Ich bin nach wie vor überzeugt davon dass viele bei der Wende vor allem "westlichen" Reichtum wollten, nicht die Demokratie.
Natürlich wollten viele in der DDR gerne mehr westlichen Wohlstand.
Wer würde das auch nicht wollen, wenn deine Städte von der Bausubstanz her verfallen, du 12 Jahre auf ein Auto warten musst (oder das Glück haben ein stark nachgefragtes Gebrauchtes zu bekommen), du zum Urlaub machen kaum weiter als bis nach Tschechien und Ungarn gekommen bist und durftest und das auch nur wenn du neben deinem regulären Job noch andersweitig Geld verdienen konntest, oder du permanent in den Läden Lieferengpässe und vergriffene Produkte hast. Das alles während direkt nebenan dir stark subventioniert-betriebene Propaganda vom Hochglanzlebensstil des Westens, in Westberlin, läuft?
Das heißt aber nicht das es nicht auch eine Sehnsucht nach der Änderung des Systems und nach mehr Mitbestimmung gab (weil die gab es ja unter der SED nicht). Weil für alle die nicht idiologische Systemanhänger der SED und des Sowjetkommunismus waren, war in den 1980ern, durchaus immer offensichtlicher, das dieses System zunehmend nicht mehr funktionierte, aber komplett unfähig war sich zu reformieren und etwas zu verändern (etwas was damals aus Sicht der Menschen unter Gorbatschow in Russland passierte, zumindest "mehr" als in der DDR).
Das heißt aber auch nicht das alle DDR-Bürger, die 1989 auf die Straße gingen, den Anschluss an die BRD wollten und deren Gesellschaftssystem.
Das wird immer gerne, fälschlicherweise, so in den medialen Dokumentationen dargestellt, aber es gab durchaus auch eine Menge Menschen die halt eine demokratische DDR wollten, die halt vor allen Reformen wollten (daher auch die Skandierungen '89 "Wir bleiben hier!"), die aber keine Auflösung des DDR-Staates wollten und die bzgl. Gesellschaft und Werte ihren eigenen Weg beschreiten wollten und nicht nur Teil der BRD werden.
Anders gesagt, es gab '89 drei Lager in der DDR, die die einfach nur den schnellen Anschluss an die BRD wollten, um schnell die DM zu bekommen und westlichen Wohlstand, sowie die Reisefreiheit. Dann gab es die die sich ein weiterbestehen des DDR-Staates gewünscht haben, aber grundlegende Reformen des Systems und Veränderungen und natürlich auch mittel- und langfristig damit einhergehende Verbesserungen des eigenen Wohlstands und letztendlich noch die Betonköpfe und Anhänger des bestehenden Systems, die halt sehenden Auges so weitermachen wollten, auf den Zusammenbruch zuzusteuernd, weil sie unfähig waren ihren Kurs zu korrigieren.