Das kann man sicher besser machen. Ein Verzicht auf fossile Energieträger bringt aber fraglos einen Mehrbedarf an Strom mit sich. Fahren nun alle elektrisch und heizen elektrisch, steigt der Bedarf sehr stark an. Dafür muß es eine Lösung geben und da drucksen die Grünen rum und man wird darauf verwiesen, daß erneuerbare Energien im Kommen sind - das ganze aber bei aktuellem Stromverbrauch und nicht bei jenem, der zu erwarten wäre, wenn die fossilen Energieträger ersetzt wurden. Da bleibt am Ende nur ein Strommix mit viel Atomstrom als alternativlos. Da gibts nichts zu verhandeln.
Der Anstieg des Strombedarf über die kommenden Jahrzehnte ist bekannt, ebenso die Ausbaugeschwindigkeit. Das sind zwei sehr flache Kurven, die selbst angesichts der Bummelei unter der Großen Koalition deckungsgleich übereinanderliegen.
Je nachdem, ob die kommende Regierung es schneller machen will, wäre das technisch und logistisch durchaus machbar. Eine recht aktuelle
Studie der Energy Watch Group geht davon aus, dass es - den politischen Willen vorausgesetzt - sogar möglich wäre, bis 2030, also in weniger als zehn Jahren, auf 100% erneuerbare Energie für den zu diesem Zeitpunkt erforderlichen Bedarf zu kommen. Ab diesem Punkt müsste dann nicht mehr aufgeholt, sondern lediglich gemäß des wachsenden Bedarfs hinzugebaut werden.
Hingegen finde ich für deine Behauptung, dass am Ende ein Strommix mit viel Kernkraft "alternativlos" wäre, keinerlei Grundlage. Ist das nur so eine gefühlte Tatsache deinerseits, oder gibt es irgend etwas, das deine Ansicht untermauern würde?
Baerbock hat im Wahlkampf Russland als Regime bezeichnet, mit dem man keinen Handel betreiben sollte.
Beziehst du deine Informationen immer noch von hauptsächlich von RT Deutschland? Du folgst da nämlich im Wesentlichen der programmatischen Deutung des Kreml: Wer uns kritisiert, will mit uns nicht mehr. Würde man den gleichen Maßstab hierzulande anlegen, müsste man behaupten, Russland wolle mit uns nicht mehr handeln, schon allein angesichts der ständigen Schmutzkampagnen.
Tatsächlich hat die Baerbock übrigens unter anderem bemängelt, dass Russland beispielsweise seinen Lieferverpflichtungen für Erdgas zuletzt nur zögerlich nachkam und die amtierende Bundesregierung aufgefordert, da gefälligst Druck zu machen - nicht aber, den Handel mit Russland einzustellen. Das ist eher das genaue Gegenteil: Handel ja, aber nicht zu den Bedingungen einer Seite.
Und die Russen sagen, den Amerikanern gehts nicht darum, uns ihr Gas zu verkaufen, sondern solchen Handel in Dollar abwickeln zu lassen. Das hinge damit zusammen, daß jede Menge Dollar überall im Umlauf sein müssen, da sonst die Inflation der US-Wirtschaft schaden zufügen würde.
Aber mit Biden haben die USA die neue Pipeline ja akzeptiert.
Die USA unter Biden haben beschlossen, die Pipeline - im Gegensatz zu Trump - zu
tolerieren. Das ist ein feiner, aber wesentlicher Unterschied. Dass damit die USA Russland stillschweigend ein Monopol eingeräumt hätten, ist übrigens erneut verdächtig deckungsgleich mit der Lesart des Kreml und von RT Deutschland. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...
Nein, die USA möchten immer noch gerne Gas an uns verkaufen. Und das durchaus mit Währungspolitik zu tun, jedoch vordergründig und hauptsächlich mit Handelspolitik. Die US-Rohstoffwirtschaft braucht jeden Anschub und Währungsstabilisierung ist dabei ebenso ein Nebeninteresse wie beispielsweise der Umstand, wo die Unternehmen sitzen, die das Gas für den Transport nach Europa verflüssigen und welche Reedereien den eigentlichen Transport bewerkstelligen.
Das ist mir zu einfach, denn so ein Entwurf kommt ja nicht von ungefähr.
Natürlich nicht. Der kommt daher, wenn ein CDU-geführtes Ministerium auf die Experten von Lobbygruppen hört, die ihnen Flöhe ins Ohr setzen.
Sicherlich ist es nie falsch, Notfallpläne zu haben und die gab es dementsprechend schon immer, egal wie Energie erzeugt wird. Seit es in Deutschland ein gesteuertes Stromnetz gibt, existieren auch Konzepte, bei Bedarf nichtkritische Verbraucher vom Netz zu trennen, um selbiges zu stabilisieren.
Bedeutet das jetzt für dich etwas auch, dass Deutschland schon seit über 60 Jahren ein ständiges Problem mit der Stromversorgung hat?
Da geht der Fanatismus der Grünen mit ihnen durch, denn die simpelste aller Gleichungen greift dort einfach nicht: Mehr E-Autos = höherer Stromverbrauch.
Vorweg: Du bist ein wenig hinter der Zeit zurück, denn die Notwendigkeit für Elektromobilität ist schon längst kein Anliegen der Grünen mehr, sondern weitestgehender Konsens in der bundesdeutschen Parteienlandschaft.
Und wenn du es dir so einfach machst, könntest du auch rechnen: Weniger Raffinerien und Tankstellen = geringerer Stromverbrauch.
Die wirkliche Welt ist aber ein wenig komplexer und Milchmädchenrechnungen helfen in aller Regel nicht weiter. Das geht schon damit los, dass du so tust, als würden auf Schlag alle Bundesbürger elektrisch fahren und elektrisch heizen. Tatsächlich soll es frühestens 2030 einen Stopp der Neuzulassungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor geben und selbst dann steigen noch nicht alle um, sondern Etliche holen sich schnell noch mal den letzten Verbrenner ihres Lebens, den sie dann noch mindestens zehn Jahre fahren. Sprich, man wird frühestens in 20 Jahren damit rechnen müssen, dass alle bundesdeutschen Autofahrer elektrisch unterwegs sind. Darunter ist dann allerdings eine ganze Generation, die mit einem etwas anderen Blick auf Individualmobilität aufgewachsen ist, derzeit bestehende Netze wurden modernisiert, derzeitige Verbraucher arbeiten stromsparender und die derzeitige Kapazität erneuerbarer Erzeuger wurde - sogar ausgehend von der jetzigen Bummelausbaugeschwindigkeit - beträchtlich erhöht.
Schon heute würde das deutsche Stromnetz von der Kapazität her 45 Millionen Elektroautos verkraften, davon sechs Millionen allein mit unserem Stromexportüberschuss. Das Problem ist weniger die Kapazität, sondern die Qualität lokaler Netze und die Steuerung des Ganzen. Selbst bei RWE/Innogy geht man davon aus, dass - ein modernisiertes Netz vorausgesetzt, welches die Ströme
überall verkraftet und bei intelligent gesteuerter Abnahme -
bereits heute jeder Haushalt 1,1 Elektroautos laden könnte.
Was bisher fehlte bzw. gebremst war, ist der politische Wille. Aber wie du vielleicht bemerkt hast, steht ein Regierungswechsel an - mit Parteien, die zwar in Details der Umsetzung (und der Verteilung der Kosten) abweichende Ansichten haben, aber deutlicher hinter der Energiewende und technologischem Fortschritt stehen.
Also, wenn's langsam allen Dafürhaltens schon klappen müsste, warum sollte es dann nicht funktionieren, wenn's sogar schneller geht?