es wird ja immer viel vom "sowjetwiederauferstehungs-putin" gesprochen, was ist denn wenn etwas ganz anderes dahinter steckt?
man hat ja z.b. den usa bei ihren kriegen immer wieder vorgeworfen, dass sie es nur auf die rohstoffe der jeweiligen staaten abgesehen hätten.
was ist denn, wenn es russland auch gerade darauf abgesehen hat? immerhin ist die ukraine der mit abstand größte exporteur von neon. allein die usa beziehen ca. 90% ihres (z.b. für die chipherstellung) neons aus der ukraine! denken wir mal so weit, dass russland die ukraine einnimmt und china sich danach taiwan (dementsprechend inklusive tsmc) einverleibt. was passiert dann? wenn es diesen schulterschluss zwischen den beiden gibt, dann könnten russland und china die moderne chipproduktion diktieren!
sofern ich einen denkfehler darin habe, möge man mich korrigieren.
Grundsätzlich kein abwegiger Gedanke, dass man sich mit kriegerischen Aktivitäten Rohstoffe für die Zukunft sichert.
Dieser Konflikt hier ist aber m.E. nicht derart motiviert, sondern -und da darf man mMn geostrategischen Analysten und Russlandexperten durchaus glauben- ein ideologischer, ja fast schon persönlicher Rachefeldzug gegen das Nachbarland Ukraine (auch als Symbol), dass sich dem Westen zuwenden möchte und sich von Russland emanzipiert. Es geht um Machtdemonstration (nach innen und außen) und um Einflußnahme.
Putin hat dieses Muster bereits 2008 in ähnlicher Form in Georgien angewendet - nur dass er sich jetzt traut, einen größeren Coup zu landen. Darüber hinaus haben die Bestrebungen, die Ukraine zu zersetzen ja schon vor vielen Jahren begonnen und 2014 mit der Annektion der Krim einen vorläufigen Höhepunkt bekommen. Damals -so scheint es heute- war er aber militärisch noch nicht weit genug, um den letzten konsequenten Schritt zu gehen.
Dieser Krieg ist zwar für uns einerseits überraschend, aber andererseits bei genauerer Betrachtung der Entwicklungen in Russland ein konsequenter nächster Schritt.
Putin ist -Adolf Hitler in den ausgehenden 30er Jahren nicht unähnlich- ein Spieler, der versucht Gelegenheiten, sprich Schwächen des Westens, auszunutzen.
Er spekuliert gerade zu darauf, dass es niemand wagt, sich militärisch entgegenzustellen.
Sein großes Ziel ist eine sukzessive geopolitische Neuordnung mit den Ordnungsgrößen Russland und China - anstelle des gemeinsamen Gegners USA (inkl. dem "schwachen feigen Europa als Anhängsel").
Ich persönlich finde diese sich aufdrängenden Parallelen zu den Ereignissen von vor etwa 85 Jahren ziemlich erschreckend.
Ich glaube, wir alle haben gehofft, dass sich diese archaischen Denkmuster in Europa so schnell nicht wiederholen können.
Auch die über viele viele Jahre hinweg betriebende kontinuierliche Erosion der Meinungsfreiheit (und damit Zensur) in Russland fügt sich letztlich ins Gesamtbild. Eine beständige Indoktrination der Bevölkerung macht diese in weiten Teilen relativ robust gegenüber den westlichen Darstellungen, so denn diese überhaupt durchdringen.
Dazu kommt natürlich der Patriotismus-Effekt, der, nahezu unabhängig von der tatsächliche Situation, ein Volk im Kriegszustand tendenziell erstmal zusammenhält, was man sogar an sehr vielen Russlanddeutschen hier sieht.
Das erklärt auch das Narrativ von der Bedrohung durch die NATO (Ost-Erweiterung), der absurden Bedrohung durch mögliche ukrainische Atomwaffen und den "kriegerisch motivierten" westlichen Sanktionen. Ursache und Wirkung werden bewusst umgedreht, um ein gemeinsames konsistentes Feindbild aufzubauen.
Und noch bzw. bis auf Weiteres wird das auch funktionieren befürchte ich. Die Loyalität der übrigens auch leidgeprüften Russen ist womöglich sehr viel größer, als wir uns das erhoffen.