Neue Bundesregierung 2021 Diskussionsthread

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Natürlich absolut, schließlich leben in den westlichen Bundesländern 68 Millionen Menschen, in den östlichen nur 12,6 Millionen. Entsprechend muss es da auch schon rein logisch nummerisch in der Wählerschaft mehr AfD-Wähler "Wessis" geben, da die AfD im Westen der BRD auch nirgends (meine ich) unter mindestens 10% Wahlergebnis liegt.
Ich wollte damit nur die Aussage "Aber im Westen sind mehr Rechte" entkräften. Gemessen an der Bevölkerungszahl eben nicht!
 
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Also gehen wir einmal von 68 Millionen Wessis aus wovon 10% AfD wählen. Das sind so ca. 6,8 Millionen. Diese Wessis ziehen jetzt in den Osten und werden Ossis.
Wir wollen euch nicht...wir haben ja schon einen NRWessi...der ist mehr als genug.
Ich wollte damit nur die Aussage "Aber im Westen sind mehr Rechte" nur entkräften. Gemessen an der Bevölkerungszahl eben nicht!
Es leben doch aber mehr Nazis im Westen, das kann man nicht entkräften, weils eben ne Tatsache ist.
Da können gewisse Hetzer hier noch so oft "der böse Ossi" schreiben...
Zudem hat NRW (Westdeutschland) dazu noch ein Problem mit Nazicops.

Hier denken manche Deppen wirklich, das wir alle in Springerstiefeln rumrennen und gewisse Flaggen an jedem Fenster hängen, aber es sind halt nur spinnereien von Deppen, die im Suff den Stammtisch mit dem Internetz verwechseln.
 
"der Ossi" schafft sich ab und will das so.
Sorry, ich meine das nicht abwertend, sondern eher traurig. Mich macht der Rechtsruck sehr traurig, da ich mich hier im Osten weniger wohl fühle. Und das ist sehr schade, da es anderen sicherlich ähnlich geht und da will ich mir gar nicht vorstellen wollen, wie es sich als Mensch mit dunklerer Hautfarbe anfühlt.

Und ich sehe es eben auch so, dass das wirtschaftlich keine positiven Auswirkungen haben wird.

Die Wahlparty der AFD hat die Fratze dieser Partei ganz öffentlich gezeigt. Und was passiert? Das Lied der Atzen ist populärer, nur mit anderem Text. Es wird sich nicht für offenen Rassismus geschämt, es ist sogar witzig.
 
Die Wahlparty der AFD hat die Fratze dieser Partei ganz öffentlich gezeigt. Und was passiert? Das Lied der Atzen ist populärer, nur mit anderem Text. Es wird sich nicht für offenen Rassismus geschämt, es ist sogar witzig.
Das hatte ich auch gesehen. Wie junge Menschen das gefeiert haben.
Und von der AfD selber wurde nichts dagegen unternommen.
 
Sorry, ich meine das nicht abwertend, sondern eher traurig.
Natürlich einen das als Ostdeutschen traurig und betroffen, weil niemand möchte das seine Heimat mit den entmenschlichten Ansichten von solchen Idioten asoziert wird, das geht mir auch nicht anders.

Mich macht der Rechtsruck sehr traurig, da ich mich hier im Osten weniger wohl fühle. Und das ist sehr schade, da es anderen sicherlich ähnlich geht und da will ich mir gar nicht vorstellen wollen, wie es sich als Mensch mit dunklerer Hautfarbe anfühlt.
Es hängt halt sehr stark von der Ecke ab, in der man in Ostdeutschland ist, das vergessen viele gerne, das die AfD nicht überall in den östlichen Bundesländern gleich stark und erfolgreich ist.
Aus der Ecke wo ich komme sind offene Anfeindungen und Gewalt gegen Farbige und Migranten noch ehr weniger ein Problem und das nicht weil es bei uns keine Farbigen und Migranten gäbe (besonders seit / nach 2015).

Und ich sehe es eben auch so, dass das wirtschaftlich keine positiven Auswirkungen haben wird.
Natürlich ist das wirtschaftlich nicht förderlich, aber es ist auch nicht so als wäre die wirtschaftliche Prognose vor 15 Jahren, wo die Thematik noch nicht so aufgeheizt war, in der langfristigen Betachtung in den östlichen Bundesländern nennenswert besser ausgeschaut hätte.

Ob es da nun diesbezüglich im Osten langsamer beschissen ausschaut, oder schneller beschissen, spielt am Ende keine gewaltige Rolle.

Zudem ist es nicht so als wäre das eine Entwicklung der Radikalisierung von der man plötzlich im Schlaf überrascht worden ist.
Nach der Wende war rechtsradikales Gedankengut und deren Anhänger eines der ersten und verfänglichsten Exportprodukte, das aus der BRD in die ehemalige DDR rübergeschwabt ist und traf dort auf eine Gesellschaft einen massiven gesellschaftlichen Umbruch durchmachen musste, mit hoher Arbeitslosigkeit, wenig Eigenkapital und schlechteren lokalen Löhnen, bei gleicher Leistung / arbeit und einer Jugend die nicht vor Ort blieb, sondern auf der Suche nach Arbeit in Richtung der alten Bundesländer wegwanderte.

Das ein idealer Nährboden, um bei solchen Bedingungen über Zeit dahin driften zu lassen wo wir heute stehen, weil es halt niemanden von den politischen Westpopanzen vor Ort interessiert hat, solange die Menschen halt 25 Jahre lang ihr Kreuz nur schön brav alle 4 Jahre bei SPD, Union, Grünen, FDP und Linken gemacht haben.

Eine auf 30% erstarkte Ost-AfD kam halt eben auch nicht aus dem "nichts" und ist eben auch, aber natürlich nicht ausschließlich, 30 Jahre vergeigte Einheit und Politik, meine Meinung.
 
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Aus der Ecke wo ich komme sind offene Anfeindungen und Gewalt gegen Farbige und Migranten noch ehr weniger ein Problem und das nicht weil es bei uns keine Farbigen und Migranten gäbe (besonders seit / nach 2015).
Hier in OWL ist der Migrantenanteil relativ hoch und wir haben kaum Probleme mit Rechtsextremismus.

Ohne Einwanderung gäbe es mich auch gar nicht. Da ich nicht 100% biodeutsch bin.
 
Zu der West-Ost-Debatte gebe ich hier mal ein Interview mit Detlef Pollack, seines Zeichens Ostdeutscher, in Leipzig wissenschaftlich ausgebildet und dann im Westen die Universitätskarriere zum Prof durchlaufen, zur Kenntnis.


Würde ihm jetzt nicht in allen Punkten zustimmen, da ich den Anteil der ideologisch überzeugten AfD-Anhänger höher einschätze, aber grundsätzlich finde ich seine Argumentation in vielen Punkten nachvollziehbar und einleuchtend. Letztlich sieht er die ostdeutsche Gesellschaft aufgrund ihrer Historie anfälliger für populistische Ressentiments, aber er attestiert ihr auch die Fähigkeiten, diese Zustände zu überwinden.
 
Zu der West-Ost-Debatte gebe ich hier mal ein Interview mit Detlef Pollack, seines Zeichens Ostdeutscher, in Leipzig wissenschaftlich ausgebildet und dann im Westen die Universitätskarriere zum Prof durchlaufen, zur Kenntnis.

...

Ich würde ihm in einigen Punkten nicht zustimmen, u.a.:
Zu Zeiten der DDR meinten sie, die Schattenseite der Geschichte erwischt zu haben. Der Westen war die Sonnenseite, wo man frei seine Meinung sagen konnte und für die eigene Arbeit gutes Geld bekam.
Hatte man ja auch, die Arbeiterproteste in Ostberlin, von 1953, haben das gezeigt.
Die Menschen waren unzufrieden, der Protest wurde gnadenlos niedergeschlagen, von der UDSSR und der SED.
Der Mauerbau 1962 verfestigte in diesen Korset gefangen zu sein.
Man kann den Menschen im Osten also kaum verübeln dieses Gefühl entwickelt zu haben.


Man sieht sich als fleißige, kompetente und flexible Arbeiter. Übrigens auch schon in der alten DDR. Wir können arbeiten, doch die oben sind unfähig. Dieser arbeiterliche Stolz wurde jedoch in den 1990er Jahren gebrochen. Man musste zur Kenntnis nehmen, dass man auf immense Transferleistungen aus dem Westen angewiesen war und es im Osten nicht zu einem sich selbst tragenden wirtschaftlichen Aufschwung kam.
Die Ursachen und das Problem dafür liegen noch viel weiter zurück, im verlorenen Zweiten Weltkrieg und dem aufkeimenden Kalten Krieg.
Die östlichen Bundesländer, gerade um Berlin und in Brandenburg, sowie Schlesien, waren mal, neben dem Ruhrpot, eines der bedeutensten Industriezentren in Deutschland, Berlin lange der Hauptsitz für viele große deutsche Firmen.

Mit der Niederlage wurde in den Östlichen Bundesländern etwa 80% der Industrieanlagen und Infrastruktur (z.B. Gleise) demontiert und nach Russland geschafft und mit der Teilung gingen die meisten Firmen aus Berlin weg, Richtung Süddeutschland.
Dann nach der Wende bestand auch nur wenig Interesse selbst die Industrieteile zu erhalten die vielleicht sogar noch eine Chance auf Rettung gehabt hätten, teilweise auch weil es Klüngeleien zwischen Verwaltern und Firmen aus der BRD gab, mit einem Interesse sich Standorte einverleiben zu können.

Die neuen Bundesländer mussten also ganze zweimal, in 40 Jahren, den nahezu kompletten Zusammenbruch ihrer Industrie verkraften, sowie nach 1945 die Abwanderung von sehr viel Kapital.
Das sind Rückschläge die keine Volkswirtschaft der Welt aus eigener Kraft einfach wegstecken könnte und ist ein Verlust den man nicht mal eben so wieder in ein paar Jahren, oder ggf. auch Jahrzehnte, aufgebaut bekommt, da der Markt ja in den inzwischen vergangenen Jahrzehnten neue etablierte Strukturen entwickelt und aufgebaut hat, ect. pp.

Innerhalb Deutschlands waren die neuen Bundesländer also durchaus dreimal die großen Verlierer der Geschichte, einmal wirtschaftlich durch den Zweiten Weltkrieg, dann dadurch im Ostblock zu landen und zuletzt nochmal wirtschaftlich, durch die Wende.

Das muss man halt auch einfach mal anerkennen.
Die neuen Bundesländer sind wirtschaftlich heute nicht wegen der mangelnden Leistung, Leistungsbereitschaft und Befähigung der Menschen dort da wo sie stehen, sondern weil sie das Pech hatten von der Geschichte schlechtes Blatt zugeteilt bekommen haben.
 
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Das muss man halt auch einfach mal anerkennen.
Die neuen Bundesländer sind wirtschaftlich heute nicht wegen der mangelnden Leistung, Leistungsbereitschaft und Befähigung der Menschen dort da wo sie stehen, sondern weil sie das Pech hatten von der Geschichte schlechtes Blatt zugeteilt bekommen haben.
Ja, alles richtig soweit. Das war dem dicken Kohl damals schon klar, dass er quasi eine wirtschaftliche Ruine bekommt. Musste er dem Westen anders verkaufen und dem Osten Mut machen. Am Ende wurde es aber ein gigantischer Geldverschiebebahnhof von West nach Ost.

Das muss man halt auch einfach mal anerkennen. In Teilen ist die gesamte BRD genau dadurch auch mit an dem Punkt, wo man gerade steht.
 
Man kann den Menschen im Osten also kaum verübeln dieses Gefühl entwickelt zu haben.
Das ist halt - und das hast du in deinen nächsten Absätzen ja auch gut erklärt - kein Gefühl. Der Osten hat halt den dirt spoon bekommen, während der Westen mindestens einen silver spoon bekommen hat. Die Grundvoraussetzungen waren ein Unterschied von Tag zu Nacht.
Am Ende wurde es aber ein gigantischer Geldverschiebebahnhof von West nach Ost.
Das ist halt völliger Unsinn. Kapital - insbesondere (Ost-) Grundstücke - sind in westliche Hände gewandert. Den "Aufbau Ost" haben hauptsächlich West-Unternehmen begleitet, so dass Geld in dessen Kassen gespült wurde. Billiges, dafür aber hochqualifiziertes Humankapital ist von Osten nach Westen gewandert. West-Personal - egal wie inkompetent - hat Ost-Personal in Verwaltung pp. ersetzt. Die Wende war für den Westen quasi ein gewaltiges Konjukturprogramm.
 
Am Ende wurde es aber ein gigantischer Geldverschiebebahnhof von West nach Ost.
Nein, das war vor allen ein Verschiebebahnhof von Staat nach Wirtschaft (West), "der gemeine Ostdeutsche" hat im Grunde eigentlich hauptsächlich nur endlich sanierte Innenstädte, neue Leitungen und ein paar sanierte Straßen und Autobahnen bekommen (was aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil von dem Geld ist der da im Laufe der letzten 30 Jahre verprasst wurde).

Eine persönliche "Anekdote".
Mein Vater hatte sich nach der Wende als Bauunternehmer, für Hoch- und Tiefbau, selbstständig gemacht und in Spitze über 200 Angestellte. In den 1990ern hat er dann für so ziemlich alles aus der BRD im Osten gebaut, Telekom, DB, die Kindl Brauerei, Deutsche Post, Mercedes, Bundesregierung, ect. pp.

Glaube mir bitte, du hast gar keine Vorstellung davon was da damals unter Kohl an Geld in die Firmen West geflossen ist (meist über Subventionen für Ansiedlung im Osten), das ist dann aber überwiegend nicht auf den Konten von Ostdeutschen gelandet, oder in den neuen Bundesländern, sondern wie so oft, in den Taschen der Firmen West, deren Vorstände und Aktionäre und nachdem man die 3-10 Jahre Jobgarantie, für die Subvention, abgesessen hatte wurde alles weiter Richtung Osten verlagert.

Man kann als Westbürger ja gerne sauer über die teure Wiedervereinigung sein, aber primäre Nutznießer davon war nicht der "blöde Ossi", sondern vor allen Westdeutsche Unternehmen, die sich richtig schön gütlich an der Wiedervereinigung getan haben.

Nicht umsonst ist Kohl in den 1990ern immer wieder mit dicken Geldkoffern abgelichtet worden (Spendenaffäre).
 
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Man kann als Westbürger ja gerne sauer über die teure Wiedervereinigung sein, aber primäre Nutznießer davon war nicht der "blöde Ossi", sondern vor allen Westdeutsche Unternehmen, die sich richtig schön gütlich an der Wiedervereinigung getan haben.
Da gibt es noch mehr. Vor der Wiedervereinigung war die DDR auch mit die Mülldeponie für Westberlin und die Bundesrepublik, wo man für den schmalen Taler seine Abfälle hingekarrt hat, weil die Entsorgung dort um ein vielfaches günstiger war. Nach der Wende gibt man sich ganz überrascht über die Zustände, die man ja so gar nicht hätte sehen können, und was die Sicherung und Sanierung an Millionen bis heute kostet.
 
Ich würde ihm in einigen Punkten nicht zustimmen, u.a.:
Sehe da ehrlich gesagt gar keinen Dissens, er beschreibt die Eigenwahrnehmung der Ostdeutschen, eine Aussage darüber, wie berechtigt diese ist, trifft er nicht. Die von dir aufgezählte Historie ist ja durchaus richtig, das wird wohl kaum jemand in Abrede stellen. Und daraus hat sich bei Teilen der Ostdeutschen, bei einer beachtlichen Minderheit, die Haltung entwickelt, die Schuld für diese Umstände zu externalisieren und gleichzeitig die Lösung dieser Probleme "von außen" einzufordern.
 
weil niemand möchte das seine Heimat mit den entmenschlichten Ansichten von solchen Idioten asoziert wird, das geht mir auch nicht anders.
Knapp über 40% der Wähler ist das völlig egal. Da wird das Kreuz bei der AFD und beim BSW gemacht.

demontiert und nach Russland geschafft
Deswegen ist es so unendlich wichtig, dass sich Menschen mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen. Über 40% der Wähler erzählen uns jetzt, dass Putin unser Freund ist? What?

Man kann den Menschen im Osten also kaum verübeln dieses Gefühl entwickelt zu haben.
Man kann ihnen aber verübeln, dass sie sich mit der eigenen Identität nicht beschäftigen und wollen, dass der Staat alles für sie regelt.
 
Deswegen ist es so unendlich wichtig, dass sich Menschen mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen. Über 40% der Wähler erzählen uns jetzt, dass Putin unser Freund ist? What?
Das kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn man so lange in einer Diktatur gelebt hat, müssten gerade die älteren Wähler wissen wie Sch**sse das ist.:ka:
 
Das kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn man so lange in einer Diktatur gelebt hat, müssten gerade die älteren Wähler wissen wie Sch**sse das ist.:ka:
War es das? Wenn man systemkonform war, hatte man soziale Sicherheit, relative Freiheit und Stabilität.

Heute hat man Veränderung, Unsicherheit, Wandel,...
 
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