@Sparanus
Der hoffgang sagt, Unrecht hat Russland damit nicht, denn wer beim Carlo in der Vorlesung sitzt, der weiß, es gab zwar nie bindende Zusagen an Russland, aber die Wahrnehmung Russlands spielt eine wesentliche - vom Westen immer ignorierte - Rolle.
Im Twitterthread von Carlo wird (fast) alles gesagt, die Eskalationen ab 2008, die ständigen Drohungen der Iskander Raketen in Kaliningrad, die immer schlechter werdenden Beziehungen und und und. Was ein wenig fehlt ist in diesem Zeitraum der Plan der Raketenabwehr in Polen & der Tschechei, was dort ebenfalls fehlt ist das Angebot Georgiens, Teile dieses Raketenabwehrsystems in Georgien platzieren zu wollen - die Georgier hatten damit gerechnet so stärker von der NATO / den USA geschützt zu werden.
NATO-Rat: - Wiesbaden/Moskau - Deutschland will sich für die Einbindung des umstrittenen US-Raketenabwehrsystems in die NATO einsetzen. Das sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Freitag zum Abschluss der EU-Verteidigungsministerkonferenz in Wiesbaden.
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Der russische General Leonid Saschin sagte am Freitag in Moskau, wenn ein US-Radar im Kaukasus gebaut werde, könne dieses nicht nur iranische Raketen, sondern auch den russischen Luftraum kontrollieren. Russland solle auf eine solche Bedrohung politisch oder militärisch reagieren, forderte der frühere Generalstabschef Leonid Iwaschow. «Das ist ein Gesetz der Kriegskunst: Wenn ein Radar in Georgien gebaut wird, dann nehmen wir es automatisch als Ziel auf», drohte Iwaschow nach Angaben der Agentur RIA-Nowosti.
Der Artikel ist von 2007, zeigt aber damals schon, wohin die Reise geht.
Die NATO Osterweiterung per se ist nicht illegal, gegen Absprachen mit Russland, aber Sie ist geeignet, um Russlands Sicherheitsinteressen im Weg zu stehen, bzw. diese negativ zu beeinträchtigen. (Offshore Balancing, wenn man so möchte).
Kann man sagen "na und" - und hätte damit schon Recht, denn wir müssen uns um unsere Sicherheit kümmern.
Nur wenn unsere Handlungen, bzw. die unserer Bündnispartner dazu führen, dass ein potentieller Gegner Handlungen ergreift, die am Ende unsere Sicherheit negativ beeinträchtigen, dann hätte man schon ein wenig tiefer in die Materie einsteigen müssen.
Passiert seit knapp 20 Jahren nicht und wurde in Deutschland ja mit dem Spottbegriff Putinversteher gekrönt, was einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Leider hat all das mittlerweile keine Bewandtnis mehr, denn wir sind in dieser Konfliktspirale soweit fortgeschritten, dass wir erst eine deutliche Deeskalation benötigen um überhaupt Russlands Interessen wieder wahrnehmen zu können. Und ja, das ist wichtig und notwendig, denn nur so lassen sich Entscheidungen treffen die eine Reaktion unserer Gegner auch als Szenario beinhalten. Wenn man halt durch die Außenpolitik stolpert wie die EU / Deutschland es tun, dann muss man sich nicht wundern wenn man nur noch auf die USA und Russland reagiert. Aber das ist ein selbstgewähltes Schicksal, immerhin haben wir Putinversteher als Brandmal inszeniert und nicht als Merkmal für fachkundige Personen mit fundiertem Wissen über Russlands Motive und Handlungsoptionen.
Es geht nicht darum Russlands Handlungen schönzureden oder zu verteidigen, aber darum, diese zu erklären, zu rationalisieren, zu verstehen WARUM eine Handlung durchgeführt wurde, mit dem Ziel, zukünftig eigene Entscheidungen auf mögliche russische Handlungsoptionen zu prüfen.
Die Annexion der Krim ist das Paradebeispiel hierfür, wird aber immer wieder emotionalisiert um genau diesen rationalen Ansatz im Kern anzugreifen. Und das passiert mit so ziemlich allem was Russland betrifft.
Man muss kein Verständnis für Russlands Handlungen haben, man muss ein Verständnis von Russlands Motivation haben, denn nur so kommen wir aus dieser dummen Reagiererei raus. Welche Erfolge hatten wir denn in den letzten 15 Jahren mit Russland?
Krieg in Georgien, Iskander nach Kaliningrad, Annexion der Krim, Bedrohung des Baltikums, drohender Krieg in der Ukraine, Flüchtlingsdrama via Belarus.
Ströbele und Junge haben Unrecht wenn Sie behaupten, es gäbe Absprachen zwischen Russland und NATO bezüglich der Osterweiterung, Ströbele hat aber einen wichtigen Punkt getroffen, nämlich die Angst darüber, dass die NATO ihre bisherige, von Carlo auf Twitter dargestellte Haltung
Es gibt weder Nuklearwaffen, noch NATO HQs, noch Kampfbrigarden in den neuen Mitgliedsstaaten.
nicht noch ändern könnte. Das Angebot Georgiens von 2006 / 2007 war da halt schon problematisch. Aber es ist dieser Zwiespalt den wir nicht loswerden. Bei solchen Argumenten wird grade ein Ströbele schnell in eine verharmlosende Ecke russischer Aktivitäten gesteckt, ein Junge von der AfD sowieso (den will ich eigentlich ausklammern, Uwe Junge ist für mich der widerlichste Oberstleutnant den die Bundeswehr vorgebracht hat und nicht mehr) und womöglich erkennen beide nicht mal welcher Teil Ihrer Aussage denn richtig und wichtig ist.
Es ist falsch die Krim zu annektieren, aber es ergibt für Russland in der damaligen Situation Sinn.
Es ist falsch der Ukraine mit Krieg zu drohen, aber es gibt Russland Handlungsspielraum seine Ziele zu erreichen.
Jemand hat hier vor Monaten mal gefragt, ob wir Russland als Gegner sehen sollten und die Antwort muss mittlerweile ohne jedes zögern lauten: Ja. Das ist ein Staat der daran arbeitet unsere Sicherheit und die Systeme welche diese sicherstellen zu destabilisieren. Und solange wir nur auf Russland reagieren bzw., keinen Shift in unserem Verhältnis mit Russland passiert, wird sich daran auch nichts ändern.