Was ist los in Syrien?

Ja, und?
Weil die jetzt einen Hinweis geben, fährt man nicht mehr in Urlaub?
Dann dürfte man auch nicht mehr nach Berlin fahren, da es dort ja auch zu einem großen Anschlag kommen könnte -- nach Madrid, London, Paris und Brüssel.
Kommen kann, gekommen ist. Blödes Relativieren und ein großer Unterschied. Ebenso wie tot sein und sterben können.

Ich schreibe es noch einmal, weil du es gezielt überlesen willst:
Früher lief man nicht Gefahr, dort entführt zu werden. Mittlerweile passiert das regelmäßig. Ebenso sprengten sich dort früher keine Leute in die Luft oder töteten gezielt Urlauber. Ein Zustand, der dem von damals nicht einmal im Ansatz entspricht.

Wüsste nicht, dass in Berlin regelmäßig Menschen entführt werden. Die werden nur angetanzt und ausgeraubt oder verprügelt, aber nicht enführt, damit Lösegeld erpresst wird.
 
Tja, die Frage ist immer, wo du gerade bist.
In Mexiko wird man auch ständig entführt, in Brasilien sowieso.
Was ist mit Warnungen vor diesen Ländern? Gerade angesichts der Tatsache, dass in einem Land dort demnächst Olympische Spiele ablaufen.

Ich relativiere solche Sachen eher lieber als alles als Bare Münze zu nehmen.
Wie viele Fälle kennst du denn, wo im Oman Deutsche Touristen entführt worden sind?
 
Und genau das darf überhaupt nicht sein. Du kannst wählen, was du möchtest, doch ist keine Partei daran gebunden, ihre Wahlversprechen auch nur im Ansatz einzuhalten.

Gegen Wahlbetrug gibt es afaik irgendwo ein paar Paragraphen, aber das Problem ist ohnehin eher akademischer Natur. Geschätze 99% der Wahlversprechen werden eingehalten - aber auch absichtlich so formuliert, dass sich viele Leute sehr leicht etwas anderes darunter vorstellen, als eigentlich da steht (und am Ende auch rauskommt - bzw. eben nicht). Gegen Ausnutzung von Dummheit kann man aber kein wirkungsvolles Gesetz machen, da sich so etwas per Definition jeglicher klaren Eingrenzung entzieht.
Grundprinzip der repräsentativen Demokratie in Deutschland ist aber sowieso, dass der Wähler alle vier Jahre darüber entscheidet, ob seine Interessen (z.B. an ehrlichen Wahlaussagen) in angemessener Weise eingehalten werden. Und mit Ausnahme des Niedergangs der FDP (die so ziemlich genau das gemacht hat, was ich in ihrem Wahlprogram vorher gelesen habe), hat der Wähler keiner einzigen Partei des letzten Vierteljahrhunderts eine Absage auf ihre Politik ausgestellt.
Fazit: Deutsche Politiker vertreten im großen und ganzen die Mehrheit des Volkes.

Und genau das kann man, um zum Thema zurückzukehren von Assad in Bezug auf die Syrer nicht behaupten, im Gegenteil. Und deswegen hat der auch nicht im geringsten Respekt oder gar Unterstützung von irgendwem verdient, denn er vertritt nur sein eigenes diktatorisches Regime.


Es ist sehr gut möglich, dass ein Großteil der Parteien die Interessen der Bürger auch nicht im Ansatz verfolgt. Könnte auch ein Indikator für die geringe Wahlbeteiligung sein.

Heutzutage bekommen die meisten Menschen ja Schüttelfrost, wenn man ganz frei losgelöst von allen Ideologien und Zuständen erwähnt, dass eine Diktatur dem Volkswillen besser entsprechen und für ihr Wohl dienlicher sein könnte als eine Demokratie.

Vollkommen zu Recht. Denn wer darüber redet, was eine Diktatur durch reinen Zufall eventuell sein könnte und sich dann auch noch ein einziges, positives Beispiel unter sehr vielen, sehr negativen rauspickt, der ist in der Regel zum-sich-schütteln. Die repräsentative Demokratie tut sich (zumindest Bürgern von der Qualität, wie wir sie haben) denkbar schwer bei der Auswahl der besten Regierenden, aber sie liegt dabei immer noch meilenweit vor allen anderen Regierungsformen, die je für Gruppen von mehr als ein paar 100 bis maximal 1000 Mitgliedern ausprobiert wurden.

Die nächste Wahl nach 4 Jahren als Zeugnis für die Leistung eines Politikers? Das ist ziemlich unbefriedigend und wird der Verantwortung nicht gerecht.

Stimmt. Die meisten Untaten realisiert die Mehrheit nämlich erst 40 Jahre später :(

Das ist die größte Verunglimpfung des Wortes Justiz, seitdem es einen Minister hierfür gibt.

Nicht dass ich nenneswert positives an Maas sehe (immerhin scheint er manchmal zu realisieren, dass er nur Halbgares abliefert), aber wenn dir Schlegelberger ernsthaft lieber wäre, dann möchte ich die Diskussion an dieser Stelle abbrechen.

Die Gewaltenteilung funktioniert auch nicht richtig. Es kann nicht sein, dass ein Teil den anderen absetzen kann.

Genaugenommen ist genau das die Quintessenz vom gegenseitiger Kontrolle der Gewalten :klatsch:

So schön die Demokratie im Ansatz ist, funktioniert sie letzten Endes so gut wie der Kommunismus. Es sind Fantasiekonstrukte, die schön utopisch bleiben, in der jetzigen Welt aber niemals fair umgesetzt werden können, weil manche Menschen lieber etwas gleicher als andere sind, um auf den guten George Orwell zurückzukommen.

Also wenn ich mir die Unterschiede zwischen dem theoretischen Kommunismus und der Sowjetunion, zwischen deinen hahnebüchernen Vorstellungen eines gütigen Diktators und der Realität des dritten Reiches sowie zwischen meinem Leben und der idealen Demokratie angucke, dann funktioniert letzteres Konzept UM WELTEN besser, als der Kommunismus, von Diktaturen ganz zu schweigen. Selbst wenn ich die wohl übelste Form der freien Demokratie in den USA mit der wohl geglücktesten Interpretation von Sozialismus bzw./und Diktatur in Kuba vergleiche, wüsste ich ziemlich genau, welches Land ich vorziehen würde.

Assad ist kein guter Diktator. Dennoch erfolgte die Destabilisierung Syriens ebenso wir bei den benachbarten, arabischen Ländern von außen.
Wieso schwappt die Welle der Demokratisierung nicht auf Algerien über? Nur weil die Militärdiktatur weniger Familien den Volkswillen besser unterdrücken kann als Assad? Das glaube ich nicht.

Äh: Algerien hatte Anfang der 90er Jahre einen Bürgerkrieg (die Bevölkerung dementsprechend wenig Bock auf einen zweiten) und seitdem eine demokratische Verfassung. Trotzdem ist die Welle sehr wohl auch auf Algerien übergeschwappt und zwang die Regierung 2011 dazu, einige Forderungen der Opposition umzusetzen. Womit wir schon beim entscheidenden Punkt wären: Algerien hat so etwas wie eine parlamentarische Opposition. Das algerische Parlament hat zwar relativ wenig Einfluss im Vergleich zu den korrupten Hintergrundstrukturen und dem dominanten Militär (man beachte, dass auch das wenigstens zwei Kräfte sind und nicht eine Einzelperson), aber zumindest existiert ein Einflussnahme-Weg, der Politik statt Panzer nutzt.

Ich bin zumindest davon überzeugt, dass dort wesentlich größere Willkür herrscht als vorher. Die Absetzung der absolutistischen Regierungen hatte eine direkte Auswrikung aufs Wiedererstarken von islamistischen und terroristischen Gruppierungen.

Umgekehrt: Erstarkte Islamisten haben das Regime abgesetzt. Erstarkt sind diese schon vorher, denn bei der Wahl "Diktator oder Islamisten" entscheiden sich die 90% der Bevölkerung, die zu den Verliereren des Regimes gehören, schnell mal für die Versprechen der Islamisten. In Staaten, in denen die Wahl lautet "Regierung oder Opposition oder Islamisten" sieht das komplett anders aus.

In den 90ern konnte man in Ägypten und Tunesien noch problemlos Urlaub machen. Man wurde von Menschen in Tunis mit der islamischen Gastfreundschaft begrüßt, die es heute kaum mehr gibt.
Woran liegt das?

An deiner Wahrnehmungsweise. Ich habe jedenfalls bislang keinerlei Beschwerden über zurückgehende Gastfreundschaft in Tunis oder in Ägypten gehört. Ganz im Gegenteil.


Abgesehen davon, dass das so ziemlich der uninteressantes Teil meines Beitrages war, gibt es bestimmt Gründe dafür, dass einem vom auswärtigen Amt davon abgeraten wird, sich frei in den großen Städten und vor allem außerhalb zu bewegen.
Früher lief man nicht Gefahr, dort entführt zu werden. In Mittlerweile passiert das regelmäßig. Ebenso sprengten sich dort früher keine Leute in die Luft oder töteten gezielt Urlauber. Ein Zustand, der dem von damals nicht einmal im Ansatz entspricht.

Gerade in Ägypten gibt es schon sehr lange Entführungen von und Gewalt gegen Touristen. Ich erinnere an Luxor '97. Mit zunehmender Verarmung und Verbreitung von Waffen ist die Zahl der Täter gestiegen, aber die große Mehrheit der Ägypter ist so gastfreundlich wie eh und je. 100 bewaffnete Terroristen unter 100000 Ägyptern sind aber halt trotzdem mehr Anlass für eine Reisewarnung, als 10 unter 100000, die sich ein Küchenmesser teilen.


Aber was genau hat ägyptischer Tourismus eigentlich mit Syrien zu tun?
 
Der Begriff hat leider durch den Missbrauch des Wortes "Volks" sehr gelitten, ist hier aber nicht mit der Springer(stiefel) Konotation von Volksempfänger, Volkskredit, Volksversicherung, Volksverhetzung, Volksmilchreiß, Volksfonds oder Volksverblödung zu verstehen.
 
Demokratische Verfassung in Algerien... Algerien wird seit dem Ende des Bürgerkriegs vom Militär regiert, genau genommen von mehreren einzelnen Kommandanten, die offiziell nicht einmal bekannt sind.
Das gute ZDF (oder war es Arte) widmete dem sogar eine umfangreiche eine Doku.

Zu deiner Vorstellung von Gewaltenteilung würde ich dann gerne wissen, wer den Politiker entlässt? Prinzip der gegenseitigen Kontrolle. Der Richter darf es nicht. Es darf nur die eigene Zunft. Da kannst du dir noch so viel an die Stirn klatschen.
Dazu müssten Verfassungsrichter dann befugt sein. Unterstehen weder dem Zwang von Lobbyisten, noch dem Druck durch Medien.
 
Nett, dass du mir in allen anderen Punkten zustimmst.

Das in Algerien de facto ein Wechselspiel zwischen Militär und Korruption die Zügel in der Hand hält, habe ich ja geschrieben. Aber es gibt trotzdem eine politische Opposition und diese war auch in der Lage, Ziele der aufgebrachten Menschen im Rahmen des arabischen Frühlings durchzusetzen. Durch diesen zwar geringen, aber vorhandenen und geordneten Prozess der Einflussnahme wurde Druck abgebaut, bevor es zur Eskalation kam. Genau diese Möglichkeit fehlt unter Diktatoren wie Assad oder Gaddafi. Hier wurde auf genau die gleichen Prozesse mit Gewalt und zusätzlicher Unterdrückung reagiert, aber man kann eben nicht ein komplettes Volk dauerhaft komplett unterdrücken. Entweder man macht gelegentlich zumindest ein paar Zugeständnisse (und damit das sauber abläuft muss man eben eine politische Opposition zulassen, auch wenn diese ggf. kaum Macht erhält), oder aber der Druck bricht sich irgendwann einen Weg - und dann stehen mit hoher Wahrscheinlichkeit die radikalsten und extremistischsten Gruppierungen an der Spitze der neuen Bewegung, weil eben diese als einzige die passenden Methoden gegen eine gewaltsame Unterdrückung ins Felde führen, während die gemäßigten, politisch aktiven Gruppen zuvor vom Diktator ausgerottet wurden.

Zu deiner Frage: Ein "Politiker" ist nicht Gegenstand der Gewaltenteilung. Ein Politiker kann alles mögliche sein, vom Bundespräsidenten ohne realen Einfluss bis zum Wahlkämpfer auf der Gemüsekiste neben dem Wochenmarkt. Gewaltenteilung baut darauf, dass die Exekutive ausschließlich auf Grundlage der von der Legislative erlassenen Gesetze tätig werden kann (in Deutschland wird die Spitze der Exekutive zusätzlich von der Legislative ernannt), während die Legislative ihrerseits keine Gesetze erlassen darf, die von der Judikative für verfassungswidrig befunden werden, wobei eben dieses Urteil von Kräften der Exekutive durchgesetzt werden muss.

Entlassen wird dabei übrigens niemand (außer ggf. der Kanzler im Rahmen einer Vertrauensfrage), denn es geht um Gewalten und deren Ausübung, nicht um Personen. Entlassen tut letztendlich nur der Wähler, denn nur dieser kann als Souverän über "gut" und "schlecht" entscheiden. Bis dahin verhindert die Gewaltenteilung Machtmissbrauch, denn genau das ist ihre Aufgabe.
 
Es geht nicht um Zustimmung.

Diskussionen dieser Art sind einfach unheimlich anstrengend, weil es viel zu ausufernd wird, wenn man jede einzelne Aussage erläutern muss, manchmal auch mehrmals, damit die eigentliche Intention erkannt wird.
Es gäbe da noch sehr viel mehr zu schreiben, aber das ist mir einfach zu müßig und den Aufwand in einem Forum unter Unbekannten nicht wert.
Manchmal sind die Positionen auch weniger weit entfernt als es scheint.
Kaum wird einmal nicht genaustens präzisiert, wird viel zu oft der Bessserwisser, der sich an Worten aufhängt, rausgelassen. Das ist mir die Zeit nicht wert.

Ich lege demnächst mein erstes Examen ab und weiß durchaus, wer von wem versetzt oder "entlassen" werden kann und was ein Politiker ist. ;)

Ich wünsche dem weiteren Diskussionsverlauf alles Produktive.
 
Dann müssen wir nur noch darauf warten, dass nach dem Sieg eine Demokratie nach unserem westlichen Standard eingeführt wird. Also etwas was es dort noch nie gab. :ugly: Und dann auch noch hoffen, dass das Land die Menschen zurücknimmt und sich nicht wie Libyen derzeit weigert.
 
Wir müssen endlich Assad unterstützen, damit das Land wieder zur Ruhe kommt.

Ich frage mich eher, in welchem Land er später ins Exil gehen wird.
Russland? Möglich. Aber wer will da leben?
Frankreich? Die nehmen ja gerne ehemalige Diktatoren auf -- aber meist nur welche aus ehemaligen französischen Kolonien.
Andere arabische Staaten? Eher nicht.
 
Und wer nimmt die ganzen missratenen Existenzen auf, die ausser in der Gegend rumknallen nichts produktives mehr auf die Reihe bekommen? Wir?

Wenn es in Syrien eine Regierung mit einer"etwas härteren Gangart" gibt, die diese Sorte einigermasen unter Kontrolle hat wäre vielleicht nicht das schlechteste.
 
Ich frage mich eher, in welchem Land er später ins Exil gehen wird.
Russland? Möglich. Aber wer will da leben?
Frankreich? Die nehmen ja gerne ehemalige Diktatoren auf -- aber meist nur welche aus ehemaligen französischen Kolonien.
Andere arabische Staaten? Eher nicht.

Wozu Exil? Wenn er den Sieg über die Terroristen erlangt hat, kann er doch wieder in Syrien regieren. Lieber Syrien unter Assad als unter dem IS:
 
Mir wäre Syrien unter einer frei gewählten Regierung lieber, die Menschenrechte und Meinungsfreiheit garantiert.
Es wäre wünschenswert. Ich befürchte es läuft aber eher wie folgt ab:
Sobald die "freie demokratische" Wahl beendet ist wird der Wahlsieger die andere unterdrücken um die Macht zu erhalten. Weil die Wahlverlierer das Wahlergebnis als falsch ansehen werden und den neuen Herrscher nicht oder nur widerwillig anerkennen.
Somit wieder keine Demokratie wie wir es uns vorstellen. Wieder ein Asylgrund diesmal für die Gruppe die nun nicht vom aktuellen "Diktator" vertreten wird. :ugly:
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir wäre Syrien unter einer frei gewählten Regierung lieber, die Menschenrechte und Meinungsfreiheit garantiert.

Träume ruhig weiter, dass wird niemals passieren ;)

Nachdem das Land völlig zerfallen ist, ist doch jetzt schon der Status eines "Failed-State" erreicht :(

Man sollte endlich mal aufhören, die Demokratie herbeibomben zu wollen ;)

Im Endeffekt, helfen jetzt nur noch radikale Lösungen,
sonst der Konflikt noch 30 Jahre weiter :(
 
Mir wäre Syrien unter einer frei gewählten Regierung lieber, die Menschenrechte und Meinungsfreiheit garantiert.

Ja das wäre toll, ist im arabischen Raum aber auch total illusorisch, zumindest unter der vorherrschenden Ideologie. Es gibt nur ein Land im Nahen Osten, dass deine Forderungen erfüllt. Lustigerweise das einzige Land, in dem eine gewisse Gewaltideologie nicht die Mehrheit stellt.

Bleibt also die Frage, was ist das kleinere Übel für Syrien? Assad oder der IS.

Also dann nehme ich doch lieber Assad.
 
Mir wäre Syrien unter einer frei gewählten Regierung lieber, die Menschenrechte und Meinungsfreiheit garantiert.

Alles andere wird jedenfalls nicht die Flüchtlingsproblematik beenden. Ist ja nicht so, als wäre die heutige Situation aus einem Mangel an Diktatur heraus entstanden...


Im Endeffekt, helfen jetzt nur noch radikale Lösungen,
sonst der Konflikt noch 30 Jahre weiter :(

An Radikalität herrscht definitiv kein Mangel, aber was für "Lösungen" siehst du da?
 
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