In den Augen der Russen haben sie es schon, sie "haben deren Sprache verboten, sie haben 13000 Frauen und Kinder getötet und in Odessa wurden einfach über 40 Leute lebendig verbrannt. "
"Aktuell betreiben sie Angriffe auf dem Land der Russen und die vermeidlich unabhängigen Regierungen , obwohl es ja keinen Krieg gibt. "
In dem Abschnitt meines Wortwechsels mit Behemoth ging es um Diplomatie/außenpoliisches Standing; genauer um die Frage was Russland Vorgehen über die Sicherheit anderer Staaten aussagt. Und das lässt sich knapp zusammenfassen als "was auch immer Putin der Ukraine antut, kann jederzeit jedem anderen Staat wiederfahren, der sich nicht aus Moskau fremdregieren lässt." Inkl. Atomwaffen, sollte es soweit kommen.
Innenpolitisch sieht die Sache anders aus, da hat Putins Propaganda der Ukraine einen Sonderstatus gegeben, der jetzt die Möglichkeiten der Regierung zur Kursänderung begrenzt. Aber auch dieser Zustand wurde eben willkürlich und ohne passende externe Anlässe geschaffen, das gleiche Muster könnte sich jederzeit für jede andere Nation wiederholen. Die einzige Möglichkeit, für den Rest der Welt sicher zu sein:
Kein Putin.
Der Rest der Welt sieht die USA und sein Verbündetet als keinen bessere Partei oder heißt einfach China.
Die USA und ihre Verbündeten haben zwar auch ein Problem mit antikapitalistischen Regierungen, starten aber immerhin nicht persönlich einen Angriffskrieg. Erst recht keinen nuklearen. Aber selbst wenn man die durchaus bestehende Gefahr geheimdientlicher Anschläge, Aufrüstung Krimineller, Anstachelung von Nachbarstaaten oder Eskalation von Bürgerkriegen mit imperialistischen Angriffskriegen und versuchtem Völkermord gleichsetzen möchte: Dass man vor B) auch Angst hat, bedeutet nicht, dass man Freund des mindestens genauso gefährlichen A) ist.
Und bis auf wenige Ausnahmen haben die Staaten weltweit auch gar kein inneres Interesse, die USA zu triggern. Für Nordkorea, Iran und vielleicht noch Venezuela, Kuba und Vietnam ist ein willkürlich einmarschierender Putin vielleicht nur eine weitere Gefahr von einer Sorte, wie es sie ohnehin schon gibt. Aber für alle anderen ist Russland die einzige Bedrohung dieser Größenordnung.
Wenn du es schon wusstest....
Er hat zitiert, was für mich auch zweifelsfrei an seiner Argumentation und der Formatierung erkennbar war, um die innenpolitische Situation in Russland darzustellen...
Mit der Ernennung zwei neuer Republiken in der Ostukraine einen Tag vor dem Einmarsch, schaffte Putin klare Tatsachen. Die Ostukraine ist das Minimalziel.
Selbst wenn er Donezk und Luhansk vollständig erobert, glaube ich nicht, dass er das den Russen als "Sieg" verkaufen und danach Frieden schließen kann. In der langjährigen Propaganda wurden die Seperatistengebiete ja bereits als eigenständige Akteure dargestellt und synonym mit den ukrainischen Oblasten verwendet. Es ging bei dem ""Spezialeinsatz"" nicht darum, ""Besatzungstruppen"" von beanspruchten Gebiet zu vertreiben (denn das hätte ja impliziert, dass die Separatisten Gebiete beanspruchen, in denen sie überhaupt nichts zu melden haben, weil die Bevölkerungsmehrheit ukrainisch ist), sondern immer nur darum, sie vor ""Eroberung"" durch die bösen ""Nazis"" zu schützen, in dem letztere komplett vernicht. Oder zumindest ihr Militär restlos schlägt.
Wenn man genau das aber eben nicht macht, sondern im Gegenteil Frieden mit ihnen schließt, dann ist das kein "Sieg", sondern Einknicken vor dem erklärten Feind. Daran ändert es auch nichts, wenn man die Grenze der kontrollierten Gebiete ein paar km nach Westen verschieben können sollte, weil man den russischen Zuschauern dann erst einmal erklären müsste, dass man zuvor ja nur eine winzige Ecke in Grenznähe kontrolliert hatte = "die Ukraine" eigentlich die ganze Zeit ukrainisch war und man da niemandem zur Hilfe gekommen ist, sondern einen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen hat. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die russischen Medien die vorübergehenden Gebietsgewinne der ersten Kriegswoche durchaus medial ausgeschlachtet haben. Die taktische Neugruppierung aka den offensichtlichen Rückzug in die jetzigen Positionen festzuschreiben würde also bereits das Versagen der eigenen Streitkräfte wiederspiegeln.
Meiner Meinung nach muss Putin mindestens den gesamten Osten bis an an den Dnejpr erobern, ehe er von einem "Sieg" sprechen kann und selbst für die Überführung eines sich lange hinziehenden Krieges in einen Waffenstillstand mit humanitärer Begründung ("Minsk 3") müsste die Hälfte diese Gebiets fest in russischer Hand sein und die Ukraine klare Zugeständnisse hinsichtlich Rüstung und Bündnispolitik machen. Alles, was unter diesem Anspruch zurückbleibt, ist eine Niederlage für Putin, die er nicht schönreden kann. Und von seiner jetzigen Position aus kann er nicht einmal einen Bruchteil dieses Niveaus fordern.
Gestern las ich dass massive Bombardierungen aus der Luft nach dem 9. Mai befehligt werden könnten, als ob wenn er die Ukraine nicht mehr an Russland binden kann, er sie dann dem Erdboden gleich macht.
Befehlen kann er die jederzeit und die Bodenstreitkräfte praktizieren seit einigen Wochen verbrannte Erde: Was gar nicht oder nicht auf absehbare Zeit unter Kontrolle gebracht wird, wird vernichtet.
Ob und wann größere Luftschläge in der West und zentralen Ukraine folgen, muss sich zeigen. Ich sehe keinen konkreten Anlass bis zum 9.5. zu warten, denn Ergebnisse müsste man wenn denn bis dahin vorweisen, und vermisse Angriffe auf wichtige Infrastruktur seit bald einem Monat. Was auch immer die russische Armee von solchen Entscheidungen abhält - hoffen wir, dass es hält.
(Vielleicht ist die Luftverteidigung der Ukraine gegen hochfliegende Ziele doch schon deutlich besser, als wir wissen?)
Seit wann brauchen die Russen einen Anlass ?
Genau das ist mein Punkt. BIS vor 7 Wochen brauchten die Russen konkrete, nachweisbare Aggressionen aus dem Zielgebiet, ehe sie einmarschiert sind. Keine angemessenen, keinen unzweifelhaften, teils sogar fingierte. Aber zumindest irgendwelche. Wer bei sich zu Hause nicht gerade eine gewählte kommunistische Regierung zu stürzen versuchte oder bereits russische Truppen unter UN-Mandat zur Absicherung alter Bürgerkriegsfrontlinien im Land hatte, der war keiner akuten Bedrohung ausgesetzt, sondern musste erst einmal von sich aus einen Fehler machen.
Seit 7 Wochen ist das anders. Jetzt konnten sich maximal noch Staaten sicher fühlen, die Russland zumindest lokal konventionell-militärisch überlegen sind. Was aufgrund der kontinentalen Ausrichtung der russischen Armee mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten für globale Truppenbewegungen recht einfach ist.
Wenn Putin aber auch noch nuklear eskaliert, dann könnte sich nur noch sicher fühlen, wer einen funktionierenden Verteidigungsmechanismus gegen das komplette russische Atomarsenal hat. Denn das hat uneingeschränkte globale Reichweite und genug Feuerkraft um jeden einzelnen Staat dieser Welt zu pulverisieren, in den meisten Fällen sogar mehrere gleichzeitig. Aber so ein Verteidigungssystem hat niemand. (Israel und ggf. die USA hätten die nötige Technik, aber keine Stationierung oder auch nur Stationierungsmöglichkeit in nötigem Umfange.)
Diese Herleitung hinkt gewaltig
Sehe ich anders, sonst hätte ich es nicht geschrieben. Und deine nicht-Argumentation trägt auch keine gegenteiligen Infos bei.
Und das Schicksal könnte eben nicht jeden anderen Staat der Welt sondern wenn schon dann jeden ehem. GUS Staat betreffen, der in der Interessenssphäre Russlands liegt und sich erfolgreich emanzipiert so wie die Ukraine im Moment.
Die ehemalige GUS-Zugehörigkeit der Ukraine spielte im Vorfeld des Angriffskrieges keine Rolle und die erklärte Interessensphäre Russlands reicht in Europa mindestens bis an die Elbe, in Zentralasien bis an den indischen Ozean und umfasst mittlerweile große Teile Nordafrikas. Ohne dass es spezifische äußere Anlässe für die Aufstellung der russischen Ansprüche gab, Erweiterungen auf jeden beliebigen anderen Staat der Welt sind also jederzeit möglich. Möchte man wirklich vergangene Geschichte ausgraben, wären z.B. Kuba und Venezuela einschließlich Putins "ich hab Angst vor allem in 1500 km Umkreis"-Radius naheliegende Kandidaten. Oder "hat mal wirtschaftlich mit den USA zusammengerarbeitet".
Die Warscheinlichkeit eines Atomangriffs auf Japan zB mit der Ukraine zu vergleichen, ist,...
...eine logische Folgerung aus dem Kurilenkonflikt. Jedenfalls dann, wenn "macht nicht alles, was Putin sagt" ein hinreichender Anlass für einen atomaren Angriffskrieg durch Russland ist, denn Japan macht da ganz bestimmt nicht, was Putin sagt.
die Ukraine ist eine sehr spezielle Situation.
Die Ukraine war bis 2014 ein Staat wie jeder andere auch. Ihre "spezielle Situation" wurde von Russland gezielt herbeigeführt, aus einer willkürlichen Ausgangslage. Das kann man auch mit jedem anderen Staat der Welt machen und die bestehenden technischen Einschränkungen für konventionelle Militäroperationen auf angrenzende Nachbarn von zumindest Russland-Verbündeten gilt für die atomare Streitkräfte nicht. Die sind global präsent.
Hmm, im Umkehrschluss sollte ich also so wie du einfach ne Rosabrille anziehen die es mir erleichtert darauf zu vertrauen dass alles ja schon gut wird.
Ich habe keine Ahnung, wie man auf die Idee kommen könnte, ich würde eine Brille welcher Farbe auch immer tragen. Aber ich bin hier auch nicht Thema, Russlands Verhalten schon. Wenn du selbst der Meinung bist, darüber nichts zu Wissen, dann halte es halt mit Nuhr.
Die Amis haben schon immer auf die Erfüllung des 2% Rüstungsziels hingewiesen. Welches Deutschland nicht immer eingehalten hat. Sie haben sich damit schwer getan. Jetzt gucken sich alle um und wundern sich das ihre Pazifisten-Traumblase zerplatzt ist.
Deutschland investiert in seine konventionelle Armee ähnlich viel, wie Russland. Dass das wegen der größeren Wirtschaftskraft Deutschland keine 2% ergibt, stimmt, hat aber wenig mit der fehlenden Kampfkraft der Bundeswehr zu tun. Von der ist zu erwarten, dass sie auch mit 10% wenig auf die Beine stellen würde.
Übrigens würde ich umgekehrt auch die Rüstungsausgaben der USA nicht überbewerten und schon gar nicht deren darauf aufbauende Forderungen akzeptieren bzw. wenn dann mit gleicher Münze heimzahlen. Also erstmal die Budgets aber auch Ausgaben für Küstenwache, Katastrophenschutz, Forschung an Luft- und Raumfahrt, anderen Verkehrsmitteln, Elektronik nebst Software, Kommunikation, Ozeanographie,... und sämtliche Subventionen für auch Rüstungsgüter herstellende Betriebe ins Budget des Verteidigungsministers verschieben. Dann ist der nämlich auch ganz schnell über 2%, ohne einen Cent mehr für die Streitkräfte auszugeben.
Aber dazu gibt es ja bestehende Extrathreads, das hat nur bedingt etwas mit der Ukraine zu tun.