@AzRa-eL : Ich sehe das, weil ich hauptsächlich US-amerikanische Medien konsumiere, hauptsächlich aus US-amerikanischer Perspektive. Aus eben dieser Perspektive würde ich durchaus sagen, dass die identitätspolitische linksextreme Linke - nennen wir es zur Vereinfachung einfach einmal "Alt Left" durchaus ein deutlich größeres Problem ist als "Alt Right". Im Einzelnen:
- Vorab: Eines der Hauptprobleme hieran ist, dass Alt Left mitunter die lauteste Stimme innerhalb der Linken ist und darüber hinaus - anders als Alt Right - fast vollumfänglich von Legacy Media und Großkonzernen unterstützt wird. Die Art und Weise des vermeintlichen "Aktivismus" ist nicht akzeptabel. Das, was in den USA gemacht wird, hat deutlich mehr mit einem Kulturkampf bzw. sogar schon Kulturkrieg zu tun als mit friedlichem Aktivismus. "Alt Left" drückt sehr deutlich aus, dass sie die Gegenseite vernichten will. Alt Left speist sich auch oft aus extremistischen Vereinigungen, bspw. BLM, die - warum auch immer - mehrheitsfähig geworden sind.
- Bei den Mitteln des "Protests" ist sich Alt Left auch nicht zu fein, Dinge wie Geschichtsrevisionismus zu betreiben. Alt Left betreibt auch liebend gern Gesinnungspolizei, was man auch ziemlich stark in der US-amerikanischen Legacy Media sieht. Siehe dir nur einmal die Reaktionen auf das Trump Attentat an und du wirst sehen, dass die USA eine Clown World sind. Das Problem hierbei: "Problematisch" sind für Alt Left auch völlig normale zentristische Positionen.
- Die Wirkungen auf die US-amerikanische Kultur halte ich für ziemlich verheerend. Dadurch, dass selbst zentristische Positionen "problematisch" sind, richtet sich Alt Left auch gegen völlig normale Menschen und radikalisiert sie gen Rechts. Alt Left macht deutlich mehr für die Radikalisierung der Bevölkerung als Alt Right je könnte.
- Normale Familien wollen bspw. einfach nicht, dass ihre Kinder schon in der Grundschule identitätspolitischen Unsinn eingetrichtert bekommen. Kein normaler Mensch möchte, dass ihre Kinder von irgendwelche krankhaften Furries in der Schule gebissen werden, weil Furries als Minderheit irgendwie schützenswert wären. Kein normaler Mensch kann es toll finden, dass weiße Männer aus identitätspolitischen Gründen keine Jobs mehr finden. Der größte Feind bspw. der LGBTQ-Bewegung sind nicht normale Menschen, sondern Alt Left. Vergleichbar ist das mit den irren Pseudo-Klimaschützern, die Kunstwerke beschmieren - die sind auch keine gute Werbung für Klimaschutz.
- Der Kulturkampf sorgt auch erheblich dafür, dass wichtigere gesellschaftliche Probleme keinen Raum mehr im öffentlichen Diskurs finden. Diverse Wirtschaftswissenschaftler in den USA, die sich dafür aussprechen, dass der fortschreitende Klassismus in den USA das hauptsächliche Problem ist (und nicht ein (vermeintlicher) Mangel an Diversität), werden bspw. gar nicht gehört.
- Die Mitglieder der Alt Left Bewegung speisen sich nicht nur aus extremistischen Vereinigungen, sondern vor Allem auch aus sehr priviligierten Gesellschaftsschichten, die ihrerseits eigentlich keine Probleme haben, sich aber gern für sie weit entfernte Probleme auf die Flagge schreiben. Genauso wie Großkonzerne, die sich zum Pride Month in priviligierten Ländern gern regenbogenfarben kleiden, nur nicht in Ländern, in denen bspw. Queerness unter Todesstrafe steht, wirken diese priviligierten Menschen, die sich - für sie selbst - Luxusprobleme auf die Flagge schreiben, parasitär auf den eigentlichen Grundgedanken von Inclusivity pp. Dadurch wird die Position der eigentlich Benachteiligten nicht gestützt, sondern vielmehr geschädigt.
Ich stimme dir durchaus bei vielen Positionen zu; ich selbst sehe mich politisch-ideologisch auch eher im linksgrünen Spektrum. Allerdings sehe ich auch, was in den USA abläuft und möchte das nicht hier haben - was aber leider bereits, wenn auch noch sehr eingeschränkt, der Fall ist (siehe bspw. die Bär oder Mann Diskussion). Seltsamerweise (?) sind die Leute, für die und in deren Namen "Aktivismus" betrieben wird, auch ganz anders. Wenn ich auf dem jährlichen CSD oder KdK mit Leuten rede, wollen die einfach nur ein normales Leben leben und sicherlich keinen Kulturkrieg führen.
Das ganze Thema ist jetzt leider ziemlich stark vom eigentlichen Thread-Thema entfernt, aber ich hoffe, dass man sich eingestehen kann, dass wir in immer bescheideneren Zeiten leben, in der Menschen eher gegeneinander anstatt miteinander arbeiten und in der Meinungspluralität immer stärker geschädigt wird. Ich sehe - auch hier - immer mehr das Problem, dass Leute in ihren Positionen festgefahren sind und von vornherein keine gesittete politische Diskussion wollen und selbst wenn man eine solche möchte, man, wenn man - was für eine Diskussion durchaus normal ist - von seiner eigenen Position abweicht, weil man durch das Gegenüber überzeugt bzw. zumindest beeinflusst wurde, direkt ein "Grifter" ist.