Die Pflege ist in einem katastrophalen Zustand. Das weiß ich leider aus 1. Hand. Ein mir sehr nahe stehender Angehöriger ist im Jahr 2012 an ALS erkrankt und wurde über Jahre von der Familie gepflegt. Die Hürden bei der Erteilung der Pflegestufe 1-3 waren enorm. Auch die finanziellen Zugaben waren lächerlich. Da war ein Mensch, die 20 Jahre hart gearbeitet hat, davon dann noch ein Jahrzehnt zur Kindererziehung geopfert hat, und dann so extrem von den Ämtern und Behörden an zustehenden Leistungen behindert wurde.
Ein knappes Jahr musste sie in einem Pflegeheim verbringen, in der Zeit wir eine 140qm Wohnung behindertengerecht umgebaut haben. Die Erfahrungen die ich dort gemacht habe, sind das grausigste was ich in meinem Leben in Deutschland bisher gesehen habe. Wir haben dann, als sie zuhause war, einen Polen für die häusliche Pflege 24/7 engagiert. Das war definitiv die würdigste, wenn man das so nennen kann, Form des dahin vegitierens. Im Jahr 2016 ist sie dann gestorben. Endlich muss ich schmerzhaft sagen. Endlich für sie, dass das leiden ein Ende hat. Und endlich für die angehörigen die irgendwann nicht mehr können. Ich habe die mir erteilte Patientenverfügung durchgesetzt. Sie wollte nicht mehr leben, aber in Deutschland ist die Sterbehilfe strikt verboten. Wenn sie dazu in der Lage gewesen wäre, wäre sie mit dem Rollstuhl, nach mehrfachen eigenen Aussagen, einfach auf die Straße gerollt und hätte sich überfahren lassen.
So Brutal ist die Realität. Ich frage mich immer wieder, wieso die Politiker in ihrem abgehobenen Palast in Berlin nicht die wahren Probleme realistisch angehen. Ich halte von den bis September 17 im Bundestag vertretenen Parteien absolut Garnichts. Wieso können wir es nicht einfach so haben wie in der Schweiz? ...