@Hackfleischhirn
Der Referent benutzt so viele "vielleicht" u. ä. weil er Wissenschaftler und kein Hellseher ist. Er entscheidet auch nicht, welche Batterien Tesla und Co. einbauen. Wenn die morgen alle auf die Idee kommen auf Säure-Blei-Batterien zurück zu rüsten wird das eher überraschend sein.
Erfreulich, dass neben deinem Rechner kein Gaskraftwerk stehen muss. Wäre das Weiterleiten großer Strommengen so spielend einfach, müssten in Deutschland keine Nord-West-Stromtrassen gebaut werden. Ganz so einfach ist es also nicht.
Aber in diesem Fall geht es primär ja gar nicht um den Strom. Der wird zwar auch für die Produktion der E-Fuels gebraucht, aber uns geht es ja im Moment um das CO2. Wie soll das, möglichst energieschonend und sicher, zur E-Fuel-Station kommen? Transport von Druckgasflaschen/Drucktankwagen? Kann man machen. In diesem Fall transportiert man eben vor allem eines: Zig Tonnen von Druckbehälter. Und die Transporter müssen mit irgend etwas fahren. Vielleicht mit den E-Fuels, für die das CO2 eingesetzt wird? Das könnte teuer werden. Oder lieber eine Pipeline? In Deutschland bekommt man eine CO2-Pipeline in der Praxis nicht genehmigt, da es sich um ein Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung handelt. Und bei den Schlagwörtern "farb- und geruchloses Gas mit erstickender Wirkung" ist so ein Verfahren in der Regel gelaufen. Es ist nicht unmöglich, dass es eine Genehmigung gibt. Aus meiner beruflichen Laufbahn ist mir aber kein Projekt innerhalb Deutschlands bekannt (bezogen auf die letzten 20 Jahre) bei denen eine solche oder vergleichbare Pipeline gebaut worden wäre.
Und selbst wenn ein Gaskraftwerk neben einem Offshore Windpark stehen würde, hätte es noch keine Anbindung an ein Gasnetz, von dem es seinen Brennstoff bekommt. Mit allen verbundenen Vor- und Nachteilen. Worauf ich hinaus will: Es gibt Rahmenbedingungen die gerne unterschätzt werden, auf die Energie-, Kosten- und CO2-Bilanz aber einen sehr erheblichen Einfluss haben.
Ich bin absolut kein Experte für das DAC (direct air Capture), kann dir aber aus erster Hand versichern, dass dies sowohl auf deutscher als auch europäischer Ebene intensiv erforscht wird. Große Hoffnungen ruhen dabei auf keramischen Gastrennmembranen. Ob (noch) mehr Geld die Sache beschleunigen würde, wage ich fast zu bezweifeln. Es ist jedenfalls kein unterfinanzierter Bereich.
Aber du hast natürlich Recht: Wir müssen da auf keinen Nenner kommen oder Freunde werden.
@ruyven_macaran
Bei den Änderungen geht es um Änderungen am Zellaufbau in Verbindung mit einer marginal geänderten Zellchemie. Da unterschiedliche Firmen, namentlich Tesla/Panasonic und BYD, zu ähnlichen Ergebnissen kommen, nämlich einer Steigerung der Energiedichte um rund 50% gegenüber dem Stand von 2020, ist das schon eine ganze Menge.
Wenn man sich das CO2 beim Zement holen kann: Prima. Ist nicht meine Branche und hab ich auch nicht auf dem Schirm. Aber da es scheinbar nicht klar ist: Ich werbe nicht dafür dass man zur Herstellung von E-Fuels ein Gaskraftwerk bauen sollte. Da ging es einzig und alleine um die Fragestellung, wo man das CO2 herbekommt, wenn die Abscheidung aus der Atmosphäre zu ineffizient und/oder technisch nicht machbar ist.
Wenn du doch schon weißt, wo man "Bio-Sprit" mit lupenreiner Ökobilanz herbekommt und dabei sogar die Verluste von thermischen Umwandlungsprozessen umgehen kann verstehe ich nicht, warum du dieses Wissen nicht mit der Autoindustrie geteilt hast. Die hätten dich zum Millionär oder zumindest Verkehrsminister (Mitgliedschaft in der CSU oder FDP jedoch erforderlich) gemacht. Falls du damit aber nur die Fischer-Tropsch-Verfahren meinst: Genau damit stellt man E-Fuels her. Dieses Verfahren wird seit Jahrzehnten großtechnisch eingesetzt. Bislang nicht für Benzin, weil es dafür schlicht zu teuer ist.
Und was die Kosten angeht: Tesla soll also nichts taugen und alle anderen Hersteller mit Verbrennern im Angebot auch nicht. Deiner Meinung nach, kann man also keinerlei Aussage über die Preisentwicklung von E-Autos machen, weil alle Firmen irgendwie Dreck am Stecken haben (was mit Sicherheit auch stimmt) oder so unfassbar schlecht vergleichbar sind. Okay, die Meinung kann man vertreten. Ich persönlich halte mich dann doch lieber an das, was der Wissenschaftler dazu sagt. Die Zukunft wird zeigen, ob er Recht hat oder nicht. Eine ungenaue Prognose ist mir jedenfalls lieber als ein kompletter Blindflug.
Aber erfreulicherweise müssen auch wir auf keinen Nenner kommen oder Freunde werden.
Ich für meinen Teil bin jedenfalls bereit dem Leiter einer großen deutschen, international anerkannten Forschungseinrichtung Glauben zu schenken, wenn er einen Abriß über die Technik und einen Ausblick in die Zukunft gibt. Dafür leistet sich Deutschland diese Forschung nun einmal, damit nicht jeder selbst einen Versuchsstand für Batterien- und Brennstoffzellentechnik, Kernfusion und Krebsforschung im Hobbyraum betreiben muss.