Ich glaube viele sprechen der Werbung im CPU- und GPU-Bereich viel zu viel Bedeutung zu. Diese "Werbung" nimmt der Massenmarkt kaum bis garnicht wahr. Intel zum Beispiel macht nur alle Jubel-Jahre mal im Fernsehen Werbung, wenn sie mal wieder etwas besonderes rausgehauen haben. Zuletzt war es glaube ich für die U-Prozessoren in den Ultrabooks. Und die Werbung habe ich seit bestimmt 2 Jahren nicht mehr gesehen. Saturn und Media Markt hingegen werben mit Intel aktiv. Die spielen ja immer diese öde Logo-Animation von Intel ein, nach dem sie den Prozessor genannt haben. Das können sie aber nur, weil Intel dank seiner Präsenz im Massenmarkt und seiner Verbreitung einen entsprechenden Namen hat. Das ist aber auch die Art von Werbung, die Intel garnicht mehr benötigt. Das ist nur für die Handelsketten. Wahrscheinlich haben Media Markt und Saturn sogar Intel dafür bezahlt, diesen Einspieler verwenden zu dürfen.
Am wichtigsten für den Erfolg in dieser Kategorie der IT-Branche sind Marktanteile. Marktanteile bekommt man nur, wenn man seine Produkte unter die große Masse bringen kann. Und damit genau das klappt, sind die OEM's die wichtigsten Instanzen. OEM's gewinnt man auf zwei Arten. Qualität und Preis. Schafft AMD mit ZEN das Gleichziehen mit Haswell (Skylake glaube ich da eher weniger), dann liefern sie schon einmal moderate Qualität. Wenn sie aber am Ende für die gleiche Leistung den gleichen Preis aufrufen, ist dank des Namens "Intel" keinerlei Mehrwert geboten. Wenn Leistung und Preis 1 zu 1 identisch wäre, dann würde sich jeder OEM für Intel entscheiden, weil dann dieser OEM mit dem Namen Intel selbst werben kann.
AMD ist trotz seines Alters jetzt wieder auf dem Stand eines Newcomers (Obwohl sie meines wissens nach sowieso noch nie mehr Marktanteile hatten als Intel). Mit Zen müssen sie sich wieder beweisen. Wenn die Leistung auf Niveau der Konkurrenz liegt, kann der Preis das nicht. Denn die müssen sich erst einmal einen Mehrwert gegenüber Intel bei den OEM's und den Endkunden schaffen. Sind die Chips XX% günstiger, kann der OEM auch XX% günstiger an den Endkunden verkaufen oder wenn die Benchmarks passen sich die Differenz als eigene Marge einheimsen. Werben kann der OEM sowie der Händler mit den Benchmarkergebnissen der Fachpresse anstatt direkt mit dem Namen AMD. Der Effekt ist sowieso größer, als wenn AMD Werbespots ins Fernsehen schmeißt oder auf jeder zweiten Seite Banner platziert.
Ich glaube daher momentan noch nicht, das AMD die Preise auf Intel-Niveau setzt. Verschenken werden sie die Chips natürlich auch nicht. Aber AMD kann es sich eigentlich nicht leisten, zu viel für die Chips zu verlangen. Denn AMD ist eine Aktiengesellschaft. Für ihr Konto sind daher Marktanteile wichtiger als Margen. Je höher der Marktanteil und die verkauften Stückzahlen sind, um so interessanter ist es für die Aktionäre. Da AMD Sony und Microsoft für dessen Konsolen beliefert, müssten sie eigentlich die Plattformen nicht günstig abgeben. Der Deal selbst ist aber gerade wichtiger für die Aktie gewesen als die Einnahmen durch die Verkäufe.
Nimmt AMD für einen 4C/8T Prozessor über 300 €, muss der CPU die i7 Mainstreamchips von Intel einfach zerreißen. Nehmen sie über 400 € für 6C/12T, dann muss der Chip den Haswell-E (5820K) zur Hure machen können. Ansonsten muss AMD die Chips mindestens für 100 € weniger verkaufen. Für 8C/16T dürfen sie sich über 750 € garnicht erst trauen, ihn anzubieten. Sonst bringt das alles nichts.
Wer wird denn von den neuen CPUs erfahren? Die Tests etc lesen? Richtig, die Leute die sich sowieso mit dem Thema beschäftigen und keine Werbung brauchen, weil sie schon vorher wissen was da angerollt kommt. Leute die wie wir Foren lesen, diverse Portale täglich besuchen und den Markt im Auge behalten.
Erfahren tun die Kunden nur von den Chips, wenn auf den OEM Geräten statt Intel ein AMD-Aufkleber klebt. Die breite Masse kann aus der Werbung keinen Bezug zu dem Produkt aufbauen. Intel bewirbt, falls es noch nicht aufgefallen ist selten seine Produkte, sondern die Produkte, die man daraus machen kann. Intel hat zuletzt Werbung für Ultrabooks gemacht. Bei den Kunden bleibt auch nur der Begriff Ultrabook kleben. Nicht Prozessor! Die großen Ketten werben mit Intel nicht, um Prozessoren zu verkaufen, sondern um Notebooks zu verhökern. Kunden denken bei Intel in den meisten Fällen nur an "Intel überall ... Intel gut!". Aber was die genau machen, wissen die meisten garnicht. Würde AMD offensiv so Werbung machen, wie ihr euch das vorstellt, werden die meisten Nutzer nach der Werbung ein riesiges Fragezeichen auf der Stirn haben und aus Gewohnheit trotzdem nen Intel kaufen. Eine definitiv nicht seltene Reaktion wird sein: "Ist neu ... dem traue ich nicht!"
AMD kann nur Werbung für ein Produkt machern, indem es für die Verkaufszahlen wichtigen OEM's echte Mehrwerte schafft. Und das geht garantiert nicht mit Werbung am Endkunden. Sondern mit Leistung, Qualität und vor allem den Preis. Werben tun OEM's und Händler dann schon selbst.
Zurück zum Thema:
Der 10 Kerner ist ein Nieschenprodukt für Leute, die starke Parallelisierung betreiben. Das ist eher etwas für große Audio- und Video-Studios oder für Softwareentwickler mit den Bedarf an starker Virtualisierung (zum Beispiel Netzwerksimulation mit mehreren virtuellen Maschinen). Daher können diese Leute den Preis von 1.500 $ ruhig schlucken. In unmittelbarer Zukunft sind sowieso die 6C/12T Chips am interessantesten. Sie bieten bei Preis-/Leistung den besten Kompromiss, wenn man mehr als 4 Kerne will. Die Taktraten fallen höher aus, da die Kerne mehr Platz haben und der Temperaturanstieg nicht so extrem ist. Der Preis ab 400 € ist noch recht moderat im Vergleich zu den 950+ € für 8C/16T oder 10C/20T. Mit DX12/Vulkan werden mehrere Kerne natürlich interessanter. Aber alles der Reihe nach. Ich würde aktuell eher einen 6C/12T anpeilen. Es sei denn AMD verkauft den 8C/16T doch zu billig (zum Beispiel für 500 - 600 €). Wenn da die Taktrate passt, brauche ich nicht mehr mit mir selbst verhandeln
