Das andere ist, Russland zeigt Radar und Sat Aufnahmen. Von den Amis kommt nichts.
Das muss einen doch stutzig machen.
Die USA haben keine zivilen Radare oder Satalliten an/über der russisch-ukrainischen Grenzregion und geben nie etwas raus, dass die Fähigkeiten ihrer militärischen Systeme veranschaulichen könnte.
Umgekehrt sind sowohl Russland als auch die USA (als auch jeder andere mit mehr als 20 Minuten Photoshoperfahrung und ein paar Luftbildern zur Hand) in der Lage, Aufnahmen in der Qualität, wie sie die russische Präsentation zeigen (deren Piktograme, Pfeile, etc. eine Nachbearbeitung eindeutig belegen), binnen eines Tages zu erstellen - mit beliebigem Inhalt. Wenn eine Partei keine derartigen Bilder vorlegt, hat das also nichts damit zu tun, dass sie es nicht könnte, sondern dass sie nicht will. Sie könnten es definitiv - vollkommen unabhängig davon, was wirklich passiert ist. Umgekehrt sind vorgelegte Materialien genauso mit Vorsicht zu genießen, denn sie zeigen ebenfalls dass, was man zeigen will. Ob das identisch mit den realen Ereignissen ist, ist anhan des Materials nicht zu beurteilen, sondern eine Frage des persönlichen Vertrauens.
Man kann ein schnelleres Flugzeug sogar ziemlich einfach mit einem langsameren Flugzeug abschießen.
Als anschauliche Darstellung nur mal gucken, wie die Engländer die V1 erwischt haben.
Fi-103: 550-650 km/h, Flughöhe um die 1000 m
Tempest: 700 km/h, optimale Flughöhe um die 6000 m Höhe.
P-51: 700 km/h @ 7000 m
Spitfire 14: 720 km/h
Mosquito: 670 km/h @ 8500 m
Meteor: 960 km/h
Jedes einzelne gegen V1s eingesetzte Flugzeug war im Horizintalflug schneller, meist deutlich schneller, und vor allen Dingen konnten sie aus Wartepositionen mit deutlichem Höhenvorteil zuschlagen. Trotzdem wurden die Angriffe afaik durchgängig von hinten geflogen. Oben verteidigte Theorie eines SU-25 Bordkanonenbeschusses des MH17 Cockpits dagegen bedeutet einen Angriff mit absoluter Höchstgeschwindigkeit am Rande der Dienstgipfelhöhe und das auch noch mehrfach von vorne, was heißt, dass das Ziel während des Angriffs nicht nur einfach im ersten Anflug getroffen wurde, sondern nach einer Drehung erneut ein-/überholt worden sein muss. Das ist ohne Höhen- und mit so geringem Geschwindigkeitsvorteil schlichtweg unmöglich. (Wenn die Su-25 ihre Maximalgeschwindigkeit überhaupt in dieser Höhe erreichen kann. Eine Angabe habe ich bislang nicht gefunden, aber die meisten anderen Flugzeuge sind bei 50-70% der maximalen Flughöhe am schnellsten unterwegs und es wäre sehr merkwürdig, wenn ausgerechnet ein Erdkampflugzeug bei maximaler Flughöhe am besten performen sollte. Vermutlich braucht eine Su-25 also nicht nur eine Waffenkonfiguration ohne Raketen und sehr viel Zeit, um 10.000 m Höhe zu erreichen, sondern ist dann dort auch noch deutlich langsamer, als eine 777.)
Man beachte in diesem Zusammenhang auch, dass der Absturz auf der russischen Seite der Separatistenregion stattfand. Damit wäre es einer ukrainischen Su-25 auch nicht möglich gewesen, vor Ort zu warten um ein kaum zu treffendes Ziel von vorne anzugreifen, ohne selbst zum Ziel der separatistischen Luftabwehr zu werden - es sei denn, sie hätte im russischen Luftraum gewartet. Was wohl nicht ganz unkommentiert geblieben wäre.
Nö, eins ist für mich ziemlich klar:
Keine ukrainische Su-25 hat Löcher in das Cockpit von MH-17 geschossen. Das war schlichtweg unmöglich. Und Schüsse aufs Heck wären zumindest verdammt schwierig geworden. So schwierig, dass das enorme Risiko (100% Entdeckungschance, da dass ganze in russischer Radarreichweite stattfindet und die Su-25 keinerlei Stealth-Optimierungen hat, eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das Ziel angeschlagen und mit ukrainischen Munitionsresten an Bord in russischen Luftraum entkommt) für einen Agressor, der z.B. Su-27 (geringerer Radarquerschnitt und die Fähigkeit, dass Ziel in sehr kurzer Zeit anzufliegen und sicher und schnell auszuschalten) zur Verfügung hat, in keinerlei Verhältnis zum möglichen Nutzen steht.
Dazu kommt das Schadensbild, dass nicht zu Kanonenbeschuss passt - erst recht nicht von einem Bodenkampfflugzeug mit panzerbrechender Munition.
Umgekehrt bedeutet dies für mich:
Alle Quellen, die behaupten, dass eine SU-25 auf Nahkampfentfernung herangeflogen ist, sind für mich persönlich überaus fragwürdig. Wer das Unmögliche behauptet, dessen Handeln ist nicht von Fakten, sondern von einer Agenda dominiert.
Möglich wäre allenfalls die Beteiligung einer Su-25 als AA-Raketenträger. Dafür ist die M1 konzipiert, ausgerüstet und vollkommen fähig. Interessanterweise gibt es aber quasi gar keine Quelle (erst recht keine mit eigenen Informationen), die sich auf diese Theorie beschränkt. Damit bleibt die Buk der Hauptfavorit als Absturzursache. Da passt einfach alles: Fähigkeiten, Einsatzschema, Schadensbild, Behauptungen der meisten Beobachter, Verfügbarkeit und selbst -wenn man VTs mag- die erschwerte Nachvollziehbarkeit.
Einzig die Frage, wessen Buk es denn gewesen ist und wer sie denn abgeschossen hat - und warum, steht im Raum:
- Russland hat die meisten, aber allein das in Stellung bringen so nah oder gar jenseits der Grenze wäre ein enormes Risiko gewesen. Und das man ein paar Tage gebraucht hat, ehe eine einheitliche anti-ukrainische Linie stand, spricht gegen konkreteVorbereitungen.
- Russland hat aber auch so viele, dass es nur schwer nachvollziehbar wäre, wenn ein paar davon in die Hände von Separatisten gelangen sollten. Zudem hat Russland sich öffentlich gegen die ukrainischen Luftangriffe ausgesprochen und somit ein Interesse an einer starken separatistischen Luftabwehr. Die Separatisten umgekehrt haben genug Motiviation, die Dinger einzusetzen.
- die Ukraine hat einige Buk, aber nicht unbedingt in der Gegend - und sie hat wenig Grund, dort eine starke Luftabwehr aufzubauen. Bislang stand sie auch nicht im Verdacht, dies zu tun. Die naheliegensten Abschusspositionen süd-östlich der Separatisten-Gebiete sind zudem afaik erst vor kurzer Zeit zurückerobert worden und stehen um so mehr im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Auch dürfte es hier vor pro russischen Sympathisanten nur so wimmeln, so dass keine Hoffnung auf den verdeckten Einsatz schweren Geräts bestände.
- die Separatisten haben wenige Buk, aber sie haben sie alle vor Ort. Sie haben gute Gründe, sie einzusetzen und sie haben vermutlich mangelnde Kenntnisse darin, wie man sie richtig einsetzt, insbesondere falls mehrere Flugzeuge in der Luft sind.