Wieso ist ein Machtwechsel relativ ?
Naja - weil es klein kompletter Austausch der Machtspitze ist, wenn zwar Putin verschwindet, aber seiner bisherigen Nutznießer den Platz einnimmt?
Bei den Geheimdiensten ist man doch hinter Putin, zumindest hört man doch immer wieder dass dieser Apperat praktisch die Säule seiner Macht ausmacht, mit denen er wieder andere wie Oligarchen, Mafien etc übhaupt lenken kann.
Putin hat letztes Jahr den obersten Geheimdienstchef abgesetzt, zu einigem anderen hochrangigen Personal gibt es Gerüchte von "Unfällen" und die vor Kampfbeginn in die Ukraine geschickten Infiltratoren waren wohl ein Totalverlust. Der Geheimdienst ist, naturgemäß, nach dem organisierten Verbrechen das Standbein Putin, über das am wenigsten klare Informationen vorliegen, aber auch dort scheint er Feinde zu haben. Und wenn die Vorbilder aus den anderen Bereichen übertragbar sind, werden auch die ihm bislang wohlgesonnen keine loyalen Freunde sein, sondern auf ihr eigenes Wohl bedachte, skrupellose Taktierer. Bislang war "Putin helfen" ein Garant für besagtes Wohl. Wenn sich das noch weiter ändert, könnten auch Schlüsselpositionen beim Geheimdienst zu dem Schluss kommen, dass andere Wege besser für sie sind.
Zumal eins klar sein sollte: Während Medien, Militär, Mafia und Moneten-Adel ihre Funktionen prinzipiell auch nach einem Machtwechsel behalten könnten, wandert die Geheimdienstführung eines abgesetzten Regimes direkt ins Straflager. Denn die sind für die neuen Machthaber eine unkalkulierbare Gefahr für Leib und Leben, ohne Vertrauen aber auch komplett nutzlos. Anders sieht dies aus, wenn sie den Wandel aktiv mitgestalten und dadurch Vertrauen bei den neuen aufbauen - genauso ist der KGB nahtlos in den FSB übergegangen: Er hat im richtigen Moment mit dem Militär kooperiert und am Ende wurden nur die obersten politischen Regien ausgetauscht, aber der gesamte sowjetische Staatsapparat blieb bestehen.
Aber was müsste passieren damit diese Gruppen aktiv gg Putin werden ? Wohl nur ein verlorener Krieg könnte da was auslösen. Wie warscheinlich ist das ?
Da reicht deutlich weniger als ein verlorener Krieg. Vor die freie Wahl gestellt würde ich erwarten, dass die meisten der genannten Gruppierungen schon jetzt einen Wechsel bevorzugen. Aber sie haben eben nicht die freie Wahl, von sich aus laufen sie Gefahr, dass Putin eines der anderen Standbeine nutzt, um sich ihnen zu entledigen – "Unfälle" vom Geheimdienst, "trifftige Anklagegründe" durch den Staat, Kriminalitätseinwirkungen, Militäreinsätze...
In Russland kann einem viel passieren, wenn man den Mund im falschen Moment aufmacht.
Aber: Bei einer hinreichend großen Menge Unzufriedenheit ist es nur eine Frage der Zeit, bis zehn wichtigen Personen in einem Raum klar wird, dass acht andere genauso Denken wie sie selbst und der zehnte keine Chance hat, wenn man sich zusammentut. Wie lange das dauert, dafür habe ich aber zuwenig Einblick in das System Putin. Der Verlust der Kontroller über Krim wäre sicherlich ein ganz starker Hammer, denn ich denke nicht dass Putin eine Niederlage eingestehen wird - aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das Militär ab einer gewissen Verlustgrenze das Gefolgsam verweigern wird. Und das ist zwar die statischste, aber kurzfristig auch die am wenigsten durch die anderen Gruppierungen beeinflussbare Gruppe. Wenn die Offiziersränge in breiter Front streiken, dann muss Putin abdanken. Was deutlich früher reichen würde? Abwarten, irgendwann werden wir es sehen.
Und können wir überzeugt von sein, dass die USA tatsächlich das Ziel hat, Russland vollends aus den anektiierten Gebieten zu verdrängen ?
Die anektierten Gebiete sind den USA fast noch egaler als der EU, sonst hätte man Putin nicht acht Jahre gewähren lassen. Den USA geht es allein darum, die militärische Bedrohung durch Russland zu minimieren. Putin hat leider Bewiesen, dass mit einem hinreichend großen Psychopathen an der Spitze auch eine Regionalmacht ein ernstes globales Problem werden kann und gerade die oberste amerikanische Militärführung dürfte ohnehin noch im Kalten Krieg groß geworden sein, hat Russland also fest als Feind einsortiert. Die jetzige Möglichkeit, das gesamte russische Militärpotential nach und nach in einem Abnutzungskrieg aufzureiben ist einfach traumhaft aus deren Perspektive. Zumal sie nach den Rüstungskürzungen der letzten Jahren gigantische Mengen Ausschussmaterial haben, dass für diesen Krieg noch gut genug ist und sowieso weg muss, er ihnen den perfekten Anlass liefert um eine neue, modernste Aufrüstung zu rechtfertigen und so ganz nebenbei auch noch eine Gelegenheit, die seit 70 Jahren im Nähkästchen schlummernden Überlegungen mal praktisch zu testen.
Hätte man darauf eingehen sollen und zumindest einen Waffenstillstand oder Erinfrieren des Knfliktes erzielen können.
Ich sehe da überhaupt keine Möglichkeit, den Konflikt in den Grenzen von 2013 einzufrieren.
Ist das ironisch gemeint? Solange Putin keine Neutralität der Ukraine + Einbehalten der Krim und des Donbass (vielleicht föderale Strukturen) erzielt, wird er den Krieg weiter führen und auch nicht verhandeln.
Solange Putin nur Neutralität der Ukraine und die Krim bekommt, wird er den Krieg auch weiterführen. So whats the difference?
Erklärtes Ziel ist es, die NATO hinter die Oder-Neiße-Linie oder gar die Elbe zurück zu treiben und Scholz in Berlin persönlich eine Abreibung zu verpassen. Entweder hat Putin die Möglichkeiten seine Ziele zu erreichen, dann wird es vor diesem Punkt allenfalls vorübergehende Waffenstillstände geben, damit die Russen anschließend um so mörderischer loslegen können. Oder Putin hat diese Möglichkeiten nicht. Dann gibt es auch keinen Grund, diesem Kriegsverbrecher die Ukraine zu schenken.
Das ist klar, aber auch nur so lange er kann. Nach der enormen Schwächung seines Landes und vorallem seines Militärs würde er sich aber nichts lieber als einen Deal wünschen. Du solltest mal allmählich von abrücken dass Putin stark oder in einer guten Position wäre, man streitet sich doch darum wer diesen Krieg länger durchhält, was bedeutet dass auch Russland Kapazitäten begrenzt sind.
Putin hat sich innenpolitisch in eine Lage gebracht, in dem er den Krieg faktisch nur noch gewinnen oder abdanken kann. Zu letzterem ist er nicht bereit. Damit befindet er zwar in einer schwachen Position, aber auch in einer alternativlosen, in dem es für ihn nichts zu verhandeln gibt. Was für Folgen das für sein Land hat, ist ihm dabei egal. Abgesehen davon, dass er seinen eigenen Reden zu Folge sowieso eher in Jahrhunderten denkt und kurzzeitige Übel wie ein paar hunderttausend russische Kriegsopfer und jahrzehntelangen wirtschaftlichen Rückschritt für seine Vision eines Großrusslands dankend in Kauf nimmt, ist er selbst sich einfach noch wichtiger.