Zu der West-Ost-Debatte gebe ich hier mal ein Interview mit Detlef Pollack, seines Zeichens Ostdeutscher, in Leipzig wissenschaftlich ausgebildet und dann im Westen die Universitätskarriere zum Prof durchlaufen, zur Kenntnis.
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Ich würde ihm in einigen Punkten nicht zustimmen, u.a.:
Zu Zeiten der DDR meinten sie, die Schattenseite der Geschichte erwischt zu haben. Der Westen war die Sonnenseite, wo man frei seine Meinung sagen konnte und für die eigene Arbeit gutes Geld bekam.
Hatte man ja auch, die Arbeiterproteste in Ostberlin, von 1953, haben das gezeigt.
Die Menschen waren unzufrieden, der Protest wurde gnadenlos niedergeschlagen, von der UDSSR und der SED.
Der Mauerbau 1962 verfestigte in diesen Korset gefangen zu sein.
Man kann den Menschen im Osten also kaum verübeln dieses Gefühl entwickelt zu haben.
Man sieht sich als fleißige, kompetente und flexible Arbeiter. Übrigens auch schon in der alten DDR. Wir können arbeiten, doch die oben sind unfähig. Dieser arbeiterliche Stolz wurde jedoch in den 1990er Jahren gebrochen. Man musste zur Kenntnis nehmen, dass man auf immense Transferleistungen aus dem Westen angewiesen war und es im Osten nicht zu einem sich selbst tragenden wirtschaftlichen Aufschwung kam.
Die Ursachen und das Problem dafür liegen noch viel weiter zurück, im verlorenen Zweiten Weltkrieg und dem aufkeimenden Kalten Krieg.
Die östlichen Bundesländer, gerade um Berlin und in Brandenburg, sowie Schlesien, waren mal, neben dem Ruhrpot, eines der bedeutensten Industriezentren in Deutschland, Berlin lange der Hauptsitz für viele große deutsche Firmen.
Mit der Niederlage wurde in den Östlichen Bundesländern etwa 80% der Industrieanlagen und Infrastruktur (z.B. Gleise) demontiert und nach Russland geschafft und mit der Teilung gingen die meisten Firmen aus Berlin weg, Richtung Süddeutschland.
Dann nach der Wende bestand auch nur wenig Interesse selbst die Industrieteile zu erhalten die vielleicht sogar noch eine Chance auf Rettung gehabt hätten, teilweise auch weil es Klüngeleien zwischen Verwaltern und Firmen aus der BRD gab, mit einem Interesse sich Standorte einverleiben zu können.
Die neuen Bundesländer mussten also ganze zweimal, in 40 Jahren, den nahezu kompletten Zusammenbruch ihrer Industrie verkraften, sowie nach 1945 die Abwanderung von sehr viel Kapital.
Das sind Rückschläge die keine Volkswirtschaft der Welt aus eigener Kraft einfach wegstecken könnte und ist ein Verlust den man nicht mal eben so wieder in ein paar Jahren, oder ggf. auch Jahrzehnte, aufgebaut bekommt, da der Markt ja in den inzwischen vergangenen Jahrzehnten neue etablierte Strukturen entwickelt und aufgebaut hat, ect. pp.
Innerhalb Deutschlands waren die neuen Bundesländer also durchaus dreimal die großen Verlierer der Geschichte, einmal wirtschaftlich durch den Zweiten Weltkrieg, dann dadurch im Ostblock zu landen und zuletzt nochmal wirtschaftlich, durch die Wende.
Das muss man halt auch einfach mal anerkennen.
Die neuen Bundesländer sind wirtschaftlich heute nicht wegen der mangelnden Leistung, Leistungsbereitschaft und Befähigung der Menschen dort da wo sie stehen, sondern weil sie das Pech hatten von der Geschichte schlechtes Blatt zugeteilt bekommen haben.