Ja ich weiß das nachfolgende ist offtopic, ich bitte es zu entschuldigen, aber ich halte es für wichtig, sowas nicht völlig unbesprochen im Raum stehen zu lassen.
Sofern es die Moderation trotzdem stört würde ich freundlich darum bitten es an andere / passendere Stelle zu verschieben.
Nightslaver,
danke für deine ausführliche Darstellung aber ich habe auch Gegenteilige gelesen was etwas her ist.
Bitte, solange es sachlich bleibt habe ich kein Problem solch eine konträre Meinung zu diskutieren.
Insgesamt bin ich der Auffassung dass Preussen so ziemlich das Übelste war was auf diesem Kontinent zu Stande kam, und erinnere mich an Dokus die im Aufstieg Preussens sogar den Vater des späteren Holocaust sehen.
Da würde mich wirklich mal interessieren, wer so einen Unsinn verbreitet?
Es gab zwar früher mal, die ersten Jahrzehnte, nach dem Zweiten Weltkrieg, die falsche Auffassung Preußens "extremer" Militarismus wäre Schuld am Ersten Weltkrieg und an Hitlers Machtergreifung und somit dem auch Zweiten Weltkrieg, sowie indirekt auch mit am Holocaust, das war auch mit ein Grund warum der preußische Staat 1945 dann endgültig zerschlagen wurde, aber dieser Blödsinn ist schon seit etwa 20-30 Jahren zunehmend von der Gechichtsforschung besser untersucht und
öffentlich zurechtgerückt worden.
Das Militär nahm zwar in der preußischen (seit dem Soldatenkönig) und auch Gesellschaft des Deutschen Kaisereichs (bis 1918), eine große Gesellschaftliche Stellung ein, aber das war für die jeweilige Zeit absolut nicht ungewöhnlich und in vergleichbaren Formen auch in Frankreich und England zu finden, auch wenn es in Preußen und dem Deutschen Reich, länger anhielt, auch wegen seiner Autokratischen Regierungsform und besonders nach der großen Bedeutung des Militärs, für die Entstehung des Deutschen Einheitsstaates 1871.
Die Preussen waren in so einigen Dingen fleißig scheint es und das ist kein Unsinn sondern schon für damals verdächtig ungeistlicher Zeitgeist.
Was hat "preußischer Fleiß" bitte, in dem Zusammenhang, mit dem Holocaust zu tun, welcher vor allen "einfach nur" ein industriell durchgeplanter Massenmord war?
Für den Holocaust spielte kein Fleiß eine besondere Rolle, sondern vorrangig angesprochene Errungenschaften und Erfahrungen der Industrialisierung, nur mit "Fleiß" alleine wäre so ein Millionenfacher Mord nicht in diesem Zeifenster und "vergleichsweise geringen Personaleinsatz", in ganz Europa, während eines paralell noch laufenden Weltkriegs, zu bewerkstelligen gewesen (wie sich auch bis zur Wannseekonferenz zeigte).
Jdfalls wird man genau in seiner Zeit fündig wenn man den Moment sucht ab dem Hass zwischen dem polnischen und deutschen Volk ausmachen will. Die 700 Jahre zuvor war man sich ggüber wesentlich geschmeidiger eingestellt.
Welche 700 Jahre?
Preußen existiert erst, als ein eigenständiges (deutsches) Staatsgebilde, seit etwa 1618 (damals noch als Brandenburg-Preußen), das sind etwa 405 Jahre.
Spannungen und Feindschaften existierten allerdings sowohl schon vor der Zeit (Deutschritter Orden und gegenüber dem HRE, welches "Schirmherr" des Ordens war und ebenso als gegenseitige Rivalität wahrgenommen wurde) und danach, auch wenn es einige Zeit noch eine Personalunion mit Polen gab, nachdem die Linie der Hohenzollern erloschen ist, bis etwa zum dreizigjährigen Krieg.
Gebietsansprüche existierten und Spannungen existierten aber auch schon damals und nicht erst seit Preußen, Östereich und Russland dann das damalige "Restpolen" unter sich aufteilten.
Bismark ist in der deutschen Geschichte schon sehr umstritten, auch wenn kein wahnsinniger Massenmörder wie manch andere aber ich bemesse ihn daran dass er ganze Völker auf seine Weise ausrotten wollte in seinem politischen Weltbild, was ihn nicht unbedingt zum Gentleman macht.
Niemand sagt das Bismarck "Weisenknabe" war, gerade wenn man sein Vorgehen und seine Haltung gegenüber Sozialisten und Gewerkschaften anschaut, es war damals allerdings völlig gängig "Minderheiten" zur "Assimilation bei der Sprache" zu zwingen, betraff die Sorben und andere auch lange, in vielen Staaten der Zeit und in Preußen fand darüber hinaus auch nie eine staatliche "Auslöschungsabsicht", der polnischen Kultur, abseits der Sprache, unter Bismarck, statt.
Es gibt zu dem Thema z.B. auch unter anderen ein sehr gutes Heft
von Geoepoche, über das Ruhrgebiet und seine Geschichte und auch wie groß der polnische Einfluss, auf den Ruhrpott war (ahnen viele heute gar nicht mehr), wie er dort Namen von Straßen, Familiennamen und Geschäfte geprägt hat und die vielen polnischen Kulturvereine, die dort entstanden und betachtet auch die Versuche deutscher Ämter, die Polen zu "intigrieren / assimilieren", was aber nie eine richtig durchgeplante staatliche Geschichte war, als mehr die persönliche Initative / Aktionismus und das Weltbild in Teilen des "bürgerlichen Beamtentums".
Ansonsten war Preußen sogar lange einer der tolerantesten Staaten in Europa, für damalige Verhältnisse.
Es hat u.a. den Hugenoten, nach der Verfolgung und Vertreibung aus Frankreich, aufgenommen (1685) und war einer der ersten Staaten in "Nordeuropa", welcher bereits seit 1739 eine muslimische Gemeinde auf eigenen Grund hatte, sowie eine Moschee bereits seit 1732 besaß.
Auch viele und verschiedene preußische Reformen in Gesellschaft, Verwaltung, Bildung und Kultur waren lange sogar Vorbilder für andere Staaten, in Europa und für die damalige Zeit immer wieder hochmodern.
Preußen daher als kriegslüsternden Staat und Blaupausenerfinder des Holocaust darzustellen ist schon mehr als eine unsinnige Ansicht, ohne damit und dafür dich persönlich anprangern zu wollen und es dir vorzuwerfen, aber ist das sogar regelrecht auf Verschwörungsniveau.
Ansonsten, ich kann z.B. zu dem Thema,
Juden in Preußen und dem Deutschen Reich, unter Wilhelm II., auch eine Ausarbeitung, der Wissenschaftlichen Dienste, des Bundestages empfehlen, einmal zu lesen.
Zudem möchte ich daraus gerne einmal folgende Stelle zitieren, welche eine allgemeine Übersicht gibt:
Im seit 1871 bestehenden Deutschen Kaiserreich - dies gilt auch für die Regierungszeit
Kaiser Wilhelms II. (1859-1941) von 1888 bis 1918 – bewahrte der Staat nach außen
hin Neutralität. So garantierte er zum Beispiel den Juden wie allen Bürgern Freiheit und
Eigentum und gewährte ihnen gegen antisemitische oder antijüdische Ausschreitungen
– die allerdings eher selten vorkamen - polizeilichen und militärischen Schutz.
Das soll nicht bedeuten das Preußen Minderheiten und somit auch Juden, immer als vollständig gleichgestellte Bürger behandelte und entsprechend gerecht (besonders beim Zugang zum staatlichen Beamtendienst), aber Schutz von Leib und Leben, sowie freie Religionsausübung, war in Preußen und bis 1918, allen Minderheiten von Gesetz her zugesichert und auch weitestgehende Praxis.