Der eigentliche Kern des Problems. Viel zu viele Einzelinteressen. Europa ist das, was Aliens sehen, wenn sie die Menschen aus dem All betrachten. Kleingeistig, im Zweifel nur für sich und dem anderen nicht den Dreck unter den Nägeln gönnen können.
Vielleicht liegt es daran dass wir hier räumlich alle zu sehr auf einem Haufen hocken und uns dadurch die Weite und auch der Mut für eine größere Perspektive fehlt. Das macht uns in der Summe schwach, wenn es um globale Interessen geht. USA, China, die sehen uns doch nur mitleidig an. Es geht sogar soweit, dass ein verk...tes Mafia-Russland meint, es könne uns dominieren.
Damn it! Wir sind 500 Mio Leute mit einer dermaßen krassen Wirtschaftskraft, dass wir nicht nur mehr können sondern in der Welt auch mehr tun sollten. Aber da kommen wir wieder zum Anfang. Im Zweifel ist das Hemd näher als die Hose. Selbst wenn uns ohne Hose die Klöten abfrieren...
Ich würde es allgemein "Das Förderalismus-Problem" nennen, das auch Deutschland in vielen Bereichen ebenfalls hat. Von den Alliierten nach WK2 übrigens auch als Quasi-Fessel gefordert, damit sich Deutschland als Ganzes in seiner potentiellen Stärke (obwohl territorial erheblich zurecht gestutzt) so schnell nicht wieder sammelt und erneut Unfrieden stiften kann.
Förderalismus eingebettet in demokratische Strukturen hemmt auf der einen Seite schnelle Entscheidungen (ist also eher negativ, wenn genau das gebraucht wird), befördert aber andererseits auch Interessensausgleiche und Debatten, bevor diese im Volk zu ernsthaften Unruhen führen, wenn zentral entschieden wird.
Vielleicht auch ein Grund, warum in D weniger und weniger heftig getreikt wird, als z.B. in F (auch wenn man das aktuell eher weniger so wahrnimmt). Hierzulande gehen viele wichtige Themen erst duch die Länder, dann erst kann der Bund gewisse Gesetze und Veränderungen, zusammen mit den Ländern, auf den Weg bringen.
So ähnlich ist es dann auf multinationaler Ebene im europäischen Rahmen letztlich auch.
In Friedenszeiten, wenn es -spöttisch gesprochen- um die "Normung von Gurken" geht, kann man das gefahrlos so machen.
In Ausnahmesituationen (Naturkatastrophen, Pandemien, Kriege) allerdings, ist man effektiver, wenn man das Mandat bzw. die Machtfülle hat, schnelle Entscheidungen zu treffen und auch umzusetzen. U.a. deshalb sind autoritäre Staatsgefüge, mit i.d.R. wenigen Entscheidern, in solchen Situationen oft im Handlungsvorteil. Sie müssen sich nicht groß abstimmen oder gar Kompromisse eingehen. Ob diese autoritäten Handlungen dann im Einzelnen klug und strategisch richtig sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Auf diese Karte hat m.E. der russische Präsident Putin im vergangenen Februar auch gesetzt: Die Zerstrittenheit und das gefühlt end- und ergebnislose Debattieren in der EU sollte ihm die nötige Zeit geben, um in der Ukraine Fakten zu schaffen, wie 2014 auf der Krim. Diesmal lag er aber -in Kombination mit der unerwartet hohen Wehrhaftigkeit der Ukraine und der nahezu erschreckenden militärischen Inkompetenz seiner Armee- Gott sei Dank ziemlich daneben.