Dem kann ich durchaus so zustimmen.
Grundsätzlich denke ich, dass es in einer ungleich höherer Komplexität natürlich irgendwann zu einer Weiterentwicklung von AKWs kommt/kommen wird.
Genau genommen sind die derzeitigen AKWs nix anderes als leicht weiterentwickelte Meiler, wie sie schon in den 1960gern gebaut wurden.
Einige Nationen setzen auf AKWs und sie werden ein Interesse haben, wirtschaftlichere Konzepte in der Zukunft umzusetzen.
Da muss man abwarten, wie lange die noch darauf setzen. Der Anteil des Atomstroms an der Weltenergieerzeugung ist seit langem und zunehmend stärker rückläufig. Wenn sich alle paar Jahre mal jemand die Mühe macht, die fortgeschritten projektierten oder gar in Bau befindlichen Leistungen aufzulisten, wird auch das immer weniger. Interesse an Atomreaktoren zeigen eigentlich nur noch Militärs und Populisten, aber letztere haben nicht den Atom für 10-20 Jahre Projektdauer und erste keinen Bedarf an großer Kapazität. Atomenergie ist mit heutigen Sicherheitsvorstellungen einfach zu teuer und das wird stetig schlimmer, während Solar und Windkraft längst weit über den Punkt hinaus sind, an dem sie jedes Jahr von alleine noch attraktiver werden.
Ich würde mich nicht wundern, wenn in 10-20 Jahren sämtliche nicht-Atom-Mächte Ausstiegspläne haben und sämtlichen größeren Nationen einen relativ zum Atomanteil gestiegenen EE-Anteil in ihren Netzen. Russland, USA, China und Indien, ggf. Frankreich, UK, Israel, Nordkorea und Iran werden natürlich trotzdem weiter forschen und Anlagen von einer gewissen Größenordnunung unterhalten, einfach wegen dem militärischen Bedarf. Aber das heißt nicht, dass man großartig in die Entwicklung ziviler Anlagen investieren wird.
Ob man dann Togo oder Ruanda unbedingt sowas aufschwatzen muss, kann man getrost kritisch sehen.
Beide Länder haben neben nun wirklich ausreichend Sonne auch andere Möglichkeiten, budgetschonender Strom zu produzieren.
Dazu gibt es genau zwei Antworten:
a) AKWs sind eine tolle Energiequelle. Dann wollen natürlich auch Togo und Ruanda welche und es wäre moralisch unverantwortlich, Entwicklungsländern diese Technik vorzuenthalten. Wer predigt, dass uns Nukleartechnik in eine CO2-neutrale Zukunft trägt (die wir ohne Zweifel erreichen müssen), der predigt auch "Uran für Taliban".
b) AKWs sind eine kack Energiequelle. Dann gilt das von mir oben gesagte und niemand, der noch bei Sinnen ist, will sie haben.
Da wir ja an der Stelle primär AKWs pro/contra Deutschland diskutieren, so ist meine Meinung die, dass wir weder aktuell aureichend geschultes Personal haben und einfach KowHow in den letzten 20 Jahren verloren ging und ein typisch deutsch-"schneller" Bau neuer Anlagen schlichtweg zu spät kommen würde, um die notwendiger Weise zu schließende Lücke in der Grundlast damit abzudecken.
Diese Kraftwerke benötigen wir morgen, in 5 oder 10 Jahren aber nicht mehr in 20 Jahren.
Das ist kein typisch deutsches Problem. Die Fortschritte sind so langsam, dass der EPR (an dem deutsche Unternehmen maßgeblich beteiligt sind) immer noch einer der besten baubereiten Reaktortypen der Welt ist, die Projektzeit von 15-20 Jahren hat man bei Bauten dieser Größenordnung und Brisanz in allen Ländern, in denen Grund- und Menschenrechte herrschen. Entsprechend könnten wir auch das Personalproblem lösen, bevor ein neues Kraftwerk einsatzbereit ist. Die Frage ist halt nur: Warum sollten wie so etwas strunzdummes wollen?
Deutschland hatte schon früher kein Grundlastproblem und durch die erneuerbaren ist mittlerweile ausschließlich Spitzenlast das Thema. Darauf sind Atomkraftwerke selbst im Idealfall keine gute Antwort, da zu träge und viel, viel zu teuer. AKWs zur Enerigerzeugung sind ein Relikt aus einer Zeit, als man auf Sicherheitsausgaben verzichtet hat und der Strom so billig werden sollte, dass man rund um die Uhr die E-Heizung in Häuern laufen lässt, deren Wände aus einer Schicht Pappkarton bestehen.
Auf Kohle und primär Gas an der Stelle zu setzen, halte ich bei aller Diskussion im Übrigen genauso für verantwortungslos, wie AKWs in die Pampas zu setzen.
Gas muss man an der Stelle scharf von Kohle trennen. Kohle hat netzseitig genau die gleichen Probleme wie Atomkraftwerke, weil beides nun einmal nur neumodische Dampfmaschinen sind. Gaskraftwerke dagegen sind mir ihrer Spitzenlasttauglichkeit ein wichtiges Back-Up und Regelmechanismus.
Weder die aktuelle H2-Strategie noch die nicht mal aufgestellte Geothermie-Strategie zeigen von irgendeiner Weitsicht.
Schwierig zu beurteilen. Die "H2-Strategie" ist schlichtweg keine, sondern überwiegend eine populistische Werbeaktion in Kombination mit ein paar grundsätzlichen Weichenstellungen, von denen die netzseitigen ein wichtiger, jetzt zu errichtender Grundpfeiler für die Energieversorgung von morgen sind.
Einen funktionierenden Masterplan hat leider keiner in der Hosentasche.
Nö. Die letzte Partei, die sich an einem Horizont von mehr als 4 Jahren versucht hat, wurde dafür abgewählt und musste mit ansehen, wie eine andere Partei ihre Pläne samt und sonders demontiert hat, nur um dann kurze Zeit später auf die Stümperhafteste Art und unter Milliardenstrafen ein dysfunktionales Notkonstrukt mit angeblich ähnlicher Zielsetzung in die Kamera zu halten.
Und jetzt ratet mal, welcher von beiden Parteien der Wähler den nächsten Kanzlerauftrag geben wird...
Kleine Korrektur an der Stelle.
Frankreich hat nicht den Atomstrom direkt subventioniert, sondern dem staatlichen Energiekonzern EDF verordnet, den Anstieg beim Strom jährlich auf 4% zu beschränken, mit dem Resultat, dass EDF nun heillos verschuldet ist.
Das ist doch aber eben eine staatliche Subvention: Ein Teil des Staates nimmt Schulden auf, die die Gemeinschaft schlussendlich zurückzahlen muss respektive dass schon mehrfach in Tranchen auch gemacht hat. Mal direkt, mal indirekt - z.B. wenn EDF zwar die eigenen Schulden bedient, dafür aber der Staathaushalt die EDF-Neubauten bezahlen muss.
Wer wissen will, was Atomstrom auf europäischem Niveau aktuell wirklich kostet, sollte den Umweg über Hinkley Point C gehen: 93 Pfund pro MWh in 2013er Preisen mit automatische Anpassung an Preissteigerungen hat die erste Projektierungsgesellschaft gefordert und zugesichert bekommen. Statistiken, die bis ganz dahin zurückreichen, finde ich gerade nicht, aber 2015 lag der Industriestrompreis bei rund 10 Pence/kWh, letztes Jahr waren es 17,9 Pence. Also wären das heute rund 200 Euro pro MWh = 20 Cent pro kWh.
Bekanntermaßen hat sich ein Großteil dieser ersten Projektierungsgesellschaft aber in Luft aufgelöst. Teilweise wegen merkwürdigen Vorstellungen von so Dingen wie "Sicherheit" und "Arbeitnehmerrechte", teilweise weil die geschönten Preise nicht annähernd zu halten waren. Das Drittel, das auf den eigentlichen Bau entfallen soll, hat sich mittlerweile mehr als verdoppelt und wenn Finlands EPR ein Maßstab ist, dann wäre eine Verdreifachung bis zur Inbetriebnahme gut möglich. Mit Faktor 2,5 in der Mitte sind wir bei 30 Cent pro kWh Produktionskosten. OHNE Müllentsorgung/Entlagerung.
Windstrom wird derweil über 8 Cent gar nicht mehr ausgeschrieben, liegt teilweise unter 5 Cent.
Da weiß man, wo die EDF-Schulden herkommen, die französische Steuerzahler werden abbrummen müssen.
Hierzu was offiziell Interessantes.
Der durchschnittliche einfache Weg in 2022 zur Arbeit sind 17,3 km, 60% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind Pendler - Tendenz steigend.
Lesenswert und nette Pendlerstromkarte anbei:
Der Berufsverkehr wird durch die Arbeitswege der Pendler/-innen bestimmt. Regional weisen die durchschnittlichen Pendeldistanzen deutliche Unterschiede auf.
www.deutschlandatlas.bund.de
Da wird noch
sehr viel getan werden müssen, um diese Ströme signifikant zu verkleinern.
Ich wünsche mir immer noch eine Analyse, auf wievielen der Pendlerstrecken ein z.B. Verkäufer von A nach B fährt, während im eine Verkäufer dem Weg von B nach A entegen kommt...
Die Ausdrucksweise mag polemisch sein aber der Autor hat nen Punkt. Also eher zwei.
Jo. Und der erste Punkt ist eine populistische Lüge, der zweite das Resultat von Leuten, die keine Energiewende in Deutschland wollen.
Das wäre aber schlichtweg die sinnige Übergangslösung gewesen vorhandene Kraftwerke (egal ob Kohle, Atom,...) nicht ideologisch gewaltabzuschalten bevor die Alternative ausgebaut und tragfähig ist.
Die Alternativen sind in dem Maße ausgebaut und tragfähig, wie Kraftwerke abgeschaltet wurden. Oder ist bei dir der Strom ausgegangen? Offensichtlich nicht, sonst würdest du hier nicht sowas posten.
Zu fordern, dass alle alten Kraftwerke am Netz bleiben, bis alle in ferner Zukunft benötigten gebaut sind, zeugt von ökonomischer Ignoranz. So ein Kraftwerk kostet auch, wenn es stillsteht (guck dir an, was wir aktuell für die Kohlestrom-Notreserven an die Fossilindustrie zahlen). Und das gilt in noch viel größerem Maß für Atomkraftwerke, auch wenn die Entscheidung "erst Atom oder erst Kohle" nach anderen Gesichtspunkten gefällt wurde.
Und das war unter diversen auch-roten-Regierungen übrigens weniger die Frage "den nächsten 20 Generationen oder den nächsten 2000 schaden?", sondern vor allem die Frage "wollen wir die 10000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie vor der nächsten Wahl streichen oder doch lieber nicht?"
Wir sind angewisen auf die Nachbarn wenn Dunkelflaute ist, der Industriestrom ist unberechenbar
Du wiederholst die Lüge, die wir hier lang und breit widerlegt haben.
und generell standortgefährdend teuer (wir produzieren an vielen Standorten nicht wenn Dunkelflaute ist weil nix tun weniger Verlust bedeutet als Richtung 1€/kWh zahlen),
Das mag stimmen, derartige Betrachtungen gehen aber für meinen Geschmack viel zu oft von einer falschen Grundananahme aus: Energieintensive Industrie ist etwas, dass sich die Gesellschaft der Zukunft im heutigen Maße überhaupt nicht mehr leisten kann und schon gar nicht abseits von Ländern mit besonders guten energetischen Bedingungen. Wer ernsthaft erwartet, dass eine zukunftsgewandte Politik Bedingungen schafft, unter denen sich die deutsche Montanindustrie so pudelwohl fühlt wie zu Zeiten, als es noch Kohle im Pott und Eisen in der Eifel gab, der sollte den Teil mit "Zukunft" nochmal überdenken.
das Netz ist ausgelastet ohne Ende weil so viel Saft weit transportiert werden muss und fürs Klima hat all das nullkommagarnix gebracht.
Das Netz ist halt immer noch in dem Zustand, in dem es den AKW- und KKW-Betreibern geschenkt wurde. Schließlich durften UND DÜRFEN die solange ihren Strom mit Vorrang für erneuerbaren verkaufen, wie die Netze überlastet sind.
Eine sachbezogene Bewertung und eben keine ideologische kommt dann zu einem wertbaren udn vergleichbaren Ergebnis.
Stellt sich noch die Frage, wer solche bei jedem Einzelprojekt radikal anders ausfallenden Aspekte tatsächlich in der gesamten Fläche vollständig erfasst respektive, da das niemand kann, wer aus mehr oder auch durchaus minder willkürlichen Stichproben was für ideologie-""freie"" Werte hochrechnet...
"Man" ist in dem Fall "die Deutschen". Der Rest der Welt rechnet das noch in Dollars und Euros und Yen usw., CO2-Zahlen sind da maximal ne Randnotiz.
Was das Atomthema angeht: Ich habe wirklich keinen Überblick darüber, was da wie teuer/billig ist, was sich rechnet, wie schlimm moderne AKWs vom Müll her noch sind und so weiter.
Mein Gegensatz ist:
1.) Ich kriege gefühlt überall zugerufen dass die Dinger superteuer sind, sich nicht rechnen, ganz furchtbar sind, Jahrzehnte Bauzeit haben und wegen all dem niemalsnicht sinnvoll sind noch zu bauen oder zu betreiben.
2.) Ich arbeite in einem Unternehmen das als eines von sehr wenigen zertifiziert dafür ist, Bauteile für AKWs, beispielsweise für Reaktorkessel, zu liefern - und die Nachfrage für solches Material ist die letzten Jahre stark gestiegen.
Offensichtlich sind die Einschätzungen linker/grüner Foristen und sozialen Medien über die Wirtschaftlichkeit von AKWs grundlegend andere wie die Einschätzungen der Länder und Organisationen die darüber entscheiden ob AKWs gebaut/betrieben werden oder nicht.
Hast du eure Gesamtabsatzmengen mal in kWh/a Erzeugerkapazität umgerechnet und gegen den globalen Zuwachs an PV und WKA gestellt?