Mit Beginn des russisch-ukrainischen Krieges ist auch der Umgang beider Seiten mit Kriegsgefangenen zum Thema geworden. Während Russland im Zuge seiner Bemühungen, den Krieg zu bagatellisieren, auch mit Informationen zu Gefangenen sparsam umgeht, ist die Ukraine in die Offensive gegangen. Mehrmals wurden in Kiew Pressekonferenzen organisiert, in denen gefangene Russen sich zum Krieg und ihrer eigenen Situation äußerten. In einer davon saßen fünf sehr jung wirkende Soldaten in Tarnuniform am Tisch. Einer von ihnen äußerte Respekt vor der ukrainischen Armee: „Sie kämpfen wie die Tiere. Ein starkes Volk. Sie machen unsere Konvois zu Kleinholz.“ Man habe hohe Verluste erlitten.
Danach sagte der Soldat, niemand habe ihn zu diesen Aussagen gezwungen. „Ich befinde mich freiwillig hier (auf der Pressekonferenz), und wir wollen der ganzen Welt erzählen, was hier vor sich geht.“ Man sei in den Krieg geschickt worden „wegen irgendeines Putin, der die Welt belügt, hier gebe es keine Wehrpflichtigen“. Anfangs hatte Moskau behauptet, es würden keine Wehrdienstleistenden in die Ukraine geschickt. „Aber hier sitzen wir jetzt, fünf Wehrpflichtige, und wir wollen nur eines: nach Hause.“ Er wolle „die ganze Ukraine um Entschuldigung bitten, dass ich (als Soldat) hier hergekommen bin“. Man sei „gezwungen“ worden. „Ich will diese Gewalt in diesem Land nicht. Ich schäme mich sehr.“ In einer anderen Konferenz mit etwas älteren Militärs fragte eine Journalistin, was die Soldaten „gefühlt“ hätten, als sie Städte und Dörfer angriffen. Nach langem Schweigen meldet sich einer zu Wort und sagt voller Bedrückung: „Offenbar waren wir Faschisten.“