„Russische Soldaten auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Tschernobyl. Sie haben es schon am ersten Tag des Krieges am 24. Februar besetzt“, heißt es in den ARD-Tagesthemen. Die Bilder zeigen Erschreckendes: Russische Panzer wühlen Anfang April den Boden rund um das explodierte Kraftwerk auf – und damit Millionen radioaktive Teilchen aus der Reaktorkatastrophe von vor 36 Jahren. Soldaten heben Schützengräben aus, ohne das Risiko zu beachten.
Mit ihrem Vorrücken auf Tschernobyl hat die russische Armee große Umweltsorgen ausgelöst – auch bei Sebastian Pflugbeil. Der Physiker ist der ehemalige Vorsitzende der Gesellschaft für Strahlenschutz. „Man kann vielleicht mal so durchgehen, ohne dass man gleich tot umfällt. Aber wenn man in diesem Gebiet gräbt, dann muss man damit rechnen, dass man auf hoch-radioaktive Partikel stößt“, sagt er.
Schäden in Böden und Grundwasser
Die atomaren Hinterlassenschaften sind die offensichtlichste Umweltgefahr des Krieges in der Ukraine. Aber der russische Angriff gefährde die Natur überall, wo Raketen einschlagen oder gekämpft wird, sagt Michael Brombacher von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. „Wir haben Bilder gesehen von zerschossenen Tanklagern, all die Fahrzeuge, die zerschossen werden. Überall werden Öl und andere Flüssigkeiten ins Grundwasser gelangen, die jahrzehntelang zu Schäden in den Böden, im Grundwasser führen.“
Regelmäßig greift die russische Armee Raffinerien, Lagerhallen mit gefährlichen Stoffen, Kohlegruben oder große Industriebetriebe an, wie das Stahlwerk in Mariupol. Jeder Treffer kann Öl, Dioxine, radioaktive oder andere giftige Stoffe freisetzen, sagt Wim Zwijnenburg von der niederländischen Friedensorganisation PAX. „In der Folge kommt es zu lokalen oder auch größeren Verseuchungen. Wenn die Zivilbevölkerung all diesen Chemikalien ausgesetzt ist, besteht ein akutes Risiko für die Gesundheit der Menschen.“