Alleine der Hafen von Sewastopol ist für die Russen geostrategisch viel zu wichtig als dass man es dulden könnte dass er jemals in "westliche" Hände fällt. Darum haben die Russen 2014 nach dem Putsch auch keine Sekunde gewartet sich die Krim zu holen.
Das ersteres Bullshit ist, haben wir hier schon mehrfach lang und breit durchdiskutiert und bei letzterem braucht man das gar nicht erst, denn es ist in der Chronologie der Ereignisse offensichtliche:
Russische Truppen wurden am 21.2.22 in Richtung in Marsch gesetzt.
Am gleichen Tag unterzeichnete die weiter im Amt befindliche Regierung Janukowitsch ein Abkommen über politische Reformen mit der Opposition.
Vor möglicher Strafverfolgung geflohen ist Janukowitsch am 22.2.22, noch bevor er die ersten Umsetzungsschritte des von ihm unterzeichneten Abkommens umgesetzt hätte.
Am 23.2.22 wurde die politische Führung der Ukraine notdürftig an den Parlamentspräsidenten übergeben, um die Lücke der vertragsbrüchigen, abwesenden Staatschefs zu füllen.
=> Die russische Invasion war bereits im Gange, als Janukowitsch noch im Amt war. Und einen Putsch gab es bis heute keinen.
Sevastopol ist völlig unwichtig, da jede russische Flotte durch den Bosporus fahren müsste, um das Mittelmeer erreichen zu können.
Früher, also vor der Gründung der Nato und dem Beitritt der Türkei war sie wichtig, heute spielt sie keine Rolle mehr, eben weil die Schwarzmeerflotte nur unter großen Verlusten den Bosporus passieren könnten, sofern es einen Nato/Russland Konflikt gäbe.
In den ersten Jahrzehnten nach NATO-Gründung war die Schwarzmeerflotte auch noch wichtig, da Angriffsszenarien mehrheitlich Boden- oder Wassergestützt waren und die Raketenarsenale mit großer Reichweite beschränkt. Aber spätesten seit den 70ern ist das Schwarze Meer einfach nur noch eine Badewanne, die bei einem ernsthaften Konflikt binnen einiger Minuten überflogen würde, völlig ungeachtet ihren Inhalts. Tatsächlich ist der russische Luftstützpunkt auf der Krim strategisch wichtiger als der Seehafen.
Aber selbst das hat nichts mit der Krim als solcher zu tun, denn das sind nur zwei von vielen russischen See- und Flughäfen am schwarzen Meer. Die (Luft-)Flotte könnte genausogut von den anderen operieren und Russland hatte sich die Nutzungs Sewastopols nur deswegen
für die nächsten Jahrzehnte von der Ukraine zusichern lassen, weil die Weiternutzung der bestehenden Infrastruktur aus Sowjetzeiten immer noch günstiger war, als andernorts auszubauen. Aber noch billiger als Mieten ist natürlich klauen und so kam es zu 2014...
Das die Schwarzmeerflotte Kreise im schwarzen Meer fährt ist nur zufälligerweise ihr primärer Zweck.
Mittlerweile, ja. Zumindest im östlichen schwarzen Meer. Und das ist eine ziemliche Geldverschwendung und Umweltsauererei, meinst du nicht?
Vor 18 Monaten dagegen war Zweck der Schwarzmeerflotte dagegen noch, Feuerunterstützung an Land entlang der ukrainischen Küste zu geben, eine Landung im Süden der Ukraine vorzubereiten, eine See- und Luftblockade gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten und die Schlangeninsel zu besetzen. Da waren noch militärische Zwecke. (Oder auch völkerrechtswidrige Schandtaten gegen Zivilisten - aber militärische, völkerrechtswidrige Schandtaten, im Gegensatz zu nicht-militärischer Kreuzfahrererei.)
Aber das war ein Mal, weil der Anteil von U-Booten an der Schwarzmeerflotte damals explosionsartig anstieg.
Ich frage mich immer und immer wieder, wie man bei diesem Trauerspiel pro Russland argumentieren möchte? Kannst du es mir erklären?
Hass auf Menschen oder Streben nach persönlichen Vorteilen.
Was lernt man eigentlich aus diesem ganzen DiskussionsHickhack?
Man hätte Putin ernst nehmen sollen, als er Anfang 2022 mit der Ukraine verhandeln wollte.
Man hätte Putin ernstnehmen sollen, als er 1999 Menschenrechte mit Putin getreten hat.
Oder 2008, als das Völkerrecht dran war.
Oder spätestens 2014, als er das Völkerrecht schon wieder gebrochen hat.
Oder 2015, als er sich wieder für menschenfeindliche Kriegsverbrecher stark gemacht hat.
Stattdessen hat man ihm den Bauch gepinselt und ist nach seiner Pfeife getanzt.
Die Ukraine hat schlicht nicht genug Bevölkerung um Soldaten nach einer gewissen Frontdienstzeit dauerhaft nach Hause schicken zu können.
Aktuell hat die Ukraine, bei etwa 43Mio. Einwohnern, insgesammt etwa 1 Mio Soldaten unter Waffen,
Je nachdem wie tiefgreifend man rekrutiert kann sie noch etwa zwischen 2 und 5 Mio. weitere einziehen.
Wie sollen sie da dauerhaft Soldaten entlassen, wenn die 1 bis 2 Jahre an der Front waren?
Das wären, würde man jeden der an der Front 1 bis 2 Jahre gedient hat entlassen im besten Fall 2 bis 5 Rotationen, dann hätte die Ukraine keine Soldaten mehr.
Was die Mütter da möchten ist also halt einfach schlicht nicht für die Ukraine leistbar.
Evt. kann man ihre Söhne ein paar Monate nach Hause schicken, was schon bitter genug wäre, weil wer jetzt nach zwei Jahren noch lebt einen Haufen wertvolle Fronterfahrung besitzt, die dann mit irgend einem Unerfahrenen Neuling ersetzt werden muss und wird.
Aber so oder so, früher oder später werden sie wieder eingezogen werden müssen, solange dieser Krieg weitergeht.
Es wäre zwar für die Kampfkraft an der Front nicht unbedingt förderlich, würde den Familien und den Soldaten (und damit auch der Motivation von Nachrückenden!) aber sehr zu gute kommen, wenn der aktive Dienst in einem größeren Rahmen ebenfalls rotiert. Die Proteste kommen ja erst jetzt, nach 1,5 Jahren Krieg hoch, was wohl von einem nicht gerade geringen Maß an grundsätzlicher Akzeptanz für Kriegsdienst zeugt. Aber du rechnest ja selbst vor, dass die Ukraine eigentlich die ~3,5-fache Zahl an potentiellen Soldaten zur Verfügung hätte, sodass selbst bei einer leichten Aufstockung der aktiven Truppe zum Ausgleich der geringeren Erfahrung nach einem Jahr Kriegsdienst (mit Rotationen zwischen Front und Hinterland) zwei Jahre Zivilleben garantiert werden könnten. Und das wäre, bei der sich abzeichnenden Entwicklung, auch strategisch eine gute Idee: Eine hohe Konzentration erfahrener Soldaten ist optimal für eine schnelle Offensive, aber in der befindet sich die Ukraine nicht mehr. In einer lang andauernden Defensive macht flächendeckende Kriegserfahrung aus der Zivilbevölkerung eine praktisch uneroberbare Miliz.
4. Kremlchef Wladimir Putin soll den Militärs die Aufgabe gestellt haben, die ukrainischen „Städte so wenig wie möglich zu zerstören.“ - siehe FAZ unten
Na dann sagen Mariupol und Bachmut wohl noch weitaus mehr über die Kompetenz des russischen Militärs aus als der Marsch auf Kiew, die Verluste der Schwarzmeerflotte oder die Lebenserwartung der Generäle

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Meine Frage bleibt offen: Warum stellt man gerade jetzt der UA und Moldawien den EU-Beitritt in Aussicht, obwohl wie schon jahrelang bekannt und auch von Orban bemängelt, die Auflagen dafür nicht erfüllt sind?
Die Auflagen für Beitrittsverhandlungen sind erfüllt und der offizielle Status eine Beitrittskandidaten gibt einen Rahmen für direkte, reguläre Hilfen der EU und eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit. Die Verleihung des Status ist vor allem auch in Bezug auf Erdogan wichtig, denn im Zuge dessen, was sich Putins Freund in letzter Zeit hat erlaubt hat, wird die Türkei die nächsten 20 Jahre der EU nicht mehr annähern, ganz im Gegensatz zur Ukraine. Entsprechend ist zu erwarten, dass es da auch mehr bilaterale Fortschritte geben wird und die Ukraine und die Türkei mussten auf einen vergleichbaren Status gehievt werden, damit die Engagement-Priorisierung nicht total bescheuert rüberkommt. (Ich wäre ja eher dafür gewesen, dem Sultan den Kandidatenstatus zu entziehen, aber das wäre nicht sehr diplomatisch gewesen.)
Ja, eigentlich sind es Defensiv-Waffen, welche die anrollenden Wellen russischer Panzer im Abwehrkampf zerschlagen sollten. Und doch wurden sie von der UA in der ersten Offensive gebracht. Wir müssen uns demnach einigen.
Entweder war der Einsatz der Leos in der Offensive ein Fehler oder die Waffe kann auch offensiv erfolgreich eingesetzt werden.
Der Leopard ist für den dynamischen Bewegungskrieg konstruiert. Da gibt es auf unterster Ebene keinen Unterschied zwischen Offensive und Defensive und der Vergleich mit einer Selbstfahrlafette ist geradezu absurd. Das einzige, was den Leo etwas mehr defensiv als offensiv macht, sind Wartung und Versorgung: Er ist kein Expeditionsgerät, das ohne Unterstützung mehrere Tage in unbekanntes Feindesland vorstoßen könnte, sondern für den Einsatz auf heimischen Boden mit Rückgriff auf Infrastruktur in nahe gelegenen, noch nicht eroberten Gebieten gedacht. Also genau die Situation, die in der Verteidigung der Ukraine herrscht. Sogar die geographischen Bedingungen und die angetroffenen Gegner passen auf das Einsatzkonzept des Leo 1. Dagegen sprechen nur Schützengräben und Minenfelder. Der Leo sollte halt eigentlich spätestens 100 Stunden nach einem russischen Angriff den Feind zurückschlagen und nicht erst nach dem dieser sich 100 Wochen lang in fremden Boden wortwörtlich eingegraben hat. Für so ein 1.-WK-Szenario hat nach den 2.-WK-Erfahrungen niemand mehr optimiert. Erst recht nicht am Boden, befestigte Stellungen werden seit der zweiten Hälfte des 20. Jhd. eigentlich aus der Luft mürbe gemacht.
Putin könnte Medwedew nachfolgen und der ist 58 und labert den gleichen Unsinn.
Ich glaube nicht, dass sich Russlands Politik mit dem Tod Putins irgendwie ändert.
Abgesehen davon, dass Ryzas Aussage zum "Siet Putins" nicht durch einen Sieg Mewedjews erfüllt werden kann, ist letzterer eine Marionette Putins. Höchstwahrscheinlich ohne eigenes Rückgrat und ohne eigenen Unterstützungaparat. Sicherlich würde er als Person gerne in Putins Fußstapfen treten, aber solange es da nicht zu einer geordneten Übergabe kommt (und kann sich hier irgend jemand einen Putin vorstellen, der systematisch seine Macht abgibt? In Kriegszeiten?), würde ihn die diversen Machtblöcke des Systems Putin wohl kaum Loyalität schwören, sondern jeder seinen eigenen Favoriten als Nachfolger durchzudrücken versuchen.
Ich bleibe diesbezüglich bei meiner schon vor Jahren geäußerten Prognose: Ein Tod Putins ist die beste Chance für die Ukraine. Danach dürfte Russland für einige Jahre in einem Machtvakuum verschwinden und die internationale Handlungsfähigkeit gegen null sinken. Noch stärker als nach dem Fall der Sowjetunion, wo ja im Prinzip die Regierung des Teilsstaates Russland als geschlossener Machtblock fortbestand und sämtliche Opposition bei null anfangen musste, weil sie zuvor klein gehalten wurde. Das ist unter Putin anders. Wir haben bereits den beinahe-Bürgerkrieg zwischen Söldnern und Militär gehabt. Wir haben mehrere Verdachtsfälle bezüglich Attentaten des Geheimdienstes auf das Militär. Wir haben die von der Politik überrumpelten Oligarchen, denen der Krieg und damit die Scherben ihres Lebens vor laufender Kamera kredenzt wurden, wir haben die Medien selbst, den großen Unbekannten der organisierten Kriminalität, etc.. Jeder einzelne dieser Kreise trägt seinen Teil zum System Putin bei, jeder einzelne könnte beanspruchen, den Nachfolger zu stellen und jeder einzelne davon hat die Möglichkeit, andere Teile in die Pfanne zu hauen.
Und genau das werden sie machen. Denn Putin hat alle leitenden Posten mit skrupellosen Egomahnen besetzt, die unfähig sind, hinter seinem Rücken ein großes Komplot zu spielen, aber jeder für sich willens, für eine aussichtsreiche Belohnung alles zu machen. "Russland" ist, trotz allem, genau so eine Aussicht, die sich jeder Machtblock zu krallen versuchen wird.
@ruyven_macaran
Das es sich biologisch ändern wird da bin ich bei Dir, ganz unabhängig wann auch immer das sein wird. Über wahlen ist das ja eher unwahrscheinlich.

Aber ob und wie sich da auch politisch was ändern wird da habe ich so meine Zweifel.
Es gibt bereits länger Zweifel an Putins ach-so-guten Gesundheitszustand. Sicherlich ist er für einen 72-Jährigen nicht in der schlechtesten Verfassung, aber "Alter" und "Stress" ist bekanntlich ein tödlicher Cocktail und als offensichlicher Paranoiker einen 2.-Weltstaat mit Weltmachtsphantasien in einem internationalen Stellvertreterkrieg zu führen, sind da wohl optimale Voraussetzungen für abnehmende Gesundheit. Ich sehe eine 50:50-Chance, dass er über 80 wird (reichlich vorhandene Anlässe für ein nicht-natürliches Ende ausgeklammert) und die weiter oben gepostete Blöd-Karte zu Russlands Plänen würde ich zwar bis zum Beweis des Gegenteils als "frei erfunden" einsortieren, aber gemessen am bisherigen Kriegsverlauf ist sie optimistischer, als die 1,5-Grad-Versprecher von der COP. Wenn Russland auch nur die Hälfte davon schafft, wäre das verdammt viel. Sie müssten aber mindestens das Doppelte schaffen, um die Ukraine binnen 8 Jahren zu erobern.