Vor allem wollten die Russen die Stadt zerstören, was dann, wie vorhergesehen, den Wert für die Ukrainer auf 0 reduziert hat. Eine Frontlinie in Bachmut verteidigen oder eine Frontlinie ein paar Kilometer hinter Bachmut verteidigen ist einfach nur eine Frage der militärischen Effizienz. Stadtruinen erobern ist auch für deutlich mächtigere Angreifer kein Zuckerschlecken. Eingekesselt werden ist für Verteidiger ein Problem. Die richtige Balance müssen die Ukrainer jeden Tag neu abwägen, denn einmal raus gibt es keinen Weg zurück.
Üblicherweise ist eine Stadt, für den Verteidiger, nur solange wirklich wichtig, wie er hinter dieser noch keine ausreichend starke und tiefe Verteidigung einrichten konnte und der Gegner mehr Material in dieser verliert und / oder bindet, als diese ihm an räumlichen und / oder strategischen Wert einbringt.
Die Ukraine hat die letzten Monate damit zugebracht neue Stellungen hinter Bachmut auszuheben und zu verstärken, ein Verlust der Stadt wäre aus Sicht der weiteren ukrainischen Abwehr daher seit mindestens 1 bis 2 Monaten bereits nicht mehr, für die Ukraine, von nachhaltiger Wichtigkeit.
Auch die russischen Verluste in Bachmut sind seit einigen Wochen wohl schon deutlich rückläufig (sagen auch die Briten), so das die Ukraine in Bachmut vermutlich auch da nicht mehr soviel mehr gewinnt, als sie selbst auch einsetzt.
Bleibt im Grunde nur noch die russischen Truppen, welche in und um Bachmut gebunden werden, die ggf. andere Frontabschnitte schwächen und im Falle einer ukrainischen Offensive erstmal dann aus Bachmut an andere Abschnitte verlegt werden müssen, was so evt. länger dauert, als wäre es anders.
Eine Einschätzung, wie sehr der letzte Punkt aber ein weiteres kämpfen in Bachmut, durch die Ukraine, rechtfertigt ist als Außenstehender schlicht nicht vernünftig abzugeben, weil man dazu die detailierten Pläne und Stärken der Ukraine kennen müsste, als auch die detailierten Aufstellungen von Truppen und Pläne der Russen und die existieren halt schlicht in einem laufenden Krieg nicht (außer man ist selbst Kriegspartei und ggf. noch einer ihrer engeren Verbündeten).
Ein weiteres kämpfen in Bachmut kann daher für die Ukraine also durchaus noch einen Sinn machen, oder auch schon im Grunde nicht mehr wirklich rentabel sein, aber niemand, der wirklich seriös sein will, kann das im Moment schlicht mit Sicherheit sagen.
Aber verglichen mit der Größe der russischen Bevölkerung sind noch nicht so viele Soldaten in der Ukraine, dass das die Gesamtgeldmenge massiv beeinflussen sollte.
Beträfe es nur die Gehälter würde das wohl durchaus sein, aber dazu muss ja auch deutlich mehr Geld für die Rüstung ausgegeben werden, das auch irgendwo her kommen muss.
Letzteres dürfte aktuell, wie bei weiteren Vertragssoldaten (die auch Rüstungsgüter brauchen) noch lange der ausschlaggebendere Punkt sein, weshalb mehr Geld gedruckt wird, als ersteres. Aber das Russland in jeden Fall inzwischen kräftig Rubel druckt / drucken muss, dürfte wohl klar sein, sieht man sich den bereits aktuell desaströsen Finanzhaushalt für 2023 an und das die russische Wirtschaft nicht die Kraft hat das über andere Quellen zu finanzieren.
Das die Inflation sich in Russland aber auch deutlich sichtbar bemerkbar macht dürfte noch etwas dauern, da zwischen Geld drucken, Geld in Umlauf bringen und sichtbaren Ergebnis eine gewisse Verzögerung existiert, als auch das immer die Frage ist wie langanhaltend drastisch höher die Summe gedruckten Geldes ist, während sich das Angebot verringert.
Oder anders gesagt, wir werden ziemlich sicher eine spürbare Inflation und Entwertung des Rubel sehen, aber das sollte noch auf sich warten lassen, aber sicher kommen.
Am Ende hast du dann die gleiche Situation wie bei Putins großem Vorbild von vor 80 Jahren: Die Nazis haben ihren Krieg auch auf Pump und mit der Notenpresse finanziert. Aber weil es allgemein nichts zu kaufen gab, konnten die Leute das Geld erstmal nur auf die Bank packen und nicht umlaufen lassen.
Ja und nein, Hitlerdeutschland hatte gegenüber Putin den großen Vorteil das nationale Geldresserven damals üblicherweise noch lokal in den jeweiligen Staaten lagerten (inzwischen lagern zumindest Teile davon oft im Ausland) und viele angegriffene Staaten nicht in der Lage waren ihr Gold noch rechtzeitig außer Landes zu schaffen, weshalb es den Nazis in dei Hände gefallen ist und so auch die Rüstung über fremde Hartwährung (Gold) mitfinanziert werden konnte, was anders als im WW1, die Inflation im Deutschen Reich selbst relativ lange recht stabil / überschaubar hielt.
Auch weil, ebenso anders als im WW1, die deutsche Rüstungsproduktion bis etwa Anfang 1943 keine wirkliche volle Kriegsproduktion gewesen ist, mit ein Grund für Deutschlands Produktionszahlen von Rüstungsgütern lange deutlich geringer waren, sondern mehr eine Mischwirtschaft, so das die Verfügbarkeit, von nicht kriegsrelvanten und zwingend importnotwendigen Gütern, in den Läden und Geschäften relativ gut blieb.
Und selbst nach 1943 stellte es dann Speer im Grunde noch relativ schlau an und nutzte verstärkt Firmen und Fabriken in noch gehaltenen besetzten Gebieten für die Zivilproduktion im Reich, so das sich eine wirklich spürbar zunehmende Inflation eigentlich erst ab 1943/44 zunehmend zeigt, als auch eine deutlich zunehmende Verknappung von frei erwerbbaren zivilen Gütern, ab 1944/45. In Summe aber hatte man 1944/45 als Zivilperson auch zunehmend dann schon ganz andere Sorgen, als das man für sein Inflationsgeld ein sich immer mehr verringerndes Angebot bekam.
Trotzdem, dieser Umstand, der deutlich besseren Versorgungslage, mag auch mit ein Grund dafür gewesen sein das der "Durchhaltewillen", bzw. das "stillhalten", in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung, bis Anfang 1945, vom Regime, aufrecht gehalten werden konnte.