Das wird ihnen ja auch ohne diesen Move unterstellt, während sie gleichzeitig so tun, als würde die Ukraine die Eskalation vorantreiben. Dabei macht das seitens der Ukraine keinen Sinn, da im Donbass zwar auf dem Papier nun offizielle russische Staatsbürger leben, neben diesen aber noch eine größere reale Anzahl von ethnischen Nichtrussen wohnen.
Ich kann ja verstehen, dass man seitens der Ukraine nicht gewillt ist die dort lebenden Menschen zu alimentieren, wenn sich andere Menschen hinstellen und einen eigenen Staat dort militärisch durchdrücken. Doch von "nicht mehr zahlen zu wollen" zu "ich töte einfach wahllos Leute" ist es ein doch recht weiter Weg zu "ich trete einen Krieg ohne Gewinnchance los, wo mir keiner wirklich helfen wird". Das ist noch Unsinniger als hier so mancher mit wilden Theorien für unsinnig erklärt, um den Aufmarsch russicher Truppen an der Grenze kleinzureden.
Systematische Eskalationshandlungen waren bislang eigentlich weder auf ukrainischer noch separatistischer Seite zu sehen. Klar, die Waffenruhe ist brüchig und jeder redet ständig darüber, dass die Gegenseite bald zum großen Angriff übergehen könnte - aber genau das läuft jetzt eben schon 12-13 Jahre so und es ist zu keinen großen Veränderungen innerhalb dieses Gebiets gekommen. Nur außerhalb, in Russland und an der nordukrainischen Grenze.
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Die sind doch total bekloppt. Warten die echt nur darauf, dass Olympia zu ende geht, um Xi nicht zu verärgern?[/hr]
Ich sehe zwei Möglichkeiten:
a) Sie handeln mit Unterstützung Russlands und bereiten eine Eskalation vor, sodass die russische Armee ab 5:45 zurückschießen kann, bis sie hinter Lemberg steht.
b) Sie haben keine Unterstützung Russlands, sind aber zu dem (korrekten) Schluss gekommen, dass ihre Aussichten auf eine erfolgreiche Eskalation seit 13 Jahren nicht besser waren und auch nie wieder besser werden dürften.
Da Putin mehrfach bewiesen hat, dass er sehr sorgfältig vorbereitete Progpagandakampagnen über lange Zeit durchziehen kann, weiß ich tatsächlich nicht, welche Variante wahrscheinlicher ist. Einerseits hat er null Interesse am Donbass gezeigt, diesen sogar aktiv zurückgewiesen, und auf konsequente Destabilisierung der Ukraine von außen gesetzt. Auf der anderen Seite hat er eine Invasionsstreitmacht zusammengezogen und in der Vergangenheit schon mehrfach eine solche für Invasionen unter fadenscheinigen Gründen genutzt, die die Separatisten liefern könnten. Zudem gibt es bislang keinen Weg für ihn, einen Rückzieher zu machen ohne über die von ihm selbst aufgebaute Rhetorik zu stolpern.
Für die Gegend sieht es aber so oder so schlecht aus. Der einzige Grund für die Separatisten, keinen Krieg zu provozieren, war der Schutz ihrer Angehörigen. Und die werden gerade außer Landes geschafft.
Letztens wurde im Fernsehen (ich glaube bei Markus Lanz), von jemanden gesagt, dass im bisherigen Ukraine Konflikt, mehr Menschen durch Scharfschützen getötet wurden, als in 20 Jahren Afghanistan. Das sollte einen auch zu denken geben.
"as seen on TV" ist schon seit einigen Jahrzehnten kein Qualitätssiegel mehr. Genaue Zahlen zu Toten im Afghanistankrieg der NATO gibt es nicht, aber
Die Schätzungen liegen bei einigen 100000. Die Gesamtzahl der Toten im russisch-ukrainischen Krieg wird mit 14000 angegeben, also mindestens Faktor 10 kleiner.
Kann natürlich sein, dass nur die "Toten durch Scharfschützen" vs. "Tote durch Scharfschützen" gemeint waren. Die könnten im Donbas zumindes dem Operationsmodus gemäß höher sein, weil beide Seiten ausgebildete Scharfschützen haben, beide mit uniformierten (wenn auch manchmal abzeichenlosen...) Truppen arbeiten und beide Kampfhandlungen über größere Entfernungen an definierten Frontlinien durchführen. Für/gegen die Taliban waren der Nutzen respektive die Zahl von Scharfschützen deutlich niedriger einzustufen. Aber es wäre wohl ein eher schwacher Trost für die ganzen Opfer von Bomben, Anschlägen und ähnlichem, wenn es weniger Scharfschützen in Afghanistan gab.
Wer das Schwarze Meer kontrolliert, der kontrolliert die Region ums Schwarze Meer. Für Russland sehr wertvoll, für alle Anrainer sehr nachteilig. Wer das in Zweifel stellt sollte sich nur mal die gesperrten Gebiete in besagter Badewanne anschauen, Russland hat dort einfach so Übungen verordnet, das behindert den zivilen Schiffsverkehr massiv.
Tschetschan hat behauptet, die russische Flotte im Schwarzen Meer wäre unerlässlich für die militärische Sicherheit des russsischen Staatsteritoriums. Dagegen habe ich argumentiert und dabei bleibe ich auch - die russischen Küsten (ohnehin über weite Strecken genauso schlecht für Anlandungen wie für Marinebasen geeignet) lassen sich gut von Land/aus der Luft verteidigen und die Rüstungspolitik Russlands zeigt auch, dass genau dieser Schwerpunkt gewählt wird. Für Gegenoffensiven, die den Feind von Angriffen abhalten könnten ist die Flotte ebenfalls nicht sonderlich wichtig, weil die paar Ziele rund um den Tümpel gut für andere Waffensysteme erreichbar sind und es im Tümpel erst gar keine gibt. Für diesen Zweck ist Tartus, sobald die Kapazitäten dort ausgebaut sind, viel wertvoller als Sewastopol.
Bezüglich der zivilen Kontrolle gebe ich dir aber absolut recht. Da muss man nicht mal soweit gehen und das ganze Meer kontrollieren oder Manöver an ungünstigen Stellen abhalten. Schon allein die Zufahrtskontrolle zum asowschen Meer hat der ukrainischen Industrie vermutlich ähnlich stark geschadet, wie die Eroberung der Krim, und dass auf "friedlichem" Wege. Ausgedehntere Einschränkungen der zivilen Schiffahrt würden Bulgarien, Rumänien und Ungarn schmerzhaft zu spüren bekommen; Westukraine sowieso.
Aber das ist eben keine alternativlose Verteidigung russischen Heimatlandes gegen pöse, pöse NATO-Angreifer.
Das mag im Vergleich der Ozeane ne Badewanne sein, es hat aber Gründe warum Russland seit Jahrhunderten dort eine dedizierte Flotte platziert.
Bis vor 30-40-50 Jahren, als die Zielgenauigkeit von Langstreckenraketenwaffen mangelhafter war, Lufteinheiten zweifelhafte Kompromisse zwischen Kampffähigkeit und Reichweite finden mussten und vor allem als es noch möglich war, Offensiven ohne Luftüberlegenheit durchzuführen, sah die Bedeutung auch noch ganz anders aus. Damals gab es (in beide Richtungen) plausible Konzepte, wie eine Invastion über das Schwarze Meer hinweg rein mit Seestreitkräften hätte glücken können. Aber heute? Ohne (landbasierte) Luftüberlegenheit wohl kaum noch machbar. Umgekehrt ist es mit Luftüberlegenheit heute vergleichsweise einfach, die Schwarzmeerflotte bis auf 2-3 U-Boote stillzulegen, die (wenn überhaupt) als Abschreckungsmaßnahme gegen Transportschifffahrt dienen würden. Passenderweise stammt ein Großteil der Schwarzmeerflotte auch nicht von "heute", sondern von "damals".
Aber was bleibt außer warnen, darstellen, warnen, erklären, warnen, wenn man nichts anderes tun kann?
Die Medien erklären beinahe nichts, selbst da wo es leicht möglich wäre, ihre Möglichkeiten zum darstellen sind eingeschränkt und wen wollen sie bei uns eigentlich warnen? Die laufende Berichterstattung ist tatsächlich nur der typische Sensationsjournalismus: Was geschieht, lässt sich in zwei Sätzen sagen, aber man erhält zwei mehr oder oft minder gut recherchierte Bücher darüber, was passieren könnte. Bluttriefende Bücher. Das heißt nicht, dass die Szenarien falsch sind, aber sie haben einfach wenig mit "Berichterstattung" zu tun.
Das muss man aber gänzlich getrennt vom Verhalten der NATO betrachten. Es ist für Putin vollkommen egal, was die Medien bei uns berichten. Es zählen die klaren Handlungen der Regierungen. Die es leider nicht gibt...
Vielleicht wäre es tatsächlich schlauer gewesen, wenn man sich intern deutlich abgestimmt aber sonst gar nichts dazu gesagt hätte. Einfach mal den Kreml im Dunkeln tappen lassen. Aber das ist nicht Demokratie. Bei uns gibt es halt immer eine Kakophonie an Meinungen. Das ist nichts Schlimmes, ich mag das und komme gut drauf klar, aber in so einem Fall auch nicht hilfreich.
Wir haben keine Kakophonie an Meinungen, was zu tun sei. Wir haben kopfloses Palaver darüber, ob das Beobachte schlimm, schlimmer, etwas mehr schlimm oder etwas weniger am schlimmsten ist. Darüber mag sich das Feuliton ja gerne den Mund zerfetzen, aber politisch sind im Moment Handlungen gefragt. Über die Handlungsvorschläge sollte man dann natürlich demokratisch beraten (nicht-öffentlich könnte sich in diesem Fall auszahlen), aber durchgezogen wird seit 14 Jahren nur "nichtstun". Und das ist ganz ohne Zweifel keine Lösung.