Und es gab auch schon Leute die 2022 gesagt haben das diese Strategie tendenzieller Nonsens ist, weil man ein Land, welches beständig neu produziert, nie wirklich ausbluten kann, weil das erfordern würde das dieses nichts Neues bauen kann.
Spätestens mit Xi hinter Putin (und das war noch vor der ersten größeren Waffenlieferungen aus D klar), stand fest, dass der Angreifer über größere Rohstoff- und Produktionsreserven als Ukraine + NATO verfügen und somit letztere einen Auszehrungskrieg unweigerlich verlieren würden und werden.
Aber selbst wenn die "ausbluten" Strategie militärisch hätte funktionieren können, wäre sie sozioökonomischer und geopolitischer voll- und nicht "tendentieller" Nonsens gewesen. Russland war vorher kein Problem und hätte es auf Jahrzehnte nicht werden können. Ganz im Gegensatz zu Indien und vor allem China. Halb Europa und Nordarmerika mit einem langfristigen Krieg zu belasten, nur um Russland zu schädigen, während Asien weiter prosperiert ist ein absolutes Eigentor. Zumal die EU darüberhinaus zwei, drei Drittweltländer (eins wirtschaftlich ausgezehrt, eins zerbombt, Weißrussland bleibt abzuwarten) mit rund 1/3 ihrer eigenen Einwohnerzahl und mehr Korruption denn Demokratie als Nachbarn haben wird, was schon immer ein Rezept für weiteren Ärger war.
Anzunehmen, dass die Entscheider DIESE katastrophale Zukunft bewusst angesteuert haben, würde in der Tat noch mehr Idiotie verlangen als ein simples "man hat die überragende Bedeutung eines schnellen, entschiedenen Handelns verpeilt".
Also was hätte man in dem Fall gewonnen, das die Depots leer sind und Russland dann 10 bis 20 Jahre braucht, um sie wieder zu befüllen, das es ein paar hundertausend Soldaten verloren hat, aber immer noch Millionen besitzt, um im Zweifel einen Krieg zu führen?
Schon "Wiederbefüllen" ist aus westlicher Sicht ein riesieger Rückschritt. Die Kombination "viel alter Schrott + Wehrpflichtige" als Basis der russischen Verteidigungsdoktrin war doch ein Best-Case: Mit Ausnahme von vielleicht China hätte keine Macht realistische Chancen gehabt, ein so weites, mit so viel Waffen gefülltes Terrotorium zu besetzen. Entsprechend verhalten war, trotz aller Obsolität, auch die russische Rüstung. Umgekehrt hätte man mit dieser Quantität ohne jegliche Qualität kaum Offensivpotential (Q.E.D.: Ukraine), erst recht nicht gegen NATO-Staaten, die seit Jahrzehnten Abwehrkonzepte gegen genau diese Waffen entwickelt haben. Nach dem jetzt erfolgten (und nach der "Ausbluten"-Theorie bewusst erzwungenen) Aufbrauchen wird man dagegen relativ moderne Technik nachschieben, die auf einer Skala von "altem Sowjetschrott" bis "für NATO-Staaten tatsächlichbedenklich" ungefähr 80 bis 90% höher angesiedelt ist, also offensiv durchaus lästig wäre. Umgekehrt wird sie aber quantitativ zu knapp sein, dass Russland in Zukunft tatsächlich Angst haben müsste, erobert werden zu können, was geopolitisch eine durchaus heikle Situation ist.
Russland gewinnt aber rein nichts mit dem Einsatz von Atomwaffen und es ist auch nicht Russlands staatliche Souveränität bedroht, das irgendwelche fremdländischen Truppen, oder Ukrainer, nur noch 4km vom Kreml entfernt stehen.
Russland hat auch rein gar nichts mit dem Einmarsch in die Ukraine gewonnen. Im Gegenteil. Zu holen gab es da nur Dinge, die Russland zu Genüge hatte und verloren hat man umgekeht genau die internationale Zusammenarbeit, mit der russische Defizite bis dato ausgeglichen wurden. Aber obwohl das offensichtlich war, hat Russland genau diesen Einmarsch vollzogen. Weitere absolut irrationale Entscheidungen fielen im Ablauf desselben und finden sich bis heute immer wieder in der militärischen Planung. "Das wäre irrational" ist also leider kein Ausschlusskriterium für Handlungsoptionen der russischen Führung oder der russischen Armee.
Nur ein völlig wahnsinniger würde in so einer Situation, wie der aktuellen, Atomwaffen einsetzen, wo es rein gar nichts mit zu gewinnen gibt und Putin mag zwar durchtrieben und "bösartig" sein, aber wahnsinnig ist er noch nicht, weil nach dem Einsatz von Atomwaffen gibt es kein russisches Großreich mehr zu regieren und keine Verewigung, als großer Zar Wladimir, in den Geschichtsbüchern.
Deine Argumentation ist gleich auf mehreren Ebenen fehlerhaft:
- Wenn die Ukraine Moskau direkt bedrohen würde, dann wäre das Großreich von Wladimirowitsch I. sowieso verloren.
- Putin ist zwar zu logischem, zielstrebigen Denken fähig und nicht komplett wirr. Aber er hat bereits in der Vergangenheit Schlüsse auf Basis eines offensichtlich realitätsfernen Weltbildes gezogen und er ist komplett skrupellos. Wir können somit weder ausschließen, dass er einen "Heldentot" der ganzen Nation als Option in Betracht zieht noch könnten wir die reale Grenze dafür scharf verorten.
- Bislang weiß niemand, ob Putin das Schicksal Russlands über sich selbst stellt oder umgekehrt. Gut möglich, dass er lieber dafür sorgt, dass es gar keine Geschichtsbücher mehr gibt, als er darin die ihm zustehende Position "Zerstörer Russlands" annimmt.
- Der Hauptfehler deiner Argumentation ist aber, dass überhaupt irgendwer MAD-Routinen wegen eine russischen A-Waffeneinsatzes in der Ukraine oder selbst gegen vereinzelte NATO-Ziele auslösen würde. Und das ist nicht fraglich, sondern dass ist sogar in sich widersprüchlich: Wenn eine drohende Eroberung Moskaus kein rationaler Grund für Putin sein soll, das Ende seiner Nation auslösen (was es in der Tat nicht wäre), warum sollte dann z.B. eine Auslöschung Kiews für die USA, Großbritannien oder China ein rationaler Grund sein, das Ende ihrer Nationen auszulösen? Das ist definitiv noch viel weniger der Fall. Russland ist und bleibt zweitschlagsfähig.
Zusammenfassung: Man kann nicht ausschließen und ich würde umgekehrt sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Putin taktische Atomschläge anordnet, sobald seinem Regime nichts mehr zu regieren bleibt. Wichtig ist deswegen, ihm nicht zu viel regierungswpürdiges wegzunehmen, solange er noch soviel Rückhalt in seinem Militär hat, dass eine Ausführung derartiger Befehle zu befürchten ist.