Unterm Strich bin ich immer noch der Auffassung, dass weitere, sagen wir mal 50-100 Himars Systeme personalschonender, effizienter, kostengünstiger und wirkungsvoller wären, als 20 oder 30 Jabos.
Mit weiteren 100 HIMARS hätte die Ukraine dann locker 20% des
globalen Gesamtbestandes.
Aber ich denke man muss gar nicht 1:3 rechnen. Schon die doppelte Menge HIMARs, ggf. sogar die gleiche, würde, bei entsprechendem Munitionsnachschub, der Ukraine mehr bringen. (Zumindest solange wir im zweistelligen Bereich bleiben.) Jagdbomber sind toll, um einzelne Verbände eines hochtechnologisierten Gegners in einem weiten Gebiet zu bekämpfen (einschließlich dem des Gegners). Also das, was seit Jahrzehnten die Konzepte eines modernen Krieges dominiert.
In der Ukraine tobt aber ein langegezogener Stellungskrieg der so langsam mehr Ähnlichkeit mit dem ersten denn zweiten Weltkrieg entwickelt. Wenn man da genug (Raketen-)Artillerie hat, um trotz derer weitaus geringeren Mobilität entlang des gesamten Frontverlaufs auf gewisser Tiefe eine Drohkulisse aufzubauen, dann sind die Bedürfnisse nach Möglichkeiten erfüllt. Die überlegenen Fähigkeiten bei der Zielaufklärung spielen bei permanentem Zielkontakt der eigenen Infantrie auch keine große Rolle. Es zählt dann für zusätzliche Waffensysteme im gleichen Gebiet also vor allem Überlebensfähigkeit, Feuerkraft und Ressourcenbedarf. Je nach Einsatzdoktrin und Basis ist Jagdbomber in meist zwei, teilweise sogar in allen drei dieser Aspekte HIMARS unterlegen, solange die Raketen nicht ausgehen.
Keiner weiß genau wie die Hilfen bei Artikel 5 konkret aussehen würden
Doch. Da gibts sowohl recht konkrete militärische Pläne als auch klare vertragliche Verpflichtungen. Die NATO ist ein vollwertiges Verteidigungsbündnis und einen Krieg gegen ein Mitglied zu führen bedeutet im wesentlichen eine Kriegserklärung durch alle anderen Mitglieder. Allenfalls bei kleineren/unklaren Angriffen, wo erstmal diskutiert werden muss, ob überhaupt ein Bündnisfall vorliegt (z.B. Zerstörung eines Innenstadtblocks nebst 5-6 Bürogebäuden mit ein paar tausend Opfern statt eines Angriffskriegs)
Daher ist z.B. die Stärke von Ostseemarinen relativ egal (und vollkommen egal, sobald Schweden und Finnland Mitglied sind), weil man die Badewanne komplett von Land aus kontrollieren kann und es da schlichtweg nicht einmal Häfen außer NATO-Reichweite gäbe, von denen aus jemand angreifen könnte.
Gibt es da nicht im Vorfeld eine Komunikation und der Antrag ist nur reine Formalität ?
Jein. In der Regel werden informelle Absprachen vorausgehen, genau das ist Scholz sein "Austausch mit den Partnern". Die Zusage zum Antrag ist dann nur noch eine Formalität im Sinne von "das hinter verschlossenen Türen geplante
formell umsetzen". Aber genau nach so einer förmlichen Erklärung fragst du doch.?! Demnach ist das nicht "nur" eine Formalität, sondern es ist DIE Formalität, die du vermisst. Und die kann es aber eben erst geben, nachdem die vorangehende Formalität "Antrag stellen" erfolgt ist. Solange das nicht geschieht, gibt es nur informelles und somit auch keine klaren Aussagen der Bundesregierung.
(Das wäre übrigens auch nicht im Interesse gewisser Partner. Wenn sich Scholz heute hinstellt und sagt: "Ja, wir würden wirklich gern und sofort Polen genehmigen, 250 Leopard in die Ukraine zu exportieren", hat Duda nämlich ein Problem. Der will schließlich vorerst nur einen Teil der 2A4 loswerden. Die anderen und vor allem die 2A5 braucht Polen ja selbst noch solange, bis im Laufe der Jahre genug Abrams oder K2 eintreffen. Eine diffuse Situation, in der Deutschland zögerlich ist und Polen dann erstmal irgendwann nur den Export von 20-40 Stück beantragt und genehmigt bekommt, ist sicherlich auch der PiS lieber. Denn dann kann sie, ohne klare Anschuldigung zu erheben, beim "wir würden ja gerne mehr machen, aber die Partner machen nicht mit"-Narrativ bleiben.)
Aha, und seine Polenpolitik war natürlich auch zu begrüßen. Bismarck hatte vor Polen endgültig zu germanisieren, poln Sprache u Kultur auf ewig zu vernichten, weil ihm die poln Freiheitsbestrebungen ein Dorn waren.
Ich weiß nicht, wo du mit deinem Offtopic hin willst. Aber die Feststellung, dass es außer "Krieg" noch andere unangenehme Dinge gibt, ist müßig. Sie ändert dennoch nichts an der Sache, dass Bismarcks Politik sich eigentlich eher auf die Vermeidung von Kriegen konzentriert hat. (Nicht weil er Pazifist war, klar. Aber Kriege fressen halt Ressourcen und Preussen war in Übersee beschäftigt genug, hatte gar nicht die Ressourcen um sich im Falle eines Kriegsausbruchs große Gewinne in Europa zu erträumen.)
Ich kenne eine ganz andere Dasrstellung
Ich spreche nicht von der Wahrnehmung respektiven Darstellung in der PiS-zentrierten polnischen Medienlandschaft, ich spreche von Fakten. Und da ist es nun einmal so, dass das russische Gas respektive der Preisnachlass darauf gegenüber z.B. saudischem Erdöl, australischer Kohle oder selbst europäischen Gasfeldern und, wenn man weiter zurückliegende Jahre betrachtet, Atomenergie, lächerlich klein ist im Vergleich zur deutschen Wirtschaftsleistung. Natürlich hat man diesen kleinen Extraprofit gern mitgenommen, aber es würde an der deutschen Wirtschaftsdominanz nicht sonderlich viel ändern, wenn man sich damals anders entschieden hätte.
Man sieht ja, wie relativ gut es uns trotz der extrem abrupten Umstellung dieses Jahr geht, obwohl wir nebenbei auch noch das französische Stromnetz vor dem Kollaps seiner Schrottreaktoren retten. Insbesondere im Vergleich zum Rest der EU steckt die deutsche Wirtschaft diese Krise relativ gut weg, dabei ist Deutschland als Exportnation von den Sanktionen besonders betroffen, erst recht wo es doch ach-so-Russland-affin sein soll, und da oben drauf müsste zusätzlich noch einmal unsere ach-so-extrem-einseitig-auf-den-Segen-Putins bauende Energieversorgung kommen.
Dem ist aber halt nicht so. Die unter rot-grün angekurbelte Umstellung von deutscher Kohle auf russisches Gas war ein kostspieliges Klimaprojekt (vor allem im Vergleich zu den polnischen Dreckschleudern von Kraftwerken) und wurde von Merkel sowieso praktisch wieder gestoppt. Das einzige, was stärker von russischem oder irgend einem anderen Gas abhängig war, ist die deutsche Wärmeversorgung. Die ist aber kein Wirtschaftsfaktor, sondern einfach nur eine Maßnahme zur Luftverbesserung vor allem in Städten. Auch hier kann man Polen wieder gut als Gegenbeispiel nehmen. Deswegen hat bei uns jetzt die Zivilbevölkerung beinahe kalte Füße bekommen, aber es ist nicht die Wirtschaft an einer Abhängigkeit zu Grunde gegangen.
(An der Stelle die Anmerkung, dass russisches Gas durch die Eröffnung von Nord Stream 1 keinen massiv steigenden Anteil an der deutschen Energieversorgung hatte und die Gesamtmengen bis Februar 2022 bequem unter dem blieben, was man auch über bestehende Pipelines hätte importieren können. Nur die Durchleitungsgebühren an u.a. Polen sanken deutlich, nachdem eine Direktverbindung bestand...)
Ihre Methodik mal außen vor, aber fragst du dich nicht wieso eine PiS an die Macht kommt und dann so eine Politik verfolgt ?
Nö. Ich habe mich mal gefragt, wie sowas wie die PiS jemals an die Macht kommen konnte. Aber mit welchen Methoden sie an der Macht bleibt ist ziemlich klar (siehe Orban, nur ein paar Jahre zurück oder Erdogan noch ein paar Jahre mehr) und wieso sie eine nationalistische Politik zur isolierten Förderung Polens (oder zumindest Teilen Polens...) verfolgt kann man ja in ihrem Parteiprogramm nachlesen. Ähnlich wie bei AFD-Forderungen gibt es zwar eine gewisse Diskrepanz, wie sehr die politischen Manöver Wirtschaftsgrößen und dem kleinen Mann auf der Straße zugute kommen, aber ihre Präferenzen in der internationalen Balance gibt die PiS doch ganz öffentlich zu, zellebriert sie sogar. Auch wieso diese anti-EU- auch eine anti-Deutschland-Politik sein muss, geht ja direkt aus meinem Post hervor, da sind keine Frage offen. (Wie dir vielleicht aufgefallen ist, habe ich der Aussage "Merkel versucht, mit Zeit, Gas und Geld Mitteleuropa zu beherrschen" nur in den Punkten "Zeit", "Gas", "Mittel" und "versuchen" widersprochen. Aber nicht bei "Europa beherrschen". Das hat sie in Kooperation mit Frankreich ohne Zweifel gemacht, genau wie vor ihr Schröder und davor ganz stark Kohl. Verkehr, Energie, Chemie, Zölle, Steuern, Landwirtschaft - es gibt sehr viel, was in der EU nach deutscher Peitsche tanzt. Nur wenn mal was für Umwelt-, Bürger-, Flüchtlings- und Klimaschutz getan werden musste, dann sind unseren Vertretern in Brüssel leider, leider, leider, leider, leider immer total machtlos

)
Eben, allerdings hatte Polen eine andere Augangslage nach 1989, aber vorallem stört mich der Fakt dass nicht erwähnt wenn ein aufstrebender Staat wie Polen der iwann gleichziehen könnte mit europ. Größen, von außen gehindert bzw gelenkt wird. Man will keinen Dritten in Europa, und schon garnicht Polen.
Dem nationalistischen Opfermythos aus dem letzten Satz stimme ich entschieden nicht zu.
Der Rest ist, wie gesagt, banaler Kapitalismus: Sei der Beste, halte deine Konkurrenten klein. Da ist aber auch die polnische Regierung nicht prinzipiell dagegen, im Gegenteil. Sie will nur an die Spitze der Gewinnerseite wechseln und selbst so richtig zulangen, anstatt nur von den Almosen zu profitieren. Kann ich auch nachvollziehen, aber sympathischer als Scholz, Merkel, Schröder oder Kohl sind sie mir dadurch nicht. Und in einigen anderen Aspekten, die endgültig nichts mehr mit Politik für Osteuropa zu tun haben, noch deutlich unsympathischer.
Naja, da habe ich eine andere Erinnerung. Das erste was Russland gemacht hat, als sie die Ukraine angegriffen haben , war, gezielt die ukrainischen Militär-Flughäfen zu bombardieren. Dabei haben sie auch den Großteil der ukrainischen Luftwaffe zerstört. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.
Ich finde es spontan nicht mehr (Vielleicht erinnert sich wer anders?), aber wir hatten hier vor einigen Wochen einen schönen (englischsprachigen) Bericht darüber, dass es eben nicht das erste war. Sondern das zweite, effektiv erst einige Stunden nach Beginn der Angriffe. Dem Bericht zu Folge waren die Ukrainer zu dem Zeitpunkt längst ausgeflogen und haben dann einige Tage von kleineren Behelfsbasen operiert, deren Bedeutung Russland erneut nicht erkannt hat, bevor man die Luftwaffe komplett in die Westukraine verlegt hatte.
Ich weiß nicht, wie verlustreich die Luftkämpfe in dieser Zeit und den folgenden Wochen waren, bis Russland sich wegen der Stinger zurückgezogen hat. Die resultierende, heutige Stärke der ukrainischen Luftwaffe ist wohl geheim und, in Anbetracht der geringen Größe vor dem Krieg, sicherlich nicht groß. Aber sie beträgt auch nicht null, denn an den ersten Tagen hat Russland effektiv wohl wirklich nur die (leeren) Flughäfen bombardiert - und nicht die wertvollen Flugzeuge und Piloten, scheinbar auch nur eingeschränkt die Bodencrews. Insgesamt reicht es zumindest, dass Russland sich keine konventionellen Bombardements traut, sondern nur Marschflugkörpersalven aus großer Entfernung, bei denen niemand das Operationsgebiet der ukrainischen Luftwaffe eindringen muss.
(Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Freifallbomben schon zu Sowjetzeiten nur eine kleine Rolle in der Rüstungsplanung stand. Für die aktuellen Tu-95- und Tu-160-Versionen finde ich nicht einmal eine eindeutige Ansage, ob und wenn ja welche Bomben sie überhaupt tragen können. Selbst in Büchern aus den 90ern -Zitat einer historischen Fehlentscheidung: "18 [Tu-160] sind ... auf einem Stützpunkt in der Ukraine ... will sie aber an Russland zurückgeben- wird nur die Raketenbewaffnung namentlich genannt.)