ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Das ist doch jetzt super-platt formuliert, deinerseits. Auf „dann geh doch nach drüben!“-Stammtischniveau.
Vor allem ist sowas meistens nicht rational. Wenn die Betreffenden, sich selbst kulturell eher als Russen Sehenden, einerseits ihren Lebensmittelpunkt und ihre (geographische) Heimat in der Ukraine haben, sich aber aus was für - eingebildeten oder tatsächlichen - Gründen in der Ukraine nicht „akzeptiert“ oder whatever fühlen… Dann stecken die sicherlich erstmal in einer Zwickmühle.
Wer von denen aber bis heute nicht „aufgewacht“ ist in seiner Russland-Verklärung, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Egal wie ungeschickt oder unappetitlich Teile der ukrainischen „Nationalitäten-Politik“ vor oder auch während der Invasion gewesen sein mögen.
Zu einem nicht unerheblichen Teil dürften es gerade auf der Krim ethnische Russen sein, die dort zu Sowjetzeiten und selbst davor vermutlich bewusst im Sinne einer Russifizierung angesiedelt wurden. Starke Militärpräsenz führte ohnehin zu einer hohen Rotation russischer Bürger und gerade die politisch eindeutig veranlagten (= in höhere Dienstgrade und/oder leitende Positionen angehängter ziviler Einrichtungen aufsteigenden) hatten einen Grund, sich vor Ort niederzulassen und die schon damals auf Opposition durch die ursprünglich ansässige Krimbevölkerung stoßende Regierung hatte einen Grund, warum das dauerhaft sein sollte.
Spätestens eine Generation später, also heute, hast du den gleichen Effekt wie in anderen Gebieten mit kolonialistischer Bevölkerungszuwandung: Die Leute fühlen sich kulturell und politisch ihrer Ideologie verbunden und gleichzeitig der lokalen Geograpie zugehörig. Die wollen nicht "in ihr Land" "zurückkehren", die sind ihrer Meinung nach "in ihrem Land" und wollen, dass das jetzt endlich auch unter die Gewalt "ihrer Regierung" kommt. Da unterscheiden sich Russen auf der ukrainischen Krim nicht von Zionisten im arabischen Palästina.
Aber den letzten demokratischen Daten aus der Gegend zu Folge waren die halt immer nur eine Minderheit, sonst Putin nicht mit Militär nachhelfen müssen. Und selbst wenn russlandorientierte Menschen eine Mehrheit gewesen wären, wären sie noch lange nicht für eine Eroberung und Vertreibung ihrer Nachbarn gewesen.
