schon. Ließe sich halt schwer verkaufen, wenn man einerseits zum Russenbeschützen in ein anderes Land einmarschiert und dabei
selbige mit den Wundern der russischen Militärtechnik "beglückt".

Andererseits leben in den beiden Oblasten Luhansk und Donezk gut 6,5 Mio Menschen. Selbst wenn man nur ein Drittel davon real evakuieren will, dann ist das eine Mammutaufgabe. Vor allem wenn man diese Menschen für die von dir prognostizierte lange Zeit woanders unterbringen und versorgen muss.

Vielleicht will man einfach auch nur das Bild für die eigenen Landsleute zeigen, dass man sich um die Leute vor Ort kümmert. So wie mit den angeblichen Truppen im russischen Fernsehen, die wieder von der Grenze abrücken, weil man ja selbst das Gute in dem Bösen Spiel der NATO ist...


Auf jeden Fall wird das eine Mammutaufgabe, aber wenn man mal russische Seiten liest, könnte man den Verdacht bekommen, daß da eine große Solidarität existiert.
Russland hat zudem demografische Probleme und Arbeitkräftemangel. Viele aus der Ostukraine sind gut ausgebildet und finden schnell Arbeit.
Von der Seite her, ein Verlust für die Ukraine.
Ich finde das alles schlimm.

Das Russland Propaganda macht, sehe ich auch, aber auch die andere Seite. Mir fehlt da eine ausgewogene Beurteilung und Berichterstattung.
Russland ist immer schlecht lügt und will Krieg .
Sobald man nicht im Chor mitjodelt, ist man ein Putintroll aus Petersburg, Verschwörungstheoretiker und muß damit rechnen gesperrt zu werden.
Am Ende laufen solche Diskussionen wie in einer Autokratie.
Man verlangt bei uns das dort jeder seine Meinung sagen darf, aber ist selber nicht bereit, dieses zu leisten.


Wenn du Rakka meinst?
 
Zuletzt bearbeitet:
Kann natürlich sein, dass nur die "Toten durch Scharfschützen" vs. "Tote durch Scharfschützen" gemeint waren. Die könnten im Donbas zumindes dem Operationsmodus gemäß höher sein, weil beide Seiten ausgebildete Scharfschützen haben, beide mit uniformierten (wenn auch manchmal abzeichenlosen...) Truppen arbeiten und beide Kampfhandlungen über größere Entfernungen an definierten Frontlinien durchführen. Für/gegen die Taliban waren der Nutzen respektive die Zahl von Scharfschützen deutlich niedriger einzustufen. Aber es wäre wohl ein eher schwacher Trost für die ganzen Opfer von Bomben, Anschlägen und ähnlichem, wenn es weniger Scharfschützen in Afghanistan gab.
Ja es waren auch nur Tote durch Scharfschützen gemeint.
 
Andererseits leben in den beiden Oblasten Luhansk und Donezk gut 6,5 Mio Menschen. Selbst wenn man nur ein Drittel davon real evakuieren will, dann ist das eine Mammutaufgabe. Vor allem wenn man diese Menschen für die von dir prognostizierte lange Zeit woanders unterbringen und versorgen muss.

Die Separatisten kontrollieren nur einen Teil der Oblaste. Eine Volkszählung wurde in den ""Republiken"" nie durchgeführt, von daher gibt es keine genauen Einwohnerzahlen; Wiki kommt auf 3,7 Millionen zusammen - aber mit Quellen, deren Schriftzeichen ich nicht lesen kann. Zieht man mal 20% proukrainische Personen ab und vom Rest 50% Kombatanten und uneinsichtige, wären es aber immer noch 1,5 Millionen zu Evakuierende. transportlogistisch dank der russischen Armee zu bewältigenden (Transporter für 150000 Mann sind ja vor Ort, die Entfernungen sind kurz genug für zwei Touren pro Tag => nach einer Woche wäre man selbst ohne eigene Fahrzeuge fertig. Mit vermutlich nach 2-3 Tagen, wenn es gut organisiert wird), aber wo will man so viele Menschen lassen? Da müsste Putin in seinen Militärlagern verdammt Platz eingeplant haben, denn ohne die Ausstattung einer Armee oder eines großen Hilfswerks, stellt man um diese Jahreszeit keine Notunterkünfte in der Gegend auf.
Womit wir wieder bei der Frage wären: Handeln die Separatisten im Moment auf eigene Faust oder in Kooperation?


Ja es waren auch nur Tote durch Scharfschützen gemeint.

Dann ist der Vergleich ziemlich wertlos und sollte allenfalls mit dem Kontext wiedergegeben werden, der genau das verdeutlicht.
 
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