Nein, es können durchaus natürliche Prozesse vorkommen, die über mittlere Zeiträume deutlich extremer sind als alles, was der Mensch bewirken kann. Du darfst z.B. Vulkanausbrüche nicht nur als einzelne Prozesse sehen, sie können durchaus in gehäufter Zahl auftreten. Die Erde ist, wie bereits geschrieben, aktuell nicht gerade inaktiv. Wie viel aktiver sie seit ca. 100 Jahren ist, ist jedoch fraglich. Es gibt in dieser Zeit natürlich deutlich mehr Berichte, ob diese in erhöhter Aktivität begründet sind?
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in dieser Richtung (zumindest im terrestrischen) nicht wirklich auf dem Laufenden bin, aber vulkanische Aktivitäten sind eigentlich sehr leicht rückwirkend zu datieren (die hinterlassen nun einmal spuren, selbst wenn es nur kleinere Austrittsprozesse sind). Mir wäre jedenfalls noch nicht zu Ohren gekommen, dass irgend jemand irgendwo auch nur halbwegs eine These begründet hat, deren zu Folge wir in den letzten 200 Jahren einen massiven Anstieg vulkanischer Aktivitäten gehabt hätten.
Wir können sie bremsen, wir können sie aber nicht ansatzweise in eine Richtung lenken, die wir wollen (also 50 Jahre zurück).
Diese Aussage ist so richtig/falsch wie zu sagen "mein Auto kann nicht rückwärts fahren", wenn man gerade mit 200 km/h auf der Autobahn unterwegs ist.
Das ist ein Ansatz, den ich persönlich als einen der wichtigsten erachte. Dafür ist aber die ganze die-Industrie-zerstört-unser-Klima-Diskussion nicht zweckdienlich. Viel sinnvoller wär eine rettet-die-regenwälder-und-begrünt-die-mittleren-Breiten-wieder-Diskussion, die man btw dann gar nicht mehr führen müsste, sondern nur noch handeln müsste.
"rettet die Urwälder" verhindert "nur" weitere Emissionen (ist nun mal ein recht effizienter Kreislauf dort). "Begrünt die mittleren Breiten" ist leider keine "nur noch handeln" Aktion, sondern ein Politikum, gegen dass niedrigere Emissionen (die man so oder so erreichen muss - es nützt nichts, einmalig größere Mengen CO2 in Bäume umzuwandeln, wenn man langfristig ein Vielfaches davon emittiert) fast schon einfach umzusetzen sind. Denn diese Breiten gehören nun einmal jemandem und sie werden z.B. für die Nahrungsproduktion genutzt.
Du denkst zu CO2-fixiert. Es gab in der Erdgeschichten einige plötzliche Erwärmungen ohne CO2-Anstieg bzw. dieser kam oft erst nach der Erwärmung. Es gibt definitiv noch viele andere Gründe, die möglich sind und die wir u.U. noch nicht abschätzen können.
Zeig mir eine
plötzliche Erwärmung, die sich in einer Zeitskala von Jahrzehnten bis Jahrhunderten ereignet hat.
Davon abgesehen kann man direkt messen, wie CO2 Strahlung durchlässt bzw. absorbiert und so ziemlich genau angeben, welche Auswirkungen es derzeit auf den Energiehaushalt der Erde hat. Möglich, dass es noch andere potentielle Wärmequellen gibt (ich bin immer für Grundlagenforschung zu haben), aber es gibt eine definitive Ursache, an der man ansetzen kann. Und muss. Darüber zu spekulieren, ob es noch andere gibt, ist so ähnlich wie in einem Boot mit Loch darüber zu philosphieren, wie stark der Wind wohl sein müsste, damit Wellen über die Bordwand schlagen.
Einträge finden sich im IPCC bzw. dessen Basisliteratur (oder eben kaum welche, weil sie keine Rolle spielen), das Absorptionspotential kann man sich aus verschiedenen Wegen herleiten. Ein Ansatz wäre z.B. eine Umkehr der Rodungs-bedingten Emissionen (die Anlegugn von 1 ha Urwald würde mittelfristig soviel CO2 binden, wie die Rodung). Ich hab kurzerhand mal eine Zeile von
Wiki für einen ganz primitiven Überschlag genommen: "To further reduce U.S. carbon dioxide emissions by 7%, as stipulated by the Kyoto Protocol, would require the planting of "an area the size of Texas [8% of the area of Brazil] every 30 years""
D.h. 1x die Fläche von Texas aufforsten entspricht 210% des jährlichen CO2 Ausstoßes der USA. Der lag 2005, als dieser Vergleich in Wiki auftauchte,
offiziell bei 8 Gt. Wald von der Fläche Texas hätte demnach eine Kapazität von 16,8 Gt CO2. Die Gesamtmasse von CO2 in der Athmosphäre wird mit 3.000 Gt angegeben, ein Viertel davon ist in den letzten 2 Jahrhunderten dazu gekommen.
D.h. eine Waldfläche von 45*Texas (700.000 km²), also 31.500.000 km² könnte das gesamte in der Athmosphäre befindliche CO2 absorbieren, dass anthropogenen Quellen zugerechnet wird. Die 2009 auf der Erde landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug fast
49.000.000 km² (Tendenz: bekanntermaßen steigend) und dazu kommen noch Flächen, die vom Menschen entwaldet wurden, derzeit aber nicht landwirtschaftlich genutzt werden, obwohl dies prinzipiell möglich wäre.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Überschlagsrechnung mag ungenau sein, aber sie hat mehr als genug Reserven um zu sagen, dass das natürliche Pflanzenwachstum nicht nur die natürlich anfallenden Mengen CO2 aufnehmen könnte (was ja deine ursprüngliche Frage war), sondern sogar weit, weit darüber hinaus das gesamte zusätzlich vom Menschen bereits freigesetzte CO2 mittelfristig resorbiert werden könnte.
"Zunehmende Genauigkeit" ist immernoch recht ungenau.
Möchtest du das in Zahlen und Fakten ausdrücken oder geht es nur um ein subjektives Gefühl?
Die absolute Menge ist natürlich gering (Nebenbei: Wie hoch genau ist die Menge an Eis, welches aktuelle gefährdet ist zu schmelzen (es noch nicht ist!) und nicht schwimmt?).

Zum einen kann man sich nahezu willkürliche Definition für "aktuell gefährdet" (in 5 Jahren weg? in 15 Jahren weg? in 75 Jahren weg?) einfallen lassen, zum anderen gibt es afaik noch immer kein regelmäßiges Satellitenmonitoring der Eisdicken über Antarktis und Grönland (da war mal was geplant, aber Geld ist ja bekannterweise für vieles da, nur nicht für Natur&Forschung). Habe kürzlich von Wissenschaftlern gelesen, die anhand von Graviationsmessungen (immerhin, die gibt es seit einigen Jahren) die (Eis)Massenverschiebung bestimmen wollen, kenne aber keine Ergebnisse. Ohne Informationen zur Dicke hat man aber nur das Stochern im Nebel mit der Bedeckungsfläche - und das ist imho für ein paar Zeitungsschlagzeilen gut, aber auch für nichts anders. Z.B. aus der Antarktis hört man immer wieder Berichte über sich ausdehndes Eis, was ja erstmal gut klingt. Weniger laut, aber genauso einstimmig, hört man aber auch welche von sich beschleunigenden Gletscherflüssen, was für mich danach klingt, als wäre die größere Fläche nur darauf zurückzuführen, dass Teile des Eisschildes sich schon in den Ozean verschieben...
Sie formt die Landschaft aber ungemein. Wie genau der Einfluss auf das globale Klima ist weiß ich ehrlich gesagt nicht, für das lokale Klima ist es aber extrem wichtig. Ein Wald ist in vielerlei hinsicht besser als eine Wüste. Dabei sind wir wieder bei dem relativ einfach vermeidbaren Ziel der Desertifikation.
Wenn du eine "relativ einfache" Vermeidungsstrategie dafür hast, fallen mir spontan 2,5 Kontinente ein, die dir sehr, sehr dankbar dafür wären.
Bin ich jetzt bei der falschen Quelle oder sehe ich absolute Mengenangaben? Was die Menge angeht habe ich spontan extrem unterschiedliche Angaben gefunden, in jedem Fall aber ein merklicher Anteil. Mich würde es nicht wundern, wenn das anthropogene Methan einen vergleichbaren Anteil am Treibhauseffekt hat wie das anth. CO2.
Ich bin bei dieser Quelle, die direkt den Effekt angibt, ohne dass man sich noch über das Wechselspiel von Menge, Ort und Stoffeigenschaften Gedanken machen müsste:
Figure 2.22 - AR4 WGI Chapter 2: Changes in Atmospheric Constituents and in Radiative Forcing
Dieser Quelle zu Folge haben anthropogen bedingtes CO2 und anthropogen bedingtes Methan derzeit einen vergleichbaren Einfluss auf den Strahlungshaushalt. Da CO2 aber noch deutlich langlebiger ist, als Methan, und sich so zunehmend in der Athmosphäre anreichert, verschiebt sich das Wirkungsverhältnis bis 2100 so weit, dass CO2 ein vielfaches an Wirkung hat.
Nur weil es kürzer in der Atmosphäre (btw ohne "th") bleibt, heißt das nicht, dass die Konz. bei steigender Emission auch deutlich steigt.

Also bei steigenden Emissionen sollte die Konzentration von Methan schon ein bißchen ansteigen, afaik gibt es aber keinen Grund, deutlich steigende Emissionen zu erwarten. Wichtig ist jedenfalls, dass es sich in einem dynamischen Gleichgewicht aus Emission und Absorption befindet und dass es somit auch wieder abnimmt, wenn die Emissionen abnehmen - im Gegensatz zu CO2, dass selbst bei einem leichten Rückgang erst einmal nur seinen Anstieg verlangsamt.
Die Reduzierung des CO2-Ausstoßes ist deutlich aufwändiger, teurer und schwellenlandabhängiger als die Reduzierung von Methan, welche durch geänderte Landwirtschaft auch etwas gegen Unterernährung der Menschen tun könnte.
Methan ist, gerade wegen der Landwirtschaft, genauso schwellenlandabhängig.
Ich versteh deshalb nicht, warum immer alles so CO2 bezogen ist. Imo ist CO2 als Ansatzpunkt gescheitert und war schon vorher dazu verurteilt.
Tjo - wie schon mehrfach erwähnt:
- CO2 ist der (mit Abstand) größte Teil des Problems
- CO2 ist der Teil, bei dem man am frühesten Anfangen muss, um etwas zu bewirken
- CO2 ist der Teil, der am stärksten mit Vorgängen gekoppelt ist, die man als Luxus einstufen könnte
- CO2 ist der Teil, bei dem beabischtige, kontrollierte Freisetzung (sprich: Verbrennungsprozesse) den größten Anteil an den Gesamtemissionen hat - und damit der Teil, bei dem man Kontrollwerkzeuge hat, die man direkt anwenden kann. Methan dagegen setzt niemand gezielt frei.
Das kann man aber problemlos an anderen Stellen kompensieren.
Es gibt keine unterschiedlich gut kompensierbaren Emissionen. Ob du CO2 durch Bäume fällen&verbrauchen emittierst, oder durch Ölverbrennung, ist dem Klima wurscht. Wichtig ist nur, wieviel du insgesamt emittierst, und wieviel du insgesamt resorbierst. Einziger Pluspunkt, den Bäume fällen gegenüber Öl verbrennen hat:
Der gefällte Baum macht Platz für einen neuen, der das CO2 resorbieren könnte. In der Praxis wird an seiner Stelle aber eben kein Baum gepflanzt, sondern eine Autobahn gebaut.
"Woanders" mag man zusätzlich pflanzen können (wenn man es denn kann), aber das hätte man auch so machen können.