Ich kann die Bedenkenträger verstehen, aber auch die Entwickler und die User, die DRM und Kopierschutzsysteme verteidigen.
Letztendlich kommt es doch immer auf die Praxisrelevanz an und auf den gesunden Menschenverstand.
Grestorns Einwurf ist schon berechtigt - Wenn durch die Vervielfältigung durch Software kein Schaden entsteht, dann sollten beim nächsten Titel der erscheint, das mal alle als Kopie ziehen und beobachten, was dann mit dem Entwicklerstudio passiert.
Das sollte jedem bildlich vor Augen führen, dass diese Argumentation natürlich Käse ist.
Andererseits möchte man die Software, die man gekauft hat, auch in Zukunft spielen können.
Bis jetzt war es immer so, dass wenn bei mir ein Spiel nicht lief, eine kurze Mail an den aktuellen Rechteinhaber bzw. den letzten Vertrieb gereicht hat, um einen offiziellen Patch zu erhalten.
Viele Publisher veröffentlichen Patches präventiv. z.B.
EA veröffentlicht Hilfs-Tool zur SecuROM-Entfernung - WinFuture.de.
Oder einfach mal "entfernt GFWL" googlen.
Es gilt wie immer- Einfach mit den Leuten/dem Support reden.
Ist ein Spiel funktionsunfähig und "herrenlos", wirds schon ein wenig kniffliger.
So wird einem womöglich in der Praxis aber niemand einen Strick draus drehen, wenn man die Software in einen funktionsfähigen Zustand versetzt.
Früher sind einige große Raubkopierer in meinem Umfeld aufgeflogen.
In der Praxis war es so, dass -ob geknackt auf der Festplatte oder nicht- alle Spiele von der Schadensersatzforderung ausgenommen waren, für die es einen Kaufbeleg, eine Original CD oder sonstiges Material gab, was auf den "legalen" Ursprung dieser Software schließen lies.
Das ist aber ausdrücklich keine Aufforderung das genau so zu tun. Das Umgehen eines wirksamen Kopierschutzes ist Illegal.
Die Frage ist, ab wann ein Kopierschutz als "wirksam" zu bezeichnen ist. Zumal gerade bei älteren Titeln das Copyright oftmals einfach ausläuft.
Und auch in Sachen Privatnutzung gibt es da wohl einen entsprechenden Spielraum:
Verstöße, die nicht zum eigenen privaten Gebrauch geschehen, können als Straftaten (§ 108b UrhG) oder Ordnungswidrigkeiten (§ 111a UrhG) verfolgbar sein.
Was im Umkehrschluss bedeuten könnte, dass dies nicht der Fall ist, wenn man das ganze zum Privatvergnügen macht.
Der beste Kopierschutz ist qualitativ hochwertige Software UND ein zuverlässiges System, welches illegaler Nutzung Einhalt gebietet.
Entsprechende Untersuchungen/Analysen hat man schon in alten Tagen durchgeführt.
Sehr interessant die Analyse zu einem der erfolgreichsten und ausgefeiltesten und lange Zeit als unknackbar geltenden Kopierschutzmaßnahmen bei einem Kracher- Titel:
LESENSWERT:
Technical Documentation - Copy Protection | Dungeon Master Encyclopaedia
Was war die Quintessenz:
Dungeon Master had a greater than 50% market penetration on the Atari ST—that is, more than one copy of Dungeon Master was sold for each two Atari ST computers sold. That’s easily 10 times the penetration of any other game of the time on any other platform.
So what’s the lesson? That piracy does take significant money out the pocket of the developer and that secure anti-piracy schemes are viable.
Da kann sich jeder sein eigenes Urteil fällen.
Dagegen gibt es tatsächlich die Fälle, wo Hersteller von deren Server oder Systemen die User abhängig sind, einfach frühzeitig den Stecker ziehen, OHNE ihr Programm nutzbar zu hinterlassen und das ist natürlich alles andere als "schön" bzw. kundenfreundlich.
Somit:
-Schwarzkopien richten Schaden an und sind somit zu Recht illegal.
-Es kann passieren, dass durch DRM Maßnahmen oder einen Kopierschutz (obwohl das Recht auf Privatkopie existiert), Software zu einem Zeitpunkt XY unbenutzbar wird.
-Der User hat unter Umständen auch Komforteinbußen durch Maßnahmen gegen Illegale Vervielfältigung hinzunehmen.
Rein Objektiv gesehen hat den "Krieg" der User angefangen. Würden die User der Versuchung "kostenlos" an die Dinge zu kommen widerstehen, hätten die ehrlichen Käufer heutzutage keine Einschränkungen bzw. gäbe es etwas wie Denuvo nicht.
Soviel zu meinen Gedanken zu diesem Thema.
LG
Zero