Meine Beobachtungen bei sämtlicher Nukleartechnik:
Von einer ersten Idee bis zu einem technischen Konzept, von einem technischen Konzept bis zu ersten Versuchsanlagen, von ersten Versuchsanlagen bis zu einem komplett Modellsystem und von kompletten Modellsystemen bis zu etwas mit Praxisnutzen dauert es jeweils mindestens ein volles Jahrzehnt. Wenn nicht der absolute Best-Case eintritt, kann jeder dieser Schritte auch mal auf zwei Jahrzehnte anwachsen und manchmal kann schon ein Bauprojekt selbst so viel Zeit beanspruchen.
Wann immer einem also irgend eine Idee begegnet, von der man, trotz grundsätzlicher Vertrautheit mit der Materie, noch nicht einmal annähernd gehört hat und die binnen fünf Jahren im kommerziellen Einsatz sein soll, kann man somit von purem Scam ausgeben. (5th gen,...)
Wann immer eine schon länge bekannte, aber längst wieder aufgegebene Idee alle Probleme mit der Energiesicherheit lösen, den Klimawandel stoppen oder etwas zu anderen Zielen mit einem Zeithorizont von 2-3 Jahrzehnten beitragen soll, kann man von gnadenloser Schönfärberei mit dem Ziel maximaler Subventionsabschöpfung ausgehen. (basaler MSR, GCC,...)
Einzig Vorschläge, die binnen 10-20 Jahren etwas in großem Maßstab realisieren wollen, was schon mehrfach in Forschung oder Militär erfolgreich umgesetzt wurde, sind häufiger legitim. Da sollte man dann aber noch mal ganz genau auf Motivation und Kosten-/Nutzenrechnung schauen. (MSR,...)
(Die Auflistung mag vorurteilsbehaftet klingen, hat sich aber in den letzten Jahrzehnten bei jeder einzelnen geprüften Meldung bewährt und entsprechend viel Zeit bei übergangenen gespart. Und kein einziges Mal kam irgendeine davon später mit einem "damn, verpasst" zurück.)
Dem kann ich durchaus so zustimmen.
Grundsätzlich denke ich, dass es in einer ungleich höherer Komplexität natürlich irgendwann zu einer Weiterentwicklung von AKWs kommt/kommen wird.
Genau genommen sind die derzeitigen AKWs nix anderes als leicht weiterentwickelte Meiler, wie sie schon in den 1960gern gebaut wurden.
Einige Nationen setzen auf AKWs und sie werden ein Interesse haben, wirtschaftlichere Konzepte in der Zukunft umzusetzen.
Ob man dann Togo oder Ruanda unbedingt sowas aufschwatzen muss, kann man getrost kritisch sehen.
Beide Länder haben neben nun wirklich ausreichend Sonne auch andere Möglichkeiten, budgetschonender Strom zu produzieren.
Da wir ja an der Stelle primär AKWs pro/contra Deutschland diskutieren, so ist meine Meinung die, dass wir weder aktuell aureichend geschultes Personal haben und einfach KowHow in den letzten 20 Jahren verloren ging und ein typisch deutsch-"schneller" Bau neuer Anlagen schlichtweg zu spät kommen würde, um die notwendiger Weise zu schließende Lücke in der Grundlast damit abzudecken.
Diese Kraftwerke benötigen wir morgen, in 5 oder 10 Jahren aber nicht mehr in 20 Jahren.
Deutschland hat nun mal einen anderen Kurs eingeschlagen, Atomkraft wird kein en nennenswerten Faktor dabei spielen.
Auf Kohle und primär Gas an der Stelle zu setzen, halte ich bei aller Diskussion im Übrigen genauso für verantwortungslos, wie AKWs in die Pampas zu setzen.
Weder die aktuelle H2-Strategie noch die nicht mal aufgestellte Geothermie-Strategie zeigen von irgendeiner Weitsicht.
Auch halte ich es nicht für besonders schlau, ausgerechnet bei der Grundlast sich auf Nachbarländer verlassen zu wollen.
Insofern ist die Energiepolitik der Ampel mindestens genau so dümmlich, wie das Geschrei der Union nach Reaktivierung von Reaktoren, die nachweislich nicht mehr reaktiviert werden können (zumindest wenn man wirtschaftliche Maßstäbe anwendet).
Es ist schon erschreckend, wie bildungsfern/ahnungslos hier alle politischen Spektren in Deutschland agieren.
Einen funktionierenden Masterplan hat leider keiner in der Hosentasche.
Hat nie jemand bestritten. Es ist aber falsch zu behaupten, dass Atomstrom so preiswert ist, denn Frankreich muss massiv subventionieren, denn keiner kann damit Geld verdienen.
Frankreich hat ein großes Problem mit veralteten Reaktoren und natrürlich stand nicht jeder Reaktor, weil es zu heiß war. Die meisten waren wegen Störungen abgeschaltet und die, die laufen könnten, liefen nicht, weil das Wasser zu warm war.
Frankreich müsste innerhalb von 20 Jahren viele Reaktoren neu bauen, um die alten zu ersetzen. Dafür gibt es aber keim Finanzierungskonzept. Auch in Deutschland will kein Investor in Kernenergie investieren. Soll also der Staat selbst Reaktoren bauen? Wo soll das Geld dafür herkommen?
Kleine Korrektur an der Stelle.
Frankreich hat nicht den Atomstrom direkt subventioniert, sondern dem staatlichen Energiekonzern EDF verordnet, den Anstieg beim Strom jährlich auf 4% zu beschränken, mit dem Resultat, dass EDF nun heillos verschuldet ist.
Ganz gut zusammengefasst hat das ein Bericht im ZDF:
Teure Atomkraftwerke und Inflation: In Frankreich sind die Kosten für die bisher günstige Atomenergie explodiert. Nun wird der Strompreis teurer.
www.zdf.de
Wenn dann der Strom ab 2026 marktübliche Preise haben wird, wird der Franzose mehr zahlen müssen, wird aber, da es das Netzumlagesystem in Frankreich nicht gibt, immer noch günstiger sein, als in Deutschland. Die ganzen Netzerhaltungskosten sind bei denen im "nur" Strompreis mit drinnen.
Rechnet manwirklich ehrlich, kostet dann ab 2026 der Atomstrom ungefähr so viel, wie bei uns der Gasstrom und ist etwas teurer als der Solar oder Windstrom, aber, so viel Wahrheit gehört auch dazu - nicht viel teurer.
Ungefähr die Hälfte der französischen Reaktoren liegen an Flüssen und jene haben ein Temperaturproblem.
Früher nicht, allerdings sind es die Umweltauflagen der EU, welche verbieten, das Flusswasser über einen bestimmten Punkt hinaus zu erwärmen.
Unstrittig ist, dass die Meiler schon seit Jahrzehnten laufen, theoretisch Neubauten anstehen, aber kein Geld da ist.
Bekannt: Frankreich ist aus diesen aber auch aus anderen Gründen (primär zu hohe Sozialkosten) heillos verschuldet.
Das Thema ist mittlerweile so bescheuert, dass dem Land es nicht gelingt, auch nur ein rudimentäres Förderprogramm für PV auf die Beine zu stellen.
Denn: Frankreich hat gegenüber Deutschland hier einen Standortvorteil von über 80%, sprich sie könnten 80% mehr Solarstrom produzieren als Deutschland.
Randbemerkung:
Frankreich ist nicht besonders gut geeignet für Windkraftanlagen, das ist geografisch bedingt.