Das stimmt. Allerdings ist mein argumentierter Vergleichmaßstab der vom Auto zu ÖPNV. Der Herstellungsaufwand für bspw. eine Straßenbahn (bzw. bräuchte es ja nicht so viele) dürfte ebenfalls wesentlich geringer als deren Verbrauch sein UND sie würde wesentlich mehr befördern als ein Auto - davon würde ich ausgehen.
Wie weiter oben schon geschrieben: Ein Großteil der Autos wird so oder so benötigt, wenn man den Leuten weiterhin individuelle Ausflüge, Urlaube und ähnliches zugestehen will. Diese Autos könnten sehr viel weniger fahren, als heute üblich, wenn man sie sinnvoll nur da nutzen würde, wo sie nötig sind. Aber da Menschen hin und wieder das Ziel haben, nicht mit der Masse zu schwimmen, gibt es Verkehrsbedürnisse, die Sammelsysteme nicht effizient abdecken. Und das Hauptaufkommen dafür ist, wie ebenfalls geschrieben, stark saisonal, sodass diese Mobilität für sehr viele Menschen gleichzeitig erfüllt werden muss.
So wie ich Deine Position zum Klimaschutz bisher verstanden habe, wäre Verbenner - eben auch leichte - für Dich eigentlich auch keine gesellschaftliche Lösung, oder?
Nö, ich bin da technologieoffen. In einigen Nischen bin ich mir sogar definitiv sicher, dass sich Verbrenner zumindest so lange lohnen werden, wie die Infrastruktur sowieso rumsteht. In der Breite hängt es von der weiteren technischen Entwicklung ab. Batterieautos, die für große Entfernungen geeignet sind (und für kurze Entfernungen bin ich allgemein gegen Autos, also ist das der entscheidende Faktor) sind weiterhin extrem aufwendig, teuer, groß, schwer und das alles führt erstmal zu einem höheren Energieverbrauch unmittelbar am Fahrzeug. Das einzige Verkaufsargument ist die Energieeffizienz von EE bis ins Fahrzeug, aber da wird bislang nur der Best Case betrachtet: Direktes Laden aus EE-Kraftwerken. Bislang hat mir aber niemand erklärt, wie das bei 100% EE 24/365 funktionieren soll.
Sämtliche Zukunftsvisionen, die halbwegs durchdacht wirken, gehen von einem massiven Aufbau chemischer Energieträger im Sommer aus, der zu anderen Zeitpunkten im Jahr wieder verbraucht wird. Wenn aber ohnehin 20-30-40% unseres Primärenergieverbrauchs den Umweg über irgendwas in der Kette von H2 bis synthetischem Diesel nehmen müssen, dann könnte dabei durchaus genug für die 5-10% abfallen, die PKWs in einem vernüftigen Verkehrssystem noch ausmachen. Dann steht auf einmal die Kette Treibstoff->Kraftwerk->Netzebene1->Netzebene2->Netzebene3->Pufferbatterie->Schnelllader->Ladetechnik->Autoakku->Leistunsgelektronik->E-Motor->Rad
gegen Treibstoff->Verbrenner->Rad. Rad, dass nur halb so viel Auto bewegen muss. Dieses Duell könnte durchaus zugunsten von Verbrennern ausgehen (wenn auch nicht zugunsten derer, die wir heute haben)
Hätte man zusätzlich noch den Aufwand für die Infrastruktur mit eingerechnet, die jetzt halt schon teilweise umgesetzt wurde, hätte ich sogar ziemlich klar auf den Verbrenner gewettet. Die Abermilliarden, die bislang auf die Förderung von Ladesäulen und Batterieautos verschwendet wurden, um "keine Verbrenner mehr zu fahren" und letztlich mehr Kohlestrom zu verbrauchen, sind schließlich Abermilliarden, die in EE als Ersatz für Kohle (und Gas) investiert teils schon seit über 10 Jahren CO2 einsparen könnten.
Da ich Deine Umstände nicht kenne, kann ich das auch nicht diskutieren. Allerdings ist eine personenbezogene Diskussion zumal ins Detail auch nicht mein eigentliches Ziel. Außerdem sollte sich keine Person bspw. dafür rechtfertigen, dass sie eine Behinderung/Erkrankung hat, die einen einschränkt, oder dass sie regelmäßig ältere Angehörige versorgt.
Da geht es nicht um Erkrankungen, sondern einfach um Vorlieben. In meinem Fall: Ich mag die Natur, ich mag keine Menschenmassen. Das bedeutet, dass mich meine Ausflüge und meine Urlaube gerne dahin führen, wo es möglichst wenige Menschen gibt und das bedeutet immer auch Orte, die nicht effektiv mit ÖPNV-Sammelsystemen bedient werden können. Und auch wenn ich in der Hinsicht etwas extremer bin, habe ich den Eindruck, dass sich für sehr viele Menschen entsprechende Fälle ergeben, wenn man die unterschiedlichen Start- und Zielorte mit einbezieht. Es ist halt leichter, jeden Morgen alle Arbeiter einer Fabrik aus den umliegenden Orten gesammelt zu der einene Fabrik zu bringen. Aber schon wenn die über Weihnachten alle ihre kreuz und quer verteilten Verwandten besuchen, dann sinkt die Zahl der parallelen Wege rapide ab, die sich bündeln lassen und wenn sie sich in den Sommerferien über ganz Europa verteilen, wird es richtig schwer, 20 zu finden, die zur gleichen Zeit vom gleichen A zum gleichen B gebracht werden wollen und einen gemeinsamen Bus nehmen können.
Gleichzeitig steigt mit der Entfernung auch der Anspruch an zeitliche Effizienz: Es ist bislang schlichtweg unmöglich, den Weg von vielen Orten in Europa zu vielen anderen Orten in Europa in weniger als 3 Tagen mit bodengebundenem ÖPV zurückzulegen, selbst zwischen Großstädten ist weniger als 2 Tage teils nicht möglich. Der Reiseaufwand explodiert aber, wenn man es nicht in einem 3/4 Tag schafft, weil dann auf einmal Zwischenunterkünfte her müssen, auf-der-Reise-Gepäck, etc..
Mh, ich will Dich nicht zu einer Antwort drängen, falls Du aber zu einem besseren Verständnis beitragen wolltest - Du bist demnach Städter, richtig? Warum hast Du bisher offenbar nicht Carsharing für Freizeit und Mietwagen für Urlaub in Betracht gezogen, wenn Du schon nicht ÖPNV und Bahn nutzen wolltest?
Ich habe es in Betracht gezogen, aber die Fahrzeugauswahl war ein Problem. Aus unerfindlichen Gründen werden Autos fast nur noch in den Kategorien "für kleine Leute" (Mittelklasse und alles darunter), "Oberklasse und noch größer" oder "Sportwagen" angeboten. Ich wollte einen Kompakten, in den man auch als etwas größere Person sicher (Stichwort: Schulterblick vs. B-Säule) und ergonomisch (Stichwort: Keine Rückenschmerzen nach 200 km) fahren kann. Das gab es nur, wenn man es sich gekauft hat. Hätte ich mieten wollen, hätte ich besagte Oberklasse für alle Fahrten mit Kofferraumbedarf und besagte Sportwagen für alle Strecken mit Bedarf an geringen Außenabmessungen mieten müssen. Hätte vielleicht auch Spaß gemacht, mit ner E-Klasse oder nem Superb in den Urlaub zu fahren und da dann mit ner Elise rumzukurven, wäre aber weitaus teurer gewesen, als ein eigener 1er und hätte auch einen höheren Verbrauch bedeutet.
Es müssten halt Inlandsflüge verboten und am besten Urlaubsflüge reguliert werden, indem die Gesamtzahl reduziert würde und die verbliebenen Flüge auch den Ärmeren verfügbar gemacht würde. Allerdings sehe ich dafür leider kaum Mehrheiten.
Geb den Ärmeren lieber Geld, damit sie sich den Luxus leisten können, der ihnen am wichtigsten ist und knöpfe all denjenigen, die etwas umweltschädliches wählen, entsprechend viel ab. Inlandsflüge sind überflüssiger als Langstreckenjets, aber klimaschädlicher sind letztere, einfach wegen der Strecken. Und wenn jemand lieber täglich mit einer RTX 5090 und mit einer Pimax abtaucht, als einmal in seinem Leben mit einem Flug auf die Malediven: Why not?
Alles durch Verbote und "Verfügbarmachung" regeln zu wollen erfordert letztlich alles und wirklich absolut alles durchzuplanen, für jeden. Das hat bislang nie funktioniert.
Eine Ebene sollte aber dabei mitberücksichtigt werden - die der Gerechtigkeit. Bei der aktuellen starken Ungleichheit - sprich Armut vieler und Reichtum weniger, ist eine reine Steuerung über den Markt unsozial.
Sie ist genau SO unsozial, wie die Einkommenssituation, mit der Leute am Markt teilnehmen, allgemein ist. Wenn man im Kapitalismus allem einen Geldwert verpasst, dann können sich Reiche halt von allem mehr leisten. Mehr Klaviere, mehr Kaviar, mehr Kilometerflugstrecke, mehr klandestine Treffen mit Unionspolitikern. Das kann man aber nicht bei 132529308587200,24 Möglichkeiten regeln, wo jemand sein Geld ausgeben wollen könnte, sondern besser bei der einen Möglichkeit, wo jemand sein Geld bekommt. Und das "einmal ... können" liegt dann halt in der Verantwortung des einen, der daraufhin sparen muss.
sich nicht schnell darum gekümmert wird, Treibhausgase aus der Atmosphäre wieder herauszuholen
Wir sind meilenweit davon entfernt, Treibhausgase herausholen zu können. Das ist vielfach aufwendiger, als deren Emission zu vermeiden und bereits das ist ja ach-so-aufwendig, dass wir in den letzten 30-40-50 Jahren nicht einmal 25% des binnen 100-120 Jahren zu schaffenden in Deutschland und weniger als 5% weltweit hinbekommen haben.
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Mal vom Problem der Luftverschmutzung abgesehen, kommst mit dem Auto in 14 Tagen nicht so weit bzw. so komfortabel wo hin als mit einem Flieger.
Jo. Was könnte das wohl damit zu tun haben, dass "so weit" und inbesondere "so schnell und komfortabel" klimatechnisch einfach nicht drin sind? Einmal Deutschland Malediven dürfte grob das pro-Kopf-CO2-Budget für anderthalb Jahrzehnte verbrauchen. Das wirst du hoffentlich nicht für 14 Tage rausschleudern.
Wird schwierig.
Nicht jede Tätigkeit ist aus einem Homeoffice zu bewerkstelligen...
Zu Fuß wäre da die günstigere Alternative - aber 35 km?
Mittlerweile ist die Mehrheit aller Tätigkeiten digital erledigbar und absolut jede Tätigkeit mit Ausnahme von "Polarforscher", "Astronaut" und "Seemann" sollte aus Unterkünften, die näher als 35 km am Arbeitsort liegen, erledigbar sein.
Der Rest ist dann eine Summe von Einzelentscheidungen, welche in der Summe die sogenannte Gesellschaft bilden. Bis auf weiteres scheißt die halt aufs Klima. Soll aber niemand behaupten, sie wäre dazu gezwungen. Das ist eine Entscheidung, die jeden Tag aufs neue getroffen wird.
Und man muss auch ganz ehrlich sagen: Wenn man das Klima und die Zivilsation retten muss, dann stehen einige der Jobs, die tatsächlich lokale Anwesenheit erfordern, schlichtweg auf der Abschussliste. Die Zukunft verkraftet nur einen Bruchteil der Stahlkocher und Zementbrenner, die wir heute haben. Das kann man akzeptieren und neue, nachhaltige Strukturen als Ersatz schaffen oder man kann es ignorieren und dann steht man halt ohne da. Denn eins ist sicher: Ein Arbeitsplatz, der von Naturgewalten wortwörtlich weggerissen wird, ist genauso weg wie einer, den man wegen sowas wie "Nachdenken" abgeschafft hat.
(Ungeachtet dessen: 35 km ist ne ziemlich gute Zahl für S-Pedelec/-Velomobil)
Erfahrung habe ich da keine. Mountainbike - als Ebike bei längeren Strecken evtl. mit Spikes? Fällt da noch viel Schnee? Dann
Fat (E-)Bikes?
Kenne mich nicht mit bayrischem Schnee aus, aber bei Schleswig-Holsteinischen (eher selten, aber im letzten Jahrzehnt ein paar mal reichlich) reichen auch einfach etwas dickere, gröbere Reifen für 20 km/h. Ist etwas anstrengender, erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit und ist nichts für Leute mit Osteorospose, aber es ist machbar. Und man hat nicht den Hassel mit Spikes, die eben NUR auf Schnee funktionieren, was je nach Tageswetter und auf einigen Wegen auch je nach Abschnitt und Räumungsgrad einen Reifenwechsel erfordern würde.
Ich würde ja meinen, es wäre doch mal ein Zeichen, würden die Deutschen diesen Schnitt (10-11 t/Jahr) halbieren, anstatt sich mit Ausreden aus der Affäre zu ziehen. Hierfür müssten eben die Leute entsprechend ihres Konsums (Menge und Klima/Umweltschädlichkeit) ran - je reicher desto stärker müsste der sinken. Das wäre nicht nur ein Zeichen an außenhin sondern auch für sich als Zeichen der Verantwortungsübernahme.
So und jetzt die unbequeme Frage - Wer lebt denn vegan?
Also ich liege bei 500 kg direkte Emissionen pro Nase und Jahr (durch KFZ-Nutzung inklusive Urlaubsfahrt, Gas und Strom von reinen Ökoanbietern) und ich meide aus klimatischen Gründen gezielt Rindfleisch. Das der Biobauer das Futter für mein Bratwurst mit Diesel einfährt, entzieht sich aber meiner Kontrolle und wäre beim Veggischnitzel aus brasilianischem Soja auch nicht besser. Das sind Emissionen der Industrie und die soll mal schön der Industrie zugerechnet werden, ich versuche nach Möglichkeit die akzeptabelsten Produkte auszuwählen.
Im allgemeinen sollte nicht vergessen werden, dass die Natur Treibhausgasemissionen absorbieren kann. Allerdings müssten ihr die Möglichkeiten dafür viel stärker eingeräumt werden, als es jetzt der Fall ist - bspw. durch Renaturierung, Abschaffung der Massentierhaltung und Fischereiindustrie. Aber ja, fragt sich, inwieweit das noch möglich ist, also wie stark bspw. jetzige Wälder CO2 binden können und gar mehr Waldbrände die Potenziale verringern.
Grundsätzlich muss man sich vor Augen halten, dass das CO2-Budget der Natur weitestgehend einen Kreislauf gebildet hat, bevor der Mensch eingegriffen hat. Das Potential der Biosphäre, CO2 über diesen nicht-Auststoß hinaus dauerhaft zu binden, ist ziemlich begrenzt. Bodenaufbau dauert Jahrhunderte, die biologische Pumpe arbeietet nur mit 1% Effizienz. Auf langen Zeiträumen bringen geologische Prozesse die Sache wieder ins Lot, aber die spielen sich schon eher in Jahrtausenden ab. Auf menschlichen Zeistkalen ist alles, was wir heute und morgen und übermorgen (und weils so schön war auch noch den Rest des Jahrhunderts) kaputt machen, dauerhaft kaputt. Da wir zahlreiche biologische Systeme mittlerweile schon auf ihre Kipppunkte getrieben haben, würde ich mittlerweile sogar mit einer Nettoemission aus der Natur heraus rechnen. Der Permafrost wird weiter tauen, die Feuchtgebiete weiter austrocknen, die Wälder weiter brennen und nicht mehr schnell genug nachwachsen, ehe der nächste Sturzregen alles wegspült. Ehe das geheilt ist, vergeht sehr viel Zeit. Der gesamte Mittelmeerraum ist bis heute von den Kahlschlägen der Römer geprägt, ich würde raten dass nicht einmal 5% der damals verloren gegangenen Böden bislang ersetzt werden konnten. Und die haben nur einmal die Vegetation abgeholzt, nicht gleich noch Umgebungsbedingungen geschaffen, die eine Neuansiedlung der lokal vorhandenen Arten erschweren bis unmöglich machen.