Der Energiewende Thread

  • Ersteller Ersteller Gast1675120202
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Wennn man, so schließe ich mal aus dem Kontext, ohne ein Physikstudium im Rücken eine falsche Aussage im Bereich "Physik" macht
Das Physikstudium ist durchaus vorhanden (zumindest die Thermodynamikveranstaltungen die man für ein Maschinenbaustudium benötigt), nur die von dir angenommenen adiabaten Betrachtungssysteme ohne Entropieerhöhung existieren in der Realität eben nicht - da ich dir unterstelle das zu wissen musste ich annehmen, dass diese Argumentation nur der "du liegst mit allem immer grundsätzlich falsch"-Strategie dient (so der Eindruck den deine Posts auf mich vermitteln).
Wie sehr sind die Kosten (für Arbeit, für Ausgangsstoffe und für Energie) inflationsbereinigt in den letzten Jahren (oder besser in den Jahren vor dem Ukrainekrieg) gestiegen?
Für Arbeit überschaubar (5,2% seit Kriegsbeginn, inflationsbereinigt dürfte das ziemlich nahe Null sein), für Rohstoffe/Energie (was im Falle von alter Route mit Koks dasselbe ist) dagegen teilweise extrem. Kokskohle kostete vor dem Krieg rund 100 Dollar pro Tonne, kurz nach Kriegsausbruch dann ~280 und heute eingependelt auf rund 200 Dollar, also effektiv +100% Kosten. Erze sind nach kurzem +100% Peak bei Kriegsbeginn heute wieder da wo sie vorher waren.
Der Industriestrompreis lag lange Zeit vor 2020 bei etwa 15 cent/kWh, bei uns (weil zusätzliches eigenes Kraftwerk) bei ~9 cent/kWh. Ab 2021 gings schon stark nach oben (21 cent) und bei Kriegsbeginn warens dann mal >50 cent, aktuell sinds wieder ca. 20 cent/kWh - langfristig nach Abklingen des Kriegspeaks also grob +35%. Für die klassische Stahlherstellung die große Strommengen nur für mechanische Bearbeitung braucht ist das irgendwie machbar, für Elektrostahlwerke sind solche Preise ruinös. Um den aktuellen Weltmarktpreis von Stahl mit nem E-Stahlwerk mitgehen zu können darf der Strom dafür nur etwa 4-5 cent/kWh kosten (der supergünstige erneuerbare Strom der immer versprochen wird wäre hier tatsächlich mal benötigt).
Dann gibts noch Legioerungsmittel als großen Kostenfaktor, wie die sich entwickelt haben weiß ich aber auch nicht.
Das hier kennen zumindest Nicht-Indschänijeure als "Druckbehälter" und bei einer losen exemplarischen, also explizit unvollständigen Auflistung bin ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass sowas mitgemeint sein könnte.
"Druckbehälter und Kesselbau" ist Standardsprache in der betroffenen Industrie. Ein Kessel ist dabei meist nur ein Druckbehälter dessen Inhalt heiß ist. Über sowas macht man sich aus Gewohnheit schon keine Gedanken mehr, der Teilbetrieb der sowas herstellt heißt historisch sogar noch "Kesselschmiede". Aber ja, der korrekte Überbegriff ist Druckbehälter.
Ich glaube sogar mal gehört zu haben, dass selbst bei Gaspipelines die Betonummantelung nicht nur schützende und ggf. beschwerende Funktion hat, sondern auch bei der Aufnahme der internen Kräfte eingeplant wird.
Ob sowas für den Fall ungeplanter viel zu hoher Drücke als Sicherheit eingerechnet wird weiß ich nicht aber für den Normalbetrieb sicher nicht. Pipelines sind da aus Sicherheitsgründen ziemlich stramm überdimensioniert von der Wandstärke her - entsprechend überdimensioniert wurde bei Nordstream2 auch die Sprengladung gewählt um sicherzugehen dass es auch ja reicht^^
Das Zeug ist übrigens kein Federstahl weil der fast nicht zu einem Rohr einformbar/verarbeitbar wäre und im tatsächlichen Schadensfall unkontrolliert spröde reißen würde bzw. Federstahl kaum Rissauffangeigenschaften hat. Pipelinestahl ist eine stark modifizierte Variante von thermomechanisch gewalztem höherfestem Baustahl.

Alles vollkommen unmöglich, sagt der Neanderthaler in mir, sonst hätte man das ja schon 1525 gemacht!
Nur dass in den ganzen Beispielen eben noch kein brutaler Kostendruck von außen da war und keine Horden von "Gelehrten" schon alles rausgeholt haben was im Rahmen der Physik und Wirtschaftlichkeit machbar ist. Das heißt nicht dass da nicht doch noch jemand ne super Idee haben könnte aber an manchen Stellen ist eben einfach die Grenze erreicht, beispielsweise beim alten Hochofenprozess - natürlich würde man da liebend gerne weniger Koks einsetzen und CO2 vermeiden aber da ist man nunmal schon bis auf 0,x% Abweichungen am chemisch notwendigen Minimum nach Bouduard dran dass überhaupt Rohstahl unten rauskommt.
 
Zuletzt bearbeitet:
und keine Horden von "Gelehrten" schon alles rausgeholt haben was im Rahmen der Physik und Wirtschaftlichkeit machbar ist.
Die Kalkwerke bei mir um die Ecke haben letztes Jahr damit angefangen(!) auszuprobieren ob man mit was Anderem als Braunkohlestaub brennen könnte und sind gerade dabei darüber nachzudenken(!) ob man die Abwärme der Tunnelöfen für Fernwärme nutzen könnte. Wenn ihr da weiter seid dann herzlichen Glückwunsch, die Regel ist es offensichtlich noch nicht.
 
Bitter^^
Aber ja, wir sind da weiter - zwingend, sonst gäbs uns schon lange nicht mehr. Wir müssen zwingend energieeffizienter als der Wettbewerb sein weil letzterer meist viel geringere Energiekosten hat. Die Nummer mit dem Energiesparen begann in der Ölkrise in den 70ern und wurde seitdem langsam aber kontinuierlich verfolgt - alleine schon dass wir überhaupt ein eigenes Kraftwerk haben statt Hochofengas abzufackeln ist ja eine größere Maßnahme gewesen vor längerer Zeit (die, Funfact, zeitweise stillgelegt wurde weils billiger war, Gas abzufackeln als Strom draus zu machen weil man dann ja fossile Energieträger in nem Kraftwerk verbrennt und dafür dann Zertifikate kaufen muss... :klatsch: ).
Dort wo die richtig dicken Energiemengen genutzt werden wird schon viel versucht/gemacht (warmeinsetzen, warmabstapeln, Prozessenergierückgewinnung uvm), aber die wirtschaftliche Machbarkeit ist da am Ende bei vielen Dingen begrenzt, die großen Potentiale sind da frei nach Pareto halt schon eingesammelt.

Um die brücke zur Energiewende zu schlagen: Das ganze Energiepreis im Sinne von Strompreisthema ist ja deswegen so akut, weil der Strombedarf/-preis ja so existenziell wird wenn man eben vom Koks wegmuss und dessen chemische Energie elektrisch substituieren muss. In der Theorie bzw. den Wünschen ist das alles auch machbar - Direktreduktion mit grünem Wasserstoff statt Koks, Schmelzfluss durch Elektroofen statt Feuer machen.
Wenn sowohl Wasserstoff als auch Elektrizität in riesigen Mengen günstig verfügbar ist ist das technisch so (immer noch nicht einfach aber) umsetzbar. Nur ist bisher weder Strom günstig geworden noch Wasserstoff verfügbar (weswegen die kommenden Anlagen schon auf mögliche Erdgasverwendung statt H2 ausgelegt werden... das ist immerhin ein bisschen besser als Koks). Sobald die Versprechen der neuen grünen Welt eintreten mit der günstigen erneuerbaren Energie in großen Mengen gibt es kein Problem mehr. Die Frage ist nur wann (und ob) das so sein wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Physikstudium ist durchaus vorhanden (zumindest die Thermodynamikveranstaltungen die man für ein Maschinenbaustudium benötigt), nur die von dir angenommenen adiabaten Betrachtungssysteme ohne Entropieerhöhung existieren in der Realität eben nicht - da ich dir unterstelle das zu wissen musste ich annehmen, dass diese Argumentation nur der "du liegst mit allem immer grundsätzlich falsch"-Strategie dient (so der Eindruck den deine Posts auf mich vermitteln).

Das ist nie das Ziel meiner Posts. Mit Leuten, bei denen ich grundsätzlich davon ausgehe, dass sie Scheiße erzählen, diskutiere ich i.d.R. schon lange nicht mehr. Aber ja, natürlich gehe ich davon aus, dass ich mit etwas, dass ihr hier poste, recht habe. I.d.R. mache ich mir ja auch diverse Gedankenn und recherchiere ggf., ich schreibe: "Das ist so". Wenn dann jemand was gegenteiliges postet, mit einer inexistenten oder im Vergleich zu meinem Netz von logischen Schlüssen winzigen Ansatz einer Erklärung, gepart mit so wie geschrieben doch recht offensichtlich fehlerhaften Aussagen, bei wem vermute ich dann wohl zuerst Oberflächlikeit :ugly: ?

Und das mache ich, soviel Arroganz kann man mir zu Recht vorwerfen, tatsächlich unabhängig von Fachbereichen, rein nach Logik. Die funktioniert nämlich immer gleich und steht jedem offen. Und es wäre, gerade bei technischen Fragestellungen, auch nicht das erste Mal, dass Außenseiterüberblick auf Betriebsblindheit stößt, wenn es um Neuerungen geht. Umgekehrt schätze ich es überigens sehr, wenn mir jemand neue, bislang übersehene Informationen/Bezugspunkte/etc. im Rahmen so einer Begründung mitteilt.

Für Arbeit überschaubar (5,2% seit Kriegsbeginn, inflationsbereinigt dürfte das ziemlich nahe Null sein), für Rohstoffe/Energie (was im Falle von alter Route mit Koks dasselbe ist) dagegen teilweise extrem. Kokskohle kostete vor dem Krieg rund 100 Dollar pro Tonne, kurz nach Kriegsausbruch dann ~280 und heute eingependelt auf rund 200 Dollar, also effektiv +100% Kosten. Erze sind nach kurzem +100% Peak bei Kriegsbeginn heute wieder da wo sie vorher waren.
Der Industriestrompreis lag lange Zeit vor 2020 bei etwa 15 cent/kWh, bei uns (weil zusätzliches eigenes Kraftwerk) bei ~9 cent/kWh. Ab 2021 gings schon stark nach oben (21 cent) und bei Kriegsbeginn warens dann mal >50 cent, aktuell sinds wieder ca. 20 cent/kWh - langfristig nach Abklingen des Kriegspeaks also grob +35%. Für die klassische Stahlherstellung die große Strommengen nur für mechanische Bearbeitung braucht ist das irgendwie machbar, für Elektrostahlwerke sind solche Preise ruinös. Um den aktuellen Weltmarktpreis von Stahl mit nem E-Stahlwerk mitgehen zu können darf der Strom dafür nur etwa 4-5 cent/kWh kosten (der supergünstige erneuerbare Strom der immer versprochen wird wäre hier tatsächlich mal benötigt).
Dann gibts noch Legioerungsmittel als großen Kostenfaktor, wie die sich entwickelt haben weiß ich aber auch nicht.

Thx. Hast du auch die Zahlen für die 5-10 Jahre vor Kriegsbeginn? Hier geht es ja um die Energiewende im Sinne von "weg von fossilen, hin zu erneuerbaren". Das seit 2022 die (unvollständige) Wende "weg von Putin, hin zu USA und Katar" in Verbindung mit Spekulationen und z.T. Profitmaximierung in der Energiebranche zu einem massiven Anstieg der Energiepreise gesorgt hat, sieht ja selsbt der Kleinverbraucher auf der Rechnung. Aber das ist nicht eine Folge dessen, dass Energiewende stattfindet, sonderne eine Folge davon, dass diese viel zu langsam abläuft. Hätten wir schon in den 2020ern auf >90% EE-Strom umgestellt und die Wärmeumstellung in Angriff genommen, hätte uns Putin deutlich weniger in der Hand gehabt. (Ggf. hätte ihm sogar das nötige Geld für seinen Imperialismus gefehlt, genauso wie diversen Troublemakern in Nahost, die von Petroeuros leben.)

Daher nochmal die Frage: Wie sah die Entwicklung bei euch 2000/2005/2010/2015/2020 aus, als es zumindest ein Energiewendchen in Deutschland gab und noch keinen Krieg?

Ob sowas für den Fall ungeplanter viel zu hoher Drücke als Sicherheit eingerechnet wird weiß ich nicht aber für den Normalbetrieb sicher nicht. Pipelines sind da aus Sicherheitsgründen ziemlich stramm überdimensioniert von der Wandstärke her - entsprechend überdimensioniert wurde bei Nordstream2 auch die Sprengladung gewählt um sicherzugehen dass es auch ja reicht^^

Klar wird sowas mit ordentlich Sicherheitsaufschlag geplant, sodass im Normalbetrieb die äußeren 2/3 des Materials im Prinzip nutzlos in der Landschaft rumliegen. Worauf ich hinauswill: Wenn der Betonteil der Pipelines die nötigen Eigenschaften aufweist, um im Notfall plötzlich auftretende Zuglasten aufzunehmen (obwohl alles plötzliche sonst nicht die Stärke von Beton ist), dann stehen die Chancen gut, dass man schon die nötige Technik hat, um auch Regellasten von Beton tragen zu lassen und nicht einmal entwickeln müsste. Aktuell ist Stahl halt billig im Einkauf, praktisch in der Verarbeitung, sehr gut für die Art auftrender Lasten und bräuchte sowieso einen dichtenden Schicht innen. Also baut man eine Stahlpipeline mit Sicherheitsummantelung. Stattdessen die Doppelte bis dreifache Menge an Beton zu nehmen würde die Transportkosten steigern, es würde die dichte Verbindung der Rohre insbesondere bei unterseeischen Pipelines dramatisch erschweren (entweder bräuchte man einen im Vergleich zu heute gigantischen Stinger für die möglichen Biegeradien oder man müsste unter Wasser vergießen) und vermutlich würde allein der für die Dichtigkeit nötige z.B. PTFE-Liner pro Meter soviel kosten, wie heute das gesamte Rohr.
ABER: Das alles sind "es geht billiger"-Argumente. Nicht "ist technisch unmöglich". Das muss man streng unterscheiden, wenn man ein Szenario plant, in dem Stahl drastisch teurer wird, die bislang unökonomischen Alternativen aber nicht oder weniger.

Das Zeug ist übrigens kein Federstahl weil der fast nicht zu einem Rohr einformbar/verarbeitbar wäre und im tatsächlichen Schadensfall unkontrolliert spröde reißen würde bzw. Federstahl kaum Rissauffangeigenschaften hat. Pipelinestahl ist eine stark modifizierte Variante von thermomechanisch gewalztem höherfestem Baustahl.

Thx für Details. Das es was anderes ist, war mir klar - dass es mit Baustahl verwandt ist, nicht. Zyklische Streckung gehört ja normalerweise nicht zu letzterem Aufgabengebiet (oder ist "Baustahl" nicht der für Armierung, sondern der für selten gewordende Stahl-only-Hochhäuser und Türme?). Da hätte ich eher Schiffbauverwandtschaft erwartet.

Federstahl habe ich jedenfalls erwähnt, weil hohe zyklische Belastungen ohne Ermüdungsbruch echt eine Spezialität von Stahl sind. Es gibt Titanlegierungen, die das auch können (auch genauso gut?), aber die muss man erstmal verarbeiten können und z.B. Aluminium oder Kunststoffe kennen Dauerfestigkeit überhaupt nicht. Die ermüden immer und Überdimensionierung ist in vielen Fällen keine gangbare Option. Da wird man imho also immer Eisen basierte Legierungen nutzen, auch wenn diese den Preis von H2-Stahl haben. Nur sind das halt im Vergleich zu Baustahl winzige Mengen und ich würde mich nicht wundern, wenn eine 1:1 Umstellung der deutschen Kapazitäten ein Vielfaches des Weltmarkts bedienen könnte.

Nur dass in den ganzen Beispielen eben noch kein brutaler Kostendruck von außen da war und keine Horden von "Gelehrten" schon alles rausgeholt haben was im Rahmen der Physik und Wirtschaftlichkeit machbar ist.

Doch, nicht wenige dieser Beispiele hatten einen brutalen Kostendruck und es war bereits alles herausgeholt - aus der damaligen Sicht. Die misst ihre Kosten nämlich immer an dem, was sie vorher gezahlt hat und ihre Möglichkeiten an dem, was sie schon entwickelt hat. Eine vergleichbare Umstellung hat die Eisenverarbeitung z.B. schon mal vor ettlichen Jahrhunderten gemacht, als die Wälder weg waren (mit entsprechend katastrophalen ökologischen Folgen) und man nicht mehr in großem Stil mit Holzkohle verhütten konnte, sondern die komplette Koks-basierte Technik neu entwickeln musste. Auch damals war der neue Brennstoff unglaublich teuer, musste mit einer eigens zu schaffenden Hilfsindustrie überhaupt erst einmal produziert werden, und die Entwicklung ging von Materialien aus, die aus Sicht der seit langem ausentwickelten Schmiedetechnik (wörtlich zu nehmen) für viele Zwecke unbrauchbar war.

Das heißt nicht dass da nicht doch noch jemand ne super Idee haben könnte aber an manchen Stellen ist eben einfach die Grenze erreicht, beispielsweise beim alten Hochofenprozess - natürlich würde man da liebend gerne weniger Koks einsetzen und CO2 vermeiden aber da ist man nunmal schon bis auf 0,x% Abweichungen am chemisch notwendigen Minimum nach Bouduard dran dass überhaupt Rohstahl unten rauskommt.

Da sollten ja eigentlich die Milliardengeschenke von Habeck für H2-Stahl drangehen: Alles, was vom Koks als CO2 wieder aus dem dem Hochofen rauskommt, dient ja eigentlich nur dazu, Sauerstoff zu entziehen. Das geht auch mit Wasserstoff. Alles, was vom Koks als C im Stahl bleibt, produziert keine CO2-Emissionen und ist unkritisch.


Bitter^^
Aber ja, wir sind da weiter - zwingend, sonst gäbs uns schon lange nicht mehr. Wir müssen zwingend energieeffizienter als der Wettbewerb sein weil letzterer meist viel geringere Energiekosten hat. Die Nummer mit dem Energiesparen begann in der Ölkrise in den 70ern und wurde seitdem langsam aber kontinuierlich verfolgt - alleine schon dass wir überhaupt ein eigenes Kraftwerk haben statt Hochofengas abzufackeln ist ja eine größere Maßnahme gewesen vor längerer Zeit (die, Funfact, zeitweise stillgelegt wurde weils billiger war, Gas abzufackeln als Strom draus zu machen weil man dann ja fossile Energieträger in nem Kraftwerk verbrennt und dafür dann Zertifikate kaufen muss... :klatsch: ).

Ich sags ja: Energie ist VIEL zu billig :ugly: .
(Und vor allem wird viel zu selektiv bestimmt, welche Energie billig ist und welche nicht. Mit einer simplen Steuer auf Kohlenstoff, sowohl bei Öl als auch bei der Kohlestromerzeugung als auch bei der Koksproduktion wäre man nie auf die gekommen, brennbare Gase nicht zu nutzen)

Dort wo die richtig dicken Energiemengen genutzt werden wird schon viel versucht/gemacht (warmeinsetzen, warmabstapeln, Prozessenergierückgewinnung uvm), aber die wirtschaftliche Machbarkeit ist da am Ende bei vielen Dingen begrenzt, die großen Potentiale sind da frei nach Pareto halt schon eingesammelt.

Siehe oben: "Wirtschaftliche Machbarkeit" ist kein absoluter Ausdruck und hat nichts mit technischen Möglichkeiten zu tun. Das ist immer nur ein Euphemismus für "im Moment geht es billiger".

Ein knallhartes Beispiel war halt Restwärmenutzung: Afaik haben die Endprodukte ganz am Ende der Stahlverarbeitung keine wesentlich geringere Masse als das Erz, das vorne rein ging. Rein chemisch-physikalisch betrachtet ist die Erhitzung des Erzes von 20 auf 2000 °C und die Abkühlung des Stahls am Ende auf 20 °C also ein Nullsummenspiel. Auch im Walzwerk wird kein einziges Bisschen der Wärme "verbraucht", die gesamte Energie geht derzeit am Ende in Athmosphäre. Würde man sie stattdessen in einem Gegenstromverfahren im Prozess kreisen lassen, läger der Energieverbauch auf Schulbuch-Theorieniveau ("kugelförmige Kühe in Schwerelosigkeit") bei Null respektive wäre geringer als die Wärmeenergie, die bei der Reduktion ohnehin frei wird.

Auch etwas komplexer betrachtet kann man diesem Ideal immer noch nahe und fast ohne Energiezuschuss auskommen. Für den Wärmeübergang zwischen Feststoffen muss man zwar in einem mehrstufigen Verfahren Querstromabschnitte mit einem Zwischenmedium einführen (z.B. zirkulierendes Gebläse, besser aber Flüssigkeitsstrom, vom heißen Coil zum kalten Erz), der für einen unendlich kleinen Temperaturunterschied im Ein- und ausgehenden Zweig unendlich viele Stufen und damit Platz (und unendlich viel Energie für die Gebläse :ugly: ) bräuchte. Aber eine Annäherung, die z.B. zweimal 100 K Unterschied zwischen Edukt und Produkt akzeptiert und in zwei Stufen (einmal zwischen Hochofen und Walzwerk, einmal danach) ansetzt, müsste eine Abkühlung um 1800 °C und umgekehrt eine Aufheizung 1800 °C, also 90 des gesamten Energieaufwandes, bewerkstelligen könnte. (Davon abzuziehen der zusätzliche Energieaufwand für die Umwälztechnik.)

WENN man den enormen Planungs- und Konstruktionsaufwand für so ein Werk (u.a. müsste es, inklusive Wartung, komplett automatisiert sein, da eben teilweise in >1000 °C Umgebung "gearbeitet" wird) und dessen Baukosten, die ebenfalls primär Arbeitsstunden repräsentieren, in die Hand nimmt. Was heute natürlich eine absolute ökonomische Katastrophe wäre, weil Arbeitszeit schweineteuer ist und Energie, trotz allem, spottbillig. Selbst wesentlich einfachere Systeme, z.B. ein hitzefeste Erzzufuhr räumlich über einer hitzefesten Produktabfuhr (Gegenstrom von vielleicht 400 °C => 40 °C beim Produkt reicht für 20 °C => 250 °C beim Edukt?) ist aus heutiger Sicht absolut unrentabel respektive aus der derzeitigen Wirtschaftsperspektive undenkbar.
Aber das ist nicht das gleiche wie "unmöglich". Und es ist keine 25 Jahre her, da haben mir noch Leute, die letzteres Wort genauso fehlerhaft verwenden, mir erklären wollen, dass mehr als 5% erneuerbare im Stromnetz "unmöglich" sind. (Zugegeben: Das wirklich doofe Leute, aber vor 35 Jahren war das in der Industrie afaik noch Mehrheitsfähig und nur ideologische "Spinner", die ja von nichts ne Ahnung haben, haben gegenteiliges behauptet.)

Wenn sowohl Wasserstoff als auch Elektrizität in riesigen Mengen günstig verfügbar ist ist das technisch so (immer noch nicht einfach aber) umsetzbar. Nur ist bisher weder Strom günstig geworden noch Wasserstoff verfügbar (weswegen die kommenden Anlagen schon auf mögliche Erdgasverwendung statt H2 ausgelegt werden... das ist immerhin ein bisschen besser als Koks). Sobald die Versprechen der neuen grünen Welt eintreten mit der günstigen erneuerbaren Energie in großen Mengen gibt es kein Problem mehr. Die Frage ist nur wann (und ob) das so sein wird.

Wenn politisch gewollt, könnte das bis 2050 der Fall sein. In Anbetracht der aktuellen politischen Entwicklung rechne ich aber damit, dass wir bis dahin auch nur alle Kohlekraftwerke abschalten. H2-Produktion wird in den zunehmenden Überschusszeiträumen zwar schon vorher anlaufen, aber ehe wir genug für eine Umstellung der Gas-Spitzenlastkraftwerke haben, könnte es 2060-65 werden (hängt stark vom Bedarf ab - mit EU-Netzausbau könnte man sehr viel erreichen, kümmert sich aber aktuell niemand drum und deswegen ist das nicht einplanbar). DANN wird aber noch die chemische Industrie schlangestehen und die Luftfahrt ist auch ein naheliegenderer, zahlungskräftiger Verbraucher. Also vor 2080-2100 dürfte real für die Stahlindustrie keine deckende heimische Produktion zu erwarten sein.

Vorher geht es nur mit Importen. Habackes Wunschvorstellungen diesbezüglich sehe ich sehr kritisch (politisch, ökonomisch und klimatologisch); die Milliardensubventionen für die Umstellung der Produktionsanlagen schon jetzt wären/sind in meinen Augen ein reines Lobbygeschenk. Aktuell sind wir auf einem Level beim Ausbau, da macht ein H2-Netz schon Sinn (das war eine gute, richtige und wichtige Entscheidung), weil da wortwörtlich alles andere dran hängt. Aber die einzelnen Verbraucher, insbesondere die hinteren in der Verwertungskette wie Montanindustrie, können die nächsten 10 Jahre imho im Labormaßstab das "wie" verfeinern, ehe die erste Kleinanlagen das ausprobieren. Kommerzieller Einsatz für Spezialzwecke vielleicht 2050. Und ob das dann eben noch in Deutschland Sinn macht, wenn man ohnehin neu bauen muss und die Primärenergieproduktion am Äquator stattfindet, neben den Schifffahrtsrouten die das Erz herschaffen?
 
Hast du auch die Zahlen für die 5-10 Jahre vor Kriegsbeginn?
Strom: Nicht greifbar mit Quelle. Ich weiß nur aus aus unserem System für Verbesserungsvorschläge, dass bis 2020 bei uns die kWh mit 9,5 cent bewertet wurde und das konstant seit dem ich als Ingenieur da arbeite (2012). Da gabs real sicherlich Schwankungen für unseren Preis und den "externen" Preis von etwa 15 cent aber im Wesentlichen war da alles über weite Zeiträume konstant. Erst seit Anfang 2021 gings hoch.

Arbeit: Lag langfristig immer leicht über der Inflation. Die genauen Zahlen müsste ich anhand meiner Tariflichen Gehaltserhöhungen nachvollziehen (daher kamen auch die 5,2% oben) aber wenn man die Tarifabschlüsse auf ganze Kalenderjahre runterrechnet kommt man normalerweise zwischen 2 und 2,5 % p.a. raus, bedeutet wir haben immer son halbes bis ganzes Prozent mehr verdient (=Arbeit verteuert) wenn man die damals noch geringere Inflation abzieht.
Ggf. wird das auch noch ausgeglichen dadurch dass wir immer weniger Personal insgesamt haben. Kurz - Arbeitskosten sind abseits kleinerer Schwankungen auch länger in die Vergangenheit konstant gewesen so lange man nicht mehrere Jahrzehnte zurückgeht wo arbeit deutlich teurer war einfach weil mehr Leute und weniger Automation.

Rohstoffe:
Koksdaten: https://www.ibisworld.com/de/bed/weltmarktpreis-fuer-kokskohle/437/
Eisenerz ist börsenhandelbar +Charthistorie: https://www.finanzen.net/rohstoffe/eisenerzpreis/chart
dass es mit Baustahl verwandt ist, nicht. Zyklische Streckung gehört ja normalerweise nicht zu letzterem Aufgabengebiet (oder ist "Baustahl" nicht der für Armierung, sondern der für selten gewordende Stahl-only-Hochhäuser und Türme?)
Pipelines sind thermomechanisch gewalzte Feinkornbaustähle mit besonderer Reinheit (um keine Kondensationskeime für Wasserstoff zu bieten der im transportierten Gas vorhanden ist), grundlegend ist das Prinzip dasselbe - Ferrit-Perlit-Matrix (Federstahl dagegen wäre bainitisch). Die Körner sind aber wegen TM-Walzung wesentlich feiner und in Walzrichtung verformt.
S355 Baustahl: https://www.schmitz-metallographie.de/wp-content/uploads/2022/11/1.0577_S355J2_N_05.jpg
X60 Pipeline: https://www.researchgate.net/public...g-polygonal-ferrite-white-and-colonies-of.ppm

Und ja, es geht weniger um Armierung (das ist "Draht") sondern um das grobe Zeug. Dicke IPB-Träger, Bleche, Platten usw.
Da sollten ja eigentlich die Milliardengeschenke von Habeck für H2-Stahl drangehen: Alles, was vom Koks als CO2 wieder aus dem dem Hochofen rauskommt, dient ja eigentlich nur dazu, Sauerstoff zu entziehen. Das geht auch mit Wasserstoff. Alles, was vom Koks als C im Stahl bleibt, produziert keine CO2-Emissionen und ist unkritisch.
So ist es. Die Milliarden von Habeck dienen aber nur dazu, die dafür nötigen Anlagen errichten zu können. Wenn die mal da sind brauchts aber eben auch den Wasserstoff um sie zu betreiben zu einem Preis wo sie wirtschaftlich zu betreiben sind. Das scheint in so weiter Ferne zu liegen, dass die Anlagen so gebaut werden dass Erdgas statt H2 auch übergangsweise funktioniert.

Afaik haben die Endprodukte ganz am Ende der Stahlverarbeitung keine wesentlich geringere Masse als das Erz, das vorne rein ging.
Naja, was an Masse fehlt ist im Wesentlichen das CO2, das oben raus ging^^
Aber auch an festen Bestandteilen wird ja nicht alles Produkt. Es entsteht auch ein Haufen Schlacke beispielsweise. Die geht zum großen Teil in den Straßenbau und ähnliches.
Rein chemisch-physikalisch betrachtet ist die Erhitzung des Erzes von 20 auf 2000 °C und die Abkühlung des Stahls am Ende auf 20 °C also ein Nullsummenspiel.
Wenn mans so extrem trivialisiert ja. Blöderweise sind da noch viele Zwischenschritte dazwischen wo es definierte Temperaturen und Temperaturverläufe für den anstehenden Prozess braucht: Das Zeug wird je nach Qualität mehrfach aufgeheizt und abgekühlt, die nötigen Temperaturverläufe reichen dabei von "muss mehrere Tage 600°C halten" bis zu "muss in Sekunden von 800 auf 100 runter".
Das meine ich mit bereits optimierter Prozesswärme - man versucht diese Schritte schon sowohl zeitlich als auch räumlich so zu organisieren dass dazwischen möglichst wenig unnötig an die Umgebung abgegeben wird, es wird sogar seit etlichen Jahrzehnten im Prozess sowieso entstehender Dampf als Heizung für Bürogebäude usw. genutzt. Aber wenn ich grobe Mengen kaltes Wasser auf glühenden Stahl kippen muss um mechanisch-technologische Eigenschaften herzustellen habe ich keine Chance da groß was zu verwerten, denn das energetische Ergebnis ist ein Haufen Wasser das 10K wärmer ist als vorher. Da was nennenswert rauszuholen... Carnot sagt nein.
WENN man den enormen Planungs- und Konstruktionsaufwand für so ein Werk (u.a. müsste es, inklusive Wartung, komplett automatisiert sein, da eben teilweise in >1000 °C Umgebung "gearbeitet" wird) und dessen Baukosten, die ebenfalls primär Arbeitsstunden repräsentieren, in die Hand nimmt. Was heute natürlich eine absolute ökonomische Katastrophe wäre, weil Arbeitszeit schweineteuer ist und Energie, trotz allem, spottbillig.
So langsam verstehe ich was du dir da vorstellst - sowas geht auch nach Stand der Technik heute noch lange nicht, selbst wenn Geld egal wäre. Die zigtausenden Teilprozesse die wir haben sind noch weit davon entfernt so automatisierbar zu sein dass man all das profan gesagt in ner riesen Thermoskanne durchziehen könnte.

Wenn politisch gewollt, könnte das bis 2050 der Fall sein.
Unser Plan ist aktuell 2045. Und das Ding ist es gibt keinen Plan B*. So ein Transformationsgewaltakt mit Kosten, die auch mit Habecks Milliarden die durchschnittlichen Gewinne von Jahrzehnten aufbrauchen muss funktionieren oder der Laden ist Geschichte.
*der so halbe Plan B ist ja wie gesagt Erdgas statt H2 in der DRI Anlage.
Ich schätze es leider genauso ein wie du dass es viel länger dauern wird bis wir hier viel günstigen grünen Wasserstoff haben. Meine persönliche Hoffnung wäre ja, dass wirs technisch, politisch und wirtschaftlich zumindest hinkriegen dass wir überhaupt da ankommen ohne vorher harten Schiffbruch zu erleiden.
 
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Druckbehälter bis 350 bar aus Verbundfaser sind übrigens spätestens seit den 90ern ein Serienprodukt,
Also, ich kann nicht komplett in dem Disput hier mitmischen, aber Verbundfaserkessel, so habe ich gelernt, haben deutlich größeren Primärenergieverbrauch + CO2 Ausstoß bei der Herstellung als ein (Edel-)Stahlkessel.
War eine monatelange Diskussion beim Erweiterungsbau an unserem Intitut, in dem ich gerade drinnen sitze.
Da wurde eine neue Heizanlage (Wärmekörbe) und eben dann ein relativ großer Pufferspeicher benötigt.
Heiz- und Kühlfunktion - aber bitte nicht nach Details fragen - weiss ich nämlich nicht.
Ob man das verallgemeinern kann, weiss ich auch nicht und 350 bar Druck kann der Verbaute auch nicht, "lediglich" 6 bar, was. ebenso gelernt, aktuell wohl oberer Standard bei Heizanlagen sei.
 
Strom: Nicht greifbar mit Quelle. Ich weiß nur aus aus unserem System für Verbesserungsvorschläge, dass bis 2020 bei uns die kWh mit 9,5 cent bewertet wurde und das konstant seit dem ich als Ingenieur da arbeite (2012). Da gabs real sicherlich Schwankungen für unseren Preis und den "externen" Preis von etwa 15 cent aber im Wesentlichen war da alles über weite Zeiträume konstant. Erst seit Anfang 2021 gings hoch.

Okay, das klingt dann wirklich so wie von mir vermutet: Nicht die Energiewende, sondern die sogenannte ""Zeitenwende"" verursacht die akuten Propbleme.
(Wobei man klar sagen muss, dass erstere auch nicht umsonst und Merkel + u.a. Scholz 1,5 Jahrzehnte lang einen großen Teil der Kosten den Kleinverbrauchern in die Schuhe geschoben haben, während der Industriestrom ab einer gewissen Abnahmemenge so günstig gewesen sein soll, dass mindestens ein holländisches Unternehmen den Bau einer eigenen Leitung über die Grenze zwecks Strombezug in Deutschland hat prüfen lassen. Aber zwischen "ohne Subventionen etwas teurer" und "explodierende Preise" gibt es halt noch ein paar Zwischenstufen, die Putin respektive der Umgang mit Putin übersprungen hat.)

Das scheint in so weiter Ferne zu liegen, dass die Anlagen so gebaut werden dass Erdgas statt H2 auch übergangsweise funktioniert.

Das ist für die ersten Anlagen in einem Übergangszeitraum sowieso sinnvoll. Ehe wir so weit sind, dass wir komplett aus Erdgas aussteigen können, wird es noch sehr lange dauern und mit aus Gaskraftwerken erzeugten Strom Wasserstoff zu gewinnen wäre ... Habeck auch noch zuzutrauen :ugly: .

Was mich etwas überrascht: War Erdgasfeuerung nicht schon Ende der 90er geplant? Steht da nichts in der Landschaft, dass man deutlich günstiger umrüsten könnte, um die erste Versuchsanlage zu erhalten? (Oder ging es eben gerade darum, der Stahlindustrie deutlich mehr als nur ein Experimentierlabor zu finanzieren?)

Naja, was an Masse fehlt ist im Wesentlichen das CO2, das oben raus ging^^
Aber auch an festen Bestandteilen wird ja nicht alles Produkt. Es entsteht auch ein Haufen Schlacke beispielsweise. Die geht zum großen Teil in den Straßenbau und ähnliches.

Die Abwärme am Schornstein ließe sich, nachdem man auf H2 umgestellt hat, vermutlich wirklich gut zurückgewinnen. Gegenstromverfahren mit Gasen ist schließlich leicht, da gehört einfach ein Brennwertkessel dran. Aktuell hat man afaik noch das Problem, dass beid er Koksverfeuerung bei weitem nicht nur CO2 aus dem Schornstein kommt und man explizit will, dass ein Teil der Abgase "heiß" in die obere Athmosphäre steigt und sich verteilt, anstatt die Schadstoffkonzentrationen rund ums Stahlwerk in protestauslösende Höhen zu treiben, oder? (Vergl. Höhe der Schlote im Ruhrgebiet vs. Luftqualität in Mitteldeutschland/Ostdeutschland/Polen im Laufe der Zeit...)
Sobald man auf reines H2 umgestellt hat, sollte das der Vergangenheit angehören, denn das verbrennt eigentlich immer sehr sauber.

Wenn mans so extrem trivialisiert ja. Blöderweise sind da noch viele Zwischenschritte dazwischen wo es definierte Temperaturen und Temperaturverläufe für den anstehenden Prozess braucht: Das Zeug wird je nach Qualität mehrfach aufgeheizt und abgekühlt, die nötigen Temperaturverläufe reichen dabei von "muss mehrere Tage 600°C halten" bis zu "muss in Sekunden von 800 auf 100 runter".
Das meine ich mit bereits optimierter Prozesswärme - man versucht diese Schritte schon sowohl zeitlich als auch räumlich so zu organisieren dass dazwischen möglichst wenig unnötig an die Umgebung abgegeben wird, es wird sogar seit etlichen Jahrzehnten im Prozess sowieso entstehender Dampf als Heizung für Bürogebäude usw. genutzt. Aber wenn ich grobe Mengen kaltes Wasser auf glühenden Stahl kippen muss um mechanisch-technologische Eigenschaften herzustellen habe ich keine Chance da groß was zu verwerten, denn das energetische Ergebnis ist ein Haufen Wasser das 10K wärmer ist als vorher. Da was nennenswert rauszuholen... Carnot sagt nein.

Okay, -700 K in ein paar Sekunden ist tatsächlich eine Situation, wo schlicht die Zeit für Gegenstrom fehlt. Ich dachte bislang, so heftige Schocks wären nur bei der Härtung einiger Endprodukte nötig, nicht für die Stahlproduktion an sich.

So langsam verstehe ich was du dir da vorstellst - sowas geht auch nach Stand der Technik heute noch lange nicht, selbst wenn Geld egal wäre. Die zigtausenden Teilprozesse die wir haben sind noch weit davon entfernt so automatisierbar zu sein dass man all das profan gesagt in ner riesen Thermoskanne durchziehen könnte.

Und so wird aus der physikalischen Unmöglichkeit eine ingenieurstechnische Herausforderung ;) .
Ein gewisser Potential besteht darin, dass so etwas sowie Abschnitt für Abschnitt erfolgen sollte und auch entsprechend umgesetzt werden kann. Z.B. das Handling der festen Endprodukte (also ab Ende Walzwerk) sollte sich nicht großartig von Warenhandling überall anders unterscheiden, wie es vielerorts anders schon üblich ist, und die Beschickung sowieso nicht. Wenn man die automatische Flurförderfahrzeuge aus der Autoindustrie oder aus Containerhäfen so adaptiert (im Wesentlichen: hitze- und dreckbeständig machen), dass sie Trägerplatten mit z.B. heißen Coils sowie Behälter mit Erz bewegen können, bräuchte es "nur" noch ein isoliertes Lager (idealerweise mit zwei Etagen - oben erwärmend, darunter abkühlend, was auch in Hängetechnik realisiert werden kann) und schon während die untersten paar 100 K offen für Wärmeüberänge.

Ab welchem Energiepreis sich der Aufbau lohnt, bliebe herauszufinden. Bislang galt halt immer: Braucht man gar nicht drüber zu reden, weil Energie von der Allgemeinheit bezahlt wird. Das ist aber halt ein Auslaufmodell. Und die laufenden Kosten meines umständlichen Armchair-Vorschlags könnten durch die Personaleinsparung sogar sinken, sodass die Energieeinsparung ggf. komplett auf die Eingangsinvestition angerechnet werden kann.

Unser Plan ist aktuell 2045.

Der Versprecher der Politik ist 45. Und diese Zahl ist nichts weiter als Politikersprech für "lange nach meiner Amtszeit". Bislang wurden derartige Ziele immer gerissen, wenn keine Wirtschaftskrise für Kurzzeiteffekte gesorgt hat und auch heute bescheinigen sämtliche Klimaschutzorganisationen, dass die Umsetzungspläne hinten und vorne zum Erreichen des Ziels nicht ausreichen. Die Politiker skizzieren immer gern eine expontentielle Beschleunigung der Entwicklung, was bedeutet dass sie vor der nächsten Wahl quasi gar nichts machen müssen und danach nicht selten von der Oppositionsbank ihre Nachfolger für das nicht-erreichen anschwärzen können.

Real ist es aber nunmal so, dass die leichten und günstigen Maßnahmen als erstes umgesetzt werden. Wenn das schon zu langsam geschieht, dann werden später die Ziele "als unerreichbar" nach unten korrigiert, wenn nur noch die teuren, schwierigen Optionen übrig sind und man die auch noch in kürzester Zeit umsetzen müsste. Was dabei rauskommt, haben wir ja die letzte Jahre nach 16 Jahren Schwarz-Gelben und Schwarz-Roten Stillstand bis Rückschritt erlebt. Und nicht vergessen: Aktuell haben wir noch relativ paradisiesche Zustände. Aber die Kosten für Klimafolgeschäden werden die nächsten 200 Jahre stetig weiter steigen und im Gegensatz zu nahezu allen anderen Staatsausgaben sind das keine Investitionen, die auch nur einen Cent an zusätzlichen Einnahmen stimulieren, sondern das Geld wird einfach weg sein. Wir bezahlen immer mehr die nachgelagerte Rechnung für den Lebensstil der 60er, 70er, 80er, 90er, 0er, 10er (und das beste von heute!) und eigentlich hätte damals in unsere Zukunft investiert werden müssen. Stattdessen hat man sich ein schöneres Leben gemacht, als einem Zustand. (Siehe Anfang: Schwach anfangen, stark nachlassen und dann nachfolgende Generationen sehen lassen, was sie davon haben.)

Ich persönlich rechne nicht mit nennenswert H2 in 2045. Ich wäre schon positiv überrascht, wenn Deutschland vor 2060 keine Kohle mehr verbraucht (weder in heimischen Kraftwerken noch als Importstrom noch für Prozessenergie).
D.h.: Über Importe könnte natürlich was reinkommen. Aus Ländern, die ihrerseits fleißig CO2 emittieren, weil sie ihre beschränkte Produktion sauberer Energie exportieren. So wie wir ja antiimperialistisches Erdgas aus Katar bestellt haben, um Russland eine Nase zu zeigen, wärend die Kataris jetzt spottbilliges russisches Erdgas für ihre Eigenbedarf importieren.

Und das Ding ist es gibt keinen Plan B*.

Es gibt auch keinen Plan A. Wenn man in Deutschland planen und Pläne umsetzen würde, dann wären wir heute nicht auf dem Stand, den wir zur Jahrtausendwende hätten erreicht haben sollen. Was es gibt ist Rumgestochere, populistische Aktionen, gelegentlich eine Weichenstellung mit grober Zielvorsetzung und sonst nur vereinzelten Idealismus.


Also, ich kann nicht komplett in dem Disput hier mitmischen, aber Verbundfaserkessel, so habe ich gelernt, haben deutlich größeren Primärenergieverbrauch + CO2 Ausstoß bei der Herstellung als ein (Edel-)Stahlkessel.
War eine monatelange Diskussion beim Erweiterungsbau an unserem Intitut, in dem ich gerade drinnen sitze.
Da wurde eine neue Heizanlage (Wärmekörbe) und eben dann ein relativ großer Pufferspeicher benötigt.
Heiz- und Kühlfunktion - aber bitte nicht nach Details fragen - weiss ich nämlich nicht.
Ob man das verallgemeinern kann, weiss ich auch nicht und 350 bar Druck kann der Verbaute auch nicht, "lediglich" 6 bar, was. ebenso gelernt, aktuell wohl oberer Standard bei Heizanlagen sei.

Hast du da Details zu?
Niederdruck hatte ich ehrlich gesagt gar nicht auf dem Radar, weil da die technischen Herausforderungen minimal sind. (Leitungen kriegst du auch bis 16 bar einfach aus PVC, ohne Verstärkung)
Würde mich aber mal interessieren, wieso da die energetische Bilanz so einseitig ist und was es ggf. noch für Alterantiven gibt.
 
Hast du da Details zu?
Niederdruck hatte ich ehrlich gesagt gar nicht auf dem Radar, weil da die technischen Herausforderungen minimal sind. (Leitungen kriegst du auch bis 16 bar einfach aus PVC, ohne Verstärkung)
Würde mich aber mal interessieren, wieso da die energetische Bilanz so einseitig ist und was es ggf. noch für Alterantiven gibt.
Leider nein, ich habe in dem Metier keine Sachkompetenz,
kann also nicht wirklich inhaltlich mitreden - soviel vorweg.

Ich habe es über das Ausschreibeverfahren des Instituts und den anschließenen Bauarbeiten mitbekommen.
Im Ausschreibeverfahren war ich deswegen mit involviert, weil ich für meine Abteilung die Bedürfnisse vertreten hatte.
Das Institut hatte in Kooperation mit der TUM jedoch über einen längeren Zeitraum sehr intensiv beraten, wie man Stahlbaukomponenten bei der Neuerstellung des Anbaues udn der Heizungsanlage reduzieren kann.
Bei Umbauarbeiten wurden dann tatsächlich z. B. bei einer Hallenerweiterung statt Stahlträger sogenannte Baubucheverbundträger eingebaut.
Die TUM hatte begleitend zu nahezu jedem relevanten Bauteil, auch in der Haustechnik, Primärengerieverbräuche und CO2 Emissionen ermittelt.
Ich habe also keine beweisende Tabelle, sondern lediglich das Endergebnis der Beratungen, dass sich das wohl bei Pufferspeicher für Wärmepumpen nicht rechnet.
Was allerdings im Umkehrschluss auch bedeuten kann, dass es sich bei anderen Themen des Behälterbaus evtl. dann doch rechnen könnte, um im Bezug zu deinen Ausführungen zu bleiben.
 
In diesem Artikel wird beleuchtet, warum während der paar Tage Dunkelflaute die Reservekraftwerke nicht liefen. Es scheint mir so, als wenn das eine Kombination aus Gesetrzgebung und Geldmacherei war. Interessant finde ich auch die Ansage, dass wir Reservekraftwerke mit der Leistung von 7 AKW haben. So richtig schräg wird die Dunkelflautediskussion ja dann, wenn von horrenden Strompreisen von 1 € gesprochen wird, dabei aber unter den Teppich gekehrt wird, dass es sich hierbei um ca. 72 h handelte, während man im Verlauf des Jahres an über 400 h Geld für die Abnahme von Strom bekam. Aber lest selbst.

 
als wenn das eine Kombination aus Gesetrzgebung und Geldmacherei war.
Bezüglich der Energie schläft die Politik oder fördert die Preistreiberei (warum stehen solche Beiträge eigentlich nicht in der BILD und wieso schreit die Industrie nicht bei negativen Strompreisen? Aber wehe der Börsenpreis ist mal kurzfristig zu hoch). Über 50% des Stroms kommt durch Solar und Wind, was nachweislich sehr günstig ist und dennoch zahlt der Endkunde mehr als 15cent/kWh.

Allerdings zahlen die Netzbetreiber auch ein paar Milliarden an Strafzahlungen für nicht abgenommenen Strom aus Wind und Sonne weil die Infrastruktur die Abnahme limitiert. Die Infrastruktur war ja in der Form nicht notwendig, da Atomstrom so billig war. Konnte ja keiner ahnen, dass wir mal auf Wind und Sonne angewiesen sind.

Tja, und dann werden Bauprojekte durch Bürgerinitiativen und sinnfreie Klagen verzögert weil Windräder sind hässlich und Stromtrassen sind hässlich. Achja, und Habeck ist schuld.

Aber hauptsache wir lesen überall von der Dunkelflaute und einem bevorstehenden Blackout weil zu wenig Wind im dunklen Winter. Das heizt die Gemüter an und der Michel kann die Mistgabeln aus dem Schuppen holen.

Aber zum Glück haben wir noch die "Staatspropagandamedien", die versuchen über solche Missstände aufzuklären.
 
Mathematiker Andreas Schmitz aka Akkudoktor und sein Team haben kürzlich ein Video zu folgendem Thema veröffentlicht - in meinen Augen sehenswert, gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen in diesem Thread:

"WELT, BILD & Co.: Wie ihr Energiewende-Narrativ uns TEUER zu stehen kommen wird!
Weil uns das Thema sehr am Herzen liegt und wir uns dafür einsetzen, dass Ingenieure und Wissenschaftler diese wichtige Debatte um die Energiewende wieder in die Hand nehmen:
Keine Werbeintegration für dieses Video, das bedeutet aber auch: Wir machen hier krassen Verlust. Es waren 3 Leute am Werk und es war sehr sehr viel Arbeit. Wir tun das aber sehr gerne. Community und Wissenschaft (Ingenieure eingeschlossen selbstverständlich) sind uns am wichtigsten.

Hinweis:
Dieses Video analysiert, wie bestimmte Medien die Energiewende darstellen und welche wirtschaftlichen Auswirkungen diese Narrative haben können. Es handelt sich um meine persönliche Meinung und eine faktenbasierte Einordnung der Berichterstattung.

Ziel ist es, mediale Darstellungen kritisch zu hinterfragen und alternative Perspektiven aufzuzeigen – nicht, einzelnen Medienhäusern bewusste Falschdarstellung zu unterstellen. Alle im Video verwendeten Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen (siehe unten). Ebenfalls beziehen sich jegliche Aussagen innerhalb des Thumbnails allgemein auf die Energiewende und sind im satirischen Kontext zu betrachten, es sollen unsachliche Beträge zur Energiewende satirisch überspitzt immitiert dargestellt werden."

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War da nicht ein Komet am Firmament?

Wilde Spekulationen und ganz sicher wie das Amen in der Kirche kommt auch der Seitenhieb auf die Erneuerbaren. Abwarten Tee trinken. Es gibt ja wieder Strom.
 
Wie diversen Pressmitteilungen zu entnehmen ist, "verschwanden" auf einmal und instant 15 Gigawatt ohne erkennbarem Grund aus dem System, was dem laufenden Verbrauch zu dem Zeitpunkt von ca. 60% des Stroms in Spanien entsprach.
Die europäische Regelleistung im Verbund liegt bei 3 Gigawatt, was dem zeitgleichen Ausfall der 2-3 größten oder mehreren kleineren Kraftwerksblöcken in Spanien entsprechen würde.
Das Ganze ist insofern merkwürdig, als dass es lt. den Berichten keinen Ausfall irgend eines Kraftwerkes gab.

Bin mal gespannt, ob sie die Ursache finden.
Im Moment fehlt mir die Fantasie für einen Vorgang, bei dem eine solche Menge auf einmal aus einem Stromnetz gezogen werden kann.

Evtl. hat irgend ein Freak einen Fluxkompensator eingeschaltet :D
 
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