Sinkendes Vertrauen in Sicherheitskräfte

Ich möchte noch einmal darauf verweisen, dass der "Judaslohn" im eigentlichen Wortsinne keine antisemitischen Unterton hat. Man kann ihn allerdings damit versehen, wenn man den Kontext ignoriert und dafür - grob vereinfacht - die Ganze "Die Juden haben den Heiland ermordet"-Schiene bis zu den modernen Auswüchsen mitfährt.

Und das wiederum kann man Herrn Lauterbach - der meines Wissens auch keine persönliche antisemitische Vorbelastung hat und/oder sich in irgend einer diesbezüglichen Tradition bewegt - vermutlich eher nicht vorwerfen, zumal er den "Judaslohn" in einem Kontext anbringt, aus dem klar wird, dass damit tatsächlich einen Lohn meint, mit dem eine fragwürdige Gegenleistung vergütet wird.

Wenn allerdings beispielsweise ein Herr Brandner mit einer gewissen persönlichen Vorgeschichte und sich öffentlich zum rechten Spektrum bekennend die Verleihung des Bundesverdienstkreuz' an Udo Lindenberg als Judaslohn bezeichnet und dabei wohlweislich darauf verzichtet näher zu erläutern, was Lindenberg denn verräterisches für die Bundesrepublik getan haben soll, hat das eine doch etwas andere Qualität.

Kurz: Ja, es ist relevant, wer was zu wem sagt. Und das ist auch gut und richtig so.

Wer das nicht für plausibel hält, kann ja versuchsweise als Weißer in einer überwiegend von Afro-Amerikanern bewohnten Gemeinde der USA mit dem "N"-Wort um sich werfen, weil die lokale Jugend das ja auch macht. Oder, wem das schon wieder zu sehr "Keule" ist, einfach mal den eigenen Chef oder den nächstbesten Polizisten mit einem vulgären Kose- oder Kumpelnamen bedenken, der am Stammtisch und/oder im heimischen Schlafzimmer doch auch nicht übel aufgenommen wird.
Erleuchtung wird garantiert.
 
Um mal wieder zum Thema zu kommen:

Verschwoerungstheorien, Propaganda, Chaos: Wie Rechtsextreme in der Coronakrise zuendeln - Politik - Tagesspiegel

https://www.tagesspiegel.de/politik/verschwoerungstheorien-propaganda-chaos-wie-rechtsextreme-in-der-coronakrise-zuendeln/25686934.html schrieb:
Mit Sorge beobachten die Sicherheitsbehörden die Kombination von rechtsextremen Verschwörungstheorien und Gewaltfantasien im Internet. Karl Richter, einer der führenden Ideologen der NPD, verkündet auf der Facebookseite der Partei, „Panik macht sich breit. Sie wird sich mit Ausgangssperren (…) nicht lange niederhalten lassen. Ab hier wird es blutig. (…) Am Ende steht der Höllensturz des Regimes und seiner europäischen wie transatlantischen Hintermänner“. Mit transatlantischen Hintermännern sind in der Szene amerikanische Juden gemeint.

[...]

Die rechte Hetze halten die Sicherheitsbehörden für riskant, gerade auch mit Blick auf radikalisierte Einzelgänger. Der Berliner Verfassungsschutz warnt in einem Papier zu Extremisten und der Coronakrise, über das der Tagesspiegel diese Woche berichtete, vor gewaltsamen Aktionen „ungebundener, auch irrationaler Einzelakteure“, so genannter „lone actors“. Gemeint sind Attentäter wie Stephan Balliet, der im Oktober 2019 die Synagoge in Halle angriff und zwei Passanten erschoss, sowie Tobias Rathjen, der im Februar in Hanau neun Menschen mit Migrationshintergrund tötete und dann seine Mutter und sich selbst.

Als besonders gefährlich gelten auch die häufig bewaffneten Reichsbürger. „Teile der rechtsextremistischen beziehungsweise der Reichsbürger-Szene sehen ideologisch den baldigen Umsturz des bestehenden politischen Systems an einem Tag X vor“, steht in der Analyse des Verfassungsschutzes. Es sei denkbar, dass wegen der aktuellen Situation einzelne „Rechtsextremisten aktiv werden könnten, um diesen Umsturz kurzfristig herbeizuführen“.
 
Deswegen bin ich da vorsichtig bei solchen Aussagen.. Das geht so Richtung "VICE" mit Sexismus oder Rassismus :ugly:

Lieber einmal zuviel als zuwenig hinterfragt :)

Bei Sexismus würde ich nicht mehr von um sich schmeißen reden. Da stellt sich spätestens seit MeToo eher die Frage, wo der Vorwurf noch nicht dranklebt...


Naja, durchforste einfach mal unsere Sprache und Du wirst erkennen, wie umfassend Antisemitismus integriert wurde. Nicht, dass andere das nicht auch können, aber ich versuche immer, mit gutem Beispiel voran zu gehen.

Ich persönlich halte nichts von der Rumreiterei auf Sprache und Kultur. Es gibt zwar jede Menge Ausdrücke und Bräuche, die ihre Wurzeln in Diskriminierungen haben, darunter auch antisemitische, aber es gibt auch sehr viele Beispiele für die Gegenrichtung. Ich erinnere nur an die praktisch jahrzehntlich wechselnden Ausdrücke für Leute, deren Phänotyp mit Subsaharaafrika assoziiert wird. Ich müsste ehrlich gesagt sogar nachgucken, wie die heute "politisch korrekt" bezeichnet werden ("Schwarze" ist es nicht mehr, "*****" noch viel länger nicht mehr, von "Moor" ganz zu schweigen... gibt es "Afrikaner" noch? Hat sich "Maximalpigementiert" durchgesetzt? Oder nur das komplett diffuse -dadurch aber wenigstens mal nicht komplett falsche- "Person of Color"? :ka:). Aber eins kann ich garantieren: Spätestens 2030 wird auch diese Bezeichnung geächtet werden, weil auch Rechte sie adaptiert und mit dem gleichen Hass aufgeladen haben, den sie auch in alle Vorgängerbezeichnungen projeziert haben.

Ob eine Aussage oder Handlung diskriminierend ist, leitet sich am Ende nie aus ihrem Ursprung ab, sondern immer aus dem heutigen Verständnis des sie Aussprechenden/Ausführen. Bestes Beispiel sind Afroamerikaner, die sich gegenseitig mit "Hey ******" begrüßen. Die diskriminieren sich bestimmt nicht gegenseitig, obwohl der Begriff massiv diskriminierend benutzt wurde und wird. Genauso muss man hellhörig werden, wenn jemand abfällige Aussagen egal mit welcher Wortwahl über nomadisch lebende Menschen in Europa macht, aber keine Progrome befürchten, wenn jemand ein "Zigeuner"schnitzel mag.

Konkret meinte ich mit einem Verweis auf überhäufte Antisemitismusvorwürfe aber, dass es mittlerweile komplett unmöglich ist, Kritik an Isreals Regierung oder an jüdisch-religiösen Organsiationen zu äußern, ohne als "Antisemit" gebrandmarkt zu werden. Und das finde ich nicht nur moralisch für sich genommen sehr problematisch, sondern (jetzt kommt der Bogen zurück zum Thema) auch bezüglich der Bekämpfung von Personen, die Juden schaden wollen. Wenn nämlich auf einmal jeder zweite politisch aktive "Antisemit" ist, dann fallen Rassisten überhaupt nicht mehr auf.
 
Was ist daran falsch?
Für euch Linke sind doch auch alle Rechten Nazis die nur von niederen Motiven getrieben werden und die alle das gleiche wollen.

Nö. Mir ist es egal, ob Links oder Rechtsextrem, beides hat in der Gesellschaft nichts verloren.
Blöd ist aber, dass einige Ansichten von Rechten auch von anderen Leuten geteilt werden.
Es spielt also keine Rolle, ob ein Rechter fordert, dass Flüchtlinge an der Grenze erschossen werden oder ob ein Linker fordert, dass reiche Leute erschossen werden.
Beides hat im Sprachgebrauch der Öffentlichkeit nichts zu suchen.
Der Gottschalk hat letztens auch einen Spruch gebracht, der angesichts der Corona Toten nichts in der Öffentlichkeit zu suchen hat.
So ist das eben. Man muss sich immer im Klaren sein, was ein Satz auslösen kann.
Und bei den Rechten bin ich mir sehr sicher, dass sie genau wissen, was ein Satz auslösen kann -- und danach kommt dann der Spruch, dass das ja nicht so gemeint war.
 
alle Rechten Nazis die nur von niederen Motiven getrieben werden und die alle das gleiche wollen.

Das ist ein Fakt. Da muss man nicht links sein. Beispiele für Rechtsterrorismus zeigen die letzten Monate ja genug. Oder halt mal ins Geschichtsbuch für die Jahre 33-45 schauen.
Natürlich sind alle rechten Nazis von von niederen Motiven getrieben.
Allein die Ablehnung von Art. 1 GG i.V.m. Art. 3 GG.

Und bei den Rechten bin ich mir sehr sicher, dass sie genau wissen, was ein Satz auslösen kann -- und danach kommt dann der Spruch, dass das ja nicht so gemeint war.

Oder ich bin ja kein Nazi, aber ... (eigentlich doch).
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist ein Fakt. Da muss man nicht links sein. Beispiele für Rechtsterrorismus zeigen die letzten Monate ja genug. Oder halt mal ins Geschichtsbuch für die Jahre 33-45 schauen.
Natürlich sind alle rechten Nazis von von niederen Motiven getrieben.
Siehst Du, ich gestehe den Linken zu das sie beim Morden, Rauben, ect immer nur von den besten und edelsten Motiven getrieben werden.

Die Linken die von 1919 - 1989 einen real-existierenden Sozialismus betrieben haben wollten nur das Beste für ihre Mitmenschen, und dafür sind sie auch über Leichen gegangen.
Die RAF? Wollte nur die westdeutschen Arbeiter zur Revolution inspirieren, und den Vietnamkrieg beenden. Geht eben nicht ohne ein paar Menschen zu töten.
Die Antifaschisten die in der Stasi oder am antifaschistischen Schutzwall ihren Dienst geleistet haben? Praktischer Kampf gegen Rechts.
Der Typ der vor kurzen Fritz von Weizsäcker erstochen hat weil sein Vater in der Firma beschäftigt gewesen ist die Agent Orange geliefert hat? Wollte auch nur die unschuldigen Opfer rächen.
Die aktuellen linken Diktaturen in Kuba und Venezuela ? Ist auch nur gut gemeint.
 
Genau. Und die USA haben einen linken, demokratisch gewählten Präsidenten in Chile nur deswegen abgesetzt, weil sie mit Pinochet einen Menschenfreund zum Präsidenten gemacht haben.
Oder die Iran Contra Affaire. Natürlich alles nur der Menschen wegen.
 
Soweit ich weiß, war das eine Besucherin auf einer Veranstaltung der Linken, die zwar in der ersten Reihe und nicht in der dritten Reihe saß, jedoch ohne parteiliche/öffentliche/politische Funktion.
Und sie hat nicht geäußert, dass sie Menschen erschießen wolle oder man welche erschießen müsse, sondern sagte wörtlich zum Thema Energiewende: "Und auch wenn wir das ein Prozent der Reichen erschossen haben, ist es immer noch so, dass wir heizen wollen, wir wollen uns fortbewegen."
Was man in dem Kontext und dieser Formulierung schlimmstenfalls als geschmacklosen Humor und bestenfalls sogar als Ironie deuten könnte.

Aber klar, in der braunschillernden Filterblase wird daraus natürlich der Aufruf eines linken Politikers zu einer Art von Gewalt, die von rechts längst real praktiziert wird.
Und selbst außerhalb besagter Blase wird das unreflektiert weitergetragen.

Es hat mich übrigens todmüde keine halbe Minute gekostet, die Konstellation, den Hergang und den Wortlaut des Vorfalls zu recherchieren. In diesem Sinne: Gute Nacht.
 
Soweit ich weiß, war das eine Besucherin auf einer Veranstaltung der Linken, die zwar in der ersten Reihe und nicht in der dritten Reihe saß, jedoch ohne parteiliche/öffentliche/politische Funktion.

Mit dritter Reihe war eigentlich die Parteilinie gemeint. Also eine Art C Promi der Linken.
Aber wenn das sogar nur eine Besucherin war, hat das mit den Linken erst mal gar nichts zu tun. Jeder kann ja einen Parteitag besuchen.
 
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